Gedichte vom Bergbau

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Kleinerhungerlieb
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Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb » Fr. 21. Mär 08 23:39

Seit längeren hege ich den Gedanken eine Sammlung von Gedichten vom Bergbau anzulegen.
Hauptgrund:

Es gibt unzählig echt gute Lyrik, die unter dem Schutt der Zeit verloren geht.

Es gibt nach meinen Recherchen keine umfassende adäquate Sammlung, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Mit Sicherheit gibt es unzählige Bücher, doch wissen und kennen muss man sie.

Bücher bzw. Gedichtbände sollen auch genannt sein, aber schön wäre es, uns gelänge es eine große Sammlung an zu legen.
Vielleicht kennt auch jemand bereits digitalisierte Bücher oder Gedichte.

Also, wer ein paar Zeilen kennt, die er für lesenswert hält, stellt sie hier rein. Hier darf rein was sich reimt, nicht reimt, lustig ist, ernst ist oder einfach nur um Bergbau dreht.

Um eine Übersicht der Autoren zu erstellen, notiere ich hier die Autoren, in der Reihenfolge, wie die Gedichte gepostet werden.

Hat jemand noch Vorschläge?

Information ist alles, Wissen ist Macht.

Dichter:
Berthold Brecht,
Paul Zecher (Der Hauer),
Josef Winkler (Im Kohlenbergwerk),
Heinrich Lersch (Ausfahrt der Bergleute),
Gerrit Engelte (Der Tod im Schacht, Lied der Kohlenhäuer),
Richard Dehmel (Bergarbeiterlied),
Georg Heym (Deine Wimpern, die langen . . .)
Karl-Heinz Fricke (An den toten Berg)
Walter Dach (Das Erbe)
Heinrich Kämpchen (Wenn der Bergmann . . .)
Grubenwehr Lohberg-Osterfeld (Grubenwehrlied)
Norbert Schüttler (Klirrend kalte Winternächte, Des Huthaus Glöckchen ruft die Häuer,Weiß glänzt Schnee im Kerzenlicht)
Gundermann (Wer hat ein helles Licht bei der Nacht?)
Rudolf (Zur falschen Zeit am falschen Ort, Gedinge, Müdigkeit)


Autoren und Bücher:

"Glückauf! Geschichte, Bedeutung und Sozialkraft des Bergmannsgrusses" von Prof. Dr. Gerhard Heilfurth
Verlag Glückauf GMBH Essen 1958

"Nacht, die mich nicht schlafen läßt" Oberhausen 1987 von Willy Bartock

"Neue Bergmännische Dichtung" Bochum 1949 Vereinigung der Freunde von Kunst und Kultur im Bergbau e.V.

Josef Hoffmann:"Der Ewige Bergmann"
vier Bücher(in zwei Bänden)vom bergmännischen Menschen;Das Leben des deutschen Bergmannes in Vergangenheit und Gegenwart.Untersucht und dargestellt im Spiegel der alten und neuen Dichtung.Zugleich ein Beitrag zur bergmännischen Kultur-,Sozial-und Literaturgeschichte-deutscher Waldverlag Rheinhausen,gewidmet und geschrieben im Agricola Jahr 1956/57;1.Auflage,1958;409 + 328 Seiten;ca.2200gr;dutzende Fototafeln,Faksimile;Abbildungen-altes und neues Bergmannsleben
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Kleinerhungerlieb
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb » Fr. 21. Mär 08 23:40

Brecht
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Der Hauer

Die breite Brust schwer atmend hingestemmt,
hämmert er Schlag für Schlag die Eisenpflöcke
in das Gestein, bis aus dem Sprung der Blöcke
Staub sprudelt und den Kriechgang überschwemmt.

Im schwanken Flackerblitz des Grubenlichts
blänkert der nackte Körper wie metallen;
Schweißtropfen stürzen, perlenrund im Fallen,
aus den weit offenen Poren des Gesichts.

Der Hauer summt ein dummes Lied zum Takt
des Hammers und zum Spiel der spitzen Eisen
und stockt nur, wie von jähem Schreck gepackt,

wenn hinten weit im abgeteuften Stollen
Sprengschüsse dumpf wie Donnerschläge rollen,
und stockt und läßt die Lampe dreimal kreisen.

Paul Zecher

Im Kohlenbergwerk

Die Türen schlagen hoch im Wetterschacht.
Und senkrecht sinkend, abgrundtief verscholl´n,
mit dumpfem Ohr gehst du in niedern Stoll´n
endlos, raumlos, in Schweigen tiefster Nacht.
Plötzlich, Urtiere im Gestein,
trifft man auf Menschen, tropfend das Gesicht;
wie heiße Bronze flimmt im trüben Licht
ihr nackter Leib, gewühlt ins Flöz hinein.

Weit hinten rauscht ein ungewisses Groll´n,
wie man in Bergen ferne Züge oft
im Echo hört; dann wieder schweigt der Stoll´n.
Es klingt nur fort der Takt von Stein und Erz;
Auf einmal um die Ecke, unverhofft,
biegt groß der Kopf des Grubenperdes . . .

Josef Winkler

Ausfahrt der Bergleute

Von Städten zieht das Dunkel.
Aus den tifsten Fernen quillt
erstes Sonnenlichtgefunkel,
das um Dach und Türme schwillt.

Um die starren Mauermassen
Glüht das erste Morgenrot,
in die Wolken, die verblassen,
rauchen qualmend Schlot um Schlot.

Von den schaffenden Gewalten
Braust der Töne dunkler Chor;
müde schreitende Gestalten
wachsen aus dem schwarzen Tor.

Tiefenschürfer, alte, junge,
noch vom Stollengang gebückt;
atmend weitet sich die Lunge,
die noch Staub und Rauch bedrückt.

Reckend strecken sie die Köpfe,
heben auf ihr Angesicht,
Menschen, fühlende Geschöpfe,
beten sie aus Nacht zum Licht.

Die das Licht im Dunkel büßen,
das mit Grauen sie umlag,
und mit wankend müden Füßen
grüßen sie den neuen Tag.

Heinrich Lersch

Der Tod im Schacht

Zweihundert Männer sind in den Schacht gefahren.
Mütter drängen sich oben in Scharen.
Rauch steigt aus dem Schacht.

Die Kohlenwälder nachtunten glühen,
urwilde Sonnenfeuer sprühen.
Rauch steigt aus dem Schacht.

Retter sind hinabgestiegen;
Kamen nicht wieder, sie blieben liegen.
Rauch steigt aus dem Schacht.

Der Brandschlund frisst seine Opfer - und lauert.
Die brennenden Stollen werden zugemauert.
Rauch steigt aus dem Schacht.

Zweihundert waren in den Schacht gefahren.
Mütter weinen an leeren Bahren.
Rauch steigt aus dem Schacht.

Lied der Kohlenhäuer

Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir fallen und fallen auf schwankender Schale
Ins lampendurchwanderte Erde-Gedärm –
Die Andern, sie schweben auf schwankender Schale
Steilauf in das Licht! in das Licht! in den Lärm.
Wir fallen und fallen auf schwankender Schale –
Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir wühlen und wühlen auf wässernder Sohle,
Wir lösen vom Flötze mit rinnendem Schweiß
Und fördern zu Tage die dampfende Kohle.
Uns Häuern im Flötze ist heißer als heiß –
Wir wühlen und wühlen auf wässernder Sohle.
Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir pochen und pochen, wir bohrenden Würmer,
Im häuser- und gleisüberwachsenen Rohr,
Tief unter dem Meere, tief unter dem Türmer, –
Tief unter dem Sommer. Wir pochen im Rohr,
Wir pochen, wir pochen, wir bohrenden Würmer.
Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir speisen sie Alle mit nährender Wärme:
Den pflügenden Lloyd im atlantischen Meer:
Die erdenumkreisenden Eisenzug-Schwärme:
Der Straßenlaternen weitflimmerndes Heer:
Der ragenden Hochöfen glühende Därme:
Wir nähren sie Alle mit Lebensblut-Wärme!
Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir können mit unseren schwieligen Händen
Die Lichter ersticken, die Brände der Welt!
Doch – hocken wir fort in den drückenden Wänden:
Wir klopfen und bohren und klopfen für Geld –
Doch hocken wir fort in den drückenden Wänden:
Und wracken und hacken,, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht –
Wir pochen und pochen durch Wochen und Jahre,
Wir fahren lichtauf – mit »Glück-Auf!« dann hinab –
Wir pochen und pochen von Wochen – zur Bahre –
Und Mancher schürft unten sein eigenes Grab –
Wir pochen, wir pochen durch Wochen und Jahre.
Wir wracken, wir hacken, mit hangendem Nacken,
Im wachsenden Schacht, bei Tage, bei Nacht.

