noch mehr Nischen

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hungerlieb
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noch mehr Nischen

Beitrag von hungerlieb »

Des Rätsels Teil 3: noch mehr Nischen :cool:

Trapeznischen

Nach einigen Befahrungen mit viel Grübelei und vielen Gesprächen mit bekannten Bergbauinteressierten über jenes Thema – ohne dass wir zu brauchbaren Ergebnissen gekommen sind - nun mal die Frage an die „Öffentlichkeit“:

Wer kennt diese markanten, trapezförmigen Nischen, welche sich im Stoß von einigen Stollen (des Gangerzbergbaus) befinden und keinen offensichtlichen Zweck erfüllen, bzw. wer kennt diesen.


Wichtig:
Dieser Leitartikel ist nach Informationsgewinn und Disskusion bereits aktualisiert, bzw. wird dies sicher auch noch mehrfach.
Die Art des Vorgehens ist zwar aus der Not heraus geboren, dass ich/Mitstreiter kaum bzw. keine Zeit haben im Archiv nach entsprechenden Informationen zu suchen. Davon Abgesehen kann sie aber auch als Versuch gewertet werden, Kenntnisse aus praktischer Befahrertätigkeit überregional zusammen zu fassen, weiterhin als Vorarbeit für theoretische Forschung und einer Zusammenfassung der Problematik.

Es kann sich jeder in diesem Forum unter Beachtung der Regeln, die für dieses Fachdiskusionsforum gelten, beteiligen. Wir freuen uns über jede konstruktive Mitarbeit, auch von Altbergbaufreunden, die mit dieser Problematik keinen direkten Kontakt haben.

Geplante Vorgehensweise:
Nach vortgeschrittenem Informationsgewinn und Diskussion über die verschiedenen Therorien habe ich mich in Absprache mit Helfern entschlossen Merkmale der Vorkommen zu erfassen und hier zu sammeln, um einen besseren Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu bekommen. So können verschiedene Vorkommen/Theorien ausgrenzt werden und zum anderen fehlende Informationen/Schlüsselinformationen besser erkannt werden.

Jeder kann Informationen beitragen, bzw. andere Vorgehensweisen vorschlagen, gern auch per PN.

Ziel:
  • - Prinzipiell soll eine Sammlung von praktisch und theoretisch gewonnen Lokalinformationen der einzelnen Vorkommen entstehen.
    - Natürlich sollte der Zweck der Nieschen geklärt werden.
    - Evtl. kann daraus später eine Zusammenstellung entstehen, welche als Publikation auf dieser Seite bereitgestellt werden kann.
    - Bergbauforscher aus anderen Revieren sollen animiert werden auf diese oder derartige Sonderheiten zu achten.
    - Die Nutzung dieser Plattform für derartig überregionale, spezielle, aber auch komplexe Thematiken zu testen und eine geeignete Vorgehensweise zu erkunden.

Mir sicher bekannte Merkmale der Nischen:
  • - im Seitenstoß des Stollens
    - markante Form eines gelegten Keilstumpfes – nur mit parallelen Seitenflächen. Deshalb als Trapeznische bezeichnet.
    - keine kontinuierliche Position: in Bezug auf die Höhe zur Sohle, Entfernung zueinander, Entfernung zu anderen Fixpunkten usw.
    - ähnliche aber leicht variierende Abmaße (b x h x t -ca. 50cm x 35cm x 25cm) und Winkel
    - bedingt angenehme Arbeitshöhe
    - nur in Gruben des Gangerzbergbaus - (??)
    - Wahrscheinlich im Auffahrungszeitraum um 1730 - 1820 entstanden.
Aufzählung der Vorkommen und ihrer Merkmale:

Nr. 1 – „Wappler Stolln“
Fotos: J. Kugler
siehe auch Bildergalerie: http://www.untertage.com/cms/component/ ... y,0/hit,1/

Lage: Schmiedefeld/Thüringen
Auffahrungszeit: vermutlich um 1740, siehe unten
Lagerstätte: Gangerz
Abbauziel: Suchstolln auf Gold
zuständiges Bergamt: ??
Anzahl der Nischen: 6
Geometrie der Nischen: rel. gleichmäßig Breite: ca. 50cm, Höhe: ca: 30-40cm, Tiefe: bis 25cm, die Sohle der hinteren beiden ist steiler als die der vorderen 4. Die Seitenflächen sind alle paralell, senkrecht und 90° zum Stoß.
Kurzbeschreibung:
Zitat Claudia:
Es handelt sich um einen Goldstollen des 18. jahrhunderts, was mindestens eine Jahreszahl belegt: eine 1774. Die Jahreszahl befindet sich wenige (vielleicht 5) Meter nach dem Mundloch auf der linken Seite. Links sind auch etliche gedingezeichen in relativ kurzen abständen bis zur Ortsbrust.
Die Stollenlänge bewegt sich zwischen 100 und 200 metern.
Der Stollen wurde - was für die Goldstollen auf der Saalfelder Höhe typisch ist - mehrfach abgeworfen und später wieder weiter betrieben worden. Es liegen also mehrere
Betriebsperioden vor. Ca. 5m vor der Ortsbrust ist ein Absatz in der Sohle und die Stollnhöhe halbiert sich, wobei dies ein Nachreißen belegen kann.

Es sind mindestens 6 Stück, davon 2 kurz vor der Ortsbrust, alle im rechten Stoß. Die vier anderen Nischen befinden sich nicht kurz vor ort sondern eher nach 2 drittel des Stollens,
dort geht links ein Querschlag ab, der vielleicht 10 Meter Länge hat, nach vielleicht 5 meter hat der Querschlag ein wassergefülltes Gesenk, mir unbekannter Teufe.
Das heißt: links der Querschlag und rechts die Nischen.
Die erste Nische davon (vom mundloch aus gesehen) hat eine Inschrift auf der Nischensohle, die wir bisher aber noch nicht sicher deuten konnten - wahrscheinlich eine jahreszahl.
Sie befinden sich alle auf leicht differierender, aber angenehmer Arbeitshöhe von ca. 1,3m über Sohle.


Nr. 2 –„Gottes Geschick“
Fotos: privat

Lage: Raschau/Schwarzenberg/Sachsen
Auffahrungszeit: um 1800
Lagerstätte: Skarn/Gneis/Lagerbau/größtenteils Gangerzbergbau
Abbauziel: Kobalterze, Silbererze, Nickel, Wismuterz, Eisenstein, Brauneisenstein, Eisenmulm, Manganmulm, Ocker
zuständiges Bergamt: Schwarzenberg, ab 1772 - Bergamt Jorhanngeorgenstadt
Anzahl der Nischen: >4
Geometrie der Nischen: fast identisch Breite: ca. 55cm Höhe: ca. 35cm Tiefe: bis 40cm, die Sohle der vorderen 3 haben den gleichen schrägen Winkel wie die obere Flächen. Die Seitenflächen sind alle paralell und 90° zum Stoß.
Kurzbeschreibung:
Hier sind die Nischen nur im linken Stoß zu finden, aber auf gleicher Höhe wie im Wapplerstolln. Sie befinden sich in einem Seitenstolln des Tiefen Alt Gottes Geschicker Stolln. Es sind kaum Gangstrukturen zu sehen, man kann daher von einen Suchstollen ausgehen. Da der hintere Stollnteil versetzt ist gehen wir von weiteren Nischen aus. Es sind mindestens 5 Stück vorhanden. Stollnquerschnitt durchschnittlich ca. 1,9m x 0,8m. Es befinden sich keinerlei Zeichen oder Zahlen in der Nähe.


