Gießanne?

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da
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Gießanne?

Beitrag von da » Di. 22. Mai 07 14:36

Hallo zusammen,

vor ein paar Monaten habe ich diese alte Kanne gefunden. Könnte mir jemand sagen wofür die da war und wie alt sie ist? Fundort: In einer schönen Grube im Siegerland :wink:

Schonmal vielen Dank!
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Falk Meyer
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Beitrag von Falk Meyer » Di. 22. Mai 07 14:44

sieht aus wie ne Ölkanne. Gabs in der Grube ein Kunstgezeug oder ne techn. Wasserlösung??

Dort wurden die Kannen zum ölen von Gelenken und anderen Bauteilen eingesetzt.

Guck mal im Befahrerhandbuch, zu finden auf der Homepage der Grubenarchäologischen Gesellschaft.
Mein Erzgebirge,
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Edwin Bauersachs

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kapl
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Beitrag von kapl » Di. 22. Mai 07 14:49

@ "da"
Vielleicht stellst du dich auch mal ein bisschen vor und füllst dein Profil aus. Wir sind hier nämlich nicht in einem "Fundforum" ;)
GA
kapl

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Falk Meyer
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Beitrag von Falk Meyer » Di. 22. Mai 07 23:02

Ich hoffe, die Kanne steht noch dort, wo sie hingehört :dudu:
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Jan
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Beitrag von Jan » Mi. 23. Mai 07 11:20

Nur verschreckt den armen Jungen doch nicht gleich...
er hat ja wenigstens schon mal einen Helm auf... :)

Hallo du da...
es hätte schon Stil mal einbischen was von sich zu erzählen... und glaub mir, es lohnt sich wirklich.

GA Jan
Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler !!!

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Oberhutmann
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Beitrag von Oberhutmann » Do. 24. Mai 07 18:29

Also ich will ihn nicht vollends frustrieren aber bei Bellaflora sah ich gerade 50 solcher Kannen stehen ...
"Wenn nun an und für sich das Loos des armen Bergmannes nicht zu beneiden ist, soll ihm wenigstens so viel Licht in der Grube gegeben werden, daß er seine Arbeit dabei gut verrichten kann." Bergingenieur G.A. Heinbach zu Steyersdorf im Banat 1868

da
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Beitrag von da » Do. 31. Mai 07 19:02

@ Falk
eine techn. Wasserlösung auf den oberen "Stockwerken" nicht, das Wasser läuft teilweise über Wasserrinnen durch Rollen nach unten ab.
Vielleicht zum ölen der Grubenwagen, Haspelschachtwinden oder der Bohrmaschine? Grubenwagen und Bohrmaschine hab ich in dieser Grube noch nicht entdeckt aber dafür eine schöne Hacke, die hab ich mir aber mit genommen, ist doch hoffentlich ok oder nich?

@Oberhutmann
Nein, mir gehts ja nicht darum, dass ich was Tolles gefunden habe, mich interessiet wofürs benutzt wurde :-)


Vielen Dank für die Infos und schöne Grüße!!

Daniel

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Privatbefahrer
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Beitrag von Privatbefahrer » Do. 31. Mai 07 22:16

Wurden damit vielleicht die Blumen und Nachtschattengewächse in der Grube gegossen?
Wer noch nicht im Berg war, dem fehlt ein Stück vom Leben.

Andi-P
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Beitrag von Andi-P » Do. 31. Mai 07 22:19

"aber dafür eine schöne Hacke, die hab ich mir aber mit genommen" :dudu:

Schacht_loboto
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Beitrag von Schacht_loboto » Do. 31. Mai 07 22:52

Au Menno,
immer diese dooofen Typen, die das ganze alte Gezähe und die Froschlampen aus den alten Stollen stehlen, anstatt Sie dort liegen zulassen und Ihren langsamen Rostzerfall zu dokumentieren. So etwas würde ich natürlich nie und niemals tun!! Vielleicht auch nur deshalb nicht, weil ich zu bräsig bin selbst etwas anständiges zu finden und es anderen evtl. einfach nur neide.


