Höhlenrettung Untersberg

Informationen rund um das Thema Rettung, Unfälle, Rettungsausbildung etc. im Bergbau
Mannl
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Mannl »

Dem kann ich mich nur anschließen :top:
Meine Frau hat nicht mit geschaut - ihr wurde es "komisch" :D
Ehre dem Bergmann, dem braven Mann !
Glück Auf ! Mannl
elexx
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von elexx »

Im Frühjahr dieses Jahres hat man offenbar in schweizerisch-deutscher Zusammenarbeit einen Spielfilm zur Rettung aus der Riesending-Höhle gedreht, wie dieser Beitrag der Abendschau des BR vom Mai zeigt:
Drehort war eine Höhle in Kroatien.

Im Schweizer Fernsehen SRF ist der fertige Film schon in der Mediathek zu sehen, allerdings kann man das auf Grund von Geoblocking in DL nicht anschauen. Man kann sich aber die Filme hier herunterladen: https://mediathekviewweb.de/#query=riesending. Leider ist das aktuell nur eine Variante mit Audiodeskription - wir müssen also mal abwarten, bis der Film auch in der ARD läuft:

Ausstrahlung am Mittwoch, dem 28.12.22 um 20:15 Uhr.

Riesending – Jede Stunde zählt

Ein Höhlenforscher verunglückt in der längsten und am schwersten zugänglichen Höhle Deutschlands, zwölf Kilometer tief im Berg. Zwei Wochen lang ringen 728 Menschen um sein Leben. Darunter ein Schweizer Expertenteam. Eine bewegende Geschichte von absoluter Freundschaft und grenzenloser Opferbereitschaft.

Die Riesending-Höhle in Berchtesgaden, eines der längsten Höhlensysteme Deutschlands: Der Höhlenforscher Josef Häberle verunglückt mit einer lebensbedrohlichen Kopfverletzung und liegt in über 1000 Meter Tiefe, zwölf Kilometer vom Schachteingang entfernt. Während zwei Freunde ihn am Leben halten, gelangt Ralf Sommer in einem waghalsigen Klettersprint innerhalb eines halben Tages an die Oberfläche, um die Bergwacht zu alarmieren.

Doch die gerät schnell an ihre Grenzen. Weltweit gibt es nur wenige Spezialistinnen und Spezialisten, die so tief in eine Höhle vordringen können. Und im Team von Bertram Erhardt, dem Einsatzleiter der Bergwacht, befindet sich kein Notarzt, der sich ein solches Vorhaben zutraut. Ralf sieht nur eine Chance: ein Hilferuf an die internationale Höhlenforscher-Gemeinschaft, darunter die Schweizer Res Wolfensberger und Roger Furrer. Viel persönliches Engagement bringt auch Birgit Eberharter ein, eine Höhlenklettererin aus Salzburg, die Josef viel zu verdanken hat. Gemeinsam mit Ärztin Raffaela Pardeller macht sich Birgit auf zum Schwerverletzten – um festzustellen, ob er überhaupt transportfähig ist.

Bertram gerät zunehmend unter Druck: Er will und darf die Einsatzleitung nicht an die internationalen Höhlenforschenden abgeben oder diese in die Höhle lassen. Zugleich würde er das Leben Hunderter nicht ausreichend höhlenerfahrener Bergretter riskieren, würde er sie in die Tiefe schicken – für die Bergung eines Mannes, der wahrscheinlich gar nicht überleben würde. Höhlenspezialist Res Wolfensberger ist zunehmend genervt von Bertrams zögerlichem Verhalten. Er und sein Team wären parat. Jetzt gilt es endlich, die Operation Rettung aus der Riesending-Höhle zu starten. Sonst wird Josef sterben.

Basierend auf wahren Begebenheiten zeigt der Film, was möglich ist, wenn Menschen zusammenhalten und an einem Strang ziehen – unabhängig von ihrer Nationalität, ihres Geschlechts, ihres Alters. Dann wird das Unmögliche möglich. Dann heisst es 728 für 1. Die Koproduktion von SRF mit der ARD erzählt von einer der aufwändigsten Rettungsaktionen, die mehrere Wochen in Anspruch nahm – eine logistische Meisterleistung, bei der auch Schweizer Retterinnen und Retter massgeblich beteiligt waren.
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Björn
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Björn »

Ab dem 27.12. ist der Film in der ARD Mediathek zu finden.

Begleitend gibt's zudem noch die Dokumentation "Tief im Fels - Überleben am Untersberg" zu sehen, die lineare Ausstrahlung erfolgt am 25. Dezember um 19:15 Uhr im BR Fernsehen.

