Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

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Roby
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Roby »

Die neu gefundene Berg-Bazille :D "Sulfobacillus harzensis" soll bei Rammelsberg Kobalt und andere Metalle gewinnen...
https://www.finanzen.net/nachricht/rohs ... n-10324957

Glück auf!
Roby
Aufn stollen zu fahren sol jedermann frey sein, doch das es mit bescheidenheit und zu gebuhrlicher zeit geschehe. (Joachimsthaler Berggebräuche, 16. Jht.)
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markscheider
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Da bin ich mal gespannt, bakterielle Laugung geistert ja schon lange herum, aber soweit ich weiß, hat es bisher nicht wirtschaftlich funktioniert.
Der grundlegende Gedanke ist natürlich bestechend. Idealerweise findet oder züchtet man ein Bakterium, das eine Metallart konzentriert und sich selbst vermehrt, und zum Schluß bei Nahrungsmangel einfach abstirbt.
Uran
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

In Prettau (Südtirol) wird Kupfer seit Jahrzehnten so gewonnen. Was da so geschrieben wird, ist schon interessant. Kobaltgehalt der Rückstände 0,017%. Keine Ahnung wie sie die 7 Millionen Tonnen ins Labor bringen wollen. Ich wusste gar nicht, das es in Goslar überhaupt Kobalt gibt. 1.221 Tonen ist schon eine gewaltige Menge. Das lohnt sich sicher. :D
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.
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markscheider
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Uran hat geschrieben: Di. 13. Jul 21 19:09 In Prettau (Südtirol) wird Kupfer seit Jahrzehnten so gewonnen.
In welchen Mengen denn, und ist es wirtschaftlich?
Uran hat geschrieben: Di. 13. Jul 21 19:09Kobaltgehalt der Rückstände 0,017%. Keine Ahnung wie sie die 7 Millionen Tonnen ins Labor bringen wollen. Ich wusste gar nicht, das es in Goslar überhaupt Kobalt gibt. 1.221 Tonen ist schon eine gewaltige Menge. Das lohnt sich sicher. :D
Naja, üblicherweise macht man erstmal einen Großversuch, um dann zur industriellen Anwendung überzugehen. Nix Labor. Die exakte Angabe der Kobaltmenge ist aber schon witzig. Letztendlich habe sie garantiert nur den Gehalt mit (geschätzten) Gesamtmenge multipliziert. Grundsätzlich halte ich es schon für denkbar, vorausgesetzt, die Laugung funktioniert, die (Schwer-)Metalle aus den Schlammteichen zu extrahieren. Ob das dann wirtschaftlich sinnvoll ist, wird davon abhängen, wieviel man insgesamt aufwendet und schlußendlich auf dem Markt erlöst.

Attraktiv ist hier, daß man praktisch ohne Aufwand an die Aufbereitungsabgänge herankommt. Logischerweise sind die Gehalte niedrig, aber die Vergangenheit hat ja immer wieder gezeigt, daß mit geeigneten Aufbereitungsmethoden auch niedrige Gehalte wirtschaftlich gewonnen werden können.
Ob das hier klappt, werden wir sehen.
20210714 SZ Biolaugung Bollrich.jpg
20210714 SZ Biolaugung Bollrich.jpg (406.61 KiB) 425 mal betrachtet
Es ist natürlich kein Bergeteich, sondern ein (bzw. mehrere) Schlammteich(e) und es heißt Bollrich, nicht Bollerich. Dschörnalists halt...
Bollrich Luftbild.jpg
Mannl
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Mannl »

Es ist dahingehend interessant, dass "ehemalige Abfälle" nun zu Rohstoffen werden.
Bsp. "Atommüll" - die Finnen lagern den rückholbar ein :)
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Uran
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

Prettau ist schon lange stillgelegt und heute Besucherbergwerk. In bestimmten Abständen werden Körbe mit Metallstäben in die Wassersaige gestellt und nach der Umwandlung in Zementkupfer ausgetauscht. Fertig. Eine Gewinnung der 1.221 t Kobalt ist mit hoher Sicherheit nicht wirtschaftlich. Was im Labor gelingt, muss in der Praxis noch lange nicht funktionieren. Der Kobaltpreis ist übrigens im letzten Jahr um 11,6% gefallen.
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markscheider
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Uran hat geschrieben: Mi. 14. Jul 21 13:18 Prettau ist schon lange stillgelegt und heute Besucherbergwerk. In bestimmten Abständen werden Körbe mit Metallstäben in die Wassersaige gestellt und nach der Umwandlung in Zementkupfer ausgetauscht. Fertig.
Das hat aber mit mikrobieller oder bakterielle Laugung gar nichts zu tun.
Uran hat geschrieben: Mi. 14. Jul 21 13:18Eine Gewinnung der 1.221 t Kobalt ist mit hoher Sicherheit nicht wirtschaftlich. Was im Labor gelingt, muss in der Praxis noch lange nicht funktionieren. Der Kobaltpreis ist übrigens im letzten Jahr um 11,6% gefallen.
Vielleicht. Und niemand weiß, wo er stehen wird, wenn das Verfahren irgendwann anwendungsreif ist.
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

markscheider hat geschrieben: Mi. 14. Jul 21 14:04
Das hat aber mit mikrobieller oder bakterielle Laugung gar nichts zu tun.
Natürlich. Ohne ein Bakterium, die haben es damals auch erklärt, das das Kupfer aus den Erzgängen löst, funktioniert es nicht. So weit ich weiß, hat man auch in Freiberg mal solche Versuche gemacht.
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markscheider
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Mir ist das mit dem Zementkupfer in Freiberg grob bekannt, bin aber der Meinung, dass das rein chemisch-physikalisch ging. Einfach ein paar Eisenstäbe ins Saigenwasser gehängt. Das Grubenwasser ist doch sowieso schwer mineralisiert und bringt auch Metalle genug mit. Für Grubenwasser jedenfalls. Da ging es aber nicht um Tonnen, sondern um Zentner.
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