Jlück Auf

alterbergbau.de

Beitrag von alterbergbau.de » Do. 31. Mai 07 22:58

ich hab ne alte hacke geerbt und weiss nicht woher das ding ist :(

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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael » Do. 31. Mai 07 23:19

@da So Ok ist das nun aber gar nicht. Aber der Schaden ist jetzt erstmal verursacht. Und wie das ganze dann irgendwann einmal endet hat ja Oliver schon eindrucksvoll geschrieben: Fundstück mit unbekannter Herkunft in irgendeiner Sammlung (Ja ich weis, zur Zeit in Deiner Sammlung und Du kennst auch den Fundort genau, aber wie lange bleibt das denn so? Wie sicherst Du den Erhalt des Fundes?):x

Vielleicht helfen ja die allgemeinen Grundsätze von NAMHO hier weiter:
http://home.btconnect.com/SiliconDale/n ... efacts.pdf

Am besten ist nichts als Photos mitzunehmen und so wenig wie möglich an Spuren zu hinterlassen, auch wenn es noch so verlockend ist irgendetwas zu entfernen.

Ich hoffe unsere Archäologen können mit den NAMHO-Guidelines leben? :wink:
Vielleich gibt es ja auch irgendwo noch eine Übersetzung ins Deutsche?
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MichaP
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Beitrag von MichaP » Do. 31. Mai 07 23:50

ich habe mal kurz drüber gesehen. sieht für mich auf den ersten blick sehr gut aus. ich denke eine übersetzung ins deutsche wäre eine gute sache...
Glück auf!

Michael
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Beitrag von da » Fr. 01. Jun 07 0:21

Alles klar, jetzt weiß ich bescheid! Hätt ich das vorher gewusst hätt ich die Hacke liegen gelassen, kommt nicht mehr vor!

Danke und Grüße!

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Nobi
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Beitrag von Nobi » Fr. 01. Jun 07 8:45

:gruebel: jetzt hat da ein schlechtes gewissen, weil er die hacke mitgenommen hat und viele das nicht gut fanden. komischweise fand das hier (http://www.untertage.com/forum/viewtopic.php?t=2715) niemand anstößig ...

<provokant>
ich lehne mich jetzt mal gaaaanz weit aus dem fenster und behaupte mal, das über 90% der hier angemeldeten user auch den rostklumpen mitgenommen hätten.
</provokant>

so, jetzt schnell gedückt und nix wie weg :mussweg:
GLÜCK AUF | NOBI

Der Berg ist frei.
Wo eyn man eynfahrn will
mag her es thun mit rechte.


w w w . b e r g k i t t e l . d e

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Hauer
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Beitrag von Hauer » Fr. 01. Jun 07 12:32

:D

Ich hätte die Gieß Anne dagelassen, aber nicht aus dem Grund dann ein reines Gewissen zu haben sondern weil ich mit dem Ding nicht viel anfangen könnte.
Probleme hätte ich nur mit Leuten die wirklich gute Funde im Ebä oder sonst wo verkaufen um sich ihr Brot zu verdienen.Aber es gibt nunmal solche und solche.
Meine Funde nehme ich alle mit um sie entweder in meine Sammlung oder sie in unser Museum zu stellen.
Wenn ich ins Gras beisse dann geht meine Sammlung sowieso ins Museum.

Also ich bin bekennender "Eigenfundmitnehmer" und schäm mich nicht dafür!



@ nobi

***dirvölligrechtgebunddudahernichtweglaufenmüssen***

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Oberhutmann
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Beitrag von Oberhutmann » Fr. 01. Jun 07 13:42

Hauer hat geschrieben::D

Ich hätte die Gieß Anne dagelassen, aber nicht aus dem Grund dann ein reines Gewissen zu haben sondern weil ich mit dem Ding nicht viel anfangen könnte.
Probleme hätte ich nur mit Leuten die wirklich gute Funde im Ebä oder sonst wo verkaufen um sich ihr Brot zu verdienen.Aber es gibt nunmal solche und solche.
Meine Funde nehme ich alle mit um sie entweder in meine Sammlung oder sie in unser Museum zu stellen.
Wenn ich ins Gras beisse dann geht meine Sammlung sowieso ins Museum.