Gerrit Engelte

Bergarbeiterlied

Wir tragen alle ein Licht durch die Nacht,
unter Tag.
Wir träumen von unerschöpflicher Pracht,
über Tag.
Wir helfen ein Werk tun, ist keins ihm gleich;
Glückauf!
Wir machen das erdreich zum Himmelreich;
Glückauf!

Einst fiel alles Leben vom Himmel herab,
über Tag.
Wir Bergleute schürfen´s aus dem Grab,
unter Tag.
Wir fördern´s herauf, das tote Gestein;
Glückauf!
Wir machen´s wieder zu Sonnenschein;
Glückauf!

Auf Erden ist immerfort Jüngstes Gericht,
unter Tag.
Aus Schutt wird Feuer, wird Wärme, wird Licht,
über Tag.
Wir schlagen aus jeglicher Schlacke noch Glut;
Glückauf!
Wir ruhn erst, wenn Gottes Tagwerk ruht;
Glückauf!

Richard Dehmel

Deine Wimpern, die langen...
An Hildegard K.

Deine Wimpern, die langen,
Deiner Augen dunkele Wasser,
Laß mich tauchen darein,
Laß mich zur Tiefe gehn.
Steigt der Bergmann zum Schacht
Und schwankt seine trübe Lampe
Über der Erze Tor,
Hoch an der Schattenwand,
Sieh, ich steige hinab,
In deinem Schoß zu vergessen,
Fern, was von oben dröhnt,
Helle und Qual und Tag.
An den Feldern verwächst,
Wo der Wind steht, trunken vom Korn,
Hoher Dorn, hoch und krank
Gegen das Himmelsblau.
Gib mir die Hand,
Wir wollen einander verwachsen,
Einem Wind Beute,
Einsamer Vögel Flug,
Hören im Sommer
Die Orgel der matten Gewitter,
Baden in Herbsteslicht,
Am Ufer des blauen Tags.
Manchmal wollen wir stehn
Am Rand des dunkelen Brunnens,
Tief in die Stille zu sehn,
Unsere Liebe zu suchen.
Oder wir treten hinaus
Vom Schatten der goldenen Wälder,
Groß in ein Abendrot,
Das dir berührt sanft die Stirn.
Göttliche Trauer,
Schweige der ewigen Liebe.
Hebe den Krug herauf,
Trinke den Schlaf.
Einmal am Ende zu stehen,
Wo Meer in gelblichen Flecken
Leise schwimmt schon herein
Zu der September Bucht.
Oben zu ruhn
Im Hause der durstigen Blumen,
Über die Felsen hinab
Singt und zittert der Wind.
Doch von der Pappel,
Die ragt im Ewigen Blauen,
Fällt schon ein braunes Blatt,
Ruht auf dem Nacken dir aus.

Georg Heym
Zuletzt geändert von Kleinerhungerlieb am Sa. 22. Mär 08 8:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Jörn
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Jörn » Sa. 22. Mär 08 7:40

Eine Quelle - zumindest für Westfalen und das Siegerland - ist sicherlich J. Hoffmann's Vierteiler "Der ewige Bergmann", vgl. http://forum.untertage.com/viewtopic.php?f=4&t=550

Jörn
"Das Bergamt braucht doch Wochen, bis es etwas genehmigt!"

Götz George in "Böse Wetter", 2015

Falafel
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Falafel » Sa. 22. Mär 08 8:50

So skurril wie's ist: Kurt Schramm, der letzte "lebende" Arbeiterdichter hat da eine ganze Menge gemacht. Vor einigen Jahren ist über ihn auch eine Publikation heraus gekommen.
Ein Beispiel, was ihm zugeordnet wird:

"Der Bergmann aus dem Loche kriecht,
hurra, der Sozialismus siecht (siegt)!"

Glück Auf!
Stephan

Kleinerhungerlieb
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb » Sa. 22. Mär 08 8:58

Arthur Schramm!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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Falafel
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Falafel » Sa. 22. Mär 08 9:06

Sorry - bin noch etwas verdreht (siehe Beitrag in: Schatzsuche). Natürlich Arthur Schramm!

Schlacke
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Schlacke » Sa. 22. Mär 08 13:23

Aus der Vielzahl von veröffentlichten Bergmanns-Gedichten einige Werke:

Englisch, N.:
Zu Menschenrecht und Menschenglück. Die Gedichte Anton Wilhelm Teucherts als Spiegelbild der Bergarbeiterbewegung im nordwestböhmischen Braunkohlenrevier. Eine Veröffentlichung des Seliger-Archives, Stuttgart: 1986, 111 S.

Herrmann, W.:
Ein bergmännisches Gedicht aus der Barockzeit. in: Sächsische Heimatblätter, Jg. 17, H. 5, S. 207-212, Dresden: 1971

Hüser, F.; Köpping, W.:
Wir tragen ein Licht durch die Nacht. Gedichte aus der Welt des Bergmanns. Bochum: 1960, 124 S.

Kämpchen, H.:
Durch Nacht zum Licht. Gedichte und Lieder aus dem Bergmansleben 1889-1912. Ausgewählt und eingeleitet von Wilh. Helf.
hrsgg. von der IG Bergbau und Energie, Bochum: 1962, 96 S.

Laub, G.:
Das früheste Gedicht über den Erzbergbau in Goslar. in: Unser Harz, H. 11/2005, S. 203-206, (Clausthal-Zellerfeld)

Vozar, J.:
Einige deutsche Bergbaugedichte aus der Slowakei. in: Der Anschnitt, Jg. 25, H. 5, S. 27-28, Bochum: 1973

Bestgen, F.; Polenz, J.; Michel, E.:
Dönkes vom Ibbenbürener Pütt. Gedichtesammlung, hrsg. vom Knappenverein Tecklenburger Land e. V., Ibbenbüren: 2003, 127 S.

Adamczyk, H.:
Dunkle Schatten - Gedichte eines Bergmanns. Herne/Selbstverlag: 2000, 165 S.

Glückauf!

Elmar Nieding
...die unterirdischen Grubengebäude in ihre Schreibstube bringen...
Héron de Villefosse (1774-1852), Bergingenieur im Dienste Napoleons.
(H. Dettmer, 2014)

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Stefan Cario » Sa. 22. Mär 08 23:44

Wenn der Bergmann …………

Wenn der Bergmann in die Grube fährt,
weiß er nicht, ob heil er wiederkehrt.

Ob die First dem Drucke widersteht,
ob der Pfeiler nicht zu Bruche geht,

ob das Wetter nicht Verderben braut,
ob das Tageslicht er wiederschaut.

Nicht umsonst hat man das Wort geprägt,
dass er stets sein Totenhemde trägt.

Lauert doch dort unten tausendfach,
jäher Tod auf ihn und Ungemach .

Wenn der Bergmann in die Grube fährt,
weiß er nicht, ob heil er wiederkehrt.

Autoren und Dichter: Heinrich Kämpchen
Zuletzt geändert von Stefan Cario am So. 23. Mär 08 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
Glück auf!
Stefan Cario

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Stefan Cario » Sa. 22. Mär 08 23:46

Grubenwehrlied

Stimmt an mit hellem hohen Klang
ein Lied in trauter Runde.
Der Grubenwehr gilt unser Sang,
in festlich froher Stunde.