Nr. 3 – Wille Gottes Stolln –
Foto: siehe weiter unten

Lage: Hohenstein E./Sachsen
Auffahrungszeit: vermutlich um 1740, siehe Jahresangaben unten
Lagerstätte: Muskovit-Glimmerschiefer/Gangerzbergbau
Abbauziel: Arsenkies, Silber, Gold
zuständiges Bergamt: Bergamt Scheibenberg (schönburgisch), ab 1767 Bergamt Marienberg (kursächsisch)
Anzahl der Nischen: 2
Geometrie der Nischen: 1 x analog Bild siehe unten, 1 x Breite: ca. 20 - 25cm, Höhe: ca. 8 - 10cm, Tiefe: 6cm
Kurzbeschreibung:
Zitat Oldstone:
Gegenüber der ersten Nische steht die Jahreszahl 1772, die 2. Niesche links hat oben erwähnte Größe und gegenüber steht die Jahreszahl 1773 J C W. Nach Aktendurchsicht scheint es ein damaliger Beamter gewesen zu sein. Außerdem ist ca. 80-100 m weiter die Jahreszahl 1774 auf der Seite der Nieschen, allerdings hier keine Niesche.
Arbeitshöhe?


Nr. 4 – Niveau Eleonore Stolln
Bilder: siehe weiter unten

Lage: Johanngeorgenstadt/Sachsen
Auffahrungszeit: 1809 - 1818 - siehe Text
Lagerstätte: Gangerzbergbau / matamorphe Phyllite
Abbauziel: Silbererz
zuständiges Bergamt: Bergamt Johanngeorgenstadt
Anzahl der Nischen: 3 (?)
Geometrie der Nischen:

Nische 1:
Beim direkten Draufblick muss man sie sich als Rechteck vorstellen.
obere Länge: 54cm
untere Länge: 55cm
beidseitige Höhe: 23cm
obere Tiefe: 21cm
untere Tiefe: 20cm
Breite des hinteren schmalen Abschlusses: 9cm
Hier kann man also nicht von einem hochgenauen Kunstwerk ausgehen, die Werte schwanken doch.
Zur Firste beträgt der Abstand 25cm.
Zur Sohle beträgt der Abstand 1,18m.

Die Nische befindet sich in Auffahrungsrichtung am linken Stoß, bis vor Ort sind's noch 3m.
Direkt vor der Nische befindet sich noch ein Freiberger Gedingezeichen. Weitere Anzeichen für Gesenke oder andere Merkmale sind im unmittelbaren Umfeld nicht vorhanden.
Die Strecke ist standfest, ohne weiteren Ausbau!

Die Maße der Nische 2 im Abbau Nähe alter Tagesschacht, tagesnaher Bereich:
obere Breite: 53cm
untere Breite: 53cm
beidseitige Höhe: 24cm
Tiefe: 27cm
Diese Nische ist schon etwas genauer gehauen, ist aber auch optisch anders, sie läuft hinten spitz zusammen - quasi wie ein Dreieck.
Die Höhe bis zur Firste beträgt 27cm.
Zur Sohle beträgt der Abstand 1,74m.
Rein visuell ist uns aber auch der ältere Sohlenabstand aufgefallen - der wäre nur 1,14m.
Es ist hier gut möglich, das die Wismut nachgerissen hat, denn nach 2m schlägt auf der selben Seite ein mittlerweile ausgelaufener Abbau in die Strecke durch. Diese Strecke wiederum diente als Kopfstrecke der ganzen Abbaufront.
Die Entfernung zum Schacht beträgt 12m, vom Schacht aus befindet sich diese Nische auf der rechten Seite im Hangenden.
Die Breite der Strecke beträgt 64cm.

Kurzbeschreibung der allgemeinen Situation:
Zitat Robi:
Sie befindet sich ein einem etwa 25m langen Querschlag. Der Stollen (standfestes Gebirge) hat einen Querschnitt von etwa 1m Breite und 1,3m Höhe. Die Nische befindet sich am linken Stoß - ca. 6m von vor Ort.
Zitat EnoM:
Vorgefunden wurden einige auf dem Niveau des alten Eleonore Stollns. Ich kann nur vom Niveau sprechen, da die Strecken, in denen die Nischen vorkommen, nur an den Eleonore Stolln angeschlossen sind. Bei der Vielzahl an Gruben im dortigen Revier braucht es noch eine Sisiphusarbeit, um eine klare UND zeitliche Abgrenzung erstellen zu können.
Konkret kann ich von einer Strecke mit Nische berichten, in der Jahrtafeln mit Lachterangaben vorhanden sind. Es handelt sich um den Zeitraum von 1809 bis 1818. ( Leider sind einige Tafeln nach 1818 nur schwerlich entzifferbar!)
Mir liegt ein Riss von März 1792 vor, in dem die Strecken dort noch nicht verzeichnet sind.
Dennoch erkennt man schon den weiteren Verlauf der Vortriebsarbeiten in diese Richtung.

Im Abgleich kann man sagen das dort etwa pro Jahr 2 Lachter aufgefahren wurden.
Ich spekuliere aufgrund der vielen Tafeln einfach mal, das dort straff hintereinander gearbeitet wurde, so das mit den damaligen Methoden jährlich die rund 2 Lachter erreicht wurden.

Eine weitere Nische ist in einiger Entfernung nahe eines Gesenkes in einem kurzen Suchstolln, fast am Stollnort, und zwar auf der rechten Seite. Es ist dort wahrlich eng, sozusagen Entengang.
Leider fehlts dort an Jahreszahlen, es häufen sich nur die Vortriebswinkel.

Das "Beste" zum Schluss: In einem Schacht, welcher im Erzgang aufgefahren wurde, fand ich in der "Kopfstrecke" genau so eine Niesche - aber nur quasi querschlägig in den Stoß hinein. Es ist also nur am Stoß als Dreieck zu sehn, geht aber dennoch locker 40cm in den Fels. Es handelt sich auch noch um das Hangende, was die Sache noch verzwickter macht - bekanntlicherweise neigt das Hangende ja zum Bröseln!!



