Erdfall in Nordhausen

Wenn sich die Erde auftut. Informationen zu Bergschadensereignissen und Sanierungen.
Ramona_Alig
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Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ramona_Alig » Sa. 20. Feb 16 16:33

Am Freitag fand wieder einmal ein Erdfall in Nordhausen statt.

http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/ ... 24728.html

http://www.mdr.de/thueringen/erdrutsch- ... en100.html

http://www.focus.de/regional/videos/40- ... 01314.html

Ich arbeite in dem Staatlichen Berufsschulzentrum Nordhausen in dem Gebäude Haus 3 mit den Koordinaten 51°30'27.9"N 10°46'14.6"E (500 m vom Erdfall vom 19.02.2016 entfernt). Vor 2 Jahren entstand in der 3. Etage in einem Mittelraum ein großer Riss (ca 1 cm breit) durch das Gebäude. Es sah aus, als wolle ein Raum abreißen. Ich habe diesen Riss gemeldet und den Hausmeister um eine Information an das Landratsamt gebeten. Dieser Riss wurde dann mit einem Fugenfüller verschlossen und gesagt, das es zu keinen weiteren Rissen im Gebäude mehr kommen sollte.

In den letzten 2 Wochen entsteht auf der anderen Seite in diesem Gebäude wieder in der 3. Etage, Raum 204, ein großer Riss. Diesmal nur längs. Er verbreitert sich auch massiv, ist aber erst 3 mm breit. Ich habe Bedenken, dass das Landratsamt wieder nur den Riss verschließt. Für mich sieht das aber wie eine massive Veränderung am Gebäude aus. Zwischen dem Erdfall vom Freitag und dem Gebäude der Berufsschule fließt die Salza.

Wenn es zu einer größeren Setzerscheinung während des Unterrichtes kommt, könnte eine große Anzahl von Schülern betroffen sein.
Was ist hier sinnvollerweise zu tun? Eine E-Mail mit meinen Schilderungen habe ich eben an das TLUG gesendet.

Glück Auf!
Ramona

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EnoM
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von EnoM » Sa. 20. Feb 16 18:16

Mein Geschriebenes wird Dir nicht wirklich weiter helfen, aber ich denke nach diesem Krater wird jetzt vermutlich mehr passieren als nur Fugenfüller. Ebenso würde ich mal im Umfeld an den anderen Häusern und im Boden (Erdreich) nach neuen Rissen bzw. Veränderungen Ausschau halten und gegebenfalls mit den Bewohnern kurzschließen.
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide.
(CvD)

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MatthiasM
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von MatthiasM » Sa. 20. Feb 16 18:44

Ist das dort ganz natürlicher Gipskarst oder gibt es da (Alt)bergbau oder ggf. beides (bergbaubeeinflußte Wasserwegsamkeiten, die im Gipskarst eventuelle Wirkungen zeigen)?

GA/GT Matthias

PS.: Das Bernsteinzimmer!? (Sorry, das mußte jetzt sein, nach DEM haarsträubenden Schmarren an Verschwörungstheorien, der bereits in den Kommentaren blüht - siehe der Link auf die MDR-Webseite - mir ist völlig klar, daß die Anlieger das alles absolut nicht witzig finden, egal was die Ursache ist.....)

PPS.: Wegen der konkreten Risse im Gebäude: Wenn die Behörden selbst nach dem Ereignis nichts tun, die Risse Risse sein lassen und an relevanten Stellen kleine Gipsplomben setzen und fotografisch mit Millimeterpapier daneben dokumentieren. Vielleicht gibt es hier im Forum jemanden, der da eine genaue Anleitung geben kann, wie das ganz formgerecht für maximale Beweiskraft gemacht gehört. So merkt man am schnellsten, wenn und wenn ja wie schnell sich da was weiterbewegt. Der Schilderung nach ist das beunruhigend flott.....

