Thema Lochsteine

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alterbergbau.de

Beitrag von alterbergbau.de »

Bevor sich die Familien Stock -> Stöcker Hauptgrube und Scherenberg zusammenschlossen haben die sich mehrere Jahrhunderte auf den gleichen Kohlenbänken bekriegt.

Seit mind. 1450 haben beide Kohlen abgebaut und ab dem 17.JH wurden dann tatsächliche Verleihungen ausgesprochen. Leider waren die Amtsbrüder nachlässig und haben beiden Familien jeweils die gleichen Bänke verliehen. Schluderigkeit? Unkenntnis der Sachlage? Evtl. Vorteilsnahme? Jedenfalls haben sich die jeweiligen Hofherren auf altes Recht berufen und der Amtsmann hat dann auf diese alten Rechte die Verleihung bestätigt.

Dann hat z.B. der Stöcker einen "tiefen Stollen zu den Kohlenbänken vorgetrieben und entgegen des damaligen Berggesetzes (1/9 der Förderung an den Erbstöllner) die Verleihung auf Grund des alten Rechtes "der untere treibt den oberen aus" verliehen bekommen. Alle Kohlen der Mehrteufe vom Grubenförderungstollen zum Erbstollen gehörten denach dem Stock. 8 Jahre später bestätigt dann ein anderes Amt dem Scherenberg seine alten Rechte. Der gleiche Bergvogt verleiht dann dem Stock nochmals die selben Kohlenbänke.

Klar dass das Ärger gibt - die Parteien versuchten dann jeweils dem anderen den Haspel kaputtzuschlagen und ihn in den Schacht zu werfen.

Erst 1704 gab es dann den Vergleich.
Dem Stöcker Hauptgrube fallen die Feldges und Eggerbank bis zur Sohle des Stock und Scherenberger Erbstollens zu. Der Erbstollen selbst ist das erste Gemeinschaftsprodukt.
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Beitrag von alterbergbau.de »

ich wurde um Literatur angaben gebeten:

Kurt Pfläging - Steins Reise durch den Kohlenbergbau an der Ruhr - Geiger Verlag Horb 1999 ISBN 3-89570-529-2

weitere Literatur zum Thema Bergbau in Sprockhövel:

Kurt Pfläging - Die Wiege des Ruhrkohlenbergbaues - Verlag Glückauf Essen 1980 ISBN 3-7739-0235-2

Diethelm Düsterloh - Beiträge zur Kulturgeographie des Niederbergisch-Märkischen Hügellandes, Göttinger Geographische Abhandlungen Heft 68/1967
(liegt dem AK Wetter vor, die Karten sind unübertroffen und eine hing in der Ausstellung)
Falafel
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Beitrag von Falafel »

Es gibt leider immer noch genügend Zeitgenossen, die sich für Kulturgüter einen alten Scheiß interessieren!
Beispiel Lochsteine (weils hier so schön paßt): In Freiberg / Brand-Erbisdorf waren bisher drei Lochsteine des 17. Jh. bekannt. Sie stehen noch am Originalstandort (oder zumindest nahe bei), einer davon als Kopie. Vor einiger Zeit hat Kugel noch zwei weitere entdeckt, die zu einem der bekannten gehört. Sie dienen zur Zeit in einem Kleingarten als Fundament für eine Werkbank!!! Wir haben versucht mit dem Eigentümer zu reden um die Steine wieder aufzustellen. Aber der witterte nur das große Geschäft. Und so sind die Steine (hoffentlich) noch an ihrer Stelle und erfüllen einen praktischen Zweck.

Glück Auf!
Stephan
Horst_Grebing
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Beitrag von Horst_Grebing »

Glück auf!

Im "Heimat-Jahrbuch 1992 für Osnabrück-Stadt und -Land" habe ich den Artikel "Lochstein - vergessene Grenzmarken" veröffentlicht. Der Text befasst sich mit der Verlochsteinung der Felder "Glückauf", "Dörenberg", "Borgloh 1" und "Hilterberg" im Bereich des Bergbaus auf Wealden-Steinkohle im Teutoburger Wald.