Nun Vorkommen die sich vor allen in geometrischen Merkmalen abheben:

Nr. 10 - Eichbergstolln
Bilder: siehe weiter unten

Lage: Wickersdorf/Saalfeld/Thüringen
Auffahrungszeit: ??
Lagerstätte: Schiefrige Grauwacke/Quarzgänge
Abbauziel: wahrscheinlich Suchstolln auf Gold
zuständiges Bergamt: ??
Anzahl der Nischen: 2
Geometrie der Nischen: Sie sind bei weitem ungenauer und kleiner als die oben Beschriebenen. 1 x mit schräger Sohle, 1 x ohne.
Kurzbeschreibung:
Die Nischen befinden sich auf der unteren Sohle des Eichbergstolln nahe dem Schacht. Auf der Oberen Sohle sind einige Freiberger Gedinge zu finden. Bedingt angenehme Arbeitshöhe.

Nr. 11 Kamsdorfer Revier
Bilder: siehe weiter unten

Lage: Kamsdorf/Thüringen
Auffahrungszeit: zwischen 1750 und 1790
Lagerstätte: ??/Gangerzbergbau
Abbauziel: Suchstolln, geringe Mengen Kupfererz u.a.
zuständiges Bergamt: ??
Anzahl der Nischen: 5
Geometrie der Nischen:
Auch hier handelt es sich um kleinere Nischen. Alles BxHxT:
  • 3 x 20cm x 6cm x 6cm - mit paralellen Flächen
    1 x 20cm x 10cm x 10cm (sehr undeutlich) und
    1 x 18cm x 17cm x 20cm - alle Flächen spitz zulaufend, also Pyramidenform.
Kurzbeschreibung:
Die Nischen befinden sich in einem Querschlag und einem Suchort mit (unbedeutenden) Gangstrukturen. Es befinden sich einige Gedinge une Markscheiderkreuze in der Nähe. Angenehme Arbeitshöhe.


Nr. 12 Wasserlauf in Zellerfeld
Bild: siehe weiter unten

Lage: Clausthal-Zellerfeld/Niedersachsen
Auffahrungszeit: ??
Lagerstätte: ??
Abbauziel: Wasserlauf
zuständiges Bergamt: ??
Anzahl der Nischen: ??
Geometrie der Nischen: Abmaße ?? die Form erinnert an ein Auflager, welches in das Liegende geschlagen ist, allerdings mit einer rel. großen "Auflagefläche"
Kurzbeschreibung: ??


Nr. 13 Stolln bei Bad Ems

Lage: Bad Ems/untere Lahn/Rheinland-Pfalz.
Auffahrungszeit: 17. bis 18.Jahrhundert, Mitte bis Ende des 19.Jahrhunderts nochmals erfolglose Untersuchungen
Lagerstätte: ??/Gangerzbergbau
Abbauziel: Versuchsstollen, in dem nach 50 Metern ein kleiner Erzgang angefahren wurde, der aber nur kurz verfolgt und abgebaut wurde.
Damals zuständiges Bergamt: Bergamt Diez/Bergamt Koblenz
Anzahl der Nischen: 1
Geometrie der Nischen: Die Nische hat eine ähnliche Form, wie jene aus Zellerfeld. Abmaße ??
Kurzbeschreibung: Der etwa 50 Meter lange Stollen ist komplett in Schlägel und Eisen aufgefahren und mündet in einem kleinen Erzgang, der über 5 m Länge ziemlich großräumig verfolgt wurde. Am Ende dieses Raumes befindet sich vermutlich ein kleiner versetzter Schacht, dahinter ist nochmal eine kurze geschossene Strecke, die wohl von den späteren Versuchsarbeiten stammt. Der Abbau ist etwa 3-4 Meter hoch und war im oberen Bereich über eine Bühne erschlossen, die Bühnenlöcher sind noch vorhanden. Darunter befindet sich die Nische, die man von der Form, dem Aussehen und der Sauberkeit, mit der sie geschlagen ist, deutlich von den gewöhnlichen Bühnenlöchern unterscheiden kann.
Die Nische befindet sich etwa 150 cm über der Sohle (auf der allerdings noch Abraum liegt) und 50 cm unter den normalen Bühnenlöchern.


Deutungsversuche:

A- Sie sind eine Abwandlung von Bühnlöcher für Ausbau.

Dafür: Hölzer hätten mit entsprechender Bearbeitung form- und kraftschlüssig eingebracht werden können.
Dagegen: Die Form und Größe ist sehr untypisch für Bühnlöcher. Bei den den Fundorten Nr.1,2,3,4,6 ist es absolut unwahrscheinlich das eine Art von Holz-, Stahl- oder Natursteinausbau geplant war, da dies bedingt durch die geologische Situation nicht nötig ist und es gibt keine weiteren Hinweise darauf (Holzreste, Gegenloch usw.) Siehe Bild Bühnlöcher für ausreichend von der typischen Form, wie sie die meisten von uns kennen. Siehe Bild: Bühnlöcher

B- Die Nischen waren Ablagen für Lampen, Werkzeug, Material usw.

Dafür spricht: Mit einem Eingekeilten Holzbrett hätte man etwas trocken lagern können.
Dagegen spricht: Es wurde kein Holz gefunden, die schräge Unterfläche macht es aber ohne dies unmöglich. Die Lage und Erscheinung - mal einzeln Nr. 3, 4, mal mehrere Nr. 1,2, sowie die enorme Größe sprechen auch dagegen. Siehe Bild: Lampennische/Ablagenische

C- Es handelt sich um eine Art Gesellenstücke.

Dafür spricht: Die Form deutet auf einen genormten Hohlraum hin.
Dagegen spricht: Es hätte Kosten verursacht, ohne Nutzen zu bringen, denn Erz wurde dadurch keins gewonnen. In Nr. (3?), 4. treten sie an Stellen auf, die rel. weit vom Zugang entfernt sind, während in Nr. 1,2 rel. viele, konzentriert vorhanden sind. Theoretisch müsste man auch in anderen Gruben jener Zeit solche Gesellenstücke finden.

D – Man versuchte mit verschiedenen Werkzeugen und/oder Schlägeltechniken herauszufinden, wie man am effektivsten arbeitet.

Dafür spricht: Im Gegensatz zum eigentlichen Vortrieb, wo die Gesteinshärte schlagartig schwanken kann, kann man bei einem definierten Hohlraum im bekannten Gestein besser abschätzen welche Technologie/Werkzeug am besten Funktioniert.
Dagegen spricht: Es ist trotzdem als Verschwendung von Zeit, Arbeitskraft anzusehen. Die Erfahrung der Arbeiter sollte solche Unternehmungen auch überflüssig machen.

E- Es handelt sich um eine Probenahme.

Dafür spricht: ??
Dagegen spricht: Bei keinem der mir persönlich bekannten Nischen (Nr. 1,2,3 usw.) wird eine Gangstruktur verfolgt.

F- Es wurde ein Einbruch geschaffen.

