Aufbereitung auch historisch

... für den Rest, der sonst nicht passt.
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fraterminerals
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Aufbereitung auch historisch

Beitrag von fraterminerals »

Hallo
Ich bin neu im Forum und von Beruf ein waschechter Aufbereiter mit Leib und Seele.
Habe also mit dem Bergbau nur mittelbar zu tun - interessiere mich aber sehr dafür.
Besonders was den historischen Bergbau im Erzgebirge angeht, aber darüber hinaus natürlich auch für alles Interessante was mit Bergbau und Aufbereitung zu tun hat in der ganzen Welt.

Bevor ich zu meinem Anliegen komme, zur Begrüßung ein gekürztes Gedicht von Herrn Weidig:

Auch für einen Aufbereiter ist es nicht nur froh und heiter.
Er muss aus den schlimmen Dingen, die die Grubenleuten bringen
Und voll Stolz zu Tage holen, aus den Erzen und den Kohlen
Wie auch aus den anderen Sachen brauchbare Produkte machen.

Um die Absicht zu erhellen muss den Stammbaum er erstellen
Und den Kreislauf klar erfassen, feststoffreis sein Wasser lassen.
Denn die Vorflut voller Schmutz fördert nicht den Umweltschutz.

Er muss Vor-und Nachklassieren, trocknen oder nass sortieren,
Schleudern, sichten, mahlen, wiegen, mischen und zusammenfügen,
Transportieren, lagern bunkern, darf nicht beim Ergebnis flunkern
Muss die Schlämme auch flotieren und den ganzen Tag rotieren.

Doch noch viele andere Gaben muss ein Aufbereiter haben:
Er muss Kunden gut betreuen, darf hier keine Kosten scheuen,
Muss die Striplokale kennen und die besten Cognacsorten nennen
Und von diesen ganz extremen Dingen auch noch Probe nehmen.
Er sei trinkfest jederzeit, stets zu einem Scherz bereit.

Er muss jeden Körnung kennen und exakt beim Namen nennen,
stets vergnügt und ohne Zorn: Fehlkorn, Grenzkorn, Doppelkorn.

Weidig

------

Wer kann mir Informationen zu historischen Pochewerken, Setztrögen, Herden, Rinnen geben?
Interessant wären Hinweise auf Zeichnungen, Berechnungen, alte Fotos.
Das übliche (Agricola pp.) habe ich schon.
Es geht auch um verfahrenstechnische Angaben. Wie viele Tonnen konnte ein Pochwerk (nass/trocken) pro Stunde durchsetzen, welche Körnungen wurden verarbeitet (interesant auch für Herde und Setztröge)?
Klar hängt alles von der speziellen Maschine und den zu verarbeitenden Erzen ab.
Jeder Hinweis ist aber interessant für mich.
Es gibt kaum Verfahrensbeschreibungen von Erzwäschen oder Fließschemas.

Würde mich über Infos dazu sehr freuen.

Fraterminerals
Zuletzt geändert von fraterminerals am Mo. 19. Sep 16 14:10, insgesamt 1-mal geändert.
Denn wie die Menschen Kinder nicht alle from/
also ist nicht alles nüzlich Gold/was gleist/
sondern die Probierkunst muß das reine nüzliche Gold
vom falschen gleissenden Golde
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Uran
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Re: Aufbereitung auch historisch

Beitrag von Uran »

Herzlich willkommen im Forum. Ich bin sicher, das hier einige unterwegs sind, die dir helfen können.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.
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EnoM
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Re: Aufbereitung auch historisch

Beitrag von EnoM »

Glick auf, schöne Vorstellung!
Ich möchte Dir das grade erschienene Buch "Montanregion Erzgebirge" als Fotodokumentation des Markscheiders Dr. Paul Schulz empfehlen. Hier kannst Du Bilder des Innenlebens vom Schneeberger Siebenschlehener Pochwerk von 1928 betrachten, ebenso auf den weiteren Seiten einen Stoßherd und Blicke in die Schmelzhütte der ehemaligen Aufbereitung Johanngeorgenstadt von 1927.

