Diamantabbau

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markscheider
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Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Wie nennt man die Rohförderung eines Diamantbergwerkes? (In der Wikipedia schrieb jemand, es seinen soundsoviel t Erz abgebaut worden.)

Erz für ein Diamanten enthaltendes Mineralgemisch erscheint mir nicht richtig, mir fällt aber auch ad hoc nichts besseres ein.
Geomartin
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Geomartin »

Also bei Rio Tinto heisst es "ore" -> http://www.riotinto.com/diamondsandmine ... 10556.aspx

Aber die Verwendung hier ist auch an den JORC Code gebunden mit sehr enegen Definitionen.
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markscheider
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Re: Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Ja, dass es im Englischen 'ore' heißt ist mir klar. Aber auf Deutsch?
In dem Zusammenhang: kann man einen Kimberlitschlot als Stock bezeichnen, oder ist das eine eigene Lagerstättenform? (Es geht um Finsch)
Geomartin
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Geomartin »

Hmm,

das ist schwierig. Ich wollte Dir gerade schreiben, das ich heute abend mal in meine Literatur schaue - nur dann viel mir ein, dass dies nichts nuetzt, da das ja alles nur auf Englisch ist. Das ist hier das Problem, man findet kaum noch moderne Fachliteratur auf deutsch mit entsprechenden modernen Definitionen.

Stock wuerde ich nicht nehmen, denn so wie ich die Verwendung kenne bezieht sich das nur auf Intrusionen, also aufsteigende Koerper die steckengeblieben sind. Kimberlitschlote gehen aber bis zur Oberflaeche. Ich wuerde es erstmal bei Schlot belassen, denke aber nochmal drueber nach.

Martin
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Mannl »

Laut Wikipedia (die müssen´s ja auch irgendwo abgeschrieben haben ... :D ):

"Erz ist ein Begriff aus der Ökonomie."
„Erze sind natürlich vorkommende Mineralaggregate von wirtschaftlichem Interesse, aus denen durch Bearbeitung ein oder mehrere Wertbestandteile extrahiert werden können. Meistens sind dies Minerale, die mehr oder weniger metallische Bestandteile enthalten.“

Beim Kimberlit sollte es sich demnach um ein Mineralaggregat mit WENIGER metallischen Bestandteilen handeln ...

Milaschow - DIAMANTEN - Legende und Wirklichkeit - 1979 (hab es lange nicht zur Hand genommen)
schreibt S. 133
" ... die das Erz in Aufbereitungswerke transportieren."
S. 70 ff "Nach der chemischen und mineralogischen Zusammensetzung gehören die Kimberlite zu den ultrabasischen Gesteinen."

Zur Genese/Gestalt: S. 67 ff
"Die primären Diamantlagerstättenbilden große Krater oder seltener gangförmige Strukturen in der Erdkruste, die von dem erwähnten Kimberlit aufgefüllt werden. Die oberen Teile dieser Krater haben im Normalfall eine Trichterförmige Kontur, die sich in der tiefe allmählich verengt. Diese Krater werden wegen ihrer Form als Explosionsröhren (Pipes) oder Diatreme bezeichnet. In größeren Tiefen lösen sich die Kimberlitpipes in ein System von Gangspalten auf, die wahrscheinlich zum Bildungsort der Gesteine führen."
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markscheider
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Re: Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Also ich kenne eigentlich nur eine Erzdefinition, und die lautet: metallhaltiges Gestein. Ich fand daher schon immer die Zuordnung des Spat- zum Erzbergbau merkwürdig. (Natürlich ist klar, daß man hier ein Zuordnungsproblem irgendwie lösen mußte.)

Vermutlich wird in absehbarer Zeit der Begriff Nichtmetallerz auftauchen; Metallerz gibt es ja schon. :(
Uran
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Uran »

Naja, der Diamant ist aber kein Mineral da er zu 100 % aus Kohlenstoff besteht.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.
Geomartin
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Geomartin »

Uran hat geschrieben:Naja, der Diamant ist aber kein Mineral da er zu 100 % aus Kohlenstoff besteht.
Hallo Uran,

natuerlich ist Diamant, genauso wie Graphit. Minerale sind natuerlich vorkommende Verbindungen, welche ein Kristallgitter aufweisen. Das schliesst elementare Verbindungen (Schwefel, Gold, Selen, etc) mit ein. Keine Minerale im engeren Sinn sind z.B. gediegen Quecksilber, Opal, Bernstein, also Verbindungen ohne grossraeumige kristalline Struktur.