Den Männern die mit Heldenmut,
zu leibe gehn dem Feuer,
die Leben retten Hab und Gut
was lieb uns ist und teuer.

Wir sehen sie mutig im Gerät
im tiefen Schacht einfahren,
sie scheuen selbst ihr Leben nicht
und trotzen den Gefahren.

Kameradschaftsgeist mag immer wehn
bei Führe und Mitglieder,
mag einer stets für alle stehn
und all für einen wieder.

Dann fällt uns keine Arbeit schwer
dann scheun wir keine Mühe,
Glückauf du stolze Grubenwehr
sie lebe, wachse, blühe.

Autoren: Grubenwehr Lohberg -Osterfeld
Zuletzt geändert von Stefan Cario am So. 23. Mär 08 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
Glück auf!
Stefan Cario

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Nobi
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Nobi » So. 23. Mär 08 9:37

Meine Gedichte sind grundsätzlich bei privater Verwendung frei.
Bei anderweitigen Veröffentlichungen sollte der Name des Autors (also meiner) genannt werden.
Kommerzielle Verwendung bedarf jedoch meiner Zustimmung!



(weihnachtliche und andere) Gedichte aus meiner Feder:
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Bescherung

Weiß glänzt Schnee im Kerzenlicht,
das Jahr neigt sich dem Ende zu.
Der Glocken Klang die Stille bricht,
tief im Stollen ist jetzt Ruh.

Warme Stube grüßt von Ferne,
die Bergleut´ stapfen durch die Nacht.
Silbrig leuchten hell die Sterne,
fast so wie das Erz im Schacht.

Lecker Duft durchdringt die Türen,
die kargen Stuben reich geschmückt.
Weihnacht kann man förmlich spüren,
Kinder werden bald beglückt.

Glück Auf! erschallt es durch die Räume,
kehrt er heim nach langer Schicht.
Bescherung erfüllt so manche Träume
und die Sehnsucht nach dem Licht.

© Norbert Schüttler 2004
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Heilig Abend

Des Huthaus Glöckchen ruft die Häuer
mit leisem Schlag zur Mettenschicht.
In der Blende brennt das Feuer,
weil heut Heilig Abend ist.

Das Gezähe muss heut ruhen,
doch am Mundloch brennt ein Licht.
Die letzte Schicht wird nun gefahren,
weil heut Heilig Abend ist.

Steiger, Häuer, Haspelknechte,
ein jeder ist ein guter Christ.
Ziehen singend hoch zum Stollen,
weil heut Heilig Abend ist.

Mancher Bergmann wird heut fehlen,
der noch trank vor Jahresfrist.
Andacht halten und Gedenken,
weil heut Heilig Abend ist.

Reicher Anbruch freut Gewerke,
silbrig glänzt nicht nur das Licht.
Freudig in die Zukunft blicken,
weil heut Heilig Abend ist.

© Norbert Schüttler 2005
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Klirrend kalte Winternächte

Klirrend kalte Winternächte
das Licht vom Tag noch nicht zu sehn.
Vom Huthaus droben klingt die Glocke
an der Zeit um aufzustehen.

Schweigend stapfen sie in Scharen
den Häuersteig hinauf zum Berg
wo sie in den Stollen fahren
Glück Auf zum neuen Tageswerk.

Tief im innern klingen Schlägel
und die Haspel will nicht ruhn.
Die Gewerke sind zufrieden
reiches Erz bring Macht und Ruhm.

Viele Lachter sind gehauen
mühsam ringt man mit dem Stein.
Mit viel Fleiss und Gottvertrauen
kehrt man am Abends wieder Heim.

Heute wollen wir gedenken
der Berg löscht manches Lebenslicht
Hoffnung schenken und auch Liebe
zur Weihnacht und zur Mettenschicht.

© Norbert Schüttler 2006
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Der Schatz der Welt

Im Schoß der Erde gut versteckt,
liegt mancher Schatz noch unentdeckt.
Um ihn zu heben aus der Nacht,
fährt man hinab in tiefen Schacht.

Vor Ort, allein bei Grubenlicht,
der Häuer dort die Erze bricht.
Ob Kobalt, Nickel, Silber gar,
Tag für Tag so manches Jahr.

Mit Frömmigkeit und spitzen Eisen,
soll er des Berges Schatz entreißen.
Um so mit Mühe und Entbehren,
den Reichtum seiner Herren mehren.

Doch wahrer Reichtum ist kein Geld,
das Leben ist der Schatz der Welt.
Des Bergmanns Seele, stolz und frei
und gebe Gott, es bleibt dabei.

© Norbert Schüttler 2008
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Der Bergmann

Viele Lachter tief im Stollen
ist er mit dem Berg allein,
mit Gefahren und Gedanken
bei des Lämpchens mattem Schein.

Ruhig brennt die kleine Flamme,
erhellt den Ort die ganze Schicht,
spendet Sehnsucht und auch Freude
droben auf des Tages Licht.

Droben sind auch seine Lieben,
die da beten Tag für Tag,
dass der reiche Anbruch komme
und ihn Gott beschützen mag.

Kräftig treibt er spitze Eisen
in den Fels und in die Kluft,
ein heller Klang wie Kirchenglocken
erfüllt bei jedem Schlag die Luft.

Und so fährt er immer wieder
in des Berges dunklen Schlund,
trotz der Qualen und der Mühen
grüßt´s „Glück Auf“ aus seinem Mund.

© Norbert Schüttler 2009
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Dunkelheit und Licht

Dunkelheit ist sein Begleiter,
fährt der Knappe in den Berg,
steigt in die Teufe immer weiter,
verrichtet dort sein Tageswerk.

Dunkelheit ist sein Begleiter,
wenn er ist vor Ort allein,
treibt das Eisen mit dem Schlägel
tiefer in den Berg hinein.

Dunkelheit ist sein Begleiter,
wenn er denkt zum Tag hinauf.
In Dunkelheit wird er auch enden,
so ist des Bergmanns Lebenslauf.

Eine Kerze soll heut brennen
für die Bergleut überall,
Friede in die Stuben bringen
bei der Glocken hellem Hall.

Eine Kerze soll heut brennen
für die, die uns am Herzen liegen,
soll uns Licht und Wärme bringen
und die Dunkelheit besiegen.

© Norbert Schüttler 2010
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Mettenschicht am Davidschacht

Altes Jahr geht nun zur Neige,
doch tief im Berge brennt ein Licht
in alter Tradition verbunden
am Davidschacht zur Mettenschicht.

Wir wolln bitten unsern Bergfürst,
dass Tragwerk hält und First´nicht bricht.
Für ihn soll jetzt ein Lichtlein brennen
am Davidschacht zur Mettenschicht.

Auch dem Berggeist sei gedankt,
denn seine Gunst vergisst man nicht.
Ein Pfenniglicht soll für ihn leuchten
am Davidschacht zur Mettenschicht.

Nicht vergessen sind die Alten,
ihre Mühen und Verzicht.
Auch für sie solln Lichter brennen
am Davidschacht zur Mettenschicht.

Nun wolln wir den Krug erheben
und „Glück Auf“ ein Jeder spricht,
lasst uns nun das Jahr beschließen
am Davidschacht zur Mettenschicht.

© Norbert Schüttler 2010
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Am Röhrgraben

Wasser plätschert durch den Graben,
der noch nicht vom Eis bedeckt.
Tiere suchen sich ihr Futter,
welches unter Schnee versteckt.

Keine Spuren führn zum Stollen,
Hunt und Haspel stehen still.
Flocken wirbeln durch die Lüfte,
weil Frau Holle es so will.

Vom Weiher droben kommt der Steiger,
leichter Wind umspielt die Tannen.
In der Ferne läuten Glocken
Weihnachtsgrüße von St. Annen.

