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Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Mi. 22. Okt 08 11:44
von ______
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 6:04
von Oberhutmann
Am letzten Foto erkennt man eindeutig Schlägel und Eisen sowie das Arschleder.
Alles Symbole für Bergbau.
Ich nehme mal stark an das Metall ist Silber?
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 8:29
von Marcel Normann
Oberhutmann hat geschrieben:Ich nehme mal stark an das Metall ist Silber?
Das nehme ich auch an, es steht nämlich in der Überschrift

Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 10:26
von Nobi
ist das teil nicht irgendwie gemarkt an der unterseite? dann könnte man über die marken die herkunft lokalisieren. auf den ersten blick könnte man es für eine art zunftkrug/zunftlade halten.
ich denke von der herkunft aber, dass es mit metallurgie/maschinebau zu tun hat. schließlich sind zahnräder zu sehen und der werdegang des metalls. ich würde da auf einen hüttenbetrieb tippen und das teil selber in die zeit des historismus (1860 +/-) datieren, also irgendwann zwischen biedermeier und jugendstil.
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 10:48
von markscheider
Auf jeden Fall trägt der Typ das Leder falschrum.

Hütte dürfte also hinkommen.
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 11:02
von Friedolin
Bild 1-6, könnte sich um einen höheren Bergbeamten handeln. Die Gravur im Hintergrund ist leider durch die Reflexionen nicht so gut zu erkennen, könnte sich aber um ein Huthaus handeln. Das Glockentürmchen weist darauf hin.
Die kleine Schatulle auf dem Deckel erinnert mich stark an den brühmten Silbertisch. Wobei die zu sehenden Bergkittel nicht ins Erzgebirge passen.
Der Bärtige mit der Tafel oder sowas ähnlichem, hat auch einen Bergkittel an. Die Aplikationen auf seinem rechten Ärmel sind gut zu erkennen. Könnte sich um den Zehntner oder Gegenschreiber handeln.
Der Kollege mit der Zange ist eindeutig ein Hüttenmann.
Und zum Bergmann fällt mir wieder die Gravur auf. Das ist auf keinen Fall ein Bergwerk. So viele Gebäude brauchts auf einer Grube nicht. Die vielen Schlote und Abzugsrohre weisen wieder auf ein Hüttenwerk hin.
Schwer auf den Bildern kleine Hinweise zu entdecken. Aber ein ausgesprochen interessantes Stück.
Stells doch mal beim BR in der Sendung "Kunst und Krempel" vor. Da sitzen wohl die richtigen Experten.
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 12:03
von kapl
Ich würde mich an Herrn Slotta wenden, der ist schließlich Kunsthistoriker und sucht immer was für die Innenseite des Anschnitts

Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 13:09
von ______
Wow!!!
Vielen Dank für die reichlichen und ausführlichen Antworten.
Das ist schonmal eine große Hilfe.
@nobi & Friedolin
Das Problem ist, das Stück gehört nicht mir, sondern einem Freund. Der lebt allerdings in Argentinien. Er hat mich nur gebeten, etwas über den Beruf des Mannes mit dem Hammer und Papier in der Hand nachzuforschen, da er annimmt, dass das Stück aus Deutschland stammt. Er spricht kein Deutsch, deshalb wäre das für ihn etwas schwierig, schon auf Grund der ganzen Fachbegriffe, von denen auch ich erstmal einige ergooglen musste. Ich muss ihn nochmal kontaktieren ob das Stück eine Punzierung hat. Aber die Option mit "Kunst und Krempel" fällt aus oben genannten Gründen schon mal flach

