"Eventkultur" bedroht Essener Zeche

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Nobi
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"Eventkultur" bedroht Essener Zeche

Beitrag von Nobi »

auf den webseiten von n-tv steht etwas über die zeche zollverein und deren derzeitige nutzung.
http://www.n-tv.de/587755.html
GLÜCK AUF | NOBI

Der Berg ist frei.
Wo eyn man eynfahrn will
mag her es thun mit rechte.


w w w . b e r g k i t t e l . d e
Carsten_Trojan
lernt noch alles kennen...
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Beitrag von Carsten_Trojan »

Ich habe vor ein paar Wochen auch die Zeche Zollverein samt Kokerei besucht und war vor allem von der Gestaltung der Kokerei als Spasspark enttäuscht. Vor allem, wie mit aller Gewalt und äußerst unsensibel dieses kitschige Riesenrad in die Kokerei eingeschnitten wurde...
Generell muss man sagen, dass die Nachnutzung der Anlagen, besonders die Zeche selbst, auf einem guten Weg ist. Es ist nicht einfach, für die Neunutzung von Industriebrachen klare inhaltliche Profile zu entwickeln.
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kapl
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Beitrag von kapl »

Was die Hetze gegen das neue Ruhrmuseum betrifft. Alle Baumaßnahmen sind mit den Denkmalbehörden abgesprochen. Hinter der Kampange steckt eine enttäuschte Person. Bei der großen Tagung über die Zukunft des Ruhrmuseums wurde ebenfalls probiert Stimmung gegen den Umbau zu machen. Ebenfalls erfolglos. Ein Weltkulturerbe dieser Größe und Ranges lässt sich nur bespielt erhalten, das müsste jedem klar sein.
GA
kapl
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

ich sehe HIER keine kampange oder hetze...
und eine riesenrad in einer kokerei ist nicht gerade die feine englische und hat nichts mit bespielt / unbespielt zu tun.
ich empfinde den umgang mit historischen substanz als unwürdig - sorry, das ist so. und ich habe keinen grund neidisch oder enttäuscht zu sein.
es ist nichts dagegen zusagen die zeche zu nutzen, dafür auch opfer zu bringen ist wohl nötig, aber das riesenrad ist eindeutig ein schritt zu weit - hier hat der gute geschmack geendet und die historische substanz hat verloren. man muss sich vor augen führen WARUM die zeche weltkulturerbe ist, es geht um die anlage in ihrer architektur, geschichtlichen bedeutung und komplettheit. wenn ich dieses kapital abwerte das ich es teil-ruiniere, dann muss ich mich nicht wundern, wenn dann jemand den moralischen stikefinger zeigt.
und wenn du davon hören würdest das z.b. in die gebäude des weltkulturerbes rammelsberg eine achterbahn eingebaut würde, dann würdest du genauso wettern.
jeder sollte vor fremden und eigenen haustüren mit den gleichen maßstäben kehren wollen.
Glück auf!

Michael
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kapl
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Beitrag von kapl »

Mir geht es nicht um die Kokerei, sondern um den Umbau der Kohlenwäsche. Das betrifft das neue Ruhrmuseum und dort hatten wir die Diskussion (in Essen) schonmal. Sorry, erst lesen...


Was die Kokerei und das Riesenrad betrifft, dies ist auch schon etliche Jahre installiert und keiner hat etwas gesagt.

Es geht hier mitnichten um die konkrte Zeche/Kokerei sondern um das Gezerre hinter den Kulissen. Kannst du natürlich, als "aussenstehender, nicht Essener" nicht wissen. ;)
GA
kapl

Nachtrag: Ohne die Maßnahmen zu bewerten, ALLE Baumaßnahmen waren mit den Behörden abgestimmt. Es ist schon komisch, nachdem sich einige Personalfragen geändert haben, auf einmal eine Kampagne gestartet wird. Näheres werde ich natürlich nicht an dieser Stelle schreiben, habe keine Rechtsschutzversicherung ..
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kapl
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Beitrag von kapl »

okerei Zollverein

* die Geschichte
* der Wandel
* die Nutzung heute

Vor nicht ganz einem Jahrzehnt sollte die Kokerei Zollverein abgerissen werden - heute steht sie noch immer und ist ein IBA-Highlight
Die Geschichte

Die Kokerei Zollverein wurde in den Jahren 1957-1961 in Essen-Katernberg von der Gelsenkirchener Bergwerks AG erbaut. Fuer die Errichtung des Baus hat man das Gelaende in der Naehe der Zeche Zollverein ausgewaehlt. Somit enstand die Kokerei in raeumlich-funktionaler Anbindung an den Schacht XII der Zeche Zollverein. Anfang der 70er Jahre wurde die Kokerei zu einer der weltweit groessten Kokereien ausgebaut und war damals somit die modernste Anlage Europas. 1964 produzierte die Anlage 5000t Koks pro Tag und erreichte in dieser Zeit ihre Hoechstkapazitaet. Die zur Koksproduktion notwendige Steinkohle wurde sowohl von der benachbarten Zeche Zollverein, als auch von den RAG-Zechen angeliefert. Die Anlage war auf die Erzeugung von Huettenkoks ausgerichtet, so dass der Abnehmer vor allem die Stahlindustrie im In- und Ausland war. Doch durch die grossen Stahlkrisen sank die Koksnachfrage stetig. Am 30.6.1993 wurde die Kokerei Zollverein stillgelegt.