In den Stuben brennen Kerzen,
heilig ist die eine Nacht.
Bergmann betet und er bittet,
dass der gnädig Bergfürst wacht.

© Norbert Schüttler 2011
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Berggeist von St. Donat

In Freiberg am St. Donat Schacht
vor vielen hundert Jahren
der Bergmann Hans die Arbeit macht,
wo sich die Gänge scharen.

Doch auch wie sehr der Hans sich müht
und täglich sich dort schindet.
Die Hoffnung ist doch bald verblüht,
dass Silbererz er findet.

Er betet oft in seiner Not,
dass doch der Anbruch komme.
Der ihm bringt das täglich Brot
und seinem Herzen Sonne.

Da trat der Berggeist aus dem Stoß,
um ihm das Erz zu geben.
Erfüll mir eine Bitte bloß
und glücklich wird Dein Leben.

Pro Schicht gib mir ein Pfenniglicht
und dazu etwas Brot.
Nur reden darfst Du drüber nicht,
sonst ist´s gewiss der Tod.

So sei es, sprach der Bergmann Hans
und findet reiche Gänge
voll Silbererz mit hellem Glanz,
füllt Kübel in der Menge.

Lange hielt, was einst versprochen,
doch beim Bergbier in der Rund
hat das Schweigen er gebrochen
und tut sein Geheimnis kund.

Als der nächste Morgen graute
und die Glocke rief zur Schicht.
Hans sich kaum zur Grube traute,
voller Angst war sein Gesicht.

Doch er musste trotz Bedenken
tief im Berg die Arbeit tun,
denn an Schächten und Gesenken
durfte keine Haspel ruhn.

Vergeblich warten aber Knechte,
dass wird ein Signal gegeben,
um den Kübel über Schächte
aus der Teufe hoch zu heben.

Plötzlich zuckt es an dem Seile
und ein Blitz durchfährt die Nacht.
Die Knechte hol´n in Windeseile
den Kübel donnernd aus dem Schacht.

Doch da erstarren die Gesichter,
Hans, der liegt im Kübel tot.
Auf ihm brennen Pfenniglichter
und verstreut sind Krumen Brot.

Zur Mahnung ist an jenem Ort
ein Kreuz im Stoß zu sehen.
Gibt man dem Berggeist einst sein Wort,
dann muss man dazu stehen.

© Norbert Schüttler 2011
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Halbe Schicht

Schneebedeckt die kleine Halde,
warme Luft zieht aus dem Schacht.
Haspel stört die Ruh im Walde,
fördert Erze aus der Nacht.

Aus der Teufe hört man leise
Pochen wie ein Glockenklang.
Wenn mit Schlägel und mit Eisen
Erz gehauen aus dem Gang.

Langsam aber kehrt die Stille
auch im Bauch der Erde ein.
Halbe Schicht, so ist der Wille,
soll heut nur verfahren sein.

Steiger, Häuer, Haspelknechte
steigen auf zum Tageslicht.
Wollen nun gemeinsam feiern
bei Speis und Trank die Mettenschicht.

Danken Gott und ihren Lieben,
ein gutes Jahr ist nun vorbei.
Keiner ist im Berg geblieben,
was in Zukunft auch so sei.

© Norbert Schüttler 2012
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Gast im Berg

Ein Labyrinth aus tausend Gängen,
Strecken, Schächten und Gesprengen
durchzieht den Berg, in dem wir fahrn,
wo die Altvorderen einst waren.

Was sie geschaffen mit viel Schweiß,
mit Mühe und unendlich Fleiß,
was sie geleistet, lässt uns schweigen
und in Gedanken uns verneigen.

Wassertropfen aus der Kluft
im gleichen Takt, erfülln die Luft.
Sammeln sich in den Gerinnen,
aus der Ferne klingts wie Stimmen.

Sinter voller Form und Pracht
bringt warme Farben in die Nacht.
Und ein Kristall erinnert gerne
im Licht der Lampen an die Sterne.

An vielen Orten unberührt,
man glaubt den Geist des Bergs gespürt.
So manche Sache ward vergessen,
wo der Häuer einst gesessen.

So lädt es oft zum Träumen ein.
Wie wird’s wohl einst gewesen sein?
Man wird eins mit Bergmanns Seele,
spürt seinen Stolz und das Gequäle.

Diese Orte voll Magie
sehn und begreifen manche nie.
Lasst uns diese Welt bewahren,
wenn wir als Gäste sie befahren

© Norbert Schüttler 2012
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Berggebet

Herr, schütze uns auf unseren Pfaden,
wenn wir in die Gruben fahrn,
wo vor unendlich vielen Tagen
die Altvorderen einst waren.

Halt fern von uns all die Gefahren,
bewahre uns vor Bruch und Tod,
wenn wir hier Dein Reich befahren,
sei uns Helfer in der Not.

Bring uns wieder heil zu Tage,
erhelle uns mit Deinem Licht.
Mit „Glück Auf“ wolln wir Dich grüßen
dankbar bis zur letzen Schicht.

© Norbert Schüttler 2011, Berggebet für Berggottesdienst IMW
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Ode an die Wathose

Mit Stiefeln an der Gummihos´
Blieb oft der Arsch mir trocken.
Stand auch das Wasser bis zur Brust,
konnt ich die Gruben rocken.

Ich nahm sie mit auf manche Tour
zum Schlufen und am Seil.
Und war mal drin ein kleines Loch,
macht ich sie wieder heil.

Doch ach wie ist der Gneis so hart,
die Wathos ist zerschlissen.
Sie hält nicht mehr was ich erwart,
ist gammlig und zerissen.

So ist es Zeit nach all den Jahren,
es trennen sich die Wege.
Bald muss ´ne neue Wathos ran,
die ich dann wieder Pflege.

© Norbert Schüttler 2012
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Die (Berg)Zwerge

Vor langer Zeit in einem Berge,
schufteten ´ne Menge Zwerge.
Sie schürften Gold und auch Karfunkel,
vom Morgendlicht bis spät ins Dunkel.

Doch als der Fels dann wurde taub,
verfiel so mancher Schacht zu Staub.
Vorbei der Bergbau und die Plagen,
vom Zwergentum gibt´s nur noch Sagen.

Doch mancher rührt an der Geschichte,
und folgt den Spuren dieser Wichte.
Mit Licht und Helm und motiviert,
wird eifrig sich mit Dreck beschmiert.

Der Zwerg im Garten macht heut´ „Blau“,
und unsereins sieht aus wie Sau.
Das ist egal, wir scheißen drauf,
ein guter Schluck und dann „Glück Auf!“

© Norbert Schüttler 2003
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Dein Leben ist und war der Berg,
der Bergbau ist Dein Lebenswerk.
Er gab Dir Freude tief im Herzen,
er gab Dir Arbeit und auch Schmerzen.

An manchem Ort, den Du gesehen,
wird nie ein Anderer mal stehen.
Was Du erlebt hast in der Zeit:
Legenden für die Ewigkeit.

Die Gruben dort am Freudenstein,
die würden heute nicht so sein.
Du hast geholfen zu bewahren,
wo die Altvorderen einst waren.

Du bist ein Mensch, der Gutes tut,
in Dir fließt des Bergmanns Blut.
Keine Arbeit Dir zu schwer,
Dich zu Kennen eine Ehr.

Wenn Dich ruft der Bergfürst fort,
dann ist es nur ein andrer Ort.
Dein freier Geist, der bleibt all hier,
und spukt auf ewig durchs Revier.

Doch bis dahin, da wünsch ich Zeit,
dass jener Tag noch ist sehr weit.
Drum lass Dich nur nicht unterkriegen,
die Bergsucht gilt es zu besiegen.

Für Heinz Schubert zum Geburtstag,
Bad Schlema, d. 03. Februar 2013
(3 Wochen vor seinem Tod)

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Kleines Licht

Ein kleines Licht begleitet uns
in tiefster Dunkelheit.
Ein kleines Licht erhellt den Ort
und gibt Geborgenheit.