Glück auf
Björn
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Bin da mal hoch gespannt und zugleich etwas skeptisch, hab die Entstehungsgeschichte vom Film ein klein bißchen mitbekommen... Ist vielleicht etwas befremdlich, wenn man bei vielen Personen im Film die lebenden* Vorbilder teils persönlich gut kennt und möglicherweise unter den Komparsen bekannte Gesichter sieht. Ich war ja bei der richtigen Rettungsaktion am Anfang dabei..

GA Matthias

* ich vermute, die Salzburger Höhlenkletterin ist nach Sabine Zimmerebner gestaltet, die 2015 selbst bei einem Höhlenunfall ums Leben kam. https://hoehle.org/nachrufe2016#Zimmerebner
Zuletzt geändert von MatthiasM am Mi. 28. Dez 22 13:06, insgesamt 1-mal geändert.
elexx
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von elexx »

Björn hat geschrieben: Fr. 23. Dez 22 5:47 Ab dem 27.12. ist der Film in der ARD Mediathek zu finden.
Stimmt! :D

Teil 1: https://www.ardmediathek.de/video/filmm ... c5ZjYwOWVk
Teil 2: https://www.ardmediathek.de/video/filmm ... VmYjg1YjJl

Einen Wikipediaartikel zum Film gibts auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Riesendin ... z%C3%A4hlt
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Noch Nachtrag - die in irgendeiner Weise an der echten Rettungsaktion beteiligten Bergwachtbereitschaften haben aus Anlaß des kommenden Sendetermins ihre Mitglieder kürzlich gebeten, wenn möglich, sich auf keine Diskussionen einzulassen oder eigene Stellungnahmen abzugeben, sondern möglichst auf die jeweiligen Pressestellen hinzuweisen. Scheint so, daß der Film durchaus auch kritisch gesehen werden kann/sollte.
Ich bin mal gespannt, welche Diskussionen auf "Normal-"HöFos wieder zukommen werden...
Hab nur mal kurz in der Mediathek rumgezappt, heute Abend leider keine Zeit, werde die beiden Teile irgendwann zeitnah aus der Konserve ziehen.
Meine Vermutung, daß die Rolle der Protagonistin frei nach Sabine Zimmerebner geschrieben wurde, hat sich bestätigt.

GA Matthias

PS.: Eventueller Diskussionsbedarf nach dem Film vielleicht hier auch im internen Userforum besser aufgehoben?
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Björn
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Björn »

https://www.ardmediathek.de/video/berga ... OTczN2QyNA

Interview mit der Bergwacht zum Film.
Fazit, wie bei allen Verfilmungen.
Es ist ein Spielfilm, der sich nur an die Realität anlehnt, aber sie nicht abbildet.
Ist halt ein Spielfilm und keine Dokumentationen.

Glück auf
Björn
Uran
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Uran »

Naja. Erinnert mich etwas an die Rettung im Schacht 98. Die Zuständigen sind nicht ausgebildet und die alarmierten Leute der Untertagerettung werden verteufelt.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Nachdem ich gestern nachts ab ca. Halbzeit des ersten Teils die Filme noch geschaut habe: Ich fand's gut gemacht, und ich denke (auch nachdem ich paar Interviews mit den Schauspieler*innen gelesen habe), da würde ich mit denen inzwischen bedenkenlos eine Genußtour in eine beliebige ordentliche Schachthöhle machen können... Respekt. Keine Stuntleute, real gefilmt ohne zusätzliches Licht UT, "halbdokumentarisch" ist treffend.

Was das ganze Drumherum betrifft, Einsatzorga usw.: Der Film spiegelt genau die Themen wider, die massiv angefangen hatten, als die Behördlichkeiten das Thema Höhlenrettung entdeckt hatten, zu den Zeiten, als in den verschiedenen Bundesländern so nach und nach die Höhlenrettung "offiziell" wurde. Die, die durften, konnten nicht, und die, die konnten, durften nicht. Und das haben dann zuständigkeitshalber die Länder alle auf eigene Weise, meiner Meinung nach mal besser (z.B. BW, die vorhandenen Strukturen und Menschen offiziell einbinden), mal eher unglücklich (BY, das ganze der Bergwacht zuzuschlagen und die "normale" Bergwachtausbildung für alle HöRe vorauszusetzen) gelöst. Das Gezerre, wie die ausländischen Teams am Riesending "offiziell" hinzugeholt wurden und v.a. wer ganz ganz maßgeblich dann die Sch***arbeit UT gemacht hatten (ganz überwiegend NICHT blaurote Kräfte...), ist in dem Film weit besser wiedergegeben, als es speziell die Orga in blaurot in BY wohl gerne gehabt hätte.