.
Also nochmal: Vielen Dank
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 15:41
von MichaP
ich glaube nicht an Deutschland. Polen, Ungarn (KuK) oder so...
Ich würde das Stück auch (wenn eben nur per Foto) bei Rainer Slotta am Deutschen Bergbaumuseum in Bochum vorstellen.
Slotta ist der Experte für Kunst im Bergbau und ggf. kann dein Freund das Stück auch an das DBM verkaufen, wenn er das will.
Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur e.V., Bochum
Geschäftsführer: Prof.Dr. Rainer Slotta
c/o Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Am Bergbaumuseum 28
D-44791 Bochum
Telefon: 0234 - 5877-112
Telefax: 0234 - 5877-111
E-Mail:
rainer.slotta@bergbaumuseum.de
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: Do. 23. Okt 08 16:49
von Falk Meyer
Diese "Lade" sieht für mich nach einem Aufbewahrungsbehältnis für Hostien, evtl. Katholischer Herkunft (die evang. Gläubigen stehen ne so auf Prunk). Typisch für eine durch den Bergbau geprägte Gegend, die auch der Kirche jede Menge Geld bescherte.
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: So. 26. Okt 08 10:54
von alterbergbau.de
Nachdem was ich gestern gelernt habe, könnte es sich um einen Taufkessel(oder das hostiengefäß des vorredners) handeln und auf den Seiten sind die jeweiligen Stifter des Kessels mit Ihren Insignien dargestellt.
Grad auch kirchl. Hintergrund, weil die Füsse des Kessel diese geflügelten Wesen sind. Aber da kennt sich ein anderer Herr hier im Forum besser aus.
Mein erster Gedanke war, dass der Herr mit dem Hammer und dem Schrifstück ein Bergbeamter ist. Aber der Hammer ist so typisch etwas das mit dem Schmieden zu tun hat, dass es sich wahrscheinlich eher um einen Stahlpionier handelt.
Da es eigentlich nicht anzunehmen ist, dass ein einzelner Stahlarbeiter (der mit der Zange) eine Stiftung macht, liegt es näher, dass der ganze Kessel gesammelt wurde und die Insignien der Region auf den Kessel kamen.
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: So. 26. Okt 08 19:40
von Naheländer
Einen kirchlichen (sakralen) Hintergrund, wie die Vorredner, möchte ich aussschließen. Auf einem Hostiengefäß sind in der Regel keine profanen Dinge abgebildet, für diesen Verwendungszweck erscheint mir das Gefäß auch zu groß. Sowohl die Taufe als auch Hostien (hl. Sakrament), sind zumindestens in der katholischen Kirche, geweihte Dinge. Profane Tätigkeiten werden deshalb in der Regel nur im Zusammenhang mit dem Erzählen von Geschehnissen aus der Bibel oder im Rahmen von Heiligenlegenden auf solchen wichtigen Gegenständen abgebildet. Manche spannende und zur Zeit beliebte Romane erzählen vielleicht etwas anderes, aber haben mit der Realität wenig zu tun.
Auf dem Gefäß ist kein solcher sakraler Zusammenhang zu sehen. Gegen einen sakralen Verwendungszweck sprechen auch die Füße des Gefäßes, die als Drachen dargestellt sind. In der Kirche werden üblicherweise keine Drachen dargestellt, erst recht nicht auf heiligen Dingen, es sei denn im Zusammenhang mit der Heiligenlegende des Hl. Georgs (Drachentöter) oder außerhalb der Kirche als Wasserspeier.
Ich tippe eher auf eine profane Verwendung als Repräsentiergegenstand eines reichen Hüttenbesitzer oder Gewerkschaft, ähnlich den Zunftladen oder Zunftpokalen der städtischen Zünfte. Ähnliche wertvolle Stücke sind aus der Montangeschichte ja bekannt, man besuche nur das Deutsche Bergbaumseum in Bochum, das eine ganze Abteilung von solchen Zierrat hat.
Glück auf!
Daniel
Re: Figur auf einem Silbergefäß
Verfasst: So. 26. Okt 08 20:14
von kapl
Naheländer hat geschrieben: In der Kirche werden üblicherweise keine Drachen dargestellt, erst recht nicht auf heiligen Dingen,
Das stimmt nicht. Es gibt genügend Gegenbeispiele.