Ein kleines Licht weist uns den Weg
wie einst der Morgenstern.
Ein kleines Licht erhellt das Herz,
ist auch der Tag so fern.

Ein kleines Licht zeigt uns das Erz
und spiegelt seine Pracht.
Ein kleines Licht uns Glaube gibt,
dass Bergfürst drüber wacht.

Ein kleines Licht bringt uns zum Tag
nach langer Schicht herauf.
Das kleine Licht, vergesst es nicht
und alle Zeit Glück Auf!

© Norbert Schüttler 2013
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Die Kunde

Ein Stern - so hell wie Grubenlicht -
am Himmel oben thront
überm Haus am Berge dort,
wo treuer Bergmann wohnt.

Sein holdes Weib ein Kind gebar,
ein Knäblein engelsgleich.
Das Schönste, welch sie je gesehn,
macht es unendlich reich.

Gehüllt in Windeln rein und weiß
liegt es vorm Weihnachtsbaum,
vom Schachte kommet Knappenschar,
das Kindlein anzuschaun.

Sie bringen Stufen voller Glanz,
gehauen aus dem Stein.
Denn Arbeit in der Erden Schoß
wird auch sein Leben sein.

Und Häuerglocken heller Klang
erschallet in den Ohren,
verbreitet so die frohe Kund:
Ein Bergmann ward geboren.

© Norbert Schüttler 2014
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Rittersgrüner Mettenschicht

Am „Rothen Adler“ tief im Schacht
ein Lichtlein brennt in ew´ger Nacht.
Zur Mettenschicht hereingetragen
soll´s heut für vieles Danke sagen.

Der Steiger hat es mitgebracht,
als er hinab fuhr in den Schacht.
Und wenn er klopft dann an die Fahrt,
die halbe Schicht verfahren ward.

Nun ruht die Haspel, Hunt steht still,
so ist es Brauch und Bergmanns Will´.
Kommen sie dann all zum Tag empor
erschallt´s Glückauf aus ihrem Chor.

Man dankt dem Bergfürst hoch da droben,
den sie preisen und auch loben.
Der sie bewahret in der Nacht
und über all die Bergleut wacht.

Im Huthaus nun, in trauter Rund,
verbringt man dann noch manche Stund.
Und tief im Schacht brennt´s kleine Licht,
am „Rothen Adler“ – Mettenschicht.

© Norbert Schüttler 2014
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Freiberg

Freiberg, oh die Bergstadt edle,
stolz steht sie im Meißner Land.
Reich an Zünften und Gewerken,
geboren durch des Bergmanns Hand.

Edle Trümer in der Tiefe
verhalfen ihr zu Ruhm und Pracht.
Unermüdlich mit viel Mühe
hob man Erze aus der Nacht.

Viele Schächte, Hütten, Stolln
zeugen von der großen Zeit.
In der Dunkelheit der Erde
ein Labyrinth in Ewigkeit.

Wissen blüht in ihren Mauern,
Geist und Gedanken, die sind frei.
Frei genau wie ihre Berge
und auch in Zukunft es so sei.

© Norbert Schüttler 2014 (Tagungsband IMW)
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Mein Bergmann

Mein Bergmann ist ein feiner Kerl,
geschnitzt aus Lindenholz.
Er hat ein festlich Habit an,
man sieht auch seinen Stolz.

Die Barte in der einen Hand,
die andre für das Licht.
Es leuchtet warm ins Herz hinein,
nicht nur zur Mettenschicht.

So ward er schon vor langer Zeit
aus Schnitzers Hand geboren.
Hoch im Gebirg, wo Tradition
noch lange nicht verloren.

Und nicht nur in der Weihnachtszeit
schau ich zu ihm hinauf.
Ich freue mich, dass ich ihn hab,
und grüße still: Glück Auf!

© Norbert Schüttler 2015
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Der Bergschmied

Die Glut ist geschürt, so feurig schön,
die lederne Schürze gebunden.
Die stumpfen Gezähe liegen zuhauf,
reichliche Arbeit für Stunden.

Mit kraftvollen Schlägen voller Gefühl
schärft er wieder Bohrer und Eisen,
die durch des Häuers tägliche Plag
dem Berge die Schätze entreißen.

Wie Sterne stieben die Funken auf,
wenn Bälge das Feuer anblasen.
Sein Hämmern tönet glockengleich
weit über St. Wolfgang und Maaßen.

Und kommen Kübel mit Kobalt zu Tag,
bleibt´s Bergwerk in seinem Lauf.
Ein jeder Häuer grüßt ihn dann,
dem Bergschmied ein Glück Auf!

© Norbert Schüttler 2016
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Die Sage von Daniel Knappe

Hoch im Gebirg am Schreckenberg
im kleinen Dorf Frohnau
lebte einst der Daniel Knapp
mit Kinderschar und Frau.

Er grub nach Erz schon lange Zeit,
fand taube Gänge bloß.
Der letzte Groschen ward zu Brot
und seine Not war groß.

Des Nachts ein Engel zu ihm sprach:
„Du sollst Dich nicht mehr schinden.
Such im Geäst des größten Baums,
wirst silbern Eier finden.“

So erklomm er hohen Tann,
doch Fund ward ihm verwehrt.
Er dachte an des Engels Wort
und grub auch in der Erd.

Dort ward er fündig im Geäst,
entblößte reiches Erz.
Alsbald St. Annaberg entstand,
des Erzgebirges Herz.

© Norbert Schüttler 2017
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Der Schwibbogen

Zwei Bergleut halten Sachsens Schwerter
hoch im Wappen voller Stolz.
Schnitzer mit geübten Schnitten
erweckt Figuren aus dem Holz.

Klöpplerin kreuzt kunstvoll Fäden,
feine Spitze so entsteht.
Tradition hat fruchtbar Boden,
stolz die Blume sich erhebt.

Schwebeengel kommt hernieder,
Lichterspinne schmückt den Raum.
Wenn das "Rachermannl nabelt",
Erzgebirg - ein Weihnachtstraum.

Knappentruhe voller Silber,
Bergwerk schuf des Landes Ruhme.
Reich an Sagen und Legenden,
zauberhafte Wunderblume.

Bergschmieds Zeichen für Geschichte,
die am Fastenberg begann.
Hell bekrönt der Himmelsbogen,
zündet man die Kerzen an.

© Norbert Schüttler 2018

Der älteste erhaltene Schwibbogen stammt aus Johanngeorgenstadt und wurde vom Bergschmied Carl Traugott Teller im Jahr 1740 aus Eisen gefertigt. Wahrscheinlich war es eines jener Geschenke, welches traditionell die Bergleute einer Grube zur Mettenschicht an den Steiger überreichten.

Die ersten Schwibbögen zeigen immer Darstellungen des Paradieses, kombiniert mit Bergleuten. Darüber steht der Himmelsbogen (Schwebebogen – Schwibbogen), bekrönt von elf Kerzen (für die Jünger Jesu, Judas wurde weggelassen).