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von markscheider » Sa. 20. Feb 16 19:09

Im einfachsten Fall reicht ein handgeschriebenes Protokoll mit Datum, Uhrzeit und Breite des Risses.

Besser sind zusätzliche Fotos, noch besser ein Rissmonitoring. Auf beiden Seiten des Risses einen Dübel setzen, Schraube mit Unterlegscheibe rein, Messung immer von Zentrum zu Zentrum. Nächste Stufe: Meterrissmarken http://goecke.de/Produkte/Vermarkungsma ... OTHBUCHER/
Ab der Stelle gehts dann langsam ins Geld.
Dann käme so etwas: https://de.wikipedia.org/wiki/Rissmonitor
und danach dasselbe in elektronisch mit automatisierter Messwertübertragung und Grenzwertüberwachung.

Gipsmarken taugen nur dort, wo es absolut trocken ist. Außerdem sind sie 'digital': gerissen oder nicht.

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fotograf
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von fotograf » So. 21. Feb 16 0:22

Hier mal noch eine kleine Videosequenz zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=kPmFmO08Jv0
Glück Auf !
Jürgen

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ramona_Alig » So. 21. Feb 16 10:42

Vielen Dank für Eure Hinweise. Ich werde morgen alles mit Hilfe von Größenverhältnissen Fotodokumentieren und ein Protokoll über die Veränderung der Risse anlegen.

Glück Auf!
Ramona

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von markscheider » So. 21. Feb 16 20:08

Hallo Ramona, laß uns bitte daran teilhaben. Sicherlich kannst Du irgendwo einen Grundriß der Schule zum kopieren bekommen, dort dann die Lage der Risse einzeichnen. Im primitivsten Fall genügt als Grobübersicht ein Screenshot von OpenMaps (nicht Google, wg. Urheberrecht), in dem euer Gebäude und die Bergschadensstelle markiert ist. Immer vom großen zum kleinen Arbeiten, auch bei den Fotos. Erstmal ein Übersichtsbild, auf dem man sich orientieren kann, dann Details. Das für jede Stelle separat.

Vielleicht kannst Du sogar rückwirkend die alten Daten mit einarbeiten, wenn auch nur ungenauer. Datum der Feststellung, Rissbreite aktuell - damit erfasst man zwar nicht, ob die Bewegung bereits abgeklungen ist, aber besser als nichts.

Im übrigen soll nicht unerwähnt bleiben, daß sich Legionen von Bausachverständigen und Ingenieurbüros mit dem Thema befassen - gugel mal nach Beweissicherung am Bau. Natürlich kostet das.

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mannl » Mo. 22. Feb 16 8:45

Habe die Sache mit großem Interesse verfolgt !
Die Vorschläge von Markscheider sind absolut richtig und zielführend. Fotograf und Schlottenmops könnten hier sicher Hinweise geben ... Die befassen sich mit dem Thema "Karsthohlräume".

Entscheidend ist die Geologie am Ort. Nach den bisherigen Angaben muss es ein sehr großer Hohlraum gewesen sein (er steht sicher unter Wasser). Könnte man berechnen. Ich gehe davon aus, dass er nicht vollständig verbrochen ist. Die eingedrungenen (verflüssigten) Lockermassen stabilisieren den Resthohlraum nicht. Es könnte somit zu Senkungserscheinungen im Umfeld kommen. Lässt sich ebenfalls berechnen (Senkungstrog). Einen direkten Zusammenhang mit der Salza sehe ich nicht. Die Verkarstungsprozesse laufen unter dem Grundwasserspiegel.
Aus der Historie sind z.B. die Saaleversinkungen bei Wettin bekannt, dort ist der Fluß für Tage trocken gefallen, es musste sich also ebenfalls um sehr große Hohlräume gehandelt haben ...

Hier noch einen Link gefunden :

http://kaufungen-bib.eu/wp-content/uplo ... sbruch.pdf

Bin gespannt wie es weiter geht !

