Schau-Schieferbergwerk

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Lutz Schmidt
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Schau-Schieferbergwerk

Beitrag von Lutz Schmidt »

Hallo (Berg-)Leute,

Ich habe mich neu hier in diesem Forum angemeldet, weil ich ein spezielles Anliegen habe....
Leider bin ich bergmännisch gänzlich ungebildet, verzeiht daher bitte meine Laienhafte und evtl. auch falsche Ausdrucksweise :wink: .

Im Zuge eines touristischen Projektes zum Thema: "eine Stadt um 1470" habe ich im Hunsrück ein geeignetes Gelände gefunden.
Dort befindet sich auch ein alter Stollen eines Schieferbergwerkes.
Eigentlich war ein Schaubergwerk in der Grundkonzeption nicht angedacht, aber aufgrund der Gegebenheiten würde es sich für das Projekt anbieten diesen Stollen:
1. zu erforschen, zu untersuchen und evtl. zu vermessen,
2. befahrbar zu machen und zu sichern
3. (auch wenn der Stollen vermutlich neuzeitlich ist) so auszustatten und besuchertechnisch zu präsentieren, wie ein solches Bergwerk vermutlich (möglichst mit wissenschaftlichen Untersuchungen belegt) um 1470, also im 15.Jh. ausgesehen hat.


Dieses Thema soll sich damit beschäftigen WIE man sowas umsetzen könnte und evtl. dazu führen, Helfer und vor allem Fachberater für eine Durchfürung zu finden.
Dass sowas nicht komplett wie im 15.Jh. möglich ist, ist mir natürlich klar!
Eine Beleuchtung mit Notbeleuchtung, Fluchtmöglichkeit etc. muß auf jeden Fall vorhanden sein, da das Bergwerk ja Besuchern zugänglich gemacht werden soll.
Der Stollen ist biotopkartiert, und ich vermute dass er von Fledermäusen bewohnt ist. Auch hierzu bräuchte ich fachlichen Rat, ob und wie sich eine touristische Nutzung damit vereinen lässt, da ich mit einer solchen Idee keineswegs wertvollen Lebensraum von bedrohten Arten zerstören will.

Grüße
Lutz Schmidt
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Dann setz Dich mal ganz schnell mit der zuständigen Bergbehörde zusammen. Die werden Dir sehr genau sagen, wie das Genehmigungsverfahren aussieht, und was dafür notwendig ist.
Diese Behörde wird das Projekt (Besucherbergwerk) dann auch weiter betreuen und darauf sehr genau darauf aufpassen, daß alles im legalen Bereich bleibt.
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Falk Meyer
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Beitrag von Falk Meyer »

Wenns in dem Stollen Fledermäuse gibt (und das auch nachgewiesen), dann hast du auch die Fledermausschützer an der Backe (zu recht!).

Befahrungen sollten deshalb in der Fledermausschutzzeit unterbleiben. Auch ist dieser Umstand bei der Planung des Besucherbergwerkes zu berücksichtigen.

Wir wollten hier in Flöha vor vielen Jahren auch mal ein Kalkbergwerk zum Besucherbergwerk herrichten - Bergamt hat nicht mitgemacht :cry:

Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sind unumgänglich; man sollte sich aber damit erstmal VORSICHTIG herantasten; nicht, dass dein Stollen mal einen hübschen Betonvorbau hat :D
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Edwin Bauersachs

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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Sicherheit geht halt vor...
und eine gute Verwahrung ist immer auch ein sehr guter Schutz aus archäologischer Sicht (aber nur nach einer entsprechenden archäologischen Aufnahme und Dokumentation)!
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Marcel Normann
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Beitrag von Marcel Normann »

AdM_Michael hat geschrieben:Sicherheit geht halt vor...
und eine gute Verwahrung ist immer auch ein sehr guter Schutz aus archäologischer Sicht (aber nur nach einer entsprechenden archäologischen Aufnahme und Dokumentation)!
Ich kenne mittlerweile doch einige Stollen, die schon seit Jahren befahrbar sind und in denen trotzdem noch Werkzeug und Gerätschaften rumliegen. Schützen muss man die Stollen für meinen Geschmack nur vor Kindern (zu deren eigenen Sicherheit) und vor Massenandrang. Eine brusthohe Überstauung im vorderen Bereich wirkt da schon Wunder.

