Kleibesteiger

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Fundgrübner
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Kleibesteiger

Beitrag von Fundgrübner »

Moin.

in einer alten Publikation (von ca. 1700) stoße ich auf die Bezeichnung "Kleibe-Steiger" mit eindeutigem Bezug zum Bergbau. Ein ähnliches Werk widmet sich dem "Fahrsteiger".

Frage: Was verbirgt sich hinter "Kleibesteiger"? Bitte Quelle angeben.

Danke und Glückauf!
Fundgrübner

Falafel
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Falafel »

Nur eine These: Kleibesteiger -> Glaubesteiger. Also der Steiger, der die Glaubejungen beaufsichtigt.

GA
Stephan

Uran
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Uran »

Hier http://delibra.bg.polsl.pl/Content/10946/Vol63_No48.pdf gibt es einen Kleibesteiger. Er hat in Rothenburg im Kupferschiefer gearbeitet. Bei Krünitz wird Kleiber mit Lehm übersetzt. Kleibearbeit in jeglicher Form. Meine Idee ist, das er der Sprengsteiger war. Zum sprengen brauchte man Lehm als Besatzstoff. Er ist schon mit 33 Jahren gestorben. Ein Grund wird nicht genannt. Vielleicht ein Sprengunfall? Kleiben ist auf jeden Fall ein sehr selten benutzter Begriff, der offensichtlich schon sehr zeitig durch kleben abgelöst wurde.
Übrigens war sein Sohn, Christoph Wilhelm Crone, geb. 25.9.1757 in Groß-Oerner bei Eisleben; Oberbergmeister und Oberbergrat beim Oberbergamt Dortmund.
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axel
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von axel »

Hier kann man nachlesen, was die Pflichten des Kleibesteigers waren:

https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-848053
„Die Stadt Freyberg ist unter allen Meißnischen Städten wohl die größte,
und vor andern berufen, wegen der gesunden Lufft des Bergwercks…“
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Fundgrübner
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Fundgrübner »

@Axel: Diese Publikation war Anlaß meiner Frage, aber so richtig erschöpfend wird dort nicht erklärt.

Ein Hinweis von anderer Stelle ging dahingehend, dass es sich um den "Kleibesteiger" um einen "Klaubesteiger" handeln könnte; "Schiefer" und "Räderkohle" gehen in die Richtung Kupferschiefer-Bergbau/-verhüttung, besonders im Mansfeldischen.
Das ist aber unklar.
Etwas abwegig, aber denkbar, ist, dass dort in Mundart/Dialekt geschrieben wurde: Das Wort "Klauben" durch "Kleiben" zu ersetzen, das nach allen alten Konservationslexika stets einen Bezug zu Ton, Kleben usw. hat, mutet doch sehr skurril an, würde allerdings das Fehlen des Autorennamens, Verlages, Ortes usw. u.U. erklären.
Zuletzt geändert von Fundgrübner am Sa. 25. Jul 20 14:01, insgesamt 1-mal geändert.

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Fundgrübner
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Fundgrübner »

Falafel hat geschrieben:
Fr. 24. Jul 20 15:20
Nur eine These: Kleibesteiger -> Glaubesteiger. Also der Steiger, der die Glaubejungen beaufsichtigt.
Danke.
Mmh, sofern so schreibt wie man spricht? Schriften in Dialektform sind aus dieser Zeit (17.-18.Jh.) extrem selten.

Uran
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Uran »

Im § 9 steht doch eindeutig was er macht. Er scheidet untertage das Erz.
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Fundgrübner
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Fundgrübner »

Das ist eine Tätigkeit unter vielen (siehe die anderen "Instructionen") und widerspricht doch Deiner ersten Antwort/Deutung.

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axel
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von axel »

Fundgrübner hat geschrieben:
Sa. 25. Jul 20 13:55
@Axel: Diese Publikation war Anlaß meiner Frage, aber so richtig erschöpfend wird dort nicht erklärt.
... hätte ich mir eigentlich denken können ... :gruebel:

Ich sehe es aber wie Uran: seine wesentliche Aufgabe steht im Artikel 8 - er ist für das Scheiden der Schiefer verantwortlich. Daher auch seine Bezeichnung - vgl. Grimms Wörterbuch: "kleiben" siehe "klieben" = spalten!

Dass es um einen Steiger im Mansfeldischen Kupferschieferbergbau geht, ist sehr wahrscheinlich - auch die angehängte Abschrift des Eislebischen Vertrages (wo es wohl um die Verpfändung der Grafschaft Mansfeld geht) deutet in diese Richtung.