Dafür spricht: Ein Einbruch kann ähnlich aussehen.
Dagegen spricht: Bei keinem der mir persönlich bekannten Nischen (Nr. 1,2,3) wird eine Gangstruktur verfolgt. Mehrere Einbrüche direkt nebeneinander würden für eine Stollnauffahrung keinen Sinn ergeben. Einbrüche für die Vorrichtung von Schächten, Stolln oder eben Firstbaue, Stroßenbaue usw. haben im betroffenen Gangerzbergbau andere ganz typische Formen. Was Strebabbau, Scheibenabbau/Scheibenbruchbau betrifft kenne ich mich nicht aus, kommt aber eigentlich scheinbar sowieso nicht in Frage.

G- Man wollte eine Anlage (Radkammer, Schacht, Abbau) errichten.

Dafür spricht: Für größere Hohlräume wurde sicher an mehreren Orten zugleich begonnen und Einbrüche könnten es von der Form her theoretisch sein.
Dagegen spricht: Bei keinem Fall deuten äußere Umstande (Erzgang, geplante Kunstanlage usw. darauf hin)

H- Man brachte Hölzer für einen Wetterkanal in der Firste ein.

Dafür spricht:???
Dagegen spricht: Die betroffenen Stollen mussten wahrscheinlich nicht bewettert werden. Einzelne Nischen, bzw. 4 nacheinander folgende auf hundert Metern Stolln und stellen somit nicht das typische Muster von kontinuierlich eingebrachten Hölzern dar. Dünne Rundhölzer, sogar Halbschalen hätten dafür ausgereicht und hätten bei der sauber geschlägelten Oberfläche sogar ohne Bühnloch eingebracht werden können. Wenn man dies in der Nischenhöhe getan hätte (siehe Bilder), dann hätte man die teils herrlichen Stollnquerschnitte halbiert!

I- Man klemmte Hölzer quer in die Strecke und lagerte darauf etwas.

Dafür spricht: theoretisch möglich, theoretisch
Dagegen Spricht: Im Fall Nr. 1 ist die Stollnlänge gering und man wäre schnell übertage gewesen um etwas zu holen. Ausbauhölzer wurden auf absehbare Zeit keine benötigt und dementsprechend wären Hölzer weit vor dem möglichen, aber unwahrscheinlichen Gebrauchsdatum in die feuchte Grubenluft gekommen. Bei einzelnen Nischen wäre dies ebenfalls wieder sehr problematisch. Dünne Rundhölzer hätten dafür ausgereicht und hätten bei der sauber geschlägelten Oberfläche sogar ohne Bühnloch eingebracht werden können. Wenn man dies in der Nischenhöhe getan hätte (siehe Bilder), dann hätte man die teils herrlichen Stollnquerschnitte halbiert!

J- Es handelt sich um eine Vorbereitung für eine Förderanlage, Umlenkbäume, Gestängeaufnahme usw.

Dafür spricht: ??
Dagegen spricht: Hängebahnen und dergleichen gab es noch keine. Stahlseile eben so wenig.
Da keine Gesenke, Schächte, Kunstanlagen geplant, geschweige denn angefangen waren, besteht kein Grund etwas derartiges auf diese Art vorzubereiten.

K- Halbschräge Stempel waren darin verkeilt und hielten Tagwerk

Dafür spricht: theoretisch möglich, theoretisch
Dagegen spricht: Das Stollnprofil ist in den meisten Fällen gerade (im Gegensatz zu Kern´s Darstellung) und sehr stabil. Wasser fiel bei Nr. 1, 2 in keinen Fall so viel an, dass man Tragwerk mitten in den Stolln legte. Praktisch kommt bei Nr. 1,2 so viel Wasser das man mit Turnschuhen trockenen Fußes an den Nieschen vorbei fahren kann. Für ein durchgehendes Tragwerk hätte man auch im Mundlochbereich Nischen oder Bühnlöcher herstellen müssen. Als Beispiel 5m (Bereich der Nischen) von ~200m Stolln (Nr1.) sind 2,5% der Stollnlänge.
Siehe Bild: Tragwerk, für ein Tragwerk im Altbergbau, welches auch unverständlich hoch ist, aber eben mit normalen Kappen in normalen Bühnlöchern.

L- Es handelt sich um Probehauen zur Gedingeverhandlung.

Dafür:
- genormte Größe
- konnte vom Hauer unter (Steiger-)Aufsicht geschlagen werden, unabhängig vom Eintreffen des Geschworenen (deswegen ggf. nicht an der Ortsbrust)
- mit den Schrägen wurde das Gestein sozusagen in alle Richtungen bearbeitet
- die Nieschen treten nur?? in geschlägelten Strecken auf, weil das Anhauen zur Gedingeabnahme beim reinen Schießvortrieb ja nicht mehr nötig wären.
Dagegen:
- Zeitaufwand
- man hätte es ggf. auch an der Ortsbrust machen können/müssen
- bei Gangauffahrungen bringen die Arbeiten im Nebengestein ein verfälschtes Bild

Anmerkung: Bei den Fällen Gottes Geschik, Kamsdorf, befinden Sich Schießspuren in der Nähe - evtl. gemischter Vortrieb? Hohenstein, Johanstadt?

M- Es handelt sich um die Klärung einer Streitigkeit um das Gedinge bzw.

Über solche Sachverhalte sollte sich in den vorhandenen Akten eigentlich etwas finden lassen, ansonsten kann man diese Theorie auch verwerfen.

N - Markscheiderei

Dafür:
- Sie befinden sich meist im Umfeld von (Gedinge-) Zeichen (Nr. 1,3,4)
Dagegen:
Da in vielen Gruben aus der betroffenen Zeit vermessen wurde, wäre es wahrscheinlich woanders ebenfalls Fundorte oder zumindest Hinweise zu finden.
Keine (mir) bekannte Vermessungstechnologie braucht diese Nieschen zwingend.


Kennt jemand mehr von diesen Nischen? Wo, Ähnlichkeiten, besondere Hinweise, Namen von Grubenbesitzer, Steiger…. usw.?

Ich bedanke mich nochmal ausdrücklich für die Mitarbeit bei allen: Von Freiberg bis nach Dortmund und von Niedersachsen bis ins Rheinland!!! :meister: :meister: :meister:


