Bei dem abgebildeten Stein bei Blankenburg kann es sich auch um eine andere Funktion als ein „Venedigerzeichen“ handeln.
Im Mittelalter und bis zum 18. Jahrhundert wurden gerne auch Felsen und freistehende Steine (!) als Markierung für Gemarkungsgrenzen gebraucht. Die dabei verwendeten Zeichen sind für uns heute mysteriös und teilweise nicht deutbar und sind auch leicht mit den „Walenzeichen“ verwechselbar bzw. sind vielleicht manche „Walensymbole“ einfach profane Grenz- oder Besitzzeichen.
Hier in der Pfalz gibt es z.B. einige Felsen und hohe freistehende Steine, sogenannte Hinkelsteine oder auch Lange Steine oder Huinsteine genannt, von althochdeutsch huine = hoch oder Riese. Dieser Begriff wandelt sich später in den altfränkischen Wortstamm „Hinkel“ (mehr darüber bei: Hans Immich-Spier: Keltische Kultsteine und christliche Kirche – Das Rätsel der Hinkelsteine. In: Jahrbuch für den Kreis Bernkastel-Wittlich 1979, Hrg. Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, S. 184-188). Diese Steine sind (später) als Grenzmarkierung genutzt worden und gerade auf diesen Steinen sind viele uns heute unbekannte Zeichen eingemeißelt.
Über die Probleme der Deutung solcher Zeichen sei auf folgende Internetlinks hingewiesen:
Zeichen in der Frauenwandl-Höhle im Maltatal:
http://www.biologiezentrum.at/pdf_frei. ... 5-0204.pdf
Geheimnisvolle Symbole in Reichenfels (Österreich):
http://www.lovntol.at/ausgehen/bergbau_reichenfels.htm
Walenzeichen im Göltzschtal:
http://www.dieterkaeppel.de/wanderwegschilder/walen.pdf
Symbole bei den Silbergruben Stříbrné doly im böhmischen Teil des Lausitzer Gebirges:
http://www.luzicke-hory.cz/mista/index.php?pg=zmstrdd Bild:
http://www.luzicke-hory.cz/mista/zm/15/max/strd_f02.jpg
Vor einiger Zeit habe ich zudem einen interessanten Artikel über solche Grenzzeichen und den sogenannten Langen Stein auf dem Stahlberg (auf dem übrigens viel Bergbau umging) gelesen:
Otto Gödel: Der Lange Stein auf dem Stahlberg und die Loogzeichen auf mittelalterlichen Grenzzeichen. In: Nordpfälzer Geschichtsblätter 2/1984, S. 25-34.
Ich möchte Euch daraus gewonnene Erkenntnisse, auch zur Entwicklung des Namens „Lochstein“, nicht vorenthalten.
Während im frühen Mittelalter Besitztumsgrenzen meist durch Einkerbungen, mittelhochdeutsch „Lâche“, in Bäumen gekennzeichnet wurden (sogenannten Lachbäumen), ging man ab dem 13. Jahrhundert dazu über, gesonderte Steine aufzustellen oder markante Felsen und Steine (über die meist die Grenze verlief) mit Einkerbungen und Zeichen zu kennzeichnen. Verständlicherweise, schließlich wurden Markierungen auf Bäumen schnell unleserlich oder die Bäume gingen auf natürliche oder unnatürliche Weise verloren. Das aber Bäume auch noch später eine Rolle bei der Grenzmarkierung spielten, ist z.B. bei der Burgfriedenskennzeichnung 1346 bzw. der Bergfreiheitsbeschreibung am Rheingrafenstein von 1483 ersichtlich. Bei beiden Beschreibungen wurde als Grenzmerkmal ein Bopparter (Birn-) Baum genannt.. Auch später im 17. Jahrhundert wurden bei Grenzbegehungen der Ebernburger/Kreuznacher Grenze herausgerissene Grenzbäume und Grenzhecken beanstandet.
Während vor dem 14. Jahrhundert die Bezeichnung „Markstein“ für Grenzsteine gebräuchlich war, entwickelte sich im 15./16. Jahrhundert die Bezeichnung über den Namen „Lachstein“ hin zum Begriff „Lochstein“ (diese Bezeichnung wird heute noch im Bergwesen gebraucht), der sich aber hier in der Pfalz im 18. Jahrhundert noch weiter zur Bezeichnung „Geloog-„ oder „Loogstein“ (bzw. die entsprechende Synonyme für Fels und Baum) fortentwickelte.
Welche Zeichen und Symbole gab es? Neben den unterschiedlichsten Formen von Kreuzen wurde zumeist folgende Symbole gebraucht:
- Der „Schuh“ oder „Schuhumriss“. Er ist ein altes Zeichen der Macht und des Rechts. Die Bedeutung ist: „Hier sind wir gegangen, hier haben wir gestanden, bis hierher geht unser Recht“.
- Die „Schwurhand“, die auch als Venediger- bzw. Walensymbol vorkommt (Anmerkung von mir), siehe Mönchsstein vom Brocken, bezeichnete meist besondere Freibezirke“. Vielleicht sind die „Venedigerhände“ nicht nur ein vermuteter Wegweiser zur Fundstätte, sondern (zugleich) eine Kennzeichnung eines besonderen Fundbezirks.
- der sogenannte „Hühnerfuß“, auch als Abwehr von bösen Geistern vom Grenzstein gebraucht.. Die gleiche Funktion hatten teilweise auch Fratzen und Gesichtszüge auf Grenzsteinen.
- die „Wolfsangel“
- bei kirchlichen Besitztümern, der Petrusschlüssel oder ein Abts- oder Bischofsstab
- später ab dem 16. Jahrhundert kamen dann Wappen oder die Initialen der Gemeinden in Gebrauch
Daneben kommen aber auf vielen Grenzsteinen viele weitere unbekannte Zeichen vor, die teilweise die Hausmarken der sich zum Zeichen ihrer Würde und Befugnis auf dem Stein verewigenden Schultheißen und Schöffen darstellen.
Natürlich gab es auch schon in alten Zeiten Scherzbolde und Menschen die das Bedürfnis hatten, sich zu verewigen. So befindet sich z.B. seit einiger Zeit auf dem Langen Stein am Stahlberg ein mit Beton eingegossenes Schlägel- und Eisen-Symbol. Leider habe ich derzeit kein Foto davon. Trotz der Bedeutung des Symbols für uns „Bergbauinteressierten“ leider eine unverzeihliche Zerstörung eines uralten Kulturdenkmals!