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Der Wandel

Die Stilllegung der Kokerei Zollverein erfolgte dennoch nicht aus wirtschaftlichen Gruenden. Mutmassungn zu Folge handelte es sich bei der Schliessung der Kokerei Zollverein um eine politische Massnahme. Die RAG hatte die Aufgabe 1000 Arbeitsplaetze aubzubauen. Es standen zwei Standorte zur naeheren Betrachtung an; zum einen der Standort Prosper in Bottrop und zum anderen der Standort Gelsenkirchen. Das haette zur Folge gehabt, dass die Mitarbeiter an beiden Standorten um ihre Arbeitsplaetze gekaempft haetten und die RAG an diesen beiden Standorten die Gemueter haette beruhigen muessen. Da schien sich die Kokerei Zollverein anzubieten, da hier ca. 1000 Mitarbeiter beschaeftigt waren und die Zeche Zollverein, als erster Zulieferer der Kokerei, schon im Dezember des Jahres 1986 stillgelegt wurde. Nach der Schliessung der Kokerei war allen Beteiligten und Verantwortlichen unklar was weiter mit der Kokerei und dem Gelaende passieren sollte. Erste Plaene sahen vor, die Anlage komplett abzureissen, um auf einer so 'urbar' gemachten Flaeche schnellstens neue Unternehmenanzusiedeln. Aus oekonomischen Gruenden wollte die RAG die gesamte Kokerei nach China verkaufen. Die Demontage, Verpackung und der Wiederaufbau waren schon geplant, der ganze Logistikplan lief schon und Mitarbeiter der RAG schulten vor Ort die potentiellen neuen Eigentuemer, als sich diese aus dem Geschaeft zurueckzogen.

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Die Nutzung heute

Nachdem das Geschaeft mit den Chinesen geplatzt war, wurde der Gedanke an Denkmalschutz laut. Die Kokerei Zollverein hat Prof. Dr. Karl Ganser zu verdanken, dass sie unter dem Blickwinkel ihres Zeugniswertes fuer Industriearchitektur und Technikgeschichte neu entdeckt wurde. Es kamen Zweifel auf, dass der Abriss ebenso unwirtschaftlich ist, wie der Erhalt der Anlage, wobei fuer die Erhaltung ein nicht bewertbarer kultureller und geschichtlicher Wert spricht. So wurde ein Teil der Kokerei ,die sogenannte 'scharze Seite', unter Denkmalschutz gestellt und der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur uebereignet. Auf der anderenTeil, der sogenannten 'weissen Seite', plant die RAG die Ansiedlung mittelstaendischer Betriebe. Im Jahre 1998 erfolgte die Aufnahme in das Projekt IBA Emscher-Park. Ausgangspunkt war die Zeche Zollverein, die von Anfang an in die IBA integriert war. Standort Zollverein ist zu einem der Hoehepunkte der IBA geworden und auf dem Gelaende fanden eine Anzahl von publikumswirksamen Veranstaltungen, wie z.B. der Auststellung 'Sonne, Mond und Sterne' statt. Im Rahmen dieser Ausstellung ist zudem auf dem Dach der Kokerei ein grosses Solarkraftwerk entstanden und ein Riesenrad ist ebenfalls auf dem Gelaende errichtet worden. Die Kokerei Zollverein steht heute auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.

Quelle: http://www.uni-essen.de/~gpo202/denkmal/kokerei.htm
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kapl
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Beitrag von kapl »

MichaP hat geschrieben: man muss sich vor augen führen WARUM die zeche weltkulturerbe ist, es geht um die anlage in ihrer architektur, geschichtlichen bedeutung und komplettheit. wenn ich dieses kapital abwerte das ich es teil-ruiniere, dann muss ich mich nicht wundern, wenn dann jemand den moralischen stikefinger zeigt.
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Wie schon gepostet, erst war das Riesenrad, dann das Weltkulturerbe...
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

was es nicht besser macht...
Glück auf!