Geschichte muss auch erlebbar sein, auf die Dauer motiviert sich doch keiner mit reiner Quellenarbeit.

Gruß und Glück auf!
Marcel
Mein Haushaltstipp: Fettflecken halten sich wesentlich länger, wenn man sie hin und wieder mit etwas Butter einreibt.
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Kann mir evtl. jemand weiterhelfen welches Bergamt dafür zuständig ist?

Findet sich hier evtl. jemand der Willens und in der Lage wäre den Stollen mal zu erkunden, um Fragen der Machbarkeit eines solchen Projektes zu klären. Ob der Stollen sich überhaupt eignet, wie es mit den Fledermäusen aussieht, ob er sich sichern bzw. ausbauen lässt.
Ich war zwar vor 10-15 Jahren schon mehrfach mit bei Höhlentouren dabei, und bin bis vor wenigen Jahren regelmässig geklettert, aber da ich selbst weder aktiver Höhlenkletterer, noch eine bergmännische Ahnung habe und auch nicht völlig Lebensmüde bin, werd ich mir sicher nicht anmassen den Stollen selbst zu erkunden.
Bitte keine Sprüche von wegen dass ihr mir davon sowieso abraten würdet.... weiß ich und würd ich sicher auch nie tun! :)

Die Beiträge zum Thema Verwahrung helfen mir bezüglich des Gesamtprojektes leider wenig, da ich den Stollen gern zugänglich machen würde... sollte das nicht möglich sein, müßte man ihn natürlich gegen Betreten sichern, da dann jede Menge Leute vor dem Mundloch vorbeilaufen werden. Wie dies aussehen wird bzw. wie man dann gegebenenfalls den "hübschen" Betonvorbau entsprechend wegtarnen könnte können wir dann immer noch diskutieren... :wink:


Grüße Lutz
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

grundsätzlich hätte ich schon interesse. wir müssten halt mal die rahmenbedingungen klären.
Glück auf!

Michael
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Friedolin
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Beitrag von Friedolin »

ich wäre auch dabei

Glück Auf !
Friedhelm
Glück Auf !
Friedhelm
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(alter Oberharzer Bergmannsspruch)
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

@ Grubenschlumpf: Wenn du Stollen kennst, in denen noch Gezähe herumliegt, dann hast du seltenes Glück. Solche Stollen müssen allerdings nicht nur gegen Kinder gesichert werden. Ein Blick auf entsprechende Börsen oder in ebay genügt zur Klärung eventueller Fragen vollkommen.

Zum Thema "Geschichte muß erfahrbar sein": Das muß auch alles in einem entsprechenden Rahmen stattfinden. Damit sind nicht nur die rechtlichen und sicherheitlichen Bedingungen gemeint. Das ganze muß auch didaktisch entsprechend auf- und ausgearbeitet sowie präsentiert werden. Das bedeutet, daß sowohl eine sorgfältige Archivarbeit, wie auch eine entsprechende Dokumentation vor Ort erfolgen muß. Ansonsten hängt das ganze Projekt in der Luft. Vor allem ergibt sich erst aus den Recherchen, ob sich das Objekt wirklich für das Projekt eignet und auch welchen Umfang es annehmen kann. Davon mal abgesehen können mit einem entsprechenden umfassenden Wissen auch Schriftquellen für andere interessant und spannend vorgetragen oder anderweitig präsentiert werden.

Einfach nur eine Tagesöffnung aufwltigen und mehr oder weniger alles für Sandalenträger gegen Eintritt befahrbar machen ist halt nicht alles. Zudem sollte man sich auch des Aufwandes für den Betrieb und der Pflege einer solchen Einrichtung bewußt sein. Negativbeispiele gibt es schon genug.

Traurige Tatsache bleibt aber, daß nach erfolgter archäologischer Dokumentation für einige Stollen eine Verwahrung der beste Schutz ist.
Dieses Thema sollte jedoch in einem eigenen thread diskutiert werden, da
weitere Ausführungen wie bereits bemerkt nicht zur Klärung der von Falk
gestellten Fragen beitragen.