Ramona_Alig
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ramona_Alig » Mo. 22. Feb 16 21:06

Eine kurze Beschreibung der heutigen Ereignisse:

7.30 Uhr Info an mich, dass der Direktor eine Information über meine Mail an
das TLUG erhalten hat.

Dieser hat mich darauf hingewiesen, dass ich den Dienstweg nicht eingehalten
habe und dass das nicht in meinem Aufgabenbereich fällt. Er hat dann die
Schäden fotografiert.

Der Hausmeister hat gegen Mittag dem Vermieter des Gebäudes über den Schaden
informiert und ihm mitgeteilt, dass er sich um den Verschluss der Risse
kümmern müsste.

Eine Beschreibung der Bilder:
(Bild erdafall.jpg)
OSM Erdfall und Lage der Risse im Gebäude. Nur in der 3. Etage.
Die Lage der Risse ist skizziert. An eine richtige Karte komme ich nicht.
Nummer 1 ist das Lehrerzimmer. Hier sind Risse links und rechts des Fensters
etwa 2 mm breit. Der rechte Riss ist die Gegenseite zum Raum 204.
Nummer 2 – Raum 204 erst einmal nur eine Aufnahme. Der Riss ist 1 mm stark und
in einem Abstand von ca. 1 Stein entsteht ein weiterer Riss. Ebenso über den
Fenstern der Außenwand.
Nummer 3 – Raum 202 ist die Gegenseite zum Lehrerzimmer auf der anderen Seite.
Auch hier ist der Riss 2 mm breit.

Zumindest scheint Nordhausen ein neues Ausflugsziel zu haben. Solange es nicht
regnet, scheinen doch einige Neugierige zum Ort des Geschehens zu pilgern.
Dateianhänge
raum_202.jpg
Raum 202 Klassenraum
raum_204.jpg
Raum 204 Klassenraum
lehrerzimmer_rechts.jpg
Lehrerzimmer in der Mitte
lehrerzimmer_links.jpg
Lehrerzimmer in der Mitte
erdfal.jpg

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Waldschrat » Mo. 22. Feb 16 22:02

Ramona_Alig hat geschrieben:dass ich den Dienstweg nicht eingehalten
habe
Das TLUG ist ja keine der Schule vorgesetzte Behörde. Der Chef war aber sauer, weil
- er nicht Bescheid wusste
- das nervt und Arbeit macht
- er nicht selbst drauf gekommen ist

Das ist normal. :wink:
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von markscheider » Mo. 22. Feb 16 22:06

Wenn ich Ramona richtig verstanden habe, dann hatte sie versucht, den Dienstweg einzuhalten, es wurde aber nicht weitergemeldet?

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ramona_Alig » Mo. 22. Feb 16 22:44

Ich habe wirklich den Dienstweg nicht eingehalten. Ich hätte nur den Direktor informieren dürfen.
Es wird aber nun wohl nicht viel passieren. Der Vermieter wird irgendwann zuschmieren lassen.

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mannl » Mo. 22. Feb 16 22:45

Einfach nur UNSÄGLICH :shock:

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mops » Di. 23. Feb 16 0:22

Ja wirklich, das ist einfach unsäglich!

Bürgerschaftliches Engagement bei der Erkennung möglicher Gefährdungen für Personen am Arbeitsplatz sollte nach meinem Rechtsverständnis nicht zwingend an einen Dienstweg gebunden sein. Die Praxis zeigt ja, dass nur allzu oft ganz einfach abgewiegelt wird.

Es grenzt schon an Idiotie, dass diese Fläche überhaupt wieder bebaut worden ist. Mich würde interessieren, welche behördlichen Stellungnahmen im Verfahren der Baugenehmigung dazu eingeholt worden sind.
Glück auf! | Mops

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mops » Di. 23. Feb 16 2:20

Das Thema lässt mich nicht los, und ich bringe es hier einmal ganz hemdsärmelig auf den Punkt: "Ein Erdfall kommt selten allein"!