Michael
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Rudolf
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Beitrag von Rudolf »

Ich glaube, die Zahl der Besucher, die mit leuchtenden Augen über und durch ein altes Industriegelände gehen und sich über das Schaffen und Wirken aus früheren Tagen erfreuten bzw lehrreich aufnehmen, wird- auch im Ruhrgebiet- immer kleiner. Um ein teures Projet erhalten zu können muß- meiner Ansicht nach- auf viele Möglichkeiten zurückgegriffen werden, um auch die teuren Subventionen, die ja die Allgemeinheit bezahlt, zu rechtfertigen. Auch im Bergbau war alles im Wandel. Das kann man auch auf die Nachnutzung der alten Zechengebäude beziehen, solange die ursprüngliche Nutzung noch halbwegs erkennbar ist und nicht gerade in einem Supermarkt oder Parkplatz endet. - Trotz allem, ich finde es sehr schön, wenn ich durch den Wald wandere und an einer Stelle vorbei komme, wo ein Verein liebevoll und mit viel Einsatz und Arbeit (danke!) ein Stollenmundloch und die Umgebung wieder hergestellt hat.
UHG
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Zollverein XII

Beitrag von UHG »

Mit der Verleihung des Titels UNESCO-Welterbe waren klare Auflagen verbunden: Das Riesenrad (Hinterlassenschaft der verblichenen IBA) ist umgehend abzubauen. Die Zeche wird einschliesslich der Kohlenwäsche mit allen Maschinen auf Grund der Einmaligkeit UNESCO-Welterbe.
Angeblich ist zum Abbau des Riesenrades nun kein Geld da und die Kohlenwäsche wird so gut wie leer geräumt. Nicht umsonst ist es im Gespräch Zeche und Kokerei auf die rote Liste der UNESCO zu setzen. Das Denkmallpfleger unter entsprechendem politischen Druck umkippen dürfte ja nichts Neues sein. Noch einige solche Verschlimmbesserungen und der Abriss wäre wirklich der beste Weg gewesen! Ich war noch in der alten Kohlenwäsche und kann nur sagen es war !! beeindruckend.
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StefanD
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Beitrag von StefanD »

Ich frage mich schon länger, wie lange es im Ruhrgebiet so weitergehen wird. Nach der Eröffnung vom Landschaftspark Duisburg-Nord war ich ob der Grösse des Vorhabens schon beeindruckt. Dann kam noch die Henrichshütte in Hattingen dazu. Der Wiederaufbau und die Restaurierung von Zollern 2/4 - schön. Ausserdem noch Zollverein und Nachtigall und diverse "kleinere" Fördergerüste wie Consol, Konrad-Ende, etc.. Obendrauf garniert man noch eine Schleusenanlage, Schwermaschinenmuseum und zwei Bahnbetriebswerke, Bergbaumuseum Bochum nicht vergessen. Auch wenn ein Teil der Aufwendungen von Vereinen abgedeckt wird, frage ich mich, ob sich das in Zukunft finanzieren lässt.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin froh um jedes erhaltene Industriedenkmal, aber vielleicht wäre eine stärkere Beschränkung auf Klasse statt Masse tragfähiger. Lieber eine vollständig museal erhaltene Schachtanlage als drei umgenutzte Spassbergwerke, denen das Geld ausgeht wenn die Konzepte abgefahren sind und das Land kein Geld mehr hat.
Kann sein, dass wir hier im Harz etwas weiter sind. Hier sind verschiedene Besucherbergwerke und Museen in den 90ern massiv staatlich gefördert worden ohne auf dauerhaft tragfähige Konzepte zu achten. Dank ABM brauchte man auch keine Ehrenamtlichen mehr.
Seit zwei Jahren bleiben nun die Besucher und seit einem Jahr die Zuschüsse weg und als Lösung macht man einerseits die Augen zu und fährt einen "rundlaufenden Betrieb" wissentlich in die Schulden. Woanders kürzt man die Stellen oder tauscht Personen aus in der Hoffnung, sich damit zu konsolidieren. Die nächsten Jahre im Harz werden sicher interessant.

Glückauf
Stefan
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Beitrag von UHG »

Das Ruhrgebiet besitzt mittlerweile 2 still gelegte, musealgenutzte Hüttenwerke (Duisburg - Meiderich und Henrichshütte Hattingen) aber die Weiterverarbeitung Walzwerk usw. hat man in Hattingen voriges Jahr abgerissen. Mit der Flüssigphase endet also die museal dargestellte Stahlherstellung.
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Haverlahwiese
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Beitrag von Haverlahwiese »

UHG hat geschrieben:Das Ruhrgebiet besitzt mittlerweile 2 still gelegte, musealgenutzte Hüttenwerke (Duisburg - Meiderich und Henrichshütte Hattingen) aber die Weiterverarbeitung Walzwerk usw. hat man in Hattingen voriges Jahr abgerissen. Mit der Flüssigphase endet also die museal dargestellte Stahlherstellung.
Wahr, aber schau mal in den Metallhüttenbereich, da gibt es deutschlandweit gar nichts.
Glück auf, Matthias

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ulliweber
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Beitrag von ulliweber »

Da lobe ich mir die Initiative des ehemaligen Betriebsrats von Ewald/Hugo, Klaus Herzmanatus, und seinen Mitstreitern, die ein kleines Museum betreiben, in dem nicht der Bergbau im Sinne der Technik und Gewerke gezeigt wird, sondern die Menschen vor/hinter der Kohle. Siehe auch: http://www.zeche-hugo.com
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