@ Lutz Schmidt
http://www.wirtschaft.saarland.de/1167_10669.htm
Matthias

Beitrag von Matthias »

Glück auf!

wenn ich recht gelesen habe, dann handelt es sich um einen "vermutlich neuzeitlichen" Stollen. Da das Projekt "Stadt um 1470" heisst, sollte man dann auch die Auffahrungstechnik des besagten Stollens beachten. Die Vortriebstechniken des 14. und 15. Jh. unterscheiden sich ja nun doch von denen des 18. und 19. Jh. Wäre es in diesem Fall nicht auch eine Überlegung wert, den Stollen - bei Eignung - als Besucherstollen fahrbar zu machen, dies aber eigenständig und nicht in Verbindung mit dem Projekt "Stadt um 1470"? Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit hier im Forum mal ein paar Bilder von dem Stollen zu zeigen. Wer nicht die Gelegenheit hat sich mal eben schnell vor Ort die Sachlage anzusehen, kann sich dann wenigstens hier ein Bild davon machen.

Fahrt glücklich

Matthias
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Ich denke es ist müßig darüber zu diskutieren was man draus machen könnte, wenn man noch nicht mal weiß wie der Stollen aussieht...

Der Ausbau zu einem "neuzeitlichen" Besucherstollen scheidet im Rahmen meines Projektes leider aus, weil das Mundloch mitten im Projektgelände liegt und daher ein getrennter Betrieb nicht möglich ist. Zudem scheint der Bedarf hierfür kaum gegeben, denn es gibt in der Region schon ein "neuzeitliches" Schiefer-Besucherbergwerk, die Grube "Herrenberg" in Bundenbach...

Die Sache ist nicht so brandeilig, daher würde ich vorschlagen die Fledermausschutzzeit abzuwarten und dann ggf. den Stollen zu erkunden,
zu schauen ob, und welche Arten von Fledermäusen dort hausen, falls möglich die Stollen und Strecken erstmal grob zu vermessen, den Sicherungsbedarf festzustellen, evtl. weitere Zugänge zu suchen, und somit überhaupt die Machbarkeit des Projektes zu überprüfen.
Dazu zählt auch die Archäologische Einordnung der Abbauspuren und evtl. Funden, und natürlich die archivalische Arbeit.

Einige von euch haben sich ja hier schon bereit erklärt dabei mitzuhelfen.
Erstmal Dank hierfür!

Ich bitte alle, die ein Interesse an der Mitarbeit haben mich per PN anzuschreiben, mit Angabe ihres jeweiligen Spezialgebietes und Vorschlägen zur genaueren Vorgehensweise.
(Telefonnummer für einen Kontakt bitte nicht vergessen!)

Hier mal eine Liste benötigter Fachgebiete:
-Fledermausschutz
-Vermessung und Bestandsaufnahme
-Montanarchäologie mit Kenntnissen/Interesse am mittelalterlichen Bergbau (15.Jh)
-Sicherung und Ausbau
-etc.
Falls die Umsetzung des Projektes möglich ist, brauche ich natürlich auch einige Fachkräfte zur Ausführung... :wink:

Wie kann man hier eigentlich Bilder hochladen? Dann würd ich im Lauf der nächsten Woche mal welche vom Mundloch machen und sie hier einstellen...

Lutz
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Falk Meyer
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Beitrag von Falk Meyer »

Interessant wäre auch die Geologie und die Tektonik des Gebietes. Dann weiß man eher, was einen erwartet!

Schau diesbezüglich mal beim Landesamt für Umwelt und Geologie oder beim Landesvermessungsamt vorbei. Vielleicht hängen dort geologische Karten des Gebietes herum.

