Der Schichtrusse

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sehmataler
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Der Schichtrusse

Beitrag von sehmataler » Mi. 31. Mai 06 20:19

Hallo, mal zum Einstand eine heitere Geschichte von mir:


Der Schichtrusse

Die Bergarbeiten der SAG Wismut standen anfänglich unter strenger Aufsicht und Leitung des sowjetischen Führungspersonals. In den ersten Jahren waren dies ausschließlich Soldaten und Offiziere der Pioniereinheit Feldpostnummer 27304 unter Generalmajor Malzew, des vormaligen Kommandanten des berüchtigten Arbeitslagers „Workuta“. Viele von ihnen hatten die Schrecken des Krieges am eigenen Leibe erfahren, oder Angehörige und Freunde verloren. Es war nur zu verständlich, dass es unter ihnen einige regelrechte „Deutschenhasser“ gab.
Ein solcher war im Cunersdorfer Dorotheastolln für die Beaufsichtigung der Bergarbeiter zuständig und wurde unter den Deutschen „der Schichtrusse Leo“ genannt. Sein Vornamen war vielleicht „Leonid“.
Er trieb die deutschen Bergleute an und bestrafte sie unnachsichtig. Wenn etwas nicht gleich klappte hieß es gleich: „Sabotage“ oder „Faschist“ und es drohte dem Betreffenden der Verlust der damals so begehrten Essenmarke.
Den Erzählungen der deutschen Bergleute vom Berggeist begegnete er mit Spott und Flüchen. War er aber wirklich gegen den Aberglauben gefeit?
Eines Tages oder besser Nachts versteckten sich zwei Bergarbeiter in von unten nicht einsehbaren Örtern des Felix Spat über dem Dorothea Stolln. Schon die Höhe der Streckenauffahrung und die versteckten, nach oben abzweigenden Abbauörter wirken hier im von allen Betriebspunkten abgelegenen Grubenfeld gespenstisch. Als gegen Mitternacht der Schichtrusse auf seinem Kontrollgang hier vorbeikam, fingen die zwei an zu jaulen und heulen, dass es einem durch Mark und Bein ging.
Beim „Schichtrussen“ hatten die Erzählungen über den Berggeist offenbar tiefere Spuren hinterlassen als gedacht. Vor Schreck die Haare unter dem Helm zu Berge stehend, flüchtete er zum Stollnmundloch und ließ sich die ganze Nachtschicht lang nicht wieder im Schacht blicken. Nach diesem Ereignis soll er angeblich die deutschen Bergarbeiter nachsichtiger und humaner behandelt haben als vorher. War dies nicht ein gelungenener Beitrag zur „Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft“?
Es soll hier aber nicht verschwiegen werden, dass die meisten sowjetischen Genossen trotz leidvoller Kriegserfahrung die deutschen Bergarbeiter loyal behandelten.

nach einer mündlichen Mitteilung von Herrn Hans Teich †, Cunersdorf
Nec scire fas est omnia

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geophys
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bei Suche nach Informationen den Stefan wieder entdeckt

Beitrag von geophys » Mo. 02. Apr 07 19:45

Glück auf, Stefan!!! javascript:emoticon(':shock:')
Shocked

Es muss so etwa 17 Jahre her sein, als ich das Glueck hatte, dir bei einer Tour in besagter Grube folgen zu koennen. Wie ich sehe, untersuchst du die Reviere der Stadt immer noch. Weist du wer ich bin?
Wir haben fast zur gleichen Zeit in Schlema gelernt. Dir war es nach Bergbautechnologie, mir nach dem technischen Hinterland. Zuletzt war ich in Poehla / Geophysikalische Werkstaetten.
Mich hat es in die Welt getrieben. Mit einem offenen Auge habe ich immer das Geschehen in ANA verfolgt und mit den Veraenderungen auf der sogenannten Franke-Halde ( Schacht 116 ) bin ich natuerlich auch dort gewesen und habe einige Fotos geschossen. Wir duerften uns nur knapp verfehlt haben.
Also, ich wuerde mich freuen, mal wieder mit dir plauschen zu koennen.
Uebrigens deinen Riss der Dorthea-Grube habe ich noch!
Es gibt da einiges, was mich interessieren wuerde.
frank|.|langer|bei|freenet|.|de

Nicht versauemen moechte ich es, bei meinen Recherchen "wiedergetroffene" ehemalige Kumpels aus Poehla zu gruessen.
Ganz besonders Mario Paessler, Juergen Ziller, Paul Paprzig, den Stefan
Glueck auf, euch allen und Alles Gute ...


Frank Langer
vormals Schacht 371 / dann Poehla ( bis 90 )
Geophysik. Werkstaetten

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sehmataler
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Frohe Ostern

Beitrag von sehmataler » Sa. 07. Apr 07 12:35

Hallo Frank,
das ist ja eine Überraschung! Wie schnell doch die Zeit vergeht. Wir waren doch vor "paar Jahren" noch zusammen in Pöhla... Ich melde mich mal per PN
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