Das bekannteste Motiv, von dem es heute unzählige Abarten gibt, wurde 1937 von der Grafikerin Paula Jordan (1896-1986) aus Leipzig für die "Feierohmd-Schau" in Schwarzenberg 1937/38 entworfen.
Friedrich Emil Krauß, der Initiator dieser größten volkskundlichen Ausstellung handwerklichen Schaffens im Erzgebirge, hatte zur Gestaltung eines Schwibbogens aufgerufen, der symbolisch das Brauchtum und die alten Gewerke der Region zeigen sollte.
Der Entwurf von Paula Jordan aus Leipzig kam der Vorgabe sehr nah. Im Mittelpunkt tragen zwei Bergleute ein Wappen mit den sächsischen Kurschwertern, das Hufeisen darunter stellt eine Reminiszenz an den Bergschmied dar. Zwischen den Bergleuten befindet sich eine Truhe mit dem Gezähe des Bergmanns, Schlegel und Bergeisen. Mit dem Bergbau eng verbunden ist die erzgebirgische Volkskunst, das Klöppeln und das Schnitzen. Die weihnachtlichen Traditionen sind mit der Leuchterspinne, dem Lichterengel und dem Räuchermann (oftmals auch guter Geist des Hauses genannt) dargestellt. Die Blume zu Füßen der Klöpplerin bringt den fruchtbaren Boden der erzgebirgischen Volkskunst zum Ausdruck, während aus der Ecke die Wunderblume aus den alten Sagen unserer Heimat hervorschaut.
Dieser Schwibbogen wurde zum Symbol der "Feierohmd-Schau" und dadurch überregional bekannt. Der Schwibbogen zierte damals unter anderem die als Postkarte nutzbare und in alle Welt verschickte Eintrittskarte der Ausstellung, war aber auch auf Plakaten, Programmen und in Anzeigen abgebildet.

Der Entwurf von 1937 wird als "Schwarzenberger Schwibbogen" bezeichnet. Das 6,50 Meter lange und 3,20 Meter hohe Original für die "Feierohmd-Schau" fertigten die Bergschmiedemeister Max Adler und Curt Teller. Es steht heute an der Eibenstocker Straße in Johanngeorgenstadt.

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Zuletzt geändert von Nobi am Do. 03. Jan 19 9:54, insgesamt 26-mal geändert.
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Bergmichel
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Bergmichel » So. 23. Mär 08 9:45

An den toten Berg

Über tausend Jahre warst du nicht allein,
sahst fackelden Grubenlampenschein.
Unzählige Knappen drangen in dich ein,
um Gesellschaft in dir zu sein.
Nahmen dir heraus das Herz,
nahmen dir das ganze Erz.

Sie drangen ein in deine Tiefen,
die so lange fridlich schliefen.
Begannen arg dich zu verletzen,
ständig herrschte eifrig Hetzen.
Millionen Löcher bohrten sie in dich hinein,
übertönend dein verzweifeltes Schrei´n.

Deinen Schiefer durftest du behalten,
nachdem er zermahlen und gespalten,
bekamst du ihn zurück.
Sie füllten damit jede Lück´,
wie man ausstopft zu Zier,
das erjagte Waldestier.

Nachdem sie alles dir geraubt,
haben ernsthaft sie geglaubt,
du hättest noch mehr solche Schätze,
und sie prüften viele Plätze.
Schliesslich gaben sie auf,
dann erschallte das letzte "Glück Auf!"

Über tuasend Jahre sind vergangen.
Toter Berg ruh´ in Frieden.
Nicht weiter brauchst du bangen,
deine Ruh nsei dir beschieden.
Die Förderräder stehen still.
die Menschen hatten ihren Will´.

Zu deinem Troste lass dir sagen,
in den vielen tausend Tagen,
warst den Bürgern deiner Stadt
ein unvergesslich´ Ruhmesblatt.
Hast dich geopfert wie ein Held,
für den Fortschritt dieser Welt.

Karl-Heinz Fricke zur Schliessung des Erzbergwerks Rammelsberg.

Kleinerhungerlieb
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb » So. 23. Mär 08 16:11

Vorwärts Freunde, zur Sonne!

Bitte schreibt doch die Autoren und Dichter noch mit auf Nobi und Stefan.

Ich bin mir im Klaren, dass dies ein ehrgeiziges Projekt ist, da es so unglaublich viele Gedichte gibt, doch lasst uns nicht verzagen!
Wer hoch kommen will, der muss einfahren!

Das Erbe

Auf schmalem Bord in unseres Hauses Diele,
Dem Ein- und Ausgang still zum Gruß gegeben,
steht eine Lampe mit verrußtem Dochte.
Die Lampe, die mein Ahn durch Schächte trug.

Er sank ins Grab und hinterließ kein Erbe,
Danach die Diebe ihre Hände streckten.
Fromm wußte er nur Pflicht und Gott zu deuten
Und treu zu füllen seines Lebens Kreis.

Aus dürft´gem Hausrat warf dann Zufalls Güte
Die alte Lampe an das Licht des Tages:
Hier bin ich! Nehmt mich hin als Ahnenerbe,
Wenn Ihr nach überlaß´nem Gute fragt!

Gar mancher hat vor diesem Arbeitsmale
In Drang und Leid die Seele ausgebreitet,
Hat sinnend seinen Sinn zum Bord gerichtet,
Die Hand dem Lampenmantel aufgelegt.

Und keiner ist, der dieses Wunder leugnet:
Längst ist das Öl verzehrt, das Licht erloschen.
Doch wer sich gläubig dieser Lampe nähert,
Kehrt hell und froh in seine Pflicht zurück

nach Walter Dach

WER HAT EIN HELLES LICHT BEI DER NACHT

Es war einmal ein verwunschener Garten
Das Gold der Sonne färbte die Äpfel
Insekten mit goldenen Leibern sammelten Honiggold
Ein silberner Mond lockte silberne Fische
Aus den Tiefen silberner Flüsse
Und nachts war ein Himmel
Mit silbernen Gucklöchern drübergerollt
Doch einmal brachte ein harter Winter
Tod den Alten und Hunger für die Kinder
All das Gold und Silber versackte im schmutzigen Eis
Verrunzelte Äpfel waren teuer
Wir träumten von Honig an einem Feuer
Da trat ein Mann mit goldenem Helm in unseren Kreis
Glück auf der Steiger kommt
Er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt
Glück auf der Steiger kommt
Er hat ein helles Licht bei der Nacht
Hat er es schon angezündet
Wirft es einen hellen Schein
Und so damit fahren wir bei der Nacht ins Bergwerk ein
In das Bergwerk ein, wo die Bergleute sein
Die schlagen das Silber und Gold
Bei der Nacht aus Felsenstein
Glück auf der Steiger kommt...
Das Gold der Helme färbt keine Äpfel
Silbernes Geld lockt keine Fische
Insekten mit schwarzen Leibern trinken von unserem Blut
Wir haben im Berg unsre Alten vergessen
Der Berg hat unsere Kinder gefressen
Die silbernen Gucklöcher im Himmel wachsen zu
Wer hat ein helles Licht bei der Nacht...

Gundermann
Schwerter zu Klappspaten!

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Nobi » So. 23. Mär 08 20:54

Kleinerhungerlieb hat geschrieben: Bitte schreibt doch die Autoren und Dichter noch mit auf Nobi und Stefan.
bei den drei gedichten kannst du meinen namen vermerken :oops:
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Roby » Mo. 24. Mär 08 10:16

Hallo Marcel,

da hast du dir ja ganz schön was vorgenommen ... :shock:
Dazu kann ich dir die Erscheinungen der Reihe "Leobener grüne Hefte" empfehlen - in den ca. 160 Bänden sind jede Menge Gedichte enthalten.
Eine DVD mit 2 Bänden bringe ich dir zum Kolloquium mit.

Glück auf!
Roby
Aufn stollen zu fahren sol jedermann frey sein, doch das es mit bescheidenheit und zu gebuhrlicher zeit geschehe. (Joachimsthaler Berggebräuche, 16. Jht.)

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Rudolf
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Rudolf » Mo. 24. Mär 08 11:16

Dann schreib ich auch mal (literarisch nicht anspruchvolle) Werke von mir:



Zur falschen Zeit am falschen Ort

Bei Sonne fuhr ich zur Mittagschicht,
der Himmel strahlte in schönem Licht
doch als ich zur Waschkaue ankam
ich den Leichenwagen davor sah.

Auf dem Weg zur Markenausgabe dann,
fragte ich durchs offene Fenster:
Josef, wer wars?
Hubert, Hubert XXXXX aus XXXXX wars.