Die Beschreibung der Geologie gehört eigentlich (meiner Ansicht nach) zu jeder Dokumentation dazu. Damit wird dann auch das Gesamtbild abgerundet.
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

:wink: zum Thema Geologie hab ich mich schon schlau gemacht:

mapserver.lgb-rlp.de

Die Berge:

Stratigraphie:
Devon / Unterdevon / Unterems,
Hunsrückschiefer i.e.S. ( umfasst Bornhofen-, Altlay-, Sauerthal-, Bornich-, Kaub-, Zerf-Schichten, Mayen-Hunsrück-Schiefer)
Petrographie:
Ton- und Siltstein mit geringmächtigen Einschaltungen von Sandstein
Die Täler:
Stratigraphie:
Quartär, Pleistozän - Holozän
Petrographie:
Fluviatile Sedimente, ungegliedert (Auen- und Hochflutsedimente, z.T. Abschwemmmassen, Schwemmfächer-, Schwemmkegelsedimente, z.T. umgelagerte vulkanoklastische Sedimente):
Sand, kiesig bis Kies, sandig, z.T. lehmig, humos; lokal mit Hangsedimenten verzahnt

Grüße Lutz
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Hallo Lutz,
vergiß bitte nicht außer der Bergbehörde auf jeden Fall die Bodendenkmalpflege für das Projekt zu beteiligen. Es handelt sich ja beim Bergwerk immerhin auch um ein Bodendenkmal, daß nicht so ohne weiteres durch wen auch immer (Nachnutzer oder Verwahrer) zerstört werden darf.

Bergbau aus dem 15. Jahrhundert auf Schiefer hört sich auf jeden Fall interessant an, ist aber doch relativ unwahrscheinlich. Gab es da vielleicht noch andere Lagerstätten?
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Bergamt ist klar! ... und mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie stehe ich bzgl. des Gesamtprojektes schon in Verbindung.

Im 15.Jh. war der Bedarf an Dachdeckungsmaterial immens, und da mir in der Region höchstens winzige Tageabbaue bekannt sind, vermute ich, dass auch damals schon Schiefer untertage gewonnen wurde...
Aber das sollte man doch noch mit Quellen belegen!
Ob der betroffene Stollen eine so weit zurückreichende Gechichte hat, wage ich zu bezweifeln (Startposting: "auch wenn der Stollen vermutlich neuzeitlich ist") was man aber durch Untersuchungen vor Ort und in Archiven rausbekommen sollte... :wink:
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

... glatt vergessen:

Ob nun Schiefer oder Erze in dem Stollen abgebaut wurden, weiß ich natürlich (noch) nicht ...
Auch das wäre bei einer Untersuchungsbefahrung zu klären!

Grüße Lutz
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Na egal wie alt das Bergwerk jetzt ist, es ist auf jeden Fall ein Bodendenkmal und damit sind rein rechtlich gesehen auch die Aufwältigung einer Tagesöffnung und die nachfolgende Befahrung genehmigungspflichtig, auch wenn der ein oder andere hier im Forum das anders sieht.

@Lutz
Der hohe Schieferbedarf kommt mehr irgendwie merkwürdig vor.
Gerade im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bestanden nicht gerade sehr
viele Bestimmungen zum Brandschutz. Bis ins 18. Jahrhundert wurde vielfach mit Stroh gedeckt wurde. Daneben ist durchaus auch an eine Dachdeckung mit Ziegeln zu denken.
Für Kirchen und einige wenige Häuser reichten relativ kleine Schiefervorkommen, die im Tagebau gewonnen wurden. Die Gewinnungsstellen waren eher von geringer Ausdehnung.
Dein hoher Schieferbedarf braucht dringenst archäologische und/oder historische Belege.
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

AdM_Michael hat geschrieben:Na egal wie alt das Bergwerk jetzt ist, es ist auf jeden Fall ein Bodendenkmal und damit sind rein rechtlich gesehen auch die Aufwältigung einer Tagesöffnung und die nachfolgende Befahrung genehmigungspflichtig, auch wenn der ein oder andere hier im Forum das anders sieht.
und wie ich das anders sehe. aber das ist ein anderes thema für sich, was wir aber mal klären sollten, denn das, was du schreibst, ist nicht allgemeingültig richtig.
Glück auf!

Michael
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kapl
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Beitrag von kapl »

@ adm_michael:
hier ist noch jemand andere Meinung ;)
Können uns aber gerne mal darüber unterhalten!