Also ich bin bekennender "Eigenfundmitnehmer" und schäm mich nicht dafür!



@ nobi

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Also dem kann ich mich nur anschließen. Und richtig dokumentieren ist für mich als Beamten natürlich Ehrensache :-)
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael » Fr. 01. Jun 07 14:06

Das Mitnehmen von Funden ist nicht in Ordnung, auch wenn die "Mehrheit" das so macht, es sei denn es sprechen bestimmte Gründe wie die Gefährdung des Fundes dafür.
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Hauer
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Beitrag von Hauer » Fr. 01. Jun 07 17:16

soweit es möglich ist wird die Fundstelle samt Fund abfotografiert,das Fundstück vermessen und gewogen evtl restauriert und dann in eine Fundstückliste eingetragen.


@michael

Das ist deine Meinung.

In unseren Bergbauanlagen ist es so,
nimmst du es nicht mit dann stehts bei der nächsten Min Börse zum verkauf.Und da gehört dieses Zeugs nicht hin.

Was hat das Fundstück davon liegen gelassen zu werden?
Der nächste tretet drauf (auf diese Weise wurden bei uns wunderschöne Gestänge zerstört) oder es wird mitgenommen um verkauft zu werden oder es gammelt weiter bis es nicht mehr da ist.


Also ist es für mich und ich sprech da auch für andere völlig in Ordnung das Fundstück mitzunehmen.
Und den Jungen hier "blöd anzumachen" nur weil er vielleciht anfänger ist find ich auch nicht in Ordnung.


Sind Fundstücke so labil um nicht transportiert zu werden bleiben sie vor Ort.


Das ist meine Meinung!
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Beitrag von Oberhutmann » Fr. 01. Jun 07 19:07

Als wir vor 20 Jahren oft im Bodenstollen in der Rauris, Salzburg, waren entdeckten wir an einer schwer zugänglichen Stelle 2 wunderschöne hölzerne Spurnagelhunte stehen. Wir überlegten lange ob und wie wir sie bergen könnten doch von 2300m Seehöhe ist das eben nicht so einfach.
Nachdem wir uns keine Hubschrauberbergung leisten konnten ließen wir sie schweren Herzens zurück.

Nun mittlerweile ist der Bodenstollen zu und diese Stelle abgesoffen ...

Wir wollten die Hunte nicht für uns -ich glaube jedes Bergbaumuseum hätte sich sehr darüber gefreut. Nun ist es zu spät.

Schade oder gut so?
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael » Fr. 01. Jun 07 22:17

Nun da zeigt sich halt die unterschiedliche Mentalität.
Einige werden angesichts der "Guidelines" jetzt vielleicht sagen:
Die spinnen, die Briten.

Aber das ganze funktioniert recht gut. Sicher "schwarze Schafe" gibt es immer, aber die mutwillige Zerstörung durch das Entfernen von Funden (ohne Notwendigkeit und Dokumentation) ist doch relativ selten und jeder Club wacht über sein Gebiet.

Wenn allerdings jeder mit der Einstellung "wenn ich es nicht mitnehme, dann macht das halt ein anderer und dann hab ich nichts mehr davon" an das Problem herangeht, dann ist das Ergebnis eigentlich schon klar.
Ohne eine Dokumentation und dann vor allem aber auch Publikation sind die Funde vielleicht "sicher" in dem Sinne, daß sie nicht zerstört werden, aber leider sind sie trotzdem verloren, ebenso wie Funde, die zwar den direkten Weg ins Museum finden, aber nicht oder nicht richtig dokumentiert werden.
An dieser Stelle werden wir aber wohl wieder zu der Grundsatzdiskussion
Dokumentieren, aber wie übergehen.
http://www.untertage.com/forum/viewtopi ... umentieren
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Hauer
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Beitrag von Hauer » Fr. 01. Jun 07 22:19

schade....

wir haben das Glück einen originalen Spurnagelhunt in unserem Museum zu haben...