Hungerlieb :roll:
Dateianhänge
Nischen in der Üersicht Wapplerstolln/Thüringen<br />Foto: Jens Kugler
Nischen in der Üersicht Wapplerstolln/Thüringen
Foto: Jens Kugler
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Nische im Detail - Wapplerstolln/Thüringen<br />Foto: Jens Kugler
Nische im Detail - Wapplerstolln/Thüringen
Foto: Jens Kugler
Nische Wapplerstolln detail.JPG (88.95 KiB) 14599 mal betrachtet
Nische im Gottes Geschicker Stolln/Sachsen<br />Foto: privat
Nische im Gottes Geschicker Stolln/Sachsen
Foto: privat
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Nische im Gottes Geschicker Stolln/Sachsen<br />Foto: privat
Nische im Gottes Geschicker Stolln/Sachsen
Foto: privat
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Nische in Wille Gottes Stolln Hohenstein-E.<br />Foto: Frank S.
Nische in Wille Gottes Stolln Hohenstein-E.
Foto: Frank S.
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Nische 1 im Revier Johanngeorgenstadt/Sachsen<br />Foto: Enrico M.
Nische 1 im Revier Johanngeorgenstadt/Sachsen
Foto: Enrico M.
Nische 2 im Revier Johanngeorgenstadt/Sachsen<br />Foto: Enrico M.
Nische 2 im Revier Johanngeorgenstadt/Sachsen
Foto: Enrico M.
Nische im Eichbergstolln/Thüringen<br />Foto: Michael Pfefferkorn-Ungnad
Nische im Eichbergstolln/Thüringen
Foto: Michael Pfefferkorn-Ungnad
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Nische im Kamsdorfer Revier/Thüringen<br />Foto: Michael Pfefferkorn-Ungnad
Nische im Kamsdorfer Revier/Thüringen
Foto: Michael Pfefferkorn-Ungnad
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Nische in einen Wasserlauf in Zellerfeld/Harz<br />Foto: Björn Holm
Nische in einen Wasserlauf in Zellerfeld/Harz
Foto: Björn Holm
Nische Zellerfeld.jpg (52.36 KiB) 14582 mal betrachtet
Zuletzt geändert von hungerlieb am Mi. 10. Sep 08 18:41, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Fahrsteiger »

Die Form der " Nischen " deutet auf ein Einbringen von Hölzern von oben hin. So konnten längere Hölzer eingebracht werden, die dann im gegegüberliegenden Stoß ohne zusatzliche Befestigung auflagen.
> ein Deutungsversuch

Glück Auf
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

@sven:

in johanngeorgenstadt kann ich dir sagen, wo die niesche ist. wenn ich mich recht erinnere, war im eichbergstolln in wickersdorf auf der unteren sohle auch so eine niesche. du warst doch unten :?

als auffahrungszeitraum war es bei den nieschen, die ich kenne, immer um 1800 (+/-)

ansonsten habe ich keinen schimmer über deren bedeutung. wir haben uns ja schon lang und breit darüber ausgelassen. das die nieschen zum einbringen von holz verwendet wurden, schließe ich einfach aus. das macht dort, wo ich die nieschen gesehen habe, keinen sinn.

die einzige gemeinsamkeit, die ich bisher bei dreien feststellen konnte (wapplerstolln, eichbergstolln, st. lampertus) war, dass dort auf gold gebaut wurde. das war am graul und in johanngeorgenstadt nicht so.
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Johanngeorgenstadt
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Wo eyn man eynfahrn will
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Falafel »

Es sieht ja so aus, als ob hier eine Gewölbelehre gebaut werden sollte - aber das paßt natürlich nicht zur Befundsituation. Einige Nischen eignen sich sicherlich zum Abstellen vom Bierkrug :D , aber ansonsten :nixdafür:

Glück Auf!
Stephan
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Marcel Normann
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Marcel Normann »

Zwischenlager für kleinere Sprengstoff- bzw. Pulvermengen. Die Form verhindert, daß im Explosionsfalle Steinsplitter abgerissen werden. Ich glaubs aber ehrlich gesagt selber nicht - zumal die Stollen auf den Bildern nach Handarbeit aussehen. Aus dem Siegerland sind mir solche Nischen im Übrigen unbekannt.

Wobei... wenn ich die Nische ein kleines Brettchen haue, kann ich irgendwelche Dinge halbwegs trocken zwischenlagern. Die schräge Firste verhindert Tropfwasser, der schräge Boden "nasse Füsse".
Mein Haushaltstipp: Fettflecken halten sich wesentlich länger, wenn man sie hin und wieder mit etwas Butter einreibt.
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Petra_S.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Petra_S. »

....interessant.. solche aufwendig eingeschlagenen "Nischen" habe ich bisher auch noch nicht entdeckt.
Ich kenne - wie die Meisten wohl hier im forum - die "normalen Bühnlöcher", bzw. Auflagenischen für Hölzer.

Vielleicht konnte man wegen der etwas keilförmigen Gestaltung der Nischen Hölzer besser einlegen (besondere Situation "vor Ort") oder sollten das wirklich so eine Art "Gesellenstück" sein - aber warum sind dann nicht die meisten Holz-Auflagenischen eher keilförmig geschlegelt?

...wirklich ein gutes Rätsel - nicht nur für über die Feiertage...
Glück Auf!
Petra

** Der Schacht im Wasser schnell ersäuft, wenn Schnaps nur durch die Kehle läuft. **
hungerlieb
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von hungerlieb »

@Nobi - danke für die Ergänzung. Am Eichbergstolln war es schon spät... :oops: Micha P.U. hätte sie aber auf alle fälle Fotografiert. Micha?
Dem Holz- und Gewölbeausschluss kann ich mich nur anschließen, hat auch jeder andere verworfen der vor Ort war.
Falls du noch Kontakt nach H.E. hast, könntest du ja mal bitte nach einem Bild fragen, nur so zum vergleich. Wenn möglich mit Maße.

@Marcel Normann
Die senkrechten Seitenwände würden allerdings schon splittern...
Zumal gerade in Schmiedefeld oder am Graul so viele "Aubewahrungsstellen" (egal ob für Sprengstoff oder was anderes) nicht nötig waren, zumal der Stolln nicht weit entfernt davon vor Ort ist.

@ Petra S.
Die Gesellenstücktheorie bezieht sich nicht auf das aushaun von Bühnenlöchern. Die Form ist weit entfernt von den tausenden Bühnenlöchern die für Holzausbau gedacht waren. Ähnlich sehen sie höchstens Gewölbelagern, aber sie haben zu unterschiedliche Höhen und wie gesagt, werden viele der betroffenen Stolln aufgrund ihrer geologischen Situation auch ohne Gewölbe unsere kommenden Atomkriege überleben. Das soll nicht heißen, dass die Form "willkürlich" ist, aber auch heute werden Gesellenstücke gefertigt, die keinen Nutzen haben, sondern auf den Müll wandern. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es damals möglich war derartig Arbeitskraft, Material (Bergeisen) und Zeit zu "verschwenden". Darum auch die Theorie C.

@ Falafel - eben! Auch wir stellten schon öfters beim Bier fest: Sie schufen die Dinger nur um uns zu ärgern... und sitzen jetzt da oben und machen :aetsch: :hähä: :derda:

Mfg Sven
Glück Auf!
Sven
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Fahrsteiger
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Fahrsteiger »

Sven,
ich bin Bergmann. Alles, was du im Bergbau vorfindest, speziell im Altbergbau hat seinen Sinn. Für die meisten Dinge gibt es einfache Erklärungen, wenn du denkst wie ein Bergmann und dich in seine damalige Lage versetzt. Jedes, auch nur so kleinste Loch, welches er schlägeln musste, tat weh und kostete Zeit. Auf Fotos etwas zu deuten geht in 90% aller Fälle in die Hose, da du das Umfeld nicht erkennen kannst.