GA
kapl
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Lutz Schmidt
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Gerade im Spätmittelalter waren die Bauvorschriften zumindest in den Städten sehr rigide, und Brandschutz war durchaus nichts Unbekanntes.
Feuer ist im Belagerungsfall der schlimmste Feind, und das wußte man sehr gut! Dementsprechend beinhalten viele erhaltene Bauvorschriften des Mittelalters auch diesbezügliche Passagen.... (das betrifft auch den Burgenbau!)
Zudem macht es wenig Sinn, in einer vom Schiefer geprägten Landschaft, wo das Gestein mehr als zur Genüge und in geeigneten Qualitäten, sowohl für Mauer-, als auch für Dachsteine vorkommt, mit relativ hohem Aufwand Ziegeln für die Dachdeckung zu brennen (was nicht ausschließt dass dies teilweise auch praktiziert wurde!). Auf dem Land stimme ich deinen Aussagen zu, dass bevorzugt Stroh- oder evtl. auch Holzdeckungen ausgeführt wurden. Aber schau dir die Ortschaften und die Burgen in der Region mal genauer an, fast alles aus Schiefer gemauert, und fast ausnahmslos Schieferdeckungen! Warum sollte sich das mit der Zeitenwende (was ja nicht an einem Stichtag passierte, sondern ein langsamer Übergang war...) vom Mittelalter zur Neuzeit irgendwann schlagartig geändert haben?!?

Belege gibt es dafür zuhauf in der Fachliteratur, diese alle aufzuzählen würde vermutlich den Serverplatz hier doch etwas sehr strapazieren und trägt im Übrigen wenig zu der Problemstellung bei.

Dass ein solches Projekt (speziell das Teilprojekt "Besucherstollen" als auch das Gesamtprojekt) in all seinen Phasen diverser Genehmigungen bedarf ist völlig klar! Diese werden natürlich ordnungsgemäß beantragt.

Grüße Lutz
Ralph
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Beitrag von Ralph »

@ adm_michael:
".......es ist auf jeden Fall ein Bodendenkmal........"
wo stammt denn diese weisheit her ?
habe in den letzten 5 wochen 4 stollen offiziel
und behördlich genehnigt zur öffung durchgeboxt,
keiner wahr ein bodendenkmal , was für ein blödsinn!
GA
Ralph
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

@Lutz
Natürlich sind einige Bauvorschriften erhalten, jedoch ist das ganze nicht
überall so rigide gewesen und Brandschutz war auch nichts unbekanntes. Klar war Feuer im Belagerungsfall der schlimmste Feind und es gab auch genügend Versuche bzw. Vorkehrungen dem entgegen zu wirken, keine Frage. Entsprechende Funde von Schieferplatten sind auf Burgen auch nicht unbedingt selten. Hinsichtlich Brandschutzbestimmungen /-maßnahmen ist da vor allem auf die Lage von Ofenanlagen oder die Bestimmungen im Sachsenspiegel hinzuweisen. Die Verlagerung der Töpefereien aus der Stadt Köln heraus wegen erhöhter Brandgefahr wären ein weiteres Beispiel. Die Bestimmungen und Maßnahmen betreffen insgesamt unterschiedliche Bereiche, die nicht so einfach zusammengefaßt werden können. Außerdem beziehen sich einige Bauvorschriften auch nur auf bestimmte, einzelne Bauprojekte und sind dann Verträgen oder Protokollen entnommen. Ferner ist auch zu hinterfragen, in welchem Umfang diese Bestimmungen in die Praxis umgestetzt wurden. Die Durchsetzung einer Dachdeckung aus Schiefer oder anderen feuerfesten Materialien war ein längerer Prozeß, der zeitlich zudem lokal unterschiedlich einsetzte. Diese Diskussion ist eher unabhängig von den historischen Epochen zu führen.
Das sich nicht jeder Schiefer zur Dachdeckung eignet, hast Du ja in deiner Unterscheidung selbst festgestellt. Im Mittelalter ist eine Dachdeckung aus Stein jedoch nicht unbedingt von der Verfügbarkeit und/der Qualität abhängig. Es ist auch die Frage, wer sich das leisten konnte. Burgen und öffentliche Bauten in der Stadt waren sicherlich mit Schiefer gedeckt, ebenso wahrscheinlich auch Häuser wohlhabender Kaufleute und Handwerker. Sonst wäre ich jedoch sehr vorsichtig mit einer Verallgemeinerung. Ein Vergleich mit der heutigen Situation ("Aber schau dir die Ortschaften und die Burgen in der Region mal genauer an, fast alles aus Schiefer gemauert, und fast ausnahmslos Schieferdeckungen!") haut aber nicht hin. Denn selbst bei einer ensprechenden Verfügbarkeit von Steinen als Baumaterial wurde meist in Holz gebaut und zwar in Städten wie auch in Dörfern. Steinbauten waren eine Frage des sozialen Status und der Finanzen. Jedoch waren selbst in Burgen nicht alle Gebäude aus Stein, wie dir sicherlich bekannt ist. Die Frage nach dem Sinn einer Schieferdeckung oder einer Mauerung aus Schiefer lehnt sich insgesamt zu sehr an unsere heutige Sichtweise an.
Bei der angesprochenen Fachliteratur würde mich interessieren, ob es sich um Monographien zu speziellen Objekten handelt oder allgemeine Darstellungen, wie z.B. unter ähnlichen Titeln wie "Die Stadt im Mittelalter" o.ä. Du hast auf jeden Fall Recht, daß eine Aufzählung absolut keinen Sinn hat, da sich über die Jahrzehnte einiges angesammelt hat (nimmt man die Ingenieure und Architekten nich hinzu, dann sind es sogar Jahrhunderte). Wichtig ist jedoch vor allem die Literatur, die deine Region betrifft, wobei ich dir damit sicherlich nichts Neues sage und Eulen nach Athen trage. Bei allem anderen wäre ich mit einem Analogieschluß sehr vorsichtig. Interessant sind neben den historischen Quellen und Abhandlungen vor allem die Grabungs- und Fundberichte der Denkmalpflege.
Da die Genehmigungen für das Projekt ja nun entsprechend beantragt werden, wäre eventuell in diesem Zusammenhang ein weiterer Antrag auf Einsichtnahme in die Ortsakten der Denkmalpflege noch hilfreich. Dort finden sich durchaus einige Informationen, die noch nicht publiziert wurden oder zumindest nützliche Hinweise."