Genauso lege ich Dir den Band 5 der Reihe "Der Berg ist frei" ans Herz, hier findest du einiges aus der Aufbereitung vom Weissen Hirsch Schneeberg aus den 40ger Jahren.
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide.
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fraterminerals
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Re: Aufbereitung auch historisch

Beitrag von fraterminerals »

Hallo EnoM

Danke für den Hinweis. Das Buch habe ich mir schon zugelegt. Kann ich nur jedem empfehlen -tolle teilweise unbekannte Bilder. Das Siebenschlehener Pochwerk ist natürlich sehr bekannt und ein aufbereitungstechnisches Museum.
Hab mir gleich noch mal den Band V Der Berg ist frei angeschaut. Die Anlage auf dem Weißen Hirsch ist nach unseren heutigen Vorstellungen schon relativ modern mit Backenbrecher, Walzenbrecher, Kugelmühle, Flotation und Trockenöfen. Hier wäre es z.B. interessant, ob auch schon um 1800 ...1850 Konzentrate thermisch getrocknet worden sind - also nicht nur statisch auf einem Haufen oder Lufttrocknung in Horten wie bei der Kreide oder Kaolin.
So ähnlich wie auf dem Weißen Hirsch wird (natürlich mit verbesserten Maschinen) auch heute noch größtenteils aufbereitet. Da gibt es relativ gute Informationen zu verfahrenstechnischen Parametern.
Übrigens ist es sehr spannend und interessant sich einmal mit dem Autor Siegfried Woidtke persönlich zu unterhalten.

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EnoM
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Re: Aufbereitung auch historisch

Beitrag von EnoM »

Ich zitiere mal den Förderer des erzgebirgischen Bergbaus aus dem Jahre 1935, hier über Schneeberg, Wernicke:

"....Stein hat in seiner Dissertation nachgewießen, daß bei der naßmechanischen Aufbereitungsmethode 40 -50 % Verluste eintreten. Wenn auch wahrscheinlich nicht in dieser Höhe, so sind doch anderseits auch bei der Verarbeitung der primären Kobalt-Nickel- Wismuterze Verluste eingetreten. Die außerordentlich feine Verwachsung des Speiskobalts und gelegentlich auch des gediegen Wismuts mit der quarzigen Gangart, besonders in den dürren oder Hornkobalten, wird auch hier bei den angewandten Verwahren zu größeren Metallverlusten geführt haben....."
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fraterminerals
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Re: Aufbereitung auch historisch

Beitrag von fraterminerals »

Die Dissertation von Stein möchte ich gerne mal lesen. Kamm man die irgendwo einsehen?

Mit dem Ausbringen ist das so einen Sache. Auch heute noch haben wir Probleme damit.
In vielen Aufbereitungsanlagen wird heute schon alles einfach d80 kleiner 75 µm (0,075mm) aufgemahlen und dann flotiert.
Wir können heute gravimetrisch Gold bis ca. 15…20 µm gewinnen. Schwermetalle bis ca. 50 µm. Leider auch nur mit einem Ausbringen von ca. 50% in diesem Kornbereich.

Ich behaupte mal, dass heutzutage der größte Feind des Ausbringens die fachliche Unwissenheit und Gleichgültigkeit ist.

Alte Zinnseifen waren sicherlich in der Lage bis 90% und mehr Ausbringen zu erreichen. Das kommt daher, dass der Dichteunterschied relativ groß ist und der Zinnstein grob genug und aufgeschlossen war. Leider gibt es heute solche Erze kaum noch und deshalb sind Seifen auch out.

Im 18. + 19. Jahrhundert waren die Durchsätze nach heutigen Maßstäben eher Apothekendurchsätze.
Das hatte den Vorteil, dass man sich mehr Zeit für das Material nehmen konnte und dadurch mit der damaligen Technik brauchbare Ergebnisse erzielen konnten auch wenn es in den Anlagen nach heutigen Vorstellungen wie Kraut und Rüben aussah. Wie groß waren den die Durchsätze eines 3-Stempel Trockenpochwerkes? Es gibt Aussagen die etwa 1,1 t/h für einfache Erze angeben.

Heute sind 1000 t/h in der Erzaufbereitung normal für große Anlagen. Im Eisenerz auch 3000 t/h.
Es gibt Schwermineralaufbereitungsanlagen in Südafrika die 6000 t/h verarbeiten und die schwimmen auch noch. In großen Goldtagebauen werden bis 2.000.000 Tonnen Material (incl. Abraum) pro Monat bewegt.
Mit der Einführung der Dampfmaschine und der Elektrizität kam es zu einer Revolution in der Maschinentechnik auch in Bergbau und der Aufbereitung.
Mich interessiert mehr die Zeit vor der Elektrizität. Ich nenne sie mal Holzzeit.
Leider gibt es nur wenige Enthusiasten die sich mit der historischen Aufbereitung beschäftigen, obwohl das auch sehr spannend ist. Vielleicht kann sich der Eine oder Andere auch für das spannende Thema begeistern - würde michfreuen.
Ich habe mal ein Bild eines Bergmanns und eines Aufbereiters angehangen die meine absolute Hochachtung haben. Sie sehen aus als wären sie aus einer fern zurückliegenden Zeit gekommen und doch ist es Gegenwart. Für Sie ist das täglicher Kampf ums nackte Überleben. Das sollten wir manchmal bedenken wenn wir vom "Abenteuer Bergbau" sprechen.


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