Vorab: Bergbauliche Beeinflussungen im fraglichen Gebiet sind ausgeschlossen, es handelt sich um Karst.

Hinsichtlich der Verbreitung von Erdfällen „auf der Fläche“ unterscheide ich heute aus der langjährigen Erfahrung meiner eigenen historischen (!) Forschung drei Szenarien:

1) vereinzelter Erdfall, ohne direkt erkennbaren Zusammenhang mit weiter entfernt liegenden anderen Erdfällen,
2) gruppiert auftretende Erdfälle, alle mehr oder weniger linear angeordnet und
3) gruppiert auftretende Erdfälle, auf begrenztem Gebiet als „Punktwolke“ angeordnet.

Ohne gründliche Recherchen würde ich im konkreten Fall nicht entscheiden können, welches der drei Szenarien hier vorliegt. Davon hinge aber ganz entscheidend die Beantwortung der Frage ab, ob ein ca. 500 m entferntes Gebäude durch einen Erdfall gefährdet sein kann.

Ansonsten bin ich immer wieder erstaunt, welche selbsternannten Koniferen sich in den Medien zur Thematik der Erdfälle äußeren und welchen Unsinn sie von sich geben. Erdfälle sind seit rund eintausend Jahren in Deutschland als solche bekannt, und es gibt ungezählte Hinweise in der Literatur dafür. Ich könnte jetzt lange schwadronieren darüber… Das Fazit jahrhundertelanger Erfahrung ist ganz einfach, dieses Naturphänomen als nicht beherrschbar anzusehen und die betreffenden Gebiete von einer Bebauung freizuhalten. Es wird aber immer Leute geben, die das ganz anders sehen. Sie werden vermutlich empfehlen, diese oder jene Untersuchung in Auftrag zu geben, um etwas mehr an Informationen zu erlangen…

Die verschriftlichen Dokumente zu Erdfällen im Zechstein des Südharzes (Risse, Berichte) aus den letzten 200 Jahren zeigen ganz eindeutig, dass Erdfälle stets nur als der punktueller Durchbruch (!) einer insgesamt sehr viel größeren Karsthöhle anzusehen sind. Diese meine Ansicht kann ich sehr wohl begründen und wissenschaftlich dokumentieren. Ich will mich an dieser Stelle aber nicht weiter ungefragt an Diskussionen beteiligen!

An Ramona: Deine Besorgnis angesichts der Gebäuderisse halte ich für berechtigt. Es kann durchaus so sein, dass die Lockersedimente (Flusskiese und –sande, oder sonst noch was) über dem anstehenden Gips / Anhydrit durch den Erdfall „nur“ mobilisiert worden sind. Das wäre der Glücksfall. Genauso gut könnte es aber sein, dass sich möglicherweise unter Deinem Arbeitsplatz in Fortsetzung des Erdfalls eine weitere Höhle verbirgt… Damit lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster, und ich will hier auch keine Panik verbreiten. Diese Frage muss kurzfristig geklärt werden, damit keine Personen zu Schaden kommen.

Wenn die Stadt Nordhausen jetzt wirklich sinnvoll Geld in die Hand nehmen will, dann sollte sie direkt neben Deinem Schulgebäude eine Bohrung auf ca. 100…150 m Tiefe veranlassen, um einen etwaigen Hohlraum zu erkennen oder auch auszuschließen.