und weil Jubiläum war und wir unseren Stolz auch präsentieren wollen wurde das hier gestaltet:

http://www.bergbaumuseum-brixlegg.com/Marke.html

G.A.H
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Beitrag von AdM_Michael » Fr. 01. Jun 07 22:36

Was heißt "schade".
Mal richtig lesen, es war nie die Rede davon, keine Funde mehr zu "retten". Es ging dabei nur um die Rahmenbedingungen für eine solche Rettung.
Wenn ich mal ein wenig mehr Zeit habe, versuche ich mich mal an einer Übersetzung der NAMHO-Guidelines um sie dann ins Forum zu stellen (Allerdings nur, wenn hier noch Interesse besteht und mir keiner zuvor kommt.)
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Marcel Normann
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Beitrag von Marcel Normann » Fr. 01. Jun 07 22:48

AdM_Michael hat geschrieben:Wenn ich mal ein wenig mehr Zeit habe, versuche ich mich mal an einer Übersetzung der NAMHO-Guidelines um sie dann ins Forum zu stellen (Allerdings nur, wenn hier noch Interesse besteht und mir keiner zuvor kommt.)
Sorry, ich hab schon angefangen :D
Mein Haushaltstipp: Fettflecken halten sich wesentlich länger, wenn man sie hin und wieder mit etwas Butter einreibt.

Falafel
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Beitrag von Falafel » Fr. 01. Jun 07 23:06

Ich hab´s schon mehrfach geschrieben: Eine Bergung nur für die Vitrine (ich bin mal so frech und schließe da selbst die Museumsvitrine nicht aus - siehe unten) ist sinnlos, wenn:
1. keine Dokumentation stattfindet
2. keine Konservierung gemacht wird
3. der Fund nicht publiziert wird
Wenn der Fund aber wirklich veröffentlicht werden soll ist in der Regel eine Fundentnahme unumgänglich, denn:
-im Labor lachen die sich schief, wenn man eine Dendro in Auftrag geben möchte und sagt, daß die Probe aber noch UT ist, weil man sie nicht bergen möchte.
-Kleinfunde (z. B. Keramik) sind normalerweise nur im gereinigten Zustand und unter Zuhilfenahme von Fachliteratur bestimmbar
-für genaue Untersuchungen benötigt man oft ein Mikroskop - also ich schlepp mein Bino nicht in die Grube!
Soweit nur ein paar Punkte, die für eine Bergung sprechen. Wenn aber keine Bearbeitung / Publikation geplant ist, soll das Zeug gefälligst unten bleiben, sonst entsteht ein erheblicher Informationsverlust für den, der eine Bearbeitung der Grube plant.
Hier noch ein Beispiel für eine höchst offizielle und sicherlich auch gut gemeinte (gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von gut) "Klein-"Fundbergung: Vor vielen Jahren wurde in Freiberg das komplett erhaltene Kehrrad der "Roten Grube" demontiert und "geborgen" - aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer. Die Reste (inzwischen sind meines Wissens nach nur noch die eisernen Schaufeln vorhanden) werden nun von einer Ecke in die andere geräumt und gammeln vor sich hin. Inzwischen kann man von einem "museal verordnetem" Totalverlust sprechen (verflixt: gibt´s hier kein Vor-Wut-mit-den-Füßen-trampeln-Smilie?).
Glück Auf!
Stephan

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Beitrag von Hauer » Sa. 02. Jun 07 13:25

Ich hab´s schon mehrfach geschrieben: Eine Bergung nur für die Vitrine (ich bin mal so frech und schließe da selbst die Museumsvitrine nicht aus - siehe unten) ist sinnlos, wenn:
1. keine Dokumentation stattfindet
2. keine Konservierung gemacht wird
3. der Fund nicht publiziert wird
1. Bei uns wird sehr genau dokumentiert.
2. Bei uns werden Fundstücke genauso professionell konserviert wie bei anderen Museen.Sogar Fundstücke für meine Sammlung
Dies schließt auch einen hohen finanziellen Aufwand mitein.
3. Vielleicht wollen wir das nicht,um z.b. nicht noch mehr im wahrsten Sinne der Wortes gemeines Bergvolk heranzulocken!?

Aber nun gut.....publiziert mal schön,ich wünsch euch viel Freude dabei... :D

G.A.H.