Glück Auf
Horst
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Roby
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Roby »

Hallo,

über diese Art von Nischen hab ich mir auch schon den Kopf zerbrochen, drum bin ich besonders darauf gespannt was rauskommt.

Zur Situation der Johanngeorgenstädter-Nische: Sie befindet sich ein einem etwa 25m langen Querschlag. Der Stollen (standfestes Gebirge) hat einen Querschnitt von etwa 1m Breite und 1,3m Höhe. Die Nische befindet sich am linken Stoß - ca. 6m von vor Ort.

Nischen für Ausbauholz oder Ablagen aller Art (Lampen) schließe ich aufgrund der jeweiligen Umgebungssituation und der Form aus. Genauso wie "Gesellenstücke" - sonst müßte es Unmengen davon geben.

Als einzigen plausiblen Grund könnte ich mir eine Probenentnahme vom Stoß zur weiteren geologischen Untersuchung denken. Ob dazu allerdings so genau gearbeitet werden muß ... :roll:

Sind die bekannten Nischen zufällig alle am linken Stoß und in der Nähe von vor Ort ?

Glück auf!
Roby
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Falafel »

Mal 'ne Frage: Ist es möglich, daß an dieser / diesen Stellen irgend eine größere Anlage geplant und nicht realisiert wurde? Ich denke an einen größeren Schacht im Überhauen, eine Radstube, einen Abbau....! Das kann man natürlich nur sagen, wenn man die Vor-Ort-Situation kennt.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

Roby hat geschrieben: Zur Situation der Johanngeorgenstädter-Nische: Sie befindet sich ein einem etwa 25m langen Querschlag. Der Stollen (standfestes Gebirge) hat einen Querschnitt von etwa 1m Breite und 1,3m Höhe. Die Nische befindet sich am linken Stoß - ca. 6m von vor Ort.
weißt du noch zufällig, welche ehemalige grube das war? ggf. kann ja enrico mal auf dem riss nachschauen. er hat sich doch skizzen gemacht.
Roby hat geschrieben: Als einzigen plausiblen Grund könnte ich mir eine Probenentnahme vom Stoß zur weiteren geologischen Untersuchung denken.
hätte man dann nicht eher versucht, eine schlitzprobe aus dem gang zu nehmen?
Roby hat geschrieben: Sind die bekannten Nischen zufällig alle am linken Stoß und in der Nähe von vor Ort ?
das mit dem linken stoß ist mir auch schon aufgefallen. im wapplerstolln sind die nieschen aber noch ein stück vom ort entfernt.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von oldstone »

Ein herzliches Glück Auf
Ich bin für den St. Lampertus u.T. verantwortlich und kenne die Problematik. Wir haben 2 Nieschen, diese sind auf dem Wille Gottes Stehenden. Die erste ist nur ca. 25-30 cm breit und 8-10 cm hoch und die 2. hat etwa die Maße wie oben beschrieben. Allerdings ist bei uns gegenüber der 1. Niesche die Jahreszahl 1772 und bei der 2. J C W 1773. Nach Aktendurchsicht könnten es sich um Vermessungspunkte handeln in denen Fixpunkte geschlagen wurden um einen Hängekompass zu nutzen. Die Aktennotiz muß ich noch heraussuchen ( Bei ca. 2000 Stk nicht ganz einfach).
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von oldstone »

Ein Bild der großen Niesche im St. Lampertus von Nobi aufgenommen
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Bild 025b.jpg
Bild 025b.jpg (57.6 KiB) 15733 mal betrachtet
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

glück auf frank,

jetzt bist du auch hier gelandet, herzlich willkommen :)

das bild der niesche habe ich selber garnicht mehr gefunden. bin eben ein daten-messi :oops:

mir ist gerade nochwas eingefallen:
kann es einen zusammenhang mit (einem) zuständigen bergbeamten geben?
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von oldstone »

Ja, das kann sein, aber ich will mich erst noch mal mit den Akten beschäftigen.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von hungerlieb »

@ Roby - außerdem sind im WS auch einige Nischen im rechten Stoß. :D

@Oldstone - danke für die Mitarbeit und die Bemühungen, aber in etwa so hatte ich mir das auch vorgestellt: Wenn man einigermaßen alle bekannten Fundorte, mit den wichtigsten Merkmalen zusammengetragen hat, ist die folgearbeit einfacher.

@ Falafel - nein Anlagen waren bestimmt keine geplant, ist dir eine begonnene Radstube bekannt? "Stollnerweiterungen" an mehreren Stellen, mit diesen merkwürdigen Einbrüchen, wenige meter vor der Ortsbrust, nur in den Stößen und nicht in Firste / Sohle - schwer zu begründen.

Mfg
Sven
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Roby »

@Nobi
Klar weiß ich welche Grube es war. Da der Name nicht direkt im zusammenhang mit der Nische steht,
gehen Einzelheiten nur per PM.

Vermutlich hätte man eine Schlitzprobe gemacht - wäre auch logisch. Aber sonst fällt mir kein wirklich
vernünftiger Grund ein, so eine Nische zu hauen.


@hungerlieb
Selbst nach 3 Altbergbaukolloquien und einem IMW in Thüringen hab ich es leider noch nicht in den WS geschafft ... :D

Interessant wäre evtl. auch der Winkel der Nischen. Vielleicht wurden sie alle gleich angelegt um
eine Lehre für einen bestimmten Winkel zu haben.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

Roby hat geschrieben:@Nobi
Klar weiß ich welche Grube es war. Da der Name nicht direkt im zusammenhang mit der Nische steht,
gehen Einzelheiten nur per PM.
so meinte ich das nicht. der nachfolgende bergbau hat im nachhinein warscheinlich mehrere gruben miteinander vereinigt. so kann es sein, dass dieser grubenteil zur zeit der niesche (ganz) anders hieß.
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EnoM
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von EnoM »

Ja, auch in Johannstadt gibt es solche Nieschen.
Vorgefunden wurden einige auf dem Niveau des alten Eleonore Stollns. Ich kann nur vom Niveau sprechen, da die Strecken, in denen die Nieschen vorkommen, nur an den Eleonore Stolln angeschlossen sind. Bei der Vielzahl an Gruben im dortigen Revier braucht es noch eine Sisiphusarbeit, um eine klare UND zeitliche Abgrenzung erstellen zu können.
Konkret kann ich von einer Strecke mit Niesche berichten, in der Jahrtafeln mit Lachterangaben vorhanden sind. Es handelt sich um den Zeitraum von 1809 bis 1818. ( Leider sind einige Tafeln nach 1818 nur schwerlich entzifferbar!)
Mir liegt ein Riss von März 1792 vor, in dem die Strecken dort noch nicht verzeichnet sind.
Dennoch erkennt man schon den weiteren Verlauf der Vortriebsarbeiten in diese Richtung.