Warten wir mal ab, was an Resonanz auf diese Beiträge im Forum noch hereinflattert. Ich habe mir abgewöhnt, meine Kommunalpolitiker belehren zu wollen. Die meisten von ihnen sind bei leisen Tönen beratungsresistent… Das nimmt sich anders aus, wenn vermeintliche Investoren oder stets wohlwollende Lobbyisten am Werk sind.
Zuletzt geändert von Mops am Di. 23. Feb 16 14:14, insgesamt 1-mal geändert.
Glück auf! | Mops

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Krafti » Di. 23. Feb 16 3:17

@ Michael:
Du hast den Nagel mal wieder genau auf den Kopf getroffen. Ich konnte bei den Meldungen der letzten Tage auch meistens und vor allem sehr ernüchternd mit dem Kopf schütteln, bei dem was diese sog. "Experten" da vom Stapel gelassen haben.
Werde es im Übrigen auch weiterhin verfolgen und hoffe, dass wirklich Niemand durch solch ein Ereignis noch zu Schaden kommt.
Glück Auf!

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mannl » Di. 23. Feb 16 9:47

Michael hat es auf den Punkt gebracht !

Hier noch ein Literaturhinweis: => speziell S. 12 ff Abb. 10

dr-gmeier.de/onlineartikel/oa0032

Ingenieurbüro Dr. G. Meier
Ingenieurgeologie - Geotechnik - Bergbau
Onlineartikel
Dr.-Ing. habil. G. Meier
Dipl.-Ing. J. Meier
Wegefarth / Freiberg
http://www.dr-gmeier.de/
Erdfälle und Tagesbrüche – Möglichkeiten einer
numerischen Modellierung
Stichworte
Tagesbruch, Erdfall, Verbruchprozess, Verbruchmodellierung, Verbruchberechnung, Äquidistanz,
Gesetzmäßigkeit, Zufälligkeit, Karst, Altbergbau
Zusammenfassung

Er berechnet:

Erdfalldurchmesser 7 m
Deckgebirge 136 m
Auslaugungshorizont (Anhydrit/Gips) 134 m

Bruchschlotvolumen 5234 cbm + Auflockerung (1,6) 3140 cbm
Hohlraum (max th. Auslaugung) zwischen 180 und 400 Tausend cbm

Ich wage mir nicht vorzustellen wie groß der Hohlraum bei dem aktuellen Erdfall gewesen sein muss !?
Ich rate mal - 2-4 Mio cbm :gruebel: (sicher gibt es ein Rechenprogramm zur Prognose - hab ich natürlich nicht)
Das sollte auch einen Senkungstrog zur Folge haben ? und da sind wir wieder bei Ramona.
Ich würde die Risse als Zerrungsrisse am Trogrand interpretieren ...

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von fotograf » Di. 23. Feb 16 23:00

Mal als kleine Präzisierung. Nach einer Luftbildauswertung beträgt die Entfernung zwischen
dem Erdfall und dem Schulgebäude nur ca. 150 m.
Ansonsten sehr solide fachliche Betrachtung vom Schlottenmops. Danke !!!
Glück Auf !
Jürgen

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von ulf » Di. 23. Feb 16 23:33

1.)
@ Mannl : schoene Literaturstelle. Danke! Bitte noch ein pdf anfuegen:
dr-gmeier.de/onlineartikel/oa0032.pdf

2.)
staendig fliegen Hubschrauber über das sink hole :gruebel:, dabei geht's doch ganz einfach:

http://www.karstwanderweg.de/publika/mi ... /index.htm

2tes Drittel (gibt leider keine Angerpunkte), ab

F. SCHUSTER bezeichnete ihn als den tiefsten Erdfall des Südharzes und schrieb darüber...

WEICHEIER! :aetsch:

3.)
btw
thGrlwthblckKrbnrs (theGirlwithblackKarabiners)
https://www.google.de/search?q=black+Kr ... CUQBQgTKAA
hat gerade ICD10 R49.0, MeSH D055154, MEDDRA C1527344. :alc:

GA
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mops » Mi. 24. Feb 16 0:04

Bei nur 150 m Entfernung tifft sehr wahrscheinlich die Ansicht vom Mannl den Kern der Sache: "Zerrungsrisse am Trogrand"!