Der Artikel ist nachzulesen unter
http://www.geo-iburg.de.vu/archivso.html#Lochsteine .

Horst Grebing
Zuletzt geändert von Horst_Grebing am Mo. 20. Aug 07 11:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Pochknabe
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Beitrag von Pochknabe »

@ Horst_Grebing

Im Bereich des südlichen Hüggels habe ich diese Lochsteine mit der Aufschrift "S+VT" entdeckt. Weißt Du wofür diese Abkürzung steht ? Die Steine haben die gleiche Größe wie die am Hüggel ebenso zu findenen Lochsteine mit der Aufschrift "GMV" (=Georgs-Marien-Verein).

Glückauf!
Achim
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Beitrag von alterbergbau.de »

"V"ersorgungsleitungen "ST"adtwerke ? ;)
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Haverlahwiese
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Beitrag von Haverlahwiese »

alterbergbau.de hat geschrieben:"V"ersorgungsleitungen "ST"adtwerke ? ;)
:D :D :D

Vielleicht ist es ja auch ein Verschütteter Stollen.
Glück auf, Matthias

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Claudia
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Beitrag von Claudia »

jaja... oder eine :derda: VorstStraße - uiuiui
Glück auf!
Claudia

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Siggi
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Beitrag von Siggi »

Vieleicht auch ein VerSTeck :shock:

Ich hoffe dies bleibt ein ernsthaftes Forum :x

GA Siggi
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Beitrag von alterbergbau.de »

Um die Buchstaben zu deuten, muss man die örtliche Geschichte verfolgen.
das V könnte für "Vereinige ST.....". stehen. Wir haben in unserem Revier auch einige Lochsteine, die von den Initialien garnicht zu den dortigen bekannten Feldern passen. Jedenfalls gibt es hier bekannte Lochsteine auf denen V.T. steht = Vereinigte Trappe.
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Haverlahwiese
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Beitrag von Haverlahwiese »

Wurden denn solche Steine noch in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gesetzt?
Dann könnte es für Vereinigte Stahlwerke stehen, die in dieser Zeit einige Felder auf Eisenerze gemutet haben.
Glück auf, Matthias

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Joe
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Beitrag von Joe »

Hallo zusammen,
wie es so schön heißt: Aus gegebenem Anlass.... Wer ist denn Eigentümer der Lochsteine? Die Bergämter? Die Grubeneigentümer? Der derzeitge Besitzer?

Anders gefragt: Wer hat das Recht, die Herausgabe vom Besitzer zu verlangen?

Schöne Grüße an alle
Joe
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Claudia
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Beitrag von Claudia »

naja... wer ist denn eigentümer des grenzsteins an deinem gartenzaun?
schöne frage...
Glück auf!
Claudia

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Beitrag von alterbergbau.de »

Vielleicht sollten wir mal klären, ob es Lochsteine gibt, deren Grubenfelder noch bestehen. dann wäre es ja nichts anderes als ein Grenzstein. Wie ist denn bei Grenzsteinen die Rechtslage?
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

also. GRENZSTEINE gehören dem staat. eine veränderung oder wegnahme ist eine STRAFTAT!
Glück auf!

Michael
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Beitrag von alterbergbau.de »

vielleicht gehören die lochsteine dann dem entsprechenden bergamt? wobei die alten bergämter wohl nicht mehr existent sind ?!
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

dem bergamt gehört nichts. es ist eine staatliche aufsichts und ordnungsbehörde. also auch STAAT
Glück auf!

Michael
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

Richtig, den Ämtern gehören keine Grenzmarken, aber auch nicht dem Staat. Sie sind Bestandteil des Grundeigentums, und zwar anteilig für alle angrenzenden Flurstücke. Anders hätten wir viele kleine Flurstücke, für jede Grenzmarke eines.
Die Lochsteine waren Bestandteil des jeweiligen Bergwerkseigentums nach altem Recht. Eine Vermarkung der Feldeseckpunkte konnte auf Antrag des Eigentümers oder Nachbarn erfolgen oder auf Veranlassung der Bergbehörde.
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sepp
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Beitrag von sepp »

bodendenkmäler?
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sepp
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Beitrag von sepp »

hat jemand schon mal sog. testes gefunden?
die sollen bei uns in einem umkreis von einem lachter um den lochstein verbuddelt worden sein zur sicherheit.näheres weiß ich leider auch nicht.
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micha2
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Beitrag von micha2 »