***derbösefundstückmitnehmerderheuteschonwiedereinbergeisenausgegrabenhat***
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Beitrag von AdM_Michael » Sa. 02. Jun 07 19:14

Marcel Normann hat geschrieben:
AdM_Michael hat geschrieben:Wenn ich mal ein wenig mehr Zeit habe, versuche ich mich mal an einer Übersetzung der NAMHO-Guidelines um sie dann ins Forum zu stellen (Allerdings nur, wenn hier noch Interesse besteht und mir keiner zuvor kommt.)
Sorry, ich hab schon angefangen :D
Danke! :wink: Das erspart mir die Arbeit. :wink:
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Beitrag von digger_Martin » Sa. 02. Jun 07 21:26

Stephans Beitrag kann ich nur zustimmen und möchte noch etwas ergänzen: Wichtig ist auch, sich zu fragen, ob man die Fähigkeiten und Mittel für die Bergung von Funden hat. Eine unsachgemäße Handhabung kann sie u.U. vollständig zerstören. Die Richtlinien von NAMHO geben garantiert einige Denkanstöße und der eine oder andere Punkt wird hoffentlich auch in die Praxis umgesetzt.
Aber nun gut.....publiziert mal schön,ich wünsch euch viel Freude dabei...
@ Hauer: Von diesen Publikationen profitierst auch du, oder nicht? Was bringt ein Fund in deiner Sammlung, wenn er nicht ausgewertet wird? Dann hätte er auch unter Tage bleiben können bzw. es wäre egal, in welcher Sammlung er sich befindet. Daran ändert dann auch die Dokumentation nicht wirklich viel. Wieviel Informationen bei Publikationen, wie z.B. Fundberichten, über den Fundplatz herausgegeben wird bzw. werden können, ist eine andere Sache. Wenn natürlich die Tagesöffnungen mit Koordinaten etc. veröffentlicht werden, wirkt das wie eine schriftliche Einladung.

Glückauf,
Martin
Alt ist man erst, wenn man zum Archäologen überwiesen wird.

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Beitrag von Oberhutmann » Sa. 02. Jun 07 22:57

Nobi hat geschrieben::gruebel: jetzt hat da ein schlechtes gewissen, weil er die hacke mitgenommen hat und viele das nicht gut fanden. komischweise fand das hier (http://www.untertage.com/forum/viewtopic.php?t=2715) niemand anstößig ...

<provokant>
ich lehne mich jetzt mal gaaaanz weit aus dem fenster und behaupte mal, das über 90% der hier angemeldeten user auch den rostklumpen mitgenommen hätten.
</provokant>

so, jetzt schnell gedückt und nix wie weg :mussweg:
Und wieso gibt dann hier niemand eine ehrliche Antwort? Theorie und Praxis sind eben zwei paar Schuhe. Trotz aller sehr wohl guten Einstellungen sollte man auch etwas Pragmatiker sein.
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Beitrag von Hauer » Sa. 02. Jun 07 23:37

Von diesen Publikationen profitierst auch du, oder nicht? Was bringt ein Fund in deiner Sammlung, wenn er nicht ausgewertet wird? Dann hätte er auch unter Tage bleiben können bzw. es wäre egal, in welcher Sammlung er sich befindet.
falsch!

Ich hab meine Freude daran,der Verein hat seine Freude daran,das Museum hat seine Freude daran und schließlich der Besucher....
und mehr wollen wir nicht.
Und es ist für mich Publikation genug den Leuten zeigen zu können wie z.b. ein Bergeisen aussieht,wie es benutzt wurde,ob und wie es markiert ist und evtl. wie alt es ungefähr ist.
Was mich extrem nervt sind Fundstücke die in einer Vitrine stehen mit unnötig viel Text und sonst. Angaben die kein Schwein interessiert oder gar nicht versteht.


Und wieso gibt dann hier niemand eine ehrliche Antwort? Theorie und Praxis sind eben zwei paar Schuhe. Trotz aller sehr wohl guten Einstellungen sollte man auch etwas Pragmatiker sein.
***ichauchfrag***
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