Da der Erdfall in relativ gering bindigen Lockersedimenten steht, wäre von Natur aus (im unbebauten, unversiegelten Gebiet) folgendes zu erwarten: Die Ränder brechen nach, und dadurch erweitert sich der Erdfdall ringsum annähernd kreisförmig. Der Durchmesser kann dann gut und gerne doppelt so groß werden, und zugleich nimmt die Tiefe nach und nach ab. Wenn jetzt also nicht sofort verfüllt wird (und zwar mit rolligem Kies und mit nichts anderem), wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Gebäudeschäden geben. Mindestens brechen die beiden unmittelbar benachbarten Gebäude weiter ein.

Ansonsten verstehe ich die Logik des Verwaltungshandelns nicht. An fast gleicher Stelle ist am 6. März 2010 ein Unimog mitsamt des Fahrers im Erdfall verschwunden. Der gute Mann hat wirklich sehr viel Glück gehabt und konnte sich noch retten. Und dann werden dicht neben dem Erdfall, beiderseits des zerstörten Gebäudetraktes, rechts und links einfach zwei neue Giebel aufgemauert, und alles ist wieder in Butter. Das ist mir deutlich eine Nummer zu hoch.

Die Bohrungen im Jahr 2010 sind entweder aus Kostengründen oder wegen technischer Probleme bei rund 50 m Teufe abgebrochen worden, ohne den noch viel tiefer liegenden Hohlraum je erreicht zu haben.
Glück auf! | Mops

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mops » Mi. 24. Feb 16 2:06

Zum Beitrag von Ulf:

Mit Reinhard und Christel Völker bin ich persönlich gut bekannt.

http://www.karstwanderweg.de/publika/mi ... ndex.htm#2

Ich schätze vor allem ihre ausgzeichnete Kenntnis des Geländes. Dessen ungeachtet teile ich nicht in allen Fragen ihre nomenklatorische Ansprache der Depressionen im Gipskarst des Südharzes dahingehend, was als ein Erdfall oder als eine Doline zu bezeichnen ist.
Glück auf! | Mops

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von markscheider » Mi. 24. Feb 16 6:41

Schlottenmops hat geschrieben:Bei nur 150 m Entfernung tifft sehr wahrscheinlich die Ansicht vom Mannl den Kern der Sache: "Zerrungsrisse am Trogrand"!
Das könnte man anhand des Monitorings zweifelsfrei nachweisen, wenn
- es spätestens jetzt aufgenommen wird
- zusätzlich zur Rissüberwachung auch die Vektoren erfasst werden (tachymetrisch),
- der Erdfall noch nciht zur Ruhe gekommen ist, es also weitere Bewegung gibt.

Hinterher ist man immer schlauer, deshalb schreibt sich das jetzt leicht, doch man hätte (in Kenntnis des ersten Erdfalls) beim ersten Auftreten von Rissen an benachbarten Gebäuden (wie in diesem Fall) sofort ein Überwachungsprogramm starten sollen. Ich bin sicher, daß man damit die Anzeichen des bevorstehenden Erdfalls erkennt hätte. Es war doch nur Glück, daß niemand zu Schaden kam, weil der Erdfall zu einem Zeitpunkt eintrat, als sich niemand dort aufhielt. Das hätte auch anders sein können.

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mannl » Mi. 24. Feb 16 8:53

Fachlich und sachlich sehr gute Entwicklung des Themas !
Danke an ALLE !l

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Rudolf » Mi. 24. Feb 16 20:48