In der Waschkaue dann
die Berlgeute heut schweigend standen.
Hier und da sprach man drüber
aber die Sonne von draußen erhellte kein Gesicht


Es wusste jeder doch vor Ort,
heut wars der Hubert
und wo er war
hätte ich es auch sein können.
Und jeder nimmt sich vor
ich pass jetzt immer auf, vor Ort.



Gedinge

Das Schrapperseil reist,
Seil ziehen.
Rolle raus,
Seil ziehen.
Mit Zeitungspapier wische ich mir den Schweiß aus dem Gesicht.
Alles ist wieder staubig, wieder abspritzen,
lose Platten abbrechen.
Die Rohrletung ist untern Bruch gefallen.
Schnittwunden
Trotz allem,
Schichtende ist die Scheibe blank!



Müdigkeit

Doppelschicht,
nach Mittagschicht auf Nachtschicht,
2 Uhr, die Gedanken drehen sich nur um das eine:
Schlafen.
Als wenn ich's heute gewusst hätte,
sagte der Kollege habe ich mir 2 Päckchen Ziggaretten eingesteckt
und raucht eine nach der anderen.
Der Haspel ist auf den Rücken gefallen,
jetzt Stroh und dann auf das Untergestell legen.
Bett bauen, denke ich.
Spart Rohstoffe, Bergbau ist - leider immer noch - Blut und Schweiß !

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Jan
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Jan » Mo. 21. Apr 08 9:59

Der Billy hat mir gerade eine Werk gesendet, welches hier auch sehr gut passt:
Dateianhänge
Uran.pdf
Uran von Werner Bräunig
(87 KiB) 299-mal heruntergeladen
Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler !!!

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Kleinerhungerlieb » Mo. 21. Apr 08 19:26

Ich bereite mal etwas vor, dass kann aber ein bissel dauern, um den Beitrag etwas zu ordnen und hin etwas voran zu treiben.
Schwerter zu Klappspaten!

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geophys
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von geophys » Di. 22. Apr 08 19:46

Falafel hat geschrieben:So skurril wie's ist: Kurt Schramm "Der Bergmann aus dem Loche kriecht,
hurra, der Sozialismus siecht (siegt)!"
Ja richtig, Arthur. Müssen dich mal ein bisschen im Welt - Kult...
...urerbe schulen. :mussweg:
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Glück Auf!
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von julia » Do. 19. Jun 08 20:33

„Bergmanns Alltag

Wir treiben tief unter der Erde die Gänge
und schürfen nach Erzen in ewiger Nacht.
Es dröhnt durch's Gebirge das Lied der Gestänge.
Der Pickhammer knattert. Die Schußfolge kracht.

Dann geistert allmählich in süßlichen Schwaden
Das Sprenggas durch Strecken und Bau vor Ort.
Jetzt haben in hohen und höchsten Tiraden
Die heulenden Ventilatoren das Wort.

Da stecken wir Kumpel verschnaufend die Glieder.
Wir reden in Zeichen und greifen zum Brot.
Wir suchen uns Frischluft und setzen uns nieder
Und horchen ins Dunkel, das rings um uns droht.

Drauf stehen wir Hauer noch Stunde um Stunde
Vor donnernden Bohrern auf losem Gestein.
Indessen füllt polternd der Bagger die Hunte,
frisst fauend sich tief in das Haufwerk hinein.

Doch endlich da ruhen die schwieligen Hände
Ein Lächeln blüht auf im verschmierten Gesicht.
Das Ort ist geräumt und die Schicht ist zu ende.
Bald trägt uns der Korb aus der Tiefe zum (an's) Licht.

(Es füllt uns mit stolzer, erhebender Freude,
erschlossen zu haben die steinerne Welt,
denn was wir an Schätzen entrangen ihr heute
wird sieghafte Macht, die das Morgen erhellt.“

Musik: Günther Wendel, Markneukirchen, Strophe 1-5 Worte: Fritz Reichel
(Freie Presse 1963)
gefunden: Werner, Elvira: Lieder der Wismutzeit (1946-1990). Sächsische Heimatblätter 4/04, S. 348-367
"Unter die Erde kriechen die Schächte der Habsucht." Agricola, 1520

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von julia » Do. 03. Jul 08 15:51

Lied der Wismut-Brigaden

Was einstmals der Kumpel gefördert,
zu Tag aus steinernen Nacht,
es wurde ihm immer zum Feinde
und diente der Ausbeutermacht.
Da brachten uns Lenins Gardisten
die menschliche Würde ins Land.
Es reichte der Kumpel vom Donbass
uns brüderlich helfend die Hand.

Glück auf, Kumpel! Glück auf!
Anschläger, gib das Signal!
Empor aus der Nacht
taucht das Fördergestell,
mit strahlenden Erzen beladen,
bringt Grüße zu Tag
an die Arbeitermacht,
Grüße der Wismut-Brigaden!

Was unsere Hände heut fördern,
zu Tag aus der steinernen Nacht,
lässt Träume zu Wirklichkeit reifen,
zum Ruhme der Arbeitermacht.
Dumpf dröhnen im Berg unsre Hämmer,
und donnernd erbirst das Gestein.
Uran wird die Traumkraft der Zukunft
in Händen der Arbeiter sein.

Glück auf, Kumpel! Glück auf!
Anschläger, gib das Signal!
Empor aus der Nacht
taucht das Fördergestell,
mit strahlenden Erzen beladen,
bringt Grüße zu Tag
an die Arbeitermacht,
Grüße der Wismut-Brigaden!

Horst Salomon
aus: Salomon, Horst: Getrommelt, geträumt und gepfiffen. Berlin 1960.

Mit sozialistischen Grüßen,
julia. :wink:
"Unter die Erde kriechen die Schächte der Habsucht." Agricola, 1520

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von julia » Do. 03. Jul 08 15:59

Den tapferen Frauen

Nach dem schweren, harten Ringen
Müssen wir ein Loblied singen,
Auf die wacker'n Bergmannsfrauen,
Die da ohne Furcht und Grauen
In den schlimmen Kampfestagen
Alle Opfer halfen tragen.

Statt zu weinen und zu jammern,
Und ans Bitten sich zu klammern,
Haben sie mit Heldenmute
Sich begeistert für das Gute,
Für die Knappen im Gefechte,
Sprachen Hohn den feigen Knechte.

Wie die Weiber der Germanen,
Standen sie zu unseren Fahnen,
Ließen sich nicht schrecken, irren
Und durch Gleißnerworte kirren -
Nein, sie führten noch die Schwachen,
Halfen mahnen, halfen wachen.

Darum Ehre diesen Frauen,
Die mit uns die Zukunft bauen,
Unseren Kindern schon es lehren,
Sich des Druckes zu erwehren,
Und, will man sie niederringen,
Sieg durch Taten zu erzwingen.

Ist der Kampf auch jetzt beendet,
Niemand weiß wie es sich wendet,
Was für Wolken nun sich ballen,
Wie die Würfel wieder fallen,
Doch, mag's brauen oder blauen,
Hoch die Bergarbeiterfrauen.

Heinrich Kämpche, 1905
"Unter die Erde kriechen die Schächte der Habsucht." Agricola, 1520

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Friedolin » Do. 03. Jul 08 18:55

1905 ? nicht etwa 2005?

Wie aktuell die letzten Strophen sein können! :cool:
Glück Auf !
Friedhelm
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Hoch der Harz und tief das Erz
Jedweder Anbruch erhebt das Herz
(alter Oberharzer Bergmannsspruch)

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Karlheinz_Rabas » Do. 03. Jul 08 23:25

Der Heinrich heißt übrigens Kämpchen und 1905 ist richtig.

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Gesenk
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Gesenk » So. 13. Mär 11 17:52

Walter Dach

Was zum Bergmann gehört

Zum Bergmann gehört das Gezähe,
Die Lampe, das Leder, der Hut,
Ein Bergamt in seiner Nähe
Und immer ein ruhiges Blut.

Ein Steiger mit gutem Gedinge,
Ein Schlepper, der Wagen bringt,
Am Lohntag viel Silberlinge,
Daß lustig die Tasche klingt.

