Welcher Kompass für Vermessung?

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thomas44
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Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von thomas44 » Do. 27. Aug 15 14:39

Glück auf!

Welcher Kompass ist gut geeignet für die amateurmäßige "Vermessung" von Stollen und Strecken unter Tage, der nicht gleich ein Vermögen kostet? Das Ziel ist keine Vermessung mit markscheiderischer Präzision, sondern die "einigermaßen" genaue Kartierung von Altbergbau bis zu einigen 100 Metern Länge, vor allem auch, um markante Punkte über Tage im Gelände wiederzufinden.

Es sollte möglich sein, einen Punkt in der Ferne anzupeilen und die Richtung gegen magnetisch-Nord einigermaßen präzise abzulesen. Schön wäre eine Genauigkeit um etwa 1 Grad. Mit dem momentan genutzten "Eschenbach Junior" (Kartenkompass) komme ich schätzungsweise auf 3-5°, je nach dem, wie viel Mühe man sich gibt. Hat jemand eine Idee, womit das mit vertretbarem Aufwand etwas besser geht?

Danke!
Thomas

Mannl
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von Mannl » Do. 27. Aug 15 15:59

Indem man einen Geologenkompass bei ebay erwirbt. Die "Freiberger" liegen so um die 100 € ....
Empfehlenswert !
Ehre dem Bergmann, dem braven Mann !
Glück Auf ! Mannl

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AdM_Michael
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von AdM_Michael » Do. 27. Aug 15 17:17

Ein reiner Geologenkompaß ist für die Vermessung von Grubenbauen erstmal wenig geeignet, da Visiereinrichtung oder Aufhängung fehlen.

Klassische Instrumente wären:
Suunto KB14 Kompaß
Suunto PM-5 Neigungsmesser
Suunto Tandem Kombi-Instrument

Silva Sightmaster Kompaß

Breithaupt Nr. 350 COHEN
Breithaupt Nr. 370 COBRU

Freiberger Präzisionsmechanik Geologenkompaß mit Spiegel
Freiberger Präzisionsmechanik Spiegelkompaß mit Kollimatorvisier

Brunton Omni-Sight Kompaß
Brunton Omni-Slope Neigungsmesser
Brunton Pocket Transit
(Die Brunton Pocket Transits bitte nicht mit den unbrauchbaren Kopien aus Messing mit sehr fantasievollen Herstellernamen verwechseln.)

Shetland Attack Pony Digitalkompaß/Neigungsmesser leider nicht immer verfügbar


US Artillerie Kompass M2 oliv
(einfache sehr preiswerte Kopie vom Brunton Pocket Transit mit deutlich geringere Genauigkeit)

Einige der oben genannten Instrumente sind aktuell auch bei ebay gebraucht erhältlich. Bei Kompassen aus dem Ausland sollte jedoch unbedingt auf die Inklination geachtet werden. Nicht alle sind so eingestellt, daß sie in Deutschland auch richtig funktionieren.
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thomas44
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von thomas44 » Do. 27. Aug 15 21:17

Danke, das ist ja schonmal ne Auswahl.

Frage: ist der Freiberger Geologenkompass flüssigkeitsgedämpft? Das wäre ja m.e. schon sinnvoll. Ich hab auch noch einen älteren Marschkompass (vermutlich Vorkrieg), der zwar sehr präzise ist, aber die Nadel braucht ewig, bis sie zur Ruhe kommt...

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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von AdM_Michael » Do. 27. Aug 15 21:38

Die klassischen die Freiberger Modelle sind alle ungedämpft. Das Einschwingen der Nadel kann aber durch geschickten Einsatz der Nadelarretierung gedämpft werden.

Bei Breithaupt hat der COBRU eine magnetische Dämpfung. Die original Brunton Pocket Transits und auch der Nachbau M2 haben ebenfalls eine magnetische Dämpfung.

Die Peilkompasse von Suunto, Silva und Brunton sind flüssigkeitsgedämpft.

Digitalkompasse wie das SAP benötigen keine Dämpfung, sind aber dafür deutlich empfindlicher gegenüber Störeinflüssen.
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von Waldschrat » Fr. 28. Aug 15 23:27

Dein Kompass ist o.k. Miss aus der Gegenrichtung zurück und mach die Messzüge nicht zu lang. Mehr zur Frage der Messgenauigkeit hier.
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thomas44
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von thomas44 » Mi. 02. Sep 15 13:41

Ich glaube, bei Deinem Tipp werde ich wohl vorerst doch bleiben.
Über das Wochenende waren ja tatsächlich ein paar interessante Instrumente in der Bucht, aber den Freiberger Kompass für um die 100€ zu kriegen, scheint zumindest bei der aktuellen Marktlage illusorisch zu sein. Vor allem nicht die Ausführung mit Kollimatorvisier. Ein etwa vergleichbares Instrument aus westdeutscher Fertigung endete dann ebenfalls in einer solchen Preisregion.

Mein Hobby darf schon etwas kosten, aber ich glaube, daß der Zuwachs an Präzision zumindest bezogen auf meinen Anwendungsfall doch nicht im Verhältnis zum Anschaffungspreis für ein gebrauchtes Instrument steht, so dass ich bis auf weiteres wohl doch etwas öfter und aus beiden Richtungen mit dem einfachen Kompass weiterarbeiten werde (ganz so schlecht ist der ja nun auch nicht).

Den Markt weiter im Auge behalten und bei einem Schnapper dann auch zuschlagen werde ich natürlich trotzdem :)

Glück auf!
Thomas

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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von AdM_Michael » Mi. 02. Sep 15 16:15

Das Meßverfahren solltest Du im Interesse des Ergebnisses auch bei einem Upgrade des Instrumentes nicht ändern, aber statt eines Geologenkompasses würde ich eher zu einem Suunto KB14 und einem Suunto PM-5 tendieren. Die sind für Vermessungsaufgaben besser geeignet als Geologenkompasse oder Universalinstrumente und sind mehr oder weniger schon international ein Standard in der Höhlenvermessung und im Forstbereich.