Falsch. Ohne das Bakterium geht es nicht. Das ist bekannt.
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Ich denke, wir reden davon: https://www.untertage.com/mitglieder-e- ... eiter.html
Die Alten haben sich sicher weniger Gedanken darum gemacht, wie das Kupfer gelöst wurde. Ich hätte ja gesagt, wenn das Milieu sauer ist, dann reicht das.

Und du hast zufällig einen Beitrag zur Hand, wo das mit dem Bakterium steht?
Uran
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

Das Thema hatten wir gestern auch kurz im Nicolai. Nein, ohne das Bakterium keine Kupfergewinnung. Das ist inzwischen bekannt. Ich muß in meinem Nirvana das Buch von Prettau raussuchen. Ich hoffe dort steht etwas darüber.
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Mannl »

Könnte so gehen ....
Man hat nach den Bakterien ev. nicht gesucht.
Ich kenne es von der "Urangewinnung" im JBK - lief so nebenbei ...

https://www.chemie.de/lexikon/Bioleaching.html

Bedeutung der Eisen- und Schwefelbakterien
Eisen- und Schwefel-oxidierende Bakterien tragen durch ihre oxidativen Energiestoffwechsel-Prozesse entscheidend dazu bei, schwerlösliche Sulfide wie Kupfersulfid in wasserlösliche auslaugbare Sulfate (Kupfersulfat) umzusetzen. Die Schwefelbakterien Acidithiobacillus ferrooxidans (auch Eisen-oxidierend) und Acidithiobacillus thiooxidans, das Eisen-oxidierende Bakterium Leptospirillum ferrooxidans und die Schwefel- und Eisen-oxidierende Archaee Acidianus brierleyi sind acidophil (Säure liebend), die Schwefel-Oxidierer erzeugen sogar selbst Schwefelsäure durch Sulfid- und Schwefel-Oxidation. Acidianus brierleyi ist zudem thermophil (hohe Temperaturen liebend). Im Laugungsprozess oxidieren Acidithiobacillus ferrooxidans, Leptospirillum ferrooxidans und Acidianus brierleyi zweiwertiges zu dreiwertigem Eisen, Acidithiobacillus ferrooxidans, Acidithiobacillus thiooxidans und Acidianus brierleyi oxidieren elementaren Schwefel zu Schwefelsäure. Wasserunlösliche Sulfide werden abiotisch durch dreiwertiges Eisen oxidiert, wobei elementarer Schwefel gebildet wird. Dieser elementare Schwefel wird durch Schwefelbakterien zu Schwefelsäure oxidiert. Bei der abiotischen Sulfidoxidation durch dreiwertiges Eisen wird dieses zu zweiwertigem Eisen reduziert und dann wieder biotisch durch Oxidation rückgebildet. Durch die abiotische und biotische Oxidation des Sulfids werden die Schwermetalle aus den Sulfidmineralen als gelöste Ionen frei. Eisen- und Schwefel-oxidierende Bakterien arbeiten auf diese Weise eng zusammen. [2]
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markscheider
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von markscheider »

Die Seite sieht stark nach einem wiki-klon aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Bioleaching
Mannl
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Mannl »

Da müssen wir doch auf die Wissenschaft zurückgreifen :meister:
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Geomartin »

Batteriehersteller LG Energy Solutions hat eine 5-jaehrige Abnahmevereinbarung mit Vulcan Energy unterschrieben. Danach verpflichtet sich LG ab 2025 im ersten Jahr 5,000t Lithiumhydroxid zum Martpreis zu kaufen, in den folgenden Jahren 10,000t pro Jahr.

https://cdn-api.markitdigital.com/apima ... 58X6vwSpRM
Uran
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Re: Das neue "Berggeschrey" darf beginnen

Beitrag von Uran »

Klingt erst einmal Interessant. Allerdings gibt es bisher, außer einer Pilotanlage nur bunte Prospekte. Der Lithiumpreis erholt sich zwar wieder, hat den Preis von 2018/19 mi 14,88 USD/kg noch lange nicht erreicht. Der Durchschnitt 2020/21 liegt bei 8,58 USD/ kg. LG Verpflichtet sich 5.000 t im Jahr zum Marktpreis zu kaufen. Was passiert, wenn Vulkan dann nicht liefern kann, oder der Marktpreis unter den Gestehungskosten liegt. Immerhin braucht Vulkan erst einmal 1,7 Milliarden Euro. Fast alle Untersuchungen verweisen darauf, das es spätestens ab 2025 zu einer Lithiumüberproduktion kommt. Dazu sollte man sich die Daten des Australischen Unternehmens mal anschauen. Es ist eines von vielen Start-up-Unternehmen. Georgina Hope Rinehart ist wie immer auch mit von der Partie.
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