Zum Erz: Ich habe mal in zwei "Bibeln" der Lagerstaettengeologie nachgeschaut, der deutsche Schneiderhoehn von 1958 sowie der amerikanische Guilbert & Park von 1986.

Schneiderhoehn definiert Erz als Mineralaggregate, aus denen Metalle und Metallverbindungen hergestellt werden koennen.

G&P beschreiben "ores" als Gesteine und Mineralien, welche mit Gewinn abgebaut, aufbereitet und auf den Markt oder zur technologischen Verwendungen gebracht werden koennen. Sie schreiben weiter, dass der Begriff in vielen Gegenden nur auf Metalle bezogen wird, aber auch nicht-Metalle in der gaengigen Verwendung mit einbezogen werden.

Und im ganz modernen Gebrauch nach fuer Bergbauunternehmen wichtigen Bestimmungen wie JORC oder NI43-101 bezieht sich Ore nur auf die Reserven eines Bergbauprojektes, also fuer das Volumenen eines Mineralvorkommens, dessen wrtischaftliche und technologische Erschliessbarkeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen ist. Alles andere darf nicht als Erz (einschliesslich Ressourcen, die keine Reserven sind) bezeichnet werden.

Martin
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markscheider
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Re: Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Geomartin hat geschrieben: Und im ganz modernen Gebrauch nach fuer Bergbauunternehmen wichtigen Bestimmungen wie JORC oder NI43-101 bezieht sich Ore nur auf die Reserven eines Bergbauprojektes, also fuer das Volumenen eines Mineralvorkommens, dessen wrtischaftliche und technologische Erschliessbarkeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen ist. Alles andere darf nicht als Erz (einschliesslich Ressourcen, die keine Reserven sind) bezeichnet werden.

Martin
Das würde eigentlich die Übersetzung Ore <> Erz komplett infragestellen und entspricht eher unserer Lagerstätte (ore) bzw. Vorkommen (non-ore).
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb(†) »

es muss nicht jedes wort übersetzt werden, oder?
wenn es kein adäquates deutsches wort gibt, dann eben eine umschreibung

hat jemand eine zusammenstellung der winkelbezeichnungen, mir geht es um "hade" neigungswinkel
hade of fault - einfallen
inklination?
abweichung von der lotrechten?
etc.
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markscheider
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Re: Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Leider keine Zusammenstellung. Inclination ist Abweichung aus der Horizontalen, afaik.

Mal sehen, ob Micha sich meldet, der war ja eine Zeitlang in England und sollte es besser wissen als ich.
Geomartin
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Geomartin »

Fuer das Einfalen von Stoerungen kenne ich nur den dip angle bzw dip. Inclination kenne ich nur von technischen Sachen, z.B. Bohrungen etc.

Martin
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markscheider
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Re: Diamantabbau

Beitrag von markscheider »

Geomartin hat geschrieben:Fuer das Einfalen von Stoerungen kenne ich nur den dip angle bzw dip. Inclination kenne ich nur von technischen Sachen, z.B. Bohrungen etc.

Martin
Daher kenne ich das auch. Bohrlöcher werden mit Inklinometersonden gemessen. Deswegen ja auch "Abweichung von der Horizontalen" - Inklino~ heißt ja Neigung. Ist wie bei den Geologen, die zählen ja auch aus der Waagrechten.
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Mannl »

zurück zu den Diamanten ....

"Keine Minerale im engeren Sinn sind z.B. gediegen Quecksilber, Opal, Bernstein, also Verbindungen ohne großräumige kristalline Struktur."

BETECHTIN "Lehrbuch der speziellen Mineralogie" 1968 S.331 ff:

Opal SiO2 + aq - SiO2 Modifikation mit wechselndem Wassergehalt.
Alle natürlichen SiO2 Modifikationen, außer von Opal und Lechatelierit, werden durch Kristallgitter gekennzeichnet ..."

Quecksilber-Amalgam Gruppe:
Quecksilber (Hg), Kongsbergit (alpha- Ag, Hg)), Landsbergit (gamma-(Ag, Hg)), Goldamalgam (Au2Hg3), Potarit (Pd, Hg)



Bernstein fällt tatsächlich raus - ein fossiles Harz
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Re: Diamantabbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb(†) »

danke, so weit.
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