Auch wenn 'gebraucht' erstmal günstig in der Anschaffung erscheint, wäre ich doch vorsichtig, da die bisherige Nutzung und Beanspruchung selten bekannt sind.
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von thomas44 » Do. 17. Sep 15 23:39

Die Überlegung "gebraucht" wäre ja erstmal für den Freiberger gewesen, entfällt aber jetzt schon allein aufgrund der Preise, die man, wie Du ja auch sagst, letztlich für eine unbekannte Vorgeschichte bezahlt.

Ich habe mir daher nun einen neuen KB 14 bestellt, der heute geliefert wurde. Das Instrument ist von Haptik und "Qualitätsanmutung" her wirklich überzeugend und vielversprechend. Da ich in den nächsten paar Tagen keine Gelegenheit zum Test in freier Wildbahn haben werde, habe ich das Instrument gleich mal mitgenommen zum Einkauf der Abendverpflegung. Dachte mir so, die langen und senkrecht angeordneten Regalreihen müssten ja optimal sein um Peilungen und Gegenpeilungen zu nehmen. Man glaubt aber gar nicht, was für Störfelder alle in einem simplen Supermarkt sind. Man geht gerade durch die Reihen, und der Kompass zeigt mal nach links, mal nach rechts... :oops:
Rückwirkend betrachtet eigentlich logisch bei dem vielen Metall, aus dem die Regale bestehen. Hätte man durch simples Nachdenken auch vorher drauf kommen können. Aber allein der seltsame Blick und die Frage des 450€-Aushilfs-Schülerjobbers, ob er mir helfen könne, waren's schon wert. :D

Ein sinnvoller Test in freier Natur und unter Tage steht also noch aus. Wenn der dann wie erwartet positiv ausfällt, werde ich mir das PM5 wohl demnächst auch noch besorgen. In diesem Sinne danke für die Tipps. :)

Glück auf
Thomas

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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von MatthiasM » Fr. 18. Sep 15 14:35

Viel Eisen, das a) das Erdmagnetfeld verzieht und b) wenn die Legierung stimmt (mittelhart, nicht ganz butterweich) im Laufe der Jahre selber ganz ordentlich magnetisiert wird. Unser Wohnzimmertisch, Besteckschublade, Messer, und v.a. eine Geflügelschere, die dort fast nie benutzt wird, also stets fein in NW-Richtung liegt: Du kannst den Kompaß auf dem Tisch einmal um 180° durchdrehen, indem Du schön langsam die Besteckschublade durchziehst......

Soweit zu Eisen und Kompaß....

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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von Waldschrat » So. 27. Sep 15 10:03

thomas44 hat geschrieben: Ein sinnvoller Test in freier Natur (...)
Bedenke auch Stacheldraht und Nägel in Weidezaunpfählen sowie Eisen an der Ausrüstung: Brillengestelle, Koppelschnallen, Helmlampen.
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von thomas44 » So. 04. Okt 15 23:08

Meine Helmlampe stört nicht, das steht in der Beschreibung und ist auch praktisch so. :top:
Ansonsten ist der Einwand natürlich absolut berechtigt. Ich habe neulich lange den örtlichen Elektronikdiscounter durchsucht in der Hoffnung, dass die ganzen Billigstative für 15-20 Euro wohl nur aus Plastik sind und den Kompass nicht stören (hatte ich zum Ausprobieren mitgenommen), aber war natürlich nix...

Das einzige Stativ, das den Kompass in einigen cm nicht ablenkt, ist mein schon vorhandenes Fotostativ. Also habe ich aus Alu einen Abstandshalter gebastelt, um den Kompass daran zu befestigen. Das Ergebnis Theodolit zu nennen, wäre vielleicht etwas übertrieben, aber nennen wir es mal "Peilvorrichtung". Heute im Gelände erprobt mit Peilung, Gegenpeilung und auch mal auf den 20 km entfernten Funkturm, sehr überzeugend. Meine vorherigen Messungen mit dem Kartenkompass waren aber im Vergleich auch gar nicht so schlecht. :)

Dann den alten Schacht im Wald lokalisiert, mit Gegenpeilung wieder zum Mundloch zurück, passt auf 1-2 Meter. Und mit dem PM-5 gleich abgeschätzt, dass der mal ca. 25 Meter tief gewesen sein muss.

Die Suunto Instrumente sind denke ich genau das, was ich gesucht hab. Danke für den Tipp :)

Glück auf
Thomas
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Re: Welcher Kompass für Vermessung?

Beitrag von AdM_Michael » Di. 06. Okt 15 16:24

Aktuell fallen mir einige spezielle Stative für Kompasse ein:

http://www.brunton.com/products/non-magnetic-tripod

http://www.spectros.ch/fileadmin/spectr ... glisch.pdf

http://www.breithaupt.de/produkte/kompa ... sse/copri/

http://www.sirs.co.uk/ground/landing_compasses/tripod

http://www.fondriest.com/laser-technolo ... tripod.htm

Alle spielen aber preislich in einer ganz anderen Liga als die vorgestellte Lösung, die ebenso den Zweck erfüllt. Außerdem erfordern die Stative teilweise auch noch größere Anpassungen an die Suunto Instrumente. Ich würde daher bei dem Abstandshalter bleiben.

Das Stativ von TruPulse sieht übrigens aus wie ein Manfrotto 293 mit 494RC2 Schnellkupplung (ca. 100 - 150 €).

Kompass mit Peilvorrichtung = Bussole
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