@Ralph
"wo stammt denn diese weisheit her" - Schau doch einfach mal in das Denkmalchutzgesetz für NRW, sagen wir mal § 2.

"Habe in den letzten 5 wochen 4 stollen offiziel und behördlich genehnigt
zur öffung durchgeboxt, keiner wahr ein bodendenkmal, was für ein blödsinn!"
Bei welcher Behörde? Und wer hat bitte festgestellt, daß es sich nicht um Bodendenkmale handelt? Bevor du hier so voreilig das ganze als Blödsinn
bezeichnest, empfehle ich das Denkmalschutzgesetz und entsprechende
Literatur zum Denkmalschutz als Bettlektüre. Die Ruhruniversität Bochum in deiner Nachbarschaft dürfte die Publikationen in ihrem Bestand haben.

Aber es soll ja auch durchaus Behörden geben, die gar nicht wissen, daß sie und für was sie alles zuständig sind. Das ändert nur leider nichts an der gesetzlichen Lage.

Inzwischen gibt es einen eigenen Thread zu diesem Thema. Auch Du bist herzlich eingeladen mitzudiskutieren.
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Beitrag von Lutz Schmidt »

@AdM_Michael

... im Großen und Ganzen sprechen wir vom selben Thema, nur aus verschiedenen Blickwinkeln :wink:
Das ist ein unerschöpfliches Diskussionsfeld...
Ich entnehme deinem Beitrag dass du dich mit der Materie beschäftigst, bist du Historiker oder Archäologe?
Die erwähnte Fachliteratur umfasst sowohl Monografien, als auch allgemeine Werke, speziell anführen möchte ich beispielhaft einige Veröffentlichungen zur Hausforschung in der Region:

Hausforschung und Wirtschaftsgeschichte in Rheinland-Pfalz
Jahrbuch für Hausforschung; Band 41
Herausgegeben im Auftrag des Arbeitskreises für Hausforschung e.V. von G. Ulrich Großmann, Klaus Freckmann und Ulrich Klein
1993 Jonas Verlag; ISBN 3-89445-148-3

oder:

Schriftenreihe zur Dendrochronologie und Bauforschung
Band 1; KLeine Hausgeschichte der Mosellandschaft; ISBN 3-7927-1832-4
Band 3; Baugeschichte am Mittelrhein; ISBN 3-98445-321-4
Jonas Verlag

Wie bereits gesagt, gibt es auch allgemeinere Literatur zu dem Thema, aber auch noch viel speziellere...