Glück Auf!

axel
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Uran
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Uran »

Fundgrübner hat geschrieben:
Sa. 25. Jul 20 18:27
Das ist eine Tätigkeit unter vielen (siehe die anderen "Instructionen") und widerspricht doch Deiner ersten Antwort/Deutung.
Du hast recht. Ich habe ja auch nur ins Blaue gesucht und ein paar Varianten angeboten. Die dann von Axel genannte Literatur kannte ich nicht. Tätigkeit unter vielen? Nein. Im weiteren wird ja nur aufgezählt, was er neben seiner Tätigkeit noch machen soll, wenn andere verhindert sind. Es sind alles Tätigkeiten die ein Steiger ausführt. Seine Haupttätigkeit, dafür ist er eingesetzt, ist nach dieser Literatur das Scheiden der Erze vor Ort. Besser gesagt, macht er das ja nicht selber. Er ist Aufsichtsperson bei dem Prozess und dafür verantwortlich.
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milnaaer
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von milnaaer »

N´abend,

"Kleiber" ist eine (zumindest im Erzgebirge) während des 17. bis frühen 18. Jahrhunderts übliche Berufsbezeichnung für den (Lehm)-Maurer (kleiben = kleben). Ersichtlich ist hierbei u.a. in lokalen Landes- und Schocksteuerlisten, dass der "Kleiber" seinen Klebstoff Lehm in eigenen oder gepachteten Lehmgruben über den Winter selbst anmaukt. Der normale Maurer tat dies (offensichtlich) nicht. Nach 1750 scheint der Begriff zumindest in der Baufachsprache verschwunden zu sein.

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Mops
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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Mops »

Unstrittig ist, dass die "Instruktion..." im Mansfelder Bergbau auf Kupferschiefer angesiedelt ist. Das hat @axel aus guten Gründen schon betont, denn einzelne Begrifflichkeiten lassen sich nur dieser Reigion zuordnen: "Schiefern", "Nobrige" [Noberge], "Letten" - hier sind das alles Bezeichnungen der Schichten des Flözes -, aber auch "Berge" [= taubes Gestein] sowie auch "Höhlen" [Fuhrwerke zum Tranport der Erze].
Die Aufgaben des "Kleibe-Steigers" sind im Text klar umrissen und durchaus vielfältig, und nicht nur auf das Scheiden bzw. Klauben begrenzt (8). Er soll die weitere Verwendung des Grubenholzes bestimmen und kontrollieren (9), den Fahrsteiger vertreten (10), den Abtransport der "Schiefern" kontrollieren, Ladezettel für die "Höhlen" ausstellen (13), Krankenbesuche machen (24) usw. usf. Ingesamt gesehen entspricht das den Aufgaben eines Untersteigers, und aus dem Text geht klar hervor, dass ihm ein Fahrsteiger übergeordnet ist (und einen Obersteiger wird es wohl auch gegeben haben).
Was mit dem "Kleiben" gemeint ist, erschließt sich aus dem Text klar und eindeutig. Allerdings ist die etymologische Ableitung hier leider noch ganz unklar. Wie @axel auch, schaue ich immer erst in Grimm's Wörterbuch nach. Leider hilft das aber nicht immer weiter, wie sich bei der Foschung zu den Mansfelder Schlotten gezeigt hat. Die historische Entwicklung bergbaulicher Begriffe hat wenig mit der Alltagssprache zu tun, und sie ist lokal bis regional sehr diffenrenziert entwickelt (oft auch "lagestättenspezifisch").
Wenn ich denn, all dies vorausgeschickt, sagen sollte, was ein Kleibesteiger ist, dann etwa folgendes: Ein Kleibesteiger ist ein Untersteiger im Kupferschiefer-Bergbau gewesen, der [...]. Der Begriff ist zeitlich (17. bis 19. Jh. [?]) und örtlich (im Mansfelder Land) nur begrenzt verwendet worden und in der Literatur selten verbrieft.

Nachtrag / Nachschlag

Domett hier' ich uff nu heite;
Grieße Deine Weibesleite,
Un die nach was uff mich hohlen,
Denke Du fleißch an mich Ohlen.

(Giebelhausen, 1850, Mansfelder Sagen, S. 73)
Glück auf! | Mops

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Re: Kleibesteiger

Beitrag von Fundgrübner »

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