@schlotenmops
Das Fazit jahrhundertelanger Erfahrung ist ganz einfach, dieses Naturphänomen als nicht beherrschbar anzusehen und die betreffenden Gebiete von einer Bebauung freizuhalten. Es wird aber immer Leute geben, die das ganz anders sehen.
Ansonsten verstehe ich die Logik des Verwaltungshandelns nicht. An fast gleicher Stelle ist am 6. März 2010 ein Unimog mitsamt des Fahrers im Erdfall verschwunden. Der gute Mann hat wirklich sehr viel Glück gehabt und konnte sich noch retten. Und dann werden dicht neben dem Erdfall, beiderseits des zerstörten Gebäudetraktes, rechts und links einfach zwei neue Giebel aufgemauert, und alles ist wieder in Butter. Das ist mir deutlich eine Nummer zu hoch.
Danke für Deine Ausführungen.
In Überschwemmungsgebieten von Flüssen wird auch ständig gebaut
und am Ende gejammert, wenn ruck zuck mal wieder ein Jahrtausendhochwasser ist. Vielleicht hats Land dem Bürgermeister gehört oder jemand aus dem Gemeinderat oder die Verwaltung wollte jemand entgegenkommen.(Sorry für die Entfernung vom Tema)
Spart Rohstoffe! Bergbau ist Blut und Schweiß!

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von MatthiasM » Do. 25. Feb 16 10:28

Wobei DER Vergleich mit den Überschwemmungsgebieten ein bißchen hinkt, weil viele Lokalitäten, die früher traditionell (im Sinne von jahrhundertelanger guter Erfahrung) sicher bewohnt werden konnten, erst aufgrund von relativ jungen menschlichen Maßnahmen (auch aus Unwissenheit gemachte z.B.) zu Gefahrengebieten WURDEN (Flußbegradigungen, die Hochwasserprobleme einfach "flußabwärts" weiterschieben, Abholzung, Bodenversiegelung, ggf. auch Folgen der Klimaveränderungen, usw. usf. was die Überschwemmungen betrifft, oder, ja, auch Bergbaumaßnahmen - siehe Ruhrgebietssenkung).

Im Karst ist es natürlich nicht so einfach,. (OK, wenn man sich Karstgebiete im Mittelmeerraum anschaut, da hat der Mensch auch teils historisch Mist gebaut durch großflächige Abholzungen usw. und die unterirdischen Vorgänge dadurch zumindest gefördert).

GA Matthias

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ruhrbergbau » Mo. 29. Feb 16 0:44

Glück Auf,
ich hoffe ihr verfolgt die Sache weiter und werdet ausführlich über den Erdfall berichten. Ich hoffe Ramona kann uns weiterhin Infos zur Rissbildung im Schulgebäude zeigen.
Danke

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Mops » Mo. 29. Feb 16 1:04

Ja genau, wir sollten gemeinsam am Ball bleiben! Es entstehen zwar jedes Jahr im Gipskarst mehrere neue Erdfälle, aber diese sind eher selten so groß und noch seltener liegen sie in bebauten Gebieten.
Glück auf! | Mops

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ramona_Alig » Di. 01. Mär 16 19:41

Ich möchte mal die Bilder im Vergleich zur vorhergehenden Woche ins Netz stellen. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse werden die Bilder nicht besser und ich kann nicht mit großer Technik auffahren. Bei dem Bild Raum 204 musste ich 2 Bilder aufeinandersetzen.

Im Spaß sage ich immer, wenn ich morgens auf den Parkplatz fahre und der Streusalzturm nebenan noch steht, ist sicher noch alles gut. :aetsch:
Dateianhänge
raum_204_01042016.jpg
lehrerzimmer_rechts01032016.jpg

Ruhrbergbau
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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von Ruhrbergbau » Di. 01. Mär 16 20:48

Vielen Dank Ramona für die Bilder. Bitte weiterhin die Risse in den nächtsten Tagen beobachten. Sind denn jetzt Maßnahmen ergriffen worden?
Glück Auf

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Re: Erdfall in Nordhausen

Beitrag von fotograf » Di. 01. Mär 16 21:53

Danke Ramona für die neuen Bilder. Sehr interessanter Vergleich.
Bin gespannt wie sich die Risse weiter fortsetzen.
Glück Auf !
Jürgen

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Quidquid agis prudenter agas et respice finem

Tief unter dem Mansfelder Land - da liegt ein Schatz begraben ...

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