WISMUT- Schürfe 64 und 65 bei Werdau

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elexx
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WISMUT- Schürfe 64 und 65 bei Werdau

Beitrag von elexx » Mo. 25. Mär 19 16:49

Sorry für den vielen Text, aber ich will Euch meine Frage nicht nur so wie einen Knochen hinwerfen: :cool:

Im 'Werdauer Wald' - einem ausgedehnten Waldgebiet an der Grenze Thüringen/Sachsen zwischen Greiz und Werdau - bin ich vor einiger Zeit durch diesen Forenbeitrag: auf eine Lokalität aufmerksam geworden. Das ist fast vor meiner Haustür, insofern interessierte mich das besonders.

Zur Einordnung des verlinkten Threads:
In diesem Forum ist jeder kleinere Erdhügel eine Verdachtsfläche für mindestens einen Bunker, meistens jedoch für dreistöckige Untertageanlagen, in denen '100%ig' Unmengen von geraubten Kunstgütern liegen oder seit 80 Jahren Zyklotronen laufen .. :gruebel:

Deshalb habe ich meine Denkansätze hier fortgesetzt: Nicht weit von einem Waldweg entfernt, entdeckt man ein eigentümliches Plateau, das man auch für einen Wasserhochbehälter oder einen Bunker halten könnte. Man kann die Größe infolge des Bewuchses schlecht schätzen, aber vielleicht handballfeldgroß und ca. 2 Meter hoch.
Unmittelbar daneben schaut ein verschlossenes Eisenrohr aus dem Boden, so wie es an Grundwassermessstellen üblich ist. Vom Verwitterungszustand könnte man auf DDR-Zeiten schließen. Tatsächlich zeigt der Geigerzähler beim Rundgang um und über das Plateau leicht erhöhte Strahlungswerte an: Auf dem Waldweg sind es ~0,1 µSv/h, im Umfeld des Plateaus war das Maximum bei 0,6 µSv/h in 1 Meter Höhe. Das Material, aus dem das Plateau besteht, ist feingekörnter, grauer Dreck. Die Menge des Abraumes erschien mir aber für eine reine Bohrung (egal, wie tief) recht groß.

Die äußere Form des Plateaus bzw. dessen Umriss kann man vor Ort wegen des Bewuchses schlecht ausmachen, aber im Geoportal Sachsen kann man sich ein Schummerungsbild aus dem digitalen Geländemodell anzeigen lassen. Auch zeigt die Karte für 'Gebiete mit unterirdischen Hohlräumen gemäß § 8 SächsHohlrVO' dort eine Markierung an.

Es war recht schnell durch Befragung von Anwohnern vor Ort herauszufinden, dass es sich um ein WISMUT-Relikt handelt.
"Die haben da in den 70ern mal gegraben". Was, wann, wie - nähere Informationen dazu hatte ich im Netz nicht gefunden.
Oder ich hab nicht richtig gesucht :shock:

In der "Chronik der Wismut", Ausgabe 2010, findet sich dazu im Kapitel 2.1.13 BESCHREIBUNG DES ERKUNDUNGSGEBIETES VOGTLAND folgendes Erhellendes:
Arbeitsgebiet Teichwolframsdorf:

Arbeitsetappen
Mit den im Jahre 1952 durchgeführten Emanationsaufnahmen wurde eine Reihe von radioaktiven
Anomalien entdeckt, die durch Schürfgräben und Flachschürfe näher untersucht wurden. Im höffigsten
Gebiet wurden 1953 durch das Objekt 47 der Schurf 64 mit 33,0 m Teufe niedergebracht und auf der
30-m-Sohle 50 m Querschlag aufgefahren. Im Ergebnis dieser Arbeiten wurde das Erzvorkommen
Teichwolframsdorf ausgegliedert.
Daraus für mich 4 Erkenntnisse:
  • Keine Bohrung!
  • die Stelle hieß in Wismut-Nomenklatur 'Schurf 64'
  • nicht "in den 70ern", sondern schon 1953 entstanden
  • 33 Meter Schacht und 50 Meter Stollen lassen den Abraumhügel eher realistisch erscheinen.
Die Stadt Werdau hat nun seit Ende Februar den Vorentwurf für ihren Flächennutzungsplan auf ihrer Webseite stehen, interessant dabei ist die "Anlage 3 - Altlastenverdachtsflächen":
==> Es kann sein, dass dieses PDF nur noch bis Ende diesen Monats verfügbar ist, bei Interesse also rausspeichern.

Darin ist nun neben der Halde 64 auch von einer "Halde vom Schurfschacht 65" die Rede (Seite 7, Altlastenkennziffer 93100051).

Ahaa? Kenn ich ja gar nicht? Wo ist denn die?

Mit den in der Anlage angegebenen Flurstücknummern komme ich in der Recherche nicht weiter, da lande ich mitten im Stadtgebiet anstelle vom Wald. Ein Anruf in der Stadtverwaltung brachte nur: "Die Liste ist Zuarbeit vom Landratsamt." Dort angerufen: "Das ist alles korrekt." und auf die eigentliche Frage keine Auskunft.

Deshalb: Gibt es eine 'Halde vom Schurfschacht 65' im 'Werdauer Wald' und wenn ja, wo ist sie?

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