Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

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JWE
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Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von JWE » Do. 29. Apr 10 13:15

Hallo zusammen,

derzeit befasse ich mich mit einer Erzaufbereitungsanlage deren Verfahren mit "Ullrichscheider" oder "Ulrichscheider" benannt wird. Kann mir jemand sagen was das genau ist bzw. wie der Name zustande kommt? Handelt es sich dabei um einen "normalen" Magnetscheider? Mit dem Googeln ist da nichts zu finden, auch bei Wikipedia nicht.
Vielen Dank einstweilen,

mit einem freundlichen GLÜCKAUF! aus Pegnitz / Bayern,

Jörg

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Stefan_O
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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Stefan_O » Do. 29. Apr 10 20:44

Musst nach Ullrich Separator suchen, dann erwischt Du die englische Literatur mit, Mr. Ullrich hat ja in Broken Hill gewerkelt. Schau mal hier §1321:

http://www.archive.org/stream/oredressi ... 2/mode/1up

Beschreibung + Skizze. Die vier Bände von Ore Dressing kann man sich trotz Google's schlechter Scans sichern, sie sind recht nützlich

Cheers,
Stefan

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JWE
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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von JWE » Fr. 30. Apr 10 9:29

Vielen Dank Stefan, es ist das was ich suche!

Glückauf aus Pegnitz,

Jörg

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JWE
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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von JWE » Fr. 30. Apr 10 10:59

Hallo zusammen!

Ich habe noch eine Quelle gefunden: "Montanistische Rundschau" von 1913, hier sollte vermutlich etwas mehr zum Thema stehen. Hat das jemand und könnte ich davon mal eine Kopie oder Scan bekommen?
Vielen Dank einstweilen,

Glückauf!

Jörg

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Schlacke » Sa. 01. Mai 10 13:05

Hallo,

einen weiteren Hinweis:
Magnetscheider nach Bauart "Ullrich" wurde von Paul Peter Bodenstein entwickelt, er kam besonders bei schwachmagnetischen Erzen (sandige Doggererze) zum Einsatz.
Über P.P. Bodenstein s. www.uni-magdeburg.de/mb/biographien/1207.htm

Eine Skizze der Magnetscheidung in Pegnitz findet sich als Abb. 75 in dem Werk von Gerth, Salzmann u. Hamann 'Leitfaden der Erzaubereitung', Bonn: 1952, S. 167

Glückauf!

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Stefan_O » Sa. 01. Mai 10 18:02

Falscher Link, hier der richtige:

http://www.uni-magdeburg.de/mbl/Biografien/1207.htm

Zusammenhang zwischen Mr. Ullrich aus Broken Hill und Bodenstein wäre interessant.

Gruss,
Stefan

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Stefan_O » Sa. 01. Mai 10 18:22

Hier ein Link zu einem Zeitungsartikel aus Australien, der berichtet, dass Mr Ullrich den magnetischen Separator weit verbessert hat. Interessant ist der weitere Anwendungszweck für Blei, Zink, eventl. Kupfer. Ein weiterer Artikel von 1905 tut kund, das Mr. Ullrich nun Manager von zwei (?) weiteren Aufbereitungsanlagen in Broken Hill ist. Das Konzept scheint also funktioniert zu haben. Ore Dressing Vol 3 ist von 1909, und gibt Trennung von Blei und Zink als Verwendungszweck an, kaum zu glauben, dass ein derartiger Separator für Eisenerz verwendet wurde.

The Sydney Mail - 15. Febr. 1902
http://news.google.com/newspapers?nid=1 ... 61,2318500

Gruss,
Stefan

Nachtrag: P. P. Bodenstein war 1902 noch am studieren: "1901/02 studierte er von 1902 bis 1906 an den Universitäten München" bzw beim Militär: "1902–03 leistete er seinen Militärdienst. Den Ullrich Separator kann er laut Biografie erst 1927 entwickelt haben. Das passt nicht zusammen, eventuell gibt es zwei Separatoren mit gleichem Namen?

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Schlacke » So. 02. Mai 10 11:50

@Stefan

...sorry, ein fehlerhafter Link soll nicht mehr vorkommen.

