Brasiliens "Fukushima"

... für den Rest, der sonst nicht passt.
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Mannl
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Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Mannl »

RT deutsch - "Brasiliens Fukushima" - Gigantisches Umweltdesaster nach Dammbruch von Eisenerzmine

26.11.2015 • 13:05 Uhr
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Geomartin
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Geomartin »

Vale, BHP Billiton und Samarco haben dazu Seiten eingerichtet:

http://www.bhpbilliton.com/investors/samarco-updates
http://www.valeclarifies.com/
http://www.samarco.com/?lang=en

Laut den Betreibern sind die Schlaemme ungiftig und bestehen im wesentlichen aus Silt. Betreiberangaben muss man natuerlich immer kritisch sehen, aber bei einer Eisenerzgrube macht ein hoher Schadstoffgehalt der Aufbereitungsabgaenge keinen Sinn.
Mannl
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Mannl »

Naja, die "Schlipsträger" sehen nicht so aus als hätten sie jemals eine Schaufel in der Hand gehabt.
Ihr Häuschen steht sicher auch nicht neben der Mine :D
Bei meinem AUDI kommt hinten auch nur Kohlendioxid und Wasser raus :meister:
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markscheider
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von markscheider »

Geomartin hat geschrieben:Laut den Betreibern sind die Schlaemme ungiftig und bestehen im wesentlichen aus Silt. Betreiberangaben muss man natuerlich immer kritisch sehen, aber bei einer Eisenerzgrube macht ein hoher Schadstoffgehalt der Aufbereitungsabgaenge keinen Sinn.
Das habe ich mir auch gedacht. Eisenerz wird doch nicht mit Zyanid gelaugt wie Gold.

Weiß jemand mehr zur Aufbereitungstechnik bei brasilianischem Eisenerz?
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Rudolf
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Rudolf »

Habe ich mich auch gefragt, woher die Chemikalien im Eisenerzbergbau kommen sollen.
Vielleicht spielt Gold eine Rolle:
Gold
Der Goldbergbau in Brasilien hat eine Jahrhunderte lange Tradition. Bereits während der Kolonialzeit
im späten 17. Jahrhundert gab es den ersten Goldrausch in vielen Regionen des Landes. Heute
ist Gold dem Wert nach der zweitwichtigste mineralische Rohstoff nach Eisenerz. 2012 exportierte
Brasilien Gold im Gesamtwert von rund 2,4 Mrd. US$. Mit einer Förderung von rund 66,8 t Gold
(rund 2,2 Mio. Unzen) lag das Land weltweit auf Rang 12 der größten Goldproduzenten (rund 2,5%
der Weltproduktion). Mit Reserven von 2.400 t (77,2 Mio. Unzen) rangiert Brasilien derzeit auf Platz
7 (rund 4,4% der Weltreserven).
Die brasilianische Produktion teilt sich unter den Bundesstaaten laut USGS wie folgt auf: Minas
Gerais 52,4%, Bahia 14,2%, Goiás 10,3%, Mato Grosso 9,5%, Pará 7,9%, Maranhão 4,1% und andere Bundesstaaten
Quelle:studie_brasilien_gtai.pdf
Spart Rohstoffe, Bergbau ist - leider immer noch - Blut und Schweiß !
Geomartin
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Geomartin »

Hier gibt es eine Veroeffentlich ueber die Auswirkung des Eisenbergbaus der Gegend auf eine Lagune an der Kueste inklusive geochemischer Analysen der Tailings: Klick

Erhoehte Hg Gehalte kommen wahrscheinlich tatsaechlich von Goldbergbau, welcher im 18. und 19. Jh in der Gegend stattfand, und erhoehte Ni und Cr Gehalte koennten durch den Abrieb von entsprechenden Stahlsorten in den Muehlen der Aufbereitung herruehren.
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von hungerlieb »

Wenn Dörfer von schwach belasteten Schlamm geschliffen werden, ist das also nicht soooo schlimm... :?

Die Polemisierung von RT ist natürlich auch beeindruckend ("Fokushima"), ich wette über Umweltdisaster im der Heimatregion berichten die nicht in dem Stil.
Glück Auf!
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markscheider
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von markscheider »

Naja, in den deutschen Medien klingt das auch nicht viel anders. Aber die würden sicher über Umweltkatastrophen in .de eher größer als kleiner berichten, insofern gebe ich Dir recht. Wenn ich so an die Ölkatastrophe in Norddeutschland denke (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lun ... sland_2013)... Was macht eigentlich die Versalzung der Werra?

Was bei der Schadstoffbelastung übrigbleibt, wird sich zeigen. Im Moment sieht das für mich so aus, als hätte jemand erstmal alles aufgezählt, was ihm einfiel.