Im Abgleich kann man sagen das dort etwa pro Jahr 2 Lachter aufgefahren wurden.
Ich spekuliere aufgrund der vielen Tafeln einfach mal, das dort straff hintereinander gearbeitet wurde, so das mit den damaligen Methoden jährlich die rund 2 Lachter erreicht wurden. Projeziere ich das auf die geschätzte Breite der Niesche von rund 55cm, kommt bei mir erheblicher Zweifel auf, das das irgendwelche Kunststücke darstellen sollen. Da ging zuviel Zeit drauf.


Eine weitere Niesche ist in einiger Entfernung nahe eines Gesenkes in einem kurzen Suchstolln, fast am Stollnort, und zwar auf der rechten Seite. Es ist dort wahrlich eng, sozusagen Entengang.
Leider fehlts dort an Jahreszahlen, es häufen sich nur die Vortriebswinkel.

Das "Beste" zum Schluss: In einem Schacht, welcher im Erzgang aufgefahren wurde, fand ich in der "Kopfstrecke" genau so eine Niesche - aber nur quasi querschlägig in den Stoß hinein. Es ist also nur am Stoß als Dreieck zu sehn, geht aber dennoch locker 40cm in den Fels. Es handelt sich auch noch um das Hangende, was die Sache noch verzwickter macht - bekanntlicherweise neigt das Hangende ja zum Bröseln!!
Davon werde ich in den nächsten Wochen noch ein Foto machen und es hier zur Verfügung stellen.

Um vielleicht eine gewisse Struktur oder ein System der Nieschen zu erkennen, sollte man alle bekannten als 1. Schritt genau vermessen.
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide.
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Falk Meyer
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Falk Meyer »

Die Diskussion ist ja doch recht anregend.

Zu den Nieschen kann ich nicht allzuviel sagen. Ich war in beiden Gruben und durfte mir die anschauen. Sehr mysteriös.

Um die Frage nach der Verwendung zu klären, ist, wie auch der Horst geschrieben hat, das Umfeld, die "Umwelt" der Gruben von Bedeutung (meine Meinung.).

Da es im erzg. nur 2 Gruben gibt, bei denen die Nieschen beobachtet werden können muss man sich die Frage stellen, warum das so ist.

Im Freiberger Revier findet man ähnlich alte Grubenbaue, ohne Nieschen. Man findet ebenso Gesenke wie im Obererzgebirge, aber ohne Nieschen.

Vielleicht hing die Entstehung dieser Nieschen mit der Bedeutung der Grube im Revier zusammen. Heißt: man müsste vorab klären, welche Bedeutung die Grube innerhalb des Revieres hatte. Welchen Einflüssen unterlag der Betrieb, Besonderheiten?

Durch die doch recht weite räuml. Trennung zu Thüringen muss es einen Zusammenhang geben. Evtl. waren es ja die gleichen Bergleute, die erst in Thrüringen, später in Sachsen diese Nieschen aus dem Fels schlägelten (oder umgedreht).

Da diese Nieschen kurz vor der Ortsbrust angelegt wurden, würde ich mal die Idee der "Erkundung" verwerfen. Diese Nieschen zu schlägeln ist viel zu aufwendig für eine Untersuchung. Eine Schlitzprobe is da viel einfacher.

Auch die Idee mit dem Beginn eines Schachtes oder einer neuen Strecke halte ich für abwegig. Wenn die Alten damals einen Schacht angelegt haben, dann nicht durch trapezförmige, halbhohe Nieschen.

Vorrat für Sprengmittel würde ich auch verwerfen, weil: kurz vor der Ortsbrust Sprengmittel zu lagern, ist doch ein wenig riskant. Damals hingen die Funzeln überall in den Stößen, heißt: offenes Feuer... die Alten hatten vielleicht nicht die Kenntnisse von heute, aber bescheuert waren die sicher nicht.

Als "überdimensionale Bühnenlöcher" würde ich das auch nicht sehen, da auf der gegenüberliegenden Seite ja nix is... und wozu sollen trapezförmige Bühnenlöcher gut sein? Ich mein... ein Holz 90° darauf gestellt rutscht doch ab, oder? Vielleicht wurden die Löcher zum verkeilen genommen. Ein auf Gärung gesägtes Holz könnte in dieses Trapez passen... und durchaus auf der Sohle etwas verkeilt oder gehalten haben... nur ist die Anzahl dieser Nieschen eben noch so ein Rätsel...

Es bleibt also durchaus spannend. Viele Gedanken und Ideen sind ja bereits ausgesprochen worden.

Ich denke aber, dass man die Geschichte der jeweiligen Gruben einmal vergleichen sollte und dann Gemeinsamkeiten/Übereinstimmungen findet, die eventuell sogar auf die Bedeutung dieser Nieschen schließen lassen.
Mein Erzgebirge,
hoch über dunklen Schächten lauscht deiner Halden wilde Einsamkeit.
Still raunen sie von guten Himmelsmächten,
von Berggeschrei aus längst vergangener Zeit.

Edwin Bauersachs

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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

Falk Meyer hat geschrieben:Da es im erzg. nur 2 Gruben gibt, bei denen die Nieschen beobachtet werden können muss man sich die Frage stellen, warum das so ist.
es sind 3 gruben, wenn du "st. lampertus" in HOT dazurechnest.
Falk Meyer hat geschrieben:Durch die doch recht weite räuml. Trennung zu Thüringen muss es einen Zusammenhang geben. Evtl. waren es ja die gleichen Bergleute, die erst in Thrüringen, später in Sachsen diese Nieschen aus dem Fels schlägelten (oder umgedreht).
naja, solchen typen wie humboldt und goethe würde ich wohl eher zutrauen, die nieschen "breitzutragen". sie waren ja in beiden ländern aktiv und der normale bergmann kommt sicherlich nicht so schnell soweit rum wie die höheren herren.
EnoM hat geschrieben:Davon werde ich in den nächsten Wochen noch ein Foto machen und es hier zur Verfügung stellen.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Claudia »

also dann mache ich mal weiter:

die mir vertrauteste nischen-situation ist die im wapplerstollen bei schmiedefeld.
es handelt sich um einen goldstollen des 18. jahrhunderts, was mindestens eine jahreszahl belegt. (sorry - hab ich jetzt nicht genau im kopf, aber 177* könnte es gewesen sein...)
müsste ich jetzt auch längere fotoarchiv-recherche machen) die jahreszahl befindet sich wenige (vielleicht 5) meter nach dem mundloch auf der linken seite. links sind auch etliche gedingezeichen in relativ kurzen abständen bis zur ortsbrust.
die stollenlänge bewegt sich zwischen 100 und 200 metern.
der stollen wurde - was für die goldstollen auf der saalfelder höhe typisch ist - mehrfach abgeworfen und später wieder weiter betrieben worden. es liegen also mehrere
betriebsperioden vor. da alles recht alt ist, würde ich die schlitzproben eher ausschließen,
da man zu dieser zeit den gesamten stollen vermutlich dem gang hinterher gefahren hat.
vorbereitete gewölbe- oder bühnlöcher schließe ich auch aus, da der gesamte stollen ohne ausbau fein geschlegelt standfest ist und größere einbauten unwahrscheinlich sind.
aufbewahrungen aller art sind mir schwer verständlich, da der weg nach übertage so kurz ist,
hätte man dann nicht lieber brisante dinge außerhalb der grube gelagert?

