Fernbeben
Nicht jedes Signal, dass ich aufzeichne, hat seinen Ursprung in einem Erdbeben. Meistens handelt es sich um Erschütterungen aus dem Straßenverkehr (Müllabholung...) oder von Kühlschrank und Waschmaschine. Mit der Erfahrung steigt das Unterscheidungsvermögen - Dauer, Hüllkurve und Frequenz der Aufzeichnung sind hilfreiche Unterscheidungsmerkmale.
Wenn mir ein Signal "erdbebenverdächtig" erscheint, ist der erste Schritt der Abgleich mit den Daten von einschlägigen Instituten via Internet. Europäische Beben mit Schwerpunkt Mittelmeerraum findet man zum Beispiel hier:
http://www.emsc-csem.org/Earthquake/europe/
Handelt es sich aber um ein Fernbeben, ist die USGS eine gute Anlaufstelle:
http://earthquake.usgs.gov/earthquakes/map/
Hier ist auch ein Rechenprogramm installiert, mit dem man die Laufzeit unterschiedlicher Bebenwellen bis zur eigenen Messstelle errechnen kann.
http://neic.usgs.gov/neis/travel_times/compute_tt.html
Das stärkste je von mir gemessene Beben fand am 7. Dezember 2012 in Japan statt und hatte die Magnitude 7,3. Am High-Gain Kanal (Nr. 2)des FBV war Clipping eingetreten, der Low-Gain Ausgang (Nr. 3) zeigte immer noch eine Amplitude von plus/minus 2,6 Volt. Hier zeigt sich, wie sinnvoll die Erweiterung der Schaltung in Version 2.0 ist. Ein Lob den Konstrukteuren!
Der dargestellte Zeitraum entspricht ca. einer Stunde. In dieser Zeit hat sich noch ein zweites Beben mit M 6,2 ereignet.

- 2012 12 07 08 31 Japan 7_3.png (178.84 KiB) 15299 mal betrachtet
Auch heute Nacht hat sich in Japan ein Fernbeben ereignet, diesmal "nur" mit der Magnitude 5,5. Um sich er zu gehen, ob ich das Signal richtig zugeordnet habe, habe ich das eingangs erwähnte Rechenprogramm bemüht. (Meine Koordinaten sind leicht gerundet, ich wohne aber tatsächlich nur ca. 2 km von einem Konfluenzpunkt entfernt).
USGS
Travel Times to YOUR Seismic Station
Based on the information that you submitted:
Station Coordinates : 48. 14.
Earthquake Latitude and Longitude: 38. 142.
Earthquake Depth (km): 33.
Earthquake Time: 14 59 36
Earthquake Magnitude: 5.5
Compute travel times for P, Pdiff, PKP, PKiKP
Expected 20s period surface wave amplitude [ 2.08E+00 µm] [ 6.54E-01 µm/s]
Expected 1s period body wave amplitude [ 4.51E-02 µm] [ 2.83E-01 µm/s]
Delta Azimuth (degrees clockwise from north)
(deg) eq-to-station station-to-eq
82.67 327.8 38.9
travel arrival time
# code time(s) dy hr mn sec
1 P 740.18 0 15 11 56
2 PKiKP 1060.03 0 15 17 16
3 LQ 2098.31 0 15 34 34
4 LR 2328.83 0 15 38 24
Hier das Seismogramm, oben vom "langen" SG Horizontal, unten das amtliche vom FBV. Das "kurze" SG hat das Beben nicht aufgezeichnet! (das wird Hugo besonders interessieren...)

- 2012 12 29 15 12 02 Japan 5_5.png (124.33 KiB) 15299 mal betrachtet
Die Ankunftszeit weicht tatsächlich nur um 5 Sekunden von der Berechnung ab. Nicht schlecht.
Ich möchte mit diesen Beispielen zeigen, wo die Möglichkeiten und die Grenzen von Seismometern liegen, deren Bau mit Amateurmitteln möglich ist. Zweifellos ist der Aufwand beim FBV nicht mehr als gering zu bezeichnen, das Ergebnis rechtfertigt aber den höheren Einsatz im Vergleich zu allen anderen von mir bisher gebauten Instrumenten.
Ob das "NAPA" an diese Leistung heranreichen wird, wird sich zeigen...
Liebe Grüße
Niklas