Das sag ich auch aus meiner Erfahrung, wie speziell die Höhlenrettung in Bayern in die Bergwacht mehr oder weniger "brutal" eingebunden wurde und dabei ziemlich viel "politisches" Porzellan zwischen der organisierten HöFo-Szene (die, die können, aber zumindest nicht mehr offiziell durften) und den Rettungsorgas (die durften, aber noch nicht konnten) nicht nur einfach zerschlagen, sondern pulverisiert wurde. Daran beißen wir (sag ich als eher HöFo als Bergwachtler mal ganz frech) manchmal immer noch ganz schön.....
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Hui... Bergwacht Bayern ist (fast erwartungsgemäß / mit Ansage) leicht angefressen vom Film.
Ich laß das mal - da leicht befangen - unkommentiert so stehen.
https://www.bergwacht-bayern.de/aktuell ... 10370.html
elexx
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von elexx »

Also hier ist die Distanzierung vom Film zumindest erheblich deutlicher zu merken, als in dem von @Björn verlinkten TV-Interview. Dort hat der Verantwortliche nur mit Allgemeinplätzen geantwortet, ohne auf das nicht besonders gute Licht einzugehen, in das die Bergwacht im Film gerückt wird. Da konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der Film die wahren Begebenheiten abbildet und es deshalb nicht viel geradezurücken gäbe.
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Nobi »

Wichtig ist doch, dass man aus den offensichtlich gemachten Fehlern lernt. Einem Verunfalltem ist es völlig egal, wer ihn aus dem Loch zieht, Hauptsache es geht schnell und professionell. Das Bestehen auf Zuständigkeiten ist da nicht im Sinne der Sache und deshalb gibt es mit der Höhlenrettung und der Untertagerettung auch professionelle Kräfte, die das können, weil sie es mit verschiedenen Szenarien immer wieder trainieren. Danke dafür 👍
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mag her es thun mit rechte.


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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Weiß nicht, ob es sinnvoll wäre, bei Bedarf im internen Bereich weiterzudiskutieren? Daß genau durch die Gegebenheiten, die beim Riesending das erste Mal überhaupt waren und tatsächlich gute Chancen hatten, schiefzugehen, viel gelernt wurde, ist schon klar, und diese Lernkurve ist auch im Film gut erkennbar.

Ich hab halt damals, noch deutlich vor dem Riesending-Unfall ziemlich gut als HöFo in einem der betroffenen Vereine mitbekommen, wie die durchaus existierenden Höhlenrettungen, einst von Höhlenforscher*innen aus den Vereinen und von engagierten aber unorganisierten reinen Hobby-Höfo-Gruppen gegründet, konkret in Bayern de facto mehr oder weniger zerschlagen wurden, anstatt sie einzubinden.

Und diese Einstellung gegenüber Gruppen, die nicht offiziell organisiert sind, steckte zu Zeiten des Riesending-Unfalls noch ganz tief in der Organisation und im Selbstverständnis der Bergwacht drin. Die Darstellung im Film mag sehr überspitzt und einseitig wirken, es ist aber weit mehr als nur das Körnchen Wahrheit drin, Daß das die BW By nicht gerne hört, war zu erwarten.

GA Matthias
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

https://www.merkur.de/bayern/bergwacht- ... 04307.html
https://www.sueddeutsche.de/bayern/film ... 0-99-55541
https://www.sueddeutsche.de/bayern/film ... 0-99-57038
Ich hätte ja gehofft, daß die BW BY jetzt besser die Klappe hält.... aber ja. Sorry, aus meiner Sicht: Getroffene Hunde bellen. Und nein, der Film diskreditiert NICHT die Rettungskräfte, die alles gegeben haben, sondern er greift - überspitzt - das Kompetenzgerangel auf. Mal nachdenken, liebe BW-Öberen, warum das thematisiert wird im Film..... :cry:
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Rudolf
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von Rudolf »

Hallo Matthias, danke für Deine Ausführungen!
Spart Rohstoffe, Bergbau ist - leider immer noch - Blut und Schweiß !
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markscheider
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von markscheider »

Hab mir den Film inzwischen in der Mediathek angeschaut. Mal als jemand, der kein HöFo ist: es machte insgesamt einen ziemlich realistischen Eindruck, und wie bei fast allen Filmen gab es Momente, wo man darüber nachdenkt, ob das so richtig ist und sich dann sagt: ist eben Film. Die Handlung hatte einige Längen, wobei hier sicher von kundiger Seite der Einwand kommen wird, dass einige wichtige Dinge nicht gezeigt wurden.
An einigen Stellen wurde auch im Degeto-Stil tüchtig auf die Tränendrüsen gedrückt. Die EU-Flagge im Abspann empfand ich als strange, gelinde gesagt. Das einzige, was die EU beigtragen haben dürfte, war vermutlich der Wegfall der Grenzkontrollen.

Der dargestellte Ablauf des Rettungswerks mußte (und hat absichtlich?) die Frage aufwerfen, wieso die Offiziellen sich so sehr gegen die Einbindung der HöFos sträubten. Da das aber wohl in der Realität auch so war, ist die Darstellung den Machern nicht anzulasten.

Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen daraus gelernt haben.
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MatthiasM
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Re: Höhlenrettung Untersberg

Beitrag von MatthiasM »

Man muß da unterscheiden. Einbindung von "normalen" Höfos, die offiziell keine wie auch immer ausgebildeten Rettungsleute sind, das ist immer noch ein ziemliches Gezerre, v.a. wegen Versicherung, Haftungsfragen usw... Das scheint etwas speziell bayerisches zu sein. Bis dahin, daß teilweise die eigenen Anwärter auf überregionalen Übungen nicht mal als Komparsen mitdurften, geschweige denn "normale" Zivilisten. Möglicherweise historisch entstanden - in BaWü z.B. gab es die HöRe BaWü als eigenen Verein und die Malteser Höhlenrettung beide schon länger und die wurden einfach dann so wie sie waren, ganz offiziell ins entsprechende Landesgesetz mit eingebunden. In Bayern gab es HöRe auch mehr oder weniger lang schon als "Privatveranstaltung" der Höhlenvereine, maßgeblich der VHM in München. Dann hat das in Bayern die Bergwacht per Gesetz selbst übernommen oder aufgedrückt bekommen und plötzlich waren viele alte Haudegen, die ständig in den Höhlen waren, nicht mehr geeignet, weil sie die komplette normale Bergwachtausbildung (Sommer-, Winter-, San-Ausbildung etc.) gebraucht hätten, um weiter Höhlenrettung im Rahmen der Bergwacht machen zu dürfen. Davon ist die San-Ausbildung sicher sinnvoll, aber Höhlenforscher zwangsweise durch die komplette alpine Ausbildung inkl. Pistendienst mit Akja usw. durchzuschleifen, das hat viele "alte Hasen" vergrault, die dafür einfach nicht auch noch die Zeit hatten. Bei den Bergwachtlern genügend Nachwuchs zu finden, für die das Höhlenthema völlig neu sein würde, und die neben dem normalen Sommer- und Winterdienst nie dieselbe Routine UNTER Tage bekommen können wie die HöFos sie hatten und haben, ist dann die andere Seite vom Problem. Die werden einfach nie die Routine haben, sich durch irgendein Höhlensystem durchzuschlossern mit Seilbahnen, Seilgeländern usw. wie die aktiven Forscher, die regelmäßig mehrtägige Expeditionen in irgendwelche tagfernsten Forschungsendpunkte großer alpiner Systeme machen. Der harte Kern der HöRe in Bayern sind deswegen zunächst diejenigen alten Höhlenhasen, die sich wirklich nochmal die Zeit genommen haben, der lieben Form willen die komplette Bergwachtausbildung von der Pike auf zu machen, oder auch ein paar Exoten, die aus an earlier Life noch eine komplette Bergwachtausbildung hatten, dann Jahrelang ausgestiegen waren, über Umwege als "Spätberufene" in die Höhlenforscherei reingekommen sind und dann das Glück hatten, daß ihr alter Status bei der Bergwacht nboch reaktiviert werden konnte (anders wäre z.B. ich nicht bei der HöRe gelandet....). Alle "neuen" Höhlenretter werden aus den normalen Bergwachtmannschaften rekrutiert, das ganze Höhlenzeugs ist dann eine mehrteilige Zusatzausbildung im Rahmen der Bergwacht, und da sind naturgemäß weit weniger "Hardcaver" dabei als es früher war.

Die länderübergreifende Alarmierung von Rettungstrupps anders als vielleicht mal "nur" die Nachbarschaftshilfe auf dem kurzen Dienstweg (Bayern und Österreicher z.B. ging und geht immer problemlos) war beim Riesending eine eigene Baustelle, das war auf obersten Führungsebenen einfach wohl kompliziert und noch nie ernsthaft einsatzmäßig in Gang gesetzt worden. ALLE bisherigen "größeren" Höhlenrettungsaktionen in DE sind meines Wissens davor weitestgehend in Eigenregie, maximal bundesländerübergreifend oder eben BW Bayern und österreichische HöRe auf kurzem Dienstweg erfolgreich abgearbeitet worden. Und es hat beim echten Riesending einfach Anlaufschwierigkeiten gegeben, die internationale Hilfe FLOTT einzubinden, und das waren, soweit ich mich erinnere und das als einfacher kleiner Höhlenretter da mitbekommen habe, tatsächlich überwiegend ziemlich bürokratische Hindernisse...

Über das Thema, wie die Bergwacht sich selber darstellt und wie sie gern gesehen möchte - was im Film ziemlich deutlich thematisiert wird - möchte ich hier nix weiter dazu sagen.

GA/GT oder wie auch immer
Matthias
der jetzt dann vielleicht Ärger bekommt, weil er zu sehr und vielleicht zu subjektiv aus dem Nähkästchen plaudert, aber was soll's....
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