@Sepp:
Meinst du die "Zeugensteine"?
Das waren markierte Steine, später auch Tontäfelchen die unter oder nahe bei einem Grenzstein vom "Geometer" vergraben wurden.
Etliche Grundeigentümer hatten natürlich das bestreben ihr Grundstück durch umsetzten der Grenzsteine zu vergößern... Bei Grenzstreitigkeiten konnte man aber durch eine Nachvermessung die Zeugensteine meist wiederfinden und so den urspünglichen Grenzverlauf beweisen/bezeugen

Mehr dazu siehe u.a. auch:
http://www.hgv-ehningen.de/grenzst.htm

Zeugensteine waren z.B. in BW recht häufig. Das Vermessungsbüro, bei dem ich mein Praktikum absolviert habe, hatte eine ganze Sammlung von den Dingern. Da gab es lustige Geschichten dazu.
Soweit ich mich erinnern kann betrug die größte Entfernung zwischen Grenz- und Zeugenstein über 200m!
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AdM_Michael
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Beitrag von AdM_Michael »

@ Sepp
Kleindenkmale dürftewohl eher sowohl bei bestehendem als auch bei aufgehobenem Bergwerkseigentum für Lochsteine zutreffen.
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Waldschrat
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Beitrag von Waldschrat »

sepp hat geschrieben:hat jemand schon mal sog. testes gefunden?
Nach "testes" schau mal in deinem Säckl :D :D :D
oder hier: http://www.racingsmarter.com/images/End ... Testes.jpg

Sorry ob der fehlenden Ernsthaftigkeit, aber dieses Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen. :roll:
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MichaP
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Beitrag von MichaP »

Ich habe auf dem IBW mal ein paar leute dazu gefragt. die zeugentafeln gab es auch im bergbau.
Glück auf!

Michael
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Horst_Grebing
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Lochsteine VST

Beitrag von Horst_Grebing »

VST steht für Vereinigte Stahlwerke AG - die Vereinigte Stahlwerke AG entstand 1926 durch Fusion von vier deutschen Eisen- und Stahlkonzernen einschl. ihrer Bergwerksgesellschaften und war in den 1930er Jahren einer der größten deutschen Konzerne.

Horst Grebing
matthias45
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Beitrag von matthias45 »

Wo ich hier grad was über Lochsteine Lese und ja eigentlich keine Ahnung davon habe.
Was ist denn das was ich da gesehen habe? Auch ein Lochstein?


Glück Auf!
Matthias
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Falafel
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Beitrag von Falafel »

Das kann natürlich auch ganz einfach eine Zaunsäule sein (ich zäune mein Häusel z. Zt. auch mit solchen Dingern ein)! Ein Lochstein hat nicht immer ein Loch aber auf jeden Fall eine Inschrift, ein paar Buchstaben, eine Jahreszahl, eine Lachterangabe oder, oder, oder ...
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Stephan
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Beitrag von alterbergbau.de »

Ich glaub aber einfach nicht, dass zur Zeit der Vereinigten Stahlwerke noch Lochsteine gesetzt wurden. Belehre mich.
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Pochknabe
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Beitrag von Pochknabe »

Meines Wissens gehörte Klöckner, Besitzer der Grubenfelder auf Eisenerz am Hüggel, auch nie zu den Vereinigten Stahlwerken.

Achim
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Haverlahwiese
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Beitrag von Haverlahwiese »

alterbergbau.de hat geschrieben:Ich glaub aber einfach nicht, dass zur Zeit der Vereinigten Stahlwerke noch Lochsteine gesetzt wurden. Belehre mich.
daher mein älterer Beitrag.

Die Vereinigten Stahlwerke sind meines Wissens durch die Barbara beerbt worden.
Mutungen im Hüggel sind mir auch nicht bekannt. Die Hauptaktivitäten lagen wohl in Salzgitter und im Wiehengebirge.
Glück auf, Matthias

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