Unschlittgrubenlampen aus Ton

... für den Rest, der sonst nicht passt.
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georgagricola
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Unschlittgrubenlampen aus Ton

Beitrag von georgagricola » Do. 16. Mai 19 21:21

Dr. Helmut Fiege schrieb 2006 in seinem Buch "Zur Entwicklung der sächsischen Unschlitt-Grubenlampe" auf S. 62, daß die Dochtmolle (Dochtblech) damals u.a. die Funktion gehabt habe, daß der Unschlitt in dosierter Form verbrannt wurde. "... ohne Dochtblech <stand> nach kurzer Zeit der gesamte Docht in der Fettschale in voller Länge in Flammen". Mich bewegt schon lange die Frage, wie dieses Problem bei den tönernen Unschlittgrubenlampen gelöst wurde. Dr. Gerd Weisgerber hatte in seinem Aufsatz "Mittelalterliche Bergbau-Funde aus der Grube Bliesenbach im Oberbergischen Kreis", in: Der Anschnitt, 1/1996, S. 2-18, hier: S. 5 mit Abb. 5, aber auch Abb. 3, 4 u. 7 sowie S. 15-16 mit Abb. 20, an Hand von zu Anfang des Spätmittelalters verwendeten "Beleuchtungsgeräten" gezeigt, wie damls die Dochtführung war. Man verwendete damals im Haushalt ausgesonderte beschädigte Krüge, deren Füße eine Sekundärverwendung erfuhren. Dabei konnte der Docht durch einen Spinnwirtel geführt und nach oben ausgerichtet werden. Der Spinnwirtel übernahm in solchen Fällen die Funktion, die später bei den Metall-Lampen das Dochtblech übernahm, das den Docht in der Dochtschnauze fixierte.

Doch wie war das bei den tönernen Unschlittgrubenlampen? War dort eine Art von Dochtblech in Gebrauch und wie wurde der Docht in der Dochtschnauze fixiert? Ich habe so einige tönerne Grubenlampen des 16. Jahrhunderts im Fundzustand gesehen. Dabei war nie ein Dochtblech oder zum Ausrichten des Dochtes ein Spinnwirtel. Nun ist es allerdings so, daß der Boden einer Unschlittlampe aus Metall weitaus besser die Wärme weiterleitet als der Boden einer Tonlampe. Vielleicht war bei einer Tonlampe die Wärmeleitfähigkeit des Bodens so gering, daß kein Dochtblech nötig war. Doch wie hat man das Problem der Ausrichtung des Dochtes gelöst? Bei nichtbergmännischen Tonlampen des 16. Jahrhunderts und späterer Jahrhunderte in meinem Besitz hat man den Docht entweder durch eine bei der Herstellung der Lampe fest mit dem Lampenboden verbundene tönerne Richthilfe in der Mitte des Lampenbodens ausgerichtet oder die Dochtschnauze unterschiedlich stark zusammengedrückt und dadurch eine Richthilfe für den Docht geschaffen. Das war bei den bergmännischen Lampen mit ihren relativ breiten Dochtschnauzen aber nicht möglich.

Die Abbildungen bei AGRICOLA in seinem Buch "De re metallica" geben für meine Fragestellung nichts her. Ich kenne nur zwei farbige zeitgenössische Abbildungen von tönernen, bergmännischen Unschlittlampen, bei denen man von oben in eine Lampe hineinsehen und Details erkennen kann: Abbildungen vom Annaberger Bergaltar (1521 geweiht), vgl. FIEGE, S. 11-12. Dabei ist deutlich zu sehen, daß die Lampen über keine Dochtmolle verfügten. Wie wurde aber der Docht ausgerichtet? Unten findet Ihr die detailreichste Abbildung von einer der Lampen vom Annaberger Bergaltar. Das Foto hatte freundlicherweise Dr. Fiege angefertigt und mir zur Verfügung gestellt, die Abbildungsgenehmigung von der Verwaltung der St. Annenkirche liegt mittlerweile vor. Die Bergleute gebrauchten einen Runddocht, was an einen Spinnwirtel zur Ausrichtung denken läßt. Ein Bodenfund des 17. Jahrhunderts, den ich sah, enthielt bei einer Metall-Lampe mit Dochtblech einen Flachdocht. Hat jemand von Euch jemals bei dem Fund einer tönernen Unschlitt-Lampe aus dem Bergbau eine Richthilfe, z.B. einen Spinnwirtel, gefunden?
Glück auf
Konrad
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Re: Unschlittgrubenlampen aus Ton

Beitrag von Nobi » Fr. 17. Mai 19 6:54

Nur eine Überlegung:
Warum gehen wir immer von einem Docht aus, der wie die heutigen Dochte flexibel war? Evtl. hat man Dochte mit einer Art "Litze" gefertigt, die dadurch nur noch eine eingeschränkte und gerade notwendige Flexibilität hatten? Ich denke da an dünne Zweige, einen Strohhalm oder Kienspäne, die entsprechend umwickelt waren. Diese Dochte sollten besser in der Lampe gehalten haben und damit würde sich ggf. auch die breitere Dochtschnauze erklären.
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Re: Unschlittgrubenlampen aus Ton

Beitrag von georgagricola » Fr. 17. Mai 19 11:52

Von so etwas Ähnlichem schrieb FIEGE, S. 12: "Als Docht [...] dienten kurze Kienspäne, leicht zusammengedrehte Fasern wie Flachs, später evtl. auch Leinwandstreifen (also Flachsgewebe) mit einem Knoten, die mit Fett bestrichen wurden. Nach AGRICOLA wurden überdies langfaseriger Asbest (Amiant, Bergflachs) sowie mit einem Eisendraht verbundene Talkblättchen als Dochte verwendet."
Glück auf Konrad

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Re: Unschlittgrubenlampen aus Ton

Beitrag von Nobi » Fr. 17. Mai 19 12:00

Wenn es sich um einen starreren Docht gehandelt hat, hat sich durch den möglichen Abstand zwischen Dochtschnauze und Flamme möglicherweise auch die Erwärmung der Lampe in Grenzen gehalten. Man könnte dann den Docht in den Unschlitt gesteckt haben. Etwas Unschlitt "nachschieben" Richtung Flamme musste man dann aber trotzdem.
Aber wir wissen es nicht ...
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Re: Unschlittgrubenlampen aus Ton

Beitrag von Nobi » Fr. 17. Mai 19 13:12

Hier mal allgemein etwas zur Entwicklung der Froschlampe von Hartwig Büttner, Reinfeld:
http://heupel.hostingkunde.de/bergbau/g ... harz17.pdf
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