So ein Dammbruch ist immer eine schlimme Sache, selbst dann, wenn es nur Wasser und unbelasteter Schlamm wäre.
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Geomartin »

hungerlieb hat geschrieben:Wenn Dörfer von schwach belasteten Schlamm geschliffen werden, ist das also nicht soooo schlimm... :?

Die Polemisierung von RT ist natürlich auch beeindruckend ("Fokushima"), ich wette über Umweltdisaster im der Heimatregion berichten die nicht in dem Stil.
Hallo, nein, nicht falsch verstehen. Was da passiert ist eine riesige Katastrophe, die das Leben der Betroffenenen fuer Jahre, moeglicherweise Jahrzehnte beeinflussen wird. Aber mich erinnert sowas immer an das hier: https://xkcd.com/748/

Eine gewaltige Katastrophe reicht nicht, man muss immer noch einen drauf setzen. Zumal diese Art Berichterstattung natuerlich Auswirkung hat - bei Oder oder Elbehochwasser kamen 1000sende Freiwillige um zu helfen - waere das genauso gewesen wenn man erklaert haette, das Wasser sei giftig?
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markscheider
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von markscheider »

So, nachdem sich die erste Aufregung gelgt hat, klingt das ganze schon viel weniger hysterisch.
http://www.spiegel.de/panorama/schlamml ... 65126.html

Wichtig finde ich vor allem die Aussage, dass die letzten Proben vom 14.11. keine erhöhte Werte nachweisen konnten.

Die Folgen sind sicher schlimm genug, vor allem was die Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung angeht, aber das mit dem Gift ist nun erstmal nicht eingetreten.
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Fördermaschinenbauer »

Wenn die angegebene Menge stimmt kann man sich allein die Energie der Schlammlawine garnicht wirklich vorstellen.
Erinnert mich an das was ich Ende Dezember 2010 zufällig bei einer Zugfahrt von Budapest nach Graz am Fenster vorbei ziehen sah.
Da war der Dammbruch von Kolontar schon über 3 Monate vorbei. Aber was da alles mit dem (wirklich nicht gerade gesunden) Rotschlamm bedeckt war aus dem teilweise noch ganze Autos senkrecht emporragten...
Und die Menge war dabei um ein vielfaches kleiner.
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Mannl »

4.2.2007
"Landkreis Bernburg in Sachsen-Anhalt
Schlammlawine überflutet Landstraße " (unter "Dammbruch bei bernburg")

Ist bei uns auch schon passiert, nur nicht so dramatisch.
Nachdem man Ursachenforschung betrieben hatte war man schlauer. Aber eben erst hinterher ...
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Geomartin »

Geomartin
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Geomartin »

Neben der bereits beschlossenen Zahlung von 6,2 Mrd USD kommt neues Ungemach auf BHP und Vale zu: Brasilianische Anwaelte haben Zivilklage erhoben und verlangen 55 Mrd Reais bzw 44 Mrd USD von den Konzernen.

http://www.mining.com/bhp-vale-hit-44-b ... ign=digest

Laut BHP wurden durch den Dammbruch 32 Millionen m3 Tailings in die Umwelt entlassen, Vorherige Schaetzungen gingen von bis zu 60 Mrd m3 aus.
Lorenschieber
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Re: Brasiliens "Fukushima"

Beitrag von Lorenschieber »

Zur Aufbereitung von Eisenerz:
Da Eisenerz ein niedrigpreisiges Massenprodukt ist, darf die Aufbereitung nicht viel kosten - schon deshalb kommt da kaum Chemie rein, Flotation ist viel zu teuer. Also im wesentlichen magnetische Aufbereitung und/ oder naßmechanisch (brechen, mahlen, Setzwäsche, Wendelscheider). Aufgabegut unter 40 % Fe ist normalerweise nicht abbauwürdig, das Konzentrat liegt immer über 60 %.

Der Umweltschaden durch den Abraum liegt meistens in der schieren Menge oder im hohen Anteil von Feinstschlämmen, die oft in einfachen Klärteichen nicht sedimentieren und im Abwasser ausgetragen werden. Welche Mengen da zusammenkommen, wird erst richtig klar, wenn das Zeug durch Flockungshilfmittel und Vakuumtrommelfilter abgeschieden wird.
Auf der Grube Clara durften die irgendwann die Lettenschlämme aus der Aufbereitung nicht mehr einfach so in die Kinzig leiten. Wa da dann pro Jahr an "Filterkuchenlehm" zusammenkam, merkt man erst, wenn man sich den ehemalig recht imposanten Tagebau anguckt - der ist inzwischen komplett mit der Pampe verfüllt worden.

Lorenschieber
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