die nischen befinden sich nicht kurz vor ort sondern eher nach 2 drittel des stollens,
dort geht links ein querschlag ab, der vielleicht 10 meter länge hat, nach vielleicht 5 meter hat der querschlag ein wassergefülltes gesenk, mir unbekannter teufe. (ist aber nicht viel)
das heißt links der querschlag und rechts die nischen.
es sind vier stück.
die nischensohle ist schräg, die erste nische davon (vom mundloch aus gesehen) hat eine inschrift auf der nischensohle, die wir bisher aber noch nicht sicher deuten konnten - wahrscheinlich eine jahreszahl.

genau dokumentiert und vermessen hatten wir das noch nicht, aber wenn interesse besteht,
könnten wir jederzeit mal eine exkursion unternehmen.
ich freue mich über diese diskussion und wünsche derweil
Glück auf!
Claudia

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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

Claudia_Redantz hat geschrieben:es handelt sich um einen goldstollen des 18. jahrhunderts, was mindestens eine jahreszahl belegt. (sorry - hab ich jetzt nicht genau im kopf, aber 177* könnte es gewesen sein...)
1774 (siehe auch http://www.untertage.com/cms/component/ ... y,0/hit,1/)

zeitlich würde es ja auch mit den nieschen vom st. lampertus zusammenpassen. dort stehen ja jahreszahlen von 1772 und 1773 in der nähe der nieschen.

ich verfolge momentan zwei theorien:

1.
es hat irgendwas mit dem markscheidewesen zu tun (man brauchte die winkel der nieschen für irgendwelche berechnungen)

2.
es hat was mit der abrechnung bzw. der aushandlung der gedinge zu tun, sozusagen ein genormtes musterstück, deren herstellungszeit gemessen wurde und aus dem dann die zu erbringende leistung des hauers berechnet wurde.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Claudia »

deine idee nr. 2 finde ich mal was neues, allerdings macht man die dann erst,
wenn der stollen schon zur hälfte aufgefahren ist? wie zahlt man dann für den stollenvortrieb bis dahin? also meiner meinung nach auch wieder fehlanzeige...

und ebendas gilt auch für normen für winkel. die braucht man, bevor man anfängt
und nicht erst mitten in der grube... :?
aber danke für die jahreszahl - da lag ich mit meiner aus dem gedächtnis genannten
jahreszahl gar nicht so schlecht.
Glück auf!
Claudia

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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

Claudia_Redantz hat geschrieben:deine idee nr. 2 finde ich mal was neues, allerdings macht man die dann erst, wenn der stollen schon zur hälfte aufgefahren ist? wie zahlt man dann für den stollenvortrieb bis dahin?
in anderen gruben ging es ja auch ohne nieschen. man hat sich die sache angeschaut und ausgehandelt. war dort ggf. auch so und dann diese art nur eine gewisse zeit "mode".

was mich stutzig gemacht hatte war die anzahl der nieschen hintereinander und die weitestgehende identische form. als dann noch das thema vermessung ins spiel kam, kam mir dieser gedanke, auch weil alle anderen sachen (bühnenloch, schlitzprobe, ablage etc.) für mich nicht in frage kommen.
kann man im wapplerstollen anhand der gedingezeichen überprüfen, ob es irgendeine regelmäßigkeit zwischen gedingezeichen und nieschen gibt?

p.s. dein gedächtnis ist noch gut :D
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Falafel »

Ne, also Probebehauen für das Festlegen des Gedinges wirklich nicht! Der Geschworene mußte zwar beim Vergeben des Gedinges das Gestein behauen um den Gedingelohn festzulegen, aber das dürfte eine kurze Maßnahme gewesen sein. Immerhin mußte er innerhalb eines Monats das Gedinge an allen Gedingeorten seiner Revierabteilung abnehmen und neu bestimmen. Da würde das Aushauen einer solchen Nische einfach zulange dauern (geschätzt 2-3 Std.).

Glück Auf!
Stephan
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Nobi »

hast recht stephan, das leuchtet mir ein. ich bin irgendwie auch davon ausgegangen, dass der hauer die niesche (unter aufsicht) rausgeschlägelt hat. na dann grübeln wir mal weiter.
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Fahrsteiger »

Im monolithischen Stein, wie Gneis oder Granit lagen die Jahresauffahrleistung um die 2m. Die Auffahrung an der Ruhr im geschichten Schiefer und leichtem Sandschiefer lagen bei Querschnitten von etwas mehr als einem halben Quadratmeter bei max. 35cm je Arbeitsschicht. Wenn die Bemaßung auf den Fotos richtig ist ( daran zweifele ich nicht ), hat das Aushauen einer " Nische " etwa 15 Tage gedauert. Wenn meine Rechnung stimmt, fallen viele " Deutungen " weg. Dann müssen die Nischen für etwas " langlebiges " gewesen sein.

Ein neuer Diskussionspunkt?? :?
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Fahrsteiger »

Des Rätsels Lösung??

Aus dem Buch " Bericht vom Bergbau " 1769 Freyberg von Johann Gottlieb Kern, Churfürstlich Sächsischer Edelstein-Inspektor, bearbeitet und als Lehrbuch herausgegeben von Friedrich Wilhelm von Oppel, Churfürstlich Sächsischer Oberberghauptmann.
Zweyter Abschnitt, Einbringen des Stollenausbaus.
Glück Auf
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Re: noch mehr Nischen

Beitrag von Falafel »

@ Fahrsteiger: 1. Ich hatte meinen Wert nur so geschätzt. Jetzt noch mal rechnerisch: Die Vortriebsleistung mit S&E lag im Freiberger Graugneis bei einem Querschnitt von ca. 200 cm x 60 cm bei einer Tagesleistung von +/-10 cm (= 120000 qcm). Im Extremfall hatte ich allerdings auch schon Tagesleistungen von 1 cm (= 12000 qcm), das ist aber wirklich absolute Ausnahme! So eine Nische hat als Durchnittswert etwa 85000 qcm. Also sollte ein Häuer im Normalfall etwa 1 - 1,5 Nischen in der Schicht schaffen, im Extremfall 7 Schichten pro Nische.
2. Die Idee mit der Abb. bei KERN finde ich gut, allerdings erschienen mir die Nischen dafür vielleicht etwas zu spitz bzw. zu tief, aber das müssen die Leute vor Ort entscheiden. Eventuell sogar mal ausprobieren. Also Sohle freiräumen, Holz zuschneiden und einpassen.

Glück Auf!
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