@Jörg

Mister Ullrich hat zwar bei der Aufbereitungstechnik in Australien sicherlich Verdienste erworben und in Broken Hill Buntmetalle aufbereitet. In Pegnitz standen aber sandige Doggererz zur Aufbereitung an. Nach Durchsicht der "Aufbereitungs- Geschichte von Pegnitz" lässt sich kein Bezug zu Mr. Ullrich feststellen. Erst mit Gründung der Studiengesellschaft für Doggererze wurden die bis dahin angewandten Verfahren weiter entwickelt und die Magnetscheidung übernommen.

Wer in der Doggererz-Gesellschaft die Weiterentwicklung forciert hat, müsste noch geklärt werden, Literaturhinweise sind möglicherweise vorhaden. Die Aufbereitungstechnik von Mr. Ullrich musste in jedem Falle dem Pegnitzer Erz angepasst werden.
Bis jetzt habe ich keine weiteren Spuren von Mr. Ullrich gefunden!

Glückauf!

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Stefan_O » So. 02. Mai 10 12:08

Die Frage war: "Was ist ein Ullrichscheider".....

Gruss,
Stefan

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Stefan_O » So. 02. Mai 10 19:18

Hier noch das Patent von Mr Ullrich persönlich für seinen Magnetscheider (eingereicht 1924, erteilt 1926):

http://patimg2.uspto.gov/.piw?Docid=016 ... first+page
(zur Anzeige brauchts einen Plug-In)

oder kürzer, auch als pdf:

http://www.freepatentsonline.com/1601658.html

Interessant ist, dass das Patent an Inventors: Georg, Ullrich mit KRUPP GRUSONWERK AG als Assignee vergeben wurde. Das ist der Link zu P. Bodenstein, der eben genau dort tätig war. Der patentierte Scheider entspricht aber nicht dem 1909 als Ullrich Separator publizierten. Ob beide als Ullrich Separator bezeichnet wurden, ist noch unklar.

Gruss,
Stefan

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Schlacke » Do. 06. Mai 10 11:08

Weitere Hinweise zum Ullrichscheider:

Dr. Ing. h.c. Georg Sebastian Ullrich (1871-1941) aus Alzenau/Bay. mit 600 Patenten eine Persönlichkeit aus dem Kahlgrund, Biographische Würdigung im Jahrbuch "Unser Kahlgrund, Jg. 2 (1957), S. 65.
Hat bereits 1909 ein Patent auf eine Vorrichtung zur magnetischen Aufbereitung angemeldet (österr. Patent, Nr. 39534). Der Weiterentwicklung dieser Aufbereitungs-Methode folgend, hat dann Ullrich ein weiteres Patent 1911 (Nr. 55998) wohl als Mitarbeiter von Gruson/Krupp in Magdeburg angemeldet.

Dieser Magnetscheider in runder Bauart/Auführung zeigt eine Abbildung in Lueger, Lexikon der gesamten Technik, Bd. 9, Leipzig/Stuttg.: 1914, S. 30-32. mit der Bezeichnung "Ulrichs magnetischer Scheider" entspricht der Bezeichnung Ringscheider Bauart Ullrich. Zu Hinweisen auf technische Details verweist Lueger auf Prospekte von Gruson (!)

Ullrichs Entwicklung basiert auf Verwendung von Trockengut, im entsprechenden Zeitraum hat auch Humboldt-Deuz in Köln-Kalk ein Patent für den Einsatz von Naßgut angemeldet.

1920 hat dann Ullrich (im englischen Sprachbereich Ulrich geschrieben) in Californien ein Patent auf einen Magnetic Separator angemeldet

Patenthinweise aus den PA in München.

Glückauf!

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von JWE » Sa. 08. Mai 10 16:46

Hallo zusammen!

Erst mal vielen Dank für die Antworten, ich war diese Woche nicht zuhause und komme erst heute zum lesen...

@Elmar (Schlacke)
Es geht nicht um die Pegnitzer Aufbereitung sondern um den der Gewerkschaft Langenhöh in Langenreuth bei Pegnitz. Das Erz wurde zu den "Ruhrhütten" geliefert und dort erst aufbereitet - angeblich mit dem Ulrichscheider.

Danke und Glückauf! aus Pegnitz / Bayern,

Jörg

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Schlacke » So. 09. Mai 10 10:06

...also doch Doggererz, wenn nicht aus Pegnitz, dann aus Langenreuth (heute Ortsteil von Pegnitz). Dieser ehemalige Abbau UT/ÜT ging 1938 an die Rohstoffbetriebe der Vereinigten Stahlwerke (Dortmund) über.
Abbau bis 1941, Abfuhr der Roherze über Bahnhof Schnabelwaid ins Ruhrgebiet.