Ich habe zwar Architektur studiert, und beschäftige mich seit langem mit der Geschichte (vornehmlich des 15. Jh.) doch übersteigt der Umfang des Gesamtprojektes meine Kompetenzen leider bei Weitem, daher steht dem Projekt ein namhaft besetzter wissenschaftlicher Beirat zur Seite, der solche fachlichen Fragen klären wird. Falls sich hier im Forum oder in der GAG ein Fachmann für montanhistorische Fragen findet, wäre ich sehr glücklich wenn dieser das Projekt durch seine Mitarbeit im Beirat unterstützen würde.

Im Rahmen des Gesamtprojektes sind solche Diskussionen um verwendete Baumaterialien und andere Themen natürlich notwendig und wünschenswert, jedoch in dem speziellen Fall des Stollens bringt uns das leider nicht wirklich weiter. Solange wir nicht mal wissen ob der Abbau auf Schiefer oder Erz ging, brauchen wir uns diesbezüglich nicht die Köpfe heiß reden.
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Hallo Lutz,
danke für die Info zur Literatur. Jetzt bekommt die Sache klarere Konturen.
Das Thema ist in der Tat sehr komplex. Meines Erachtes haben wir uns aber nicht die Köpfe heißgeredet. Ich fand es einen guten Meinungsaustausch, der zudem gezeigt hat, daß dieses umfassende Projekt auf eine solide Basis gestellt werden soll oder bereits schon steht. Bei anderen Projekten ähnlicher Art ist das vielfach nicht so. Daß dein Hauptinteresse dem 15. Jh. gilt, ist ja schon fast aus deinem Avatar ersichtlich.
In Bezug auf Bergbau würde ich wie auch sonst zwischen Historikern und Archäologen unterscheiden. Du wirst beide brauchen, denn nur in seltenen Fällen deckt ein Wissenschaftler beide Bereiche ab. Vor allem können sich die Aussagen der archäologischen Befunde von denen der Schriftquellen unterscheiden. Wichtig ist wie immer eine ordentliche Quellenkritik, worauf aber in dem von Dir angesprochenen Projekt, zumindest soweit ich das bisher berurteilen kann, sicher geachtet wird.
Ich bin allerdings weder Archäologe noch Historiker.
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Hi Leute,

Hat von euch zufällig jemand Literatur zum Thema "Bergbau im (Spät-)Mittelalter"
Was gibt's da so an empfehlenswerten Veröffentlichungen?


Grüße Lutz
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kapl
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Beitrag von kapl »

Erstmal die Quellen selber:
Also der Agricola!
GA
kapl
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Beitrag von Lutz Schmidt »

Ok, Schorschi und sein "De rei metallica" kenn ich ... :wink:

sonst noch Vorschläge?

Irgendwas über Archäologie des Bergbaus?


P.S.: im vorraus schon mal Danke!
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

also, so das man auch was mit anfangen kann:

Georgius Agricola (1494-1555) hat mehre Bücher über das Bergwesen, über Minerale etc. gesachrieben.

Das wichtigste und bekannteste Werk ist: De re metallica libri XII (12 Bücher vom Bergbau und Hüttenwesen, erschienen 1556) welches heute in zahlreichen varianten (von billig bis teuer) zu haben ist.
Weiterhin zu empfehelen ist von Agricola: Bermannus sive de re metallica (Bermannus oder ein Dialog über den Bergbau, erschienen 1530)

NICHT von Agricola, aber sicherlich auch sehr interessant ist das "Schwazer Bergbuch" von 1556.

Ich hoffe das hilft etwas weiter.
Glück auf!

Michael
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Beitrag von MichaP »

ups. das hat sich überschnitten.
Glück auf!

Michael
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digger_Martin
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Beitrag von digger_Martin »

Vielleich sollte ich mich als Neuling nicht gleich in die Nesseln setzen: Aber Agricola und Schwazer Bergbuch sind für mittelalterlichen Bergbau als Quellen absolut ungeeignet.

GA! Martin
Alt ist man erst, wenn man zum Archäologen überwiesen wird.
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