Zur Aufbereitung (Magnetscheidung im Ringscheider) und Verhüttung mussten spezielle Techniken entwickelt werden,
diesbezügliche Literatur wird eruiert.

Glückauf!

Elmar Nieding
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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Pochknabe » So. 09. Mai 10 10:10

Ergänzend noch was deutschsprachiges aus TREPTOW, E. (1925): Grundzüge der Bergbaukunde, 2. Band, Aufbereitung und Brikettierung, 6. Aufl., S. 130 f.:
Die magnetischen Ringscheider

Sie vereinigen, symmetrisch um eine senkrechte Achse angeordnet, eine größere Anzahl Magnetfelder und sind daher besonders leistungsfähig.

Zu den neueren Bauarten gehört der Ringscheider Bauart Ullrich des Grusonwerkes. Um eine senkrechte Achse sind radial Elektromagnete fest ange¬ordnet. Über ihnen kreisen um die senkrechte Achse mehrere magnetisierbare, unten zugeschärfte Ringe, die für die Magneten als gemeinschaftlicher Anker und Gegenpol dienen. Der Scheider kann sowohl für Trocken- als auch für Naßscheidung eingerichtet werden und für stark- und schwachmagnetische Stoffe Verwendung finden. Abb. 175 zeigt in der Ansicht einen Trockenscheider mit vier Polen, je einer ist rechts und links sichtbar, die Zuführung des Gutes findet hier durch Bänder ohne Ende statt. Vorn in der Mitte befindet sich einer der Austräge für das magnetische Gut. Abb. 176 gibt schematisch den radialen Schnitt durch ein Magnetfeld. Der Magnetpol ist von außen nach innen abgeschrägt, darüber läuft das Band ohne Ende mit dem Gute, die drei kreisenden Ringe, deren Höhenlage durch Stellschrauben je nach der Beschaffenheit des Gutes verändert werden kann, sind so eingestellt, dass ihre Entfernung vom Magnetpol von außen nach innen allmählich kleiner wird, dadurch nimmt die Stärke des Magnetfeldes zu. Das Band bewegt sich von links nach rechts. Von dem ersten Ringe wird das stark magnetische Gut angezogen, während der zweite und dritte Ring auch das schwächer magnetische Gut anziehen. Das unmagnetische Gut verläßt rechts das magnetische Feld. Bei der Naßscheidung wird die Trübe mittels Gerinne so durch das magnetische Feld geführt, daß die Ringschneiden die Oberfläche der Trübeschicht berühren. In dem Zwischenräume zwischen je zwei Magnetfeldern hört die magnetische Anziehung auf, das Korn fällt ab oder wird wohl auch durch Abstreicher in eine Anzahl Fächer abgestrichen, die der Zahl der Ringe entsprechen. Mit diesem Apparat ist es z. B. gelungen, norwegische Hämatite, die schwachmagnetisch sind, bis zu 60 % und mehr Eisen anzureichern.

[Abb. 175, 176]

Der in den malaiischen Staaten zur Trennung von Wolframit und Zinnerz neuerdings verwendete Scheider der Rapid Magnetting Co. ist nichts anderes als ein in England unter zwangsweiser Enteignung deutscher Patentrechte gebauter Ullrich-Scheider. Aus Konzentraten mit 40 % Wolframtrioxyd und 35 % Zinnerz wurde ein Produkt mit mehr als 70 % Wolframtrioxyd und mit nur 0,18 % Zinngehalt erhalten1).

1) Metall und Erz, 1917, S. 140
Dateianhänge
abb175.jpg

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Re: Erzaufbereitung mit dem Ullrichscheider

Beitrag von Haverlahwiese » So. 09. Mai 10 22:07

Schlacke hat geschrieben:...Rohstoffbetriebe der Vereinigten Stahlwerke (Dortmund) über. (...)
Exkurs: Die VESTAG hatte Ihren Sitz in Düsseldorf.
Glück auf, Matthias

Die Hüttenleut' sein auch kreuzbrave Leut',
|:denn sie tragen das Leder vor dem Bauch bei der Nacht:|
|:und saufen auch!:|

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