Zum Bergmann gehört eine Ziege,
Die einstens Gott Donar geweiht,
Ein Weib und eine Wiege,
Darin ein Kindlein schreit.

Ein Häuschen mit grünen Laden,
Ein Stückchen Garten dabei,
Die Uniform für Paraden
Und Bergfest mit Tanz und Juchhei.

Quelle: Buchkalender Erzgebirge Saazerland 1981.

Glück Auf!

Gesenk

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Gesenk » Sa. 09. Apr 11 17:43

und noch eins:

Teufels Kompagnie

Wer sich in dieser Welt
Zu falschen Leuten hält,
der ist und bleibt ein Tor.
Er seh sich noch so vor,
er wird zuletzt doch angeführt:
das haben die klugen Bergleute am Rammelsberg gespürt!

Der Teufel kam gemach
Zu ihnen hin und sprach:
„Ich seh, wie ihr euch plackt,
und biet euch einen Pakt:
da habt ihr alles mehr bequem!“
Der Pakt erschien dem Bergvolk am Rammelsberg genehm!

Doch sich zu sichern, spricht
Es einem vom Gericht:
Der stellt ihn so, der Mann,
dass nichts man deuteln kann.
„Wir siegeln! Alles teilt man gleich!“
Da dünken sich die Bergleute am Rammelsberge reich!

Nun geht´s in Kompagnie:
Das sind Gesichter, hui!
Das Teufelsvolk, das scharrt,
kobolzt und quickt und karrt.
Da ward gezankt, gekratzt, gezischt:
Da sah man Teufel und Bergleut am Rammelsberg gemischt!

Viel Silber gruben sie
In Teufels Kompagnie.
Doch wie´s zum Teilen kam,
dass jeder gab und nahm,
erst wollt er nichts, dann immer mehr:
das grimmete die Bergleut am Rammelsberg sehr.

Sie sagten: “Recht muß sein!“
Der Teufel sagte „Nein!
Zum Unrecht bin ich da!“
Sie sagten“ „Nein!“ Er „Ja!“ –
„Nein!“ – „Ja!“ Er nahm sich alls allein.
Was hatten da die Bergleut am Rammelsberg für Pein!

„Den Pakt zur Stelle hier!
Was steht auf dem Papier?“
Der Feind sprach: „Firlefanz!“
Und wischte mit dem Schwanz:
Da war verkehret, was da stand,
und „Esel“ waren die Bergleut am Rammelsberg genannt.

Den Männern vor Gericht
Lacht´er ins Angesicht:
Er schrie sie taub und stumm,
warf Tint und Streusand um,
schmiß dann die Gruben übern Hauf:
da hörte der ganze Rummel im Rammelsbergwerk auf!


Aus: August Kopisch: Kleine Geister. Eine Auswahl. Insel Verlag 1961. Insel-Bücherei Nr. 672, S. 57-59.

Glück Auf!

Susanne

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Nobi » Fr. 06. Mai 11 12:21

Poetische Gedanken über den Bergmannsstand
Freiberg 1843

http://www.slub-dresden.de/sammlungen/d ... efbb985979
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Der Berg ist frei.
Wo eyn man eynfahrn will
mag her es thun mit rechte.


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Claudia S.
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Claudia S. » Do. 04. Aug 11 12:11

Hier 2 Gedichte, die ich beim Aufräumen in der Steigerei in unserem Zechenhaus gefunden habe. Autoren sind nicht benannt, ich habe aber ganz stark unser Mitglied und Vereinspoeten Gerhard Hauenschild im Verdacht :-)!


Der Hüttenröder Bergeist lebt

Alles steht verlassen da,
Was einst von Erzen schwer,
Verfallene Schacht´sind ringsumher,
Vor Ort ist´s tot und leer.

Doch manchmal, wenn der Sturmwind heult,
In finstren Neumondnächten,
Der Berggeist um die Felsen streicht,
Dann rührt sich´s in den Schächten.

Dann gehen die alten Knappen um
Wie an vergangenen Tagen,
Die Eisenerz und Marmorstein
aus uneren Bergen gegraben

Und aus der Tiefe dringt ans Ohr,
Seltsam verhaltenen Weisen,
Das nun schon lang vergessenen Lied
von Schlägel und Eisen


Bergmanns Abschied

Wenn ein Bergmann vom Hause geht
und mit seiner Frau noch in der Türe steht,
vergisst er nie sie noch einmal zu küssen
und sie dann mit Glück Auf zu grüßen.

Schön so ein Abschied,
frei sein Gemüt, wenn noch die Sonne am Himmel glüht.
Unten im Schacht gibt es nur Nacht.
So hab ich mir "Begrmannsabschied" gedacht.
Claudia
Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat. Mark Twain

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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Nobi » Di. 20. Mär 12 11:42

Habe noch zwei Gedichte gefunden unter http://www.schneeberg.de/html/gedichte.html. Diese sind von Hans Neugebauer.

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Die Halde

Ach, könnt die Halde mir heut klagen,
was sie erlebte und gesehen,
in jenen wilden Bergwerkstagen,
was allhier ’rum geschehen.

Ein jeder Stein hat hier Gesicht,
die Halde hat unheimlich viel.
Erzählte sie uns die Geschicht’,
nach Jahren käm’ man nicht ans Ziel.

Von Bergmannsglück und Bergmannsleid,
von Freundschaft Untertage.
Von einer großen Bergwerkszeit,
von Freude und von Klage.

Von Seilfahrt und dem dunklen Schacht,
vom Ehrgeiz, noch zu sprengen.
Vom Förderweg in dunkler Nacht,
Gedanken sich aufdrängen.

Wer wußt’, wie es dem Bergmann geht,
nach mühevoller Schicht,
wenn er noch dort im Füllort steht
uns sehnt sich nach dem Licht.

Sehnt sich nach seinem kleinen Garten,
da draußen vor der Stadt.
Sieht in Gedanken die Lieben warten,
und sein Gesicht, das lächelt matt.

Die Förderglocke schreckt ihn auf,
es war ein kleiner Traum.
Sein Sinnen das war schon zu Haus,
des Füllort’s Stille gab ihm Raum.

Ach könnt’ die Halde uns berichten,
von einer großen Bergmannszeit.
Die alten Bergmannsreihen sich lichten –
ich hoff’, dass meine Zeit noch weit.

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Schacht und Halde

Wie oft bin ich wohl eingefahren,
sinnend still mit zwanzig Mann –
und Seil-und Räderklang die waren,
unser Lied im Schachte dann.
Und nach der mühevollen Schicht,
ging’s wieder hoch zur Sonne.
Wie blendete uns da das Licht
und doch war’s reine Wonne.

Wie oft stand auf der Halde ich
und sah ins Land hinaus
und eine Frage drückte mich:
wie sah wohl jener aus?
Ein Stein in meiner Hand,
den sah ich lange an –
ist er noch hier im Bergmannsland
und wer war dieser Mann?
Lebt er noch, der diesen Stein
dem Berge abgewonnen?
Es müssen viele Jahre sein –
so denke ich versonnen.

Und plötzlich, ganz still bin ich,
die Halde fängt zu sprechen an.
„Mein Freund, nun setzte Dich
und denke immer dran.
Der diesen Stein gebrochen hat,
der ist im Schacht geblieben,
es war ein Brand, die Wetter matt,
die Angst hat ihn getrieben.
Man fand ihn dann nach Tagen,
als man den Damm zerstört –
schwer war es zu ertragen,
als ich davon gehört.“
So sprach die alte Halde,
versonnen geh’ ich heim,
und überm Haldenwalde
liegt Abendsonnenschein.

So ist’s mit vielen Dingen,
die wir nicht recht versteh’n,
du kannst die Welt nicht zwingen
ganz einfach still zu steh’n.
Und dennoch sag ich offen:
„lasst eine Halde steh’n!“
wag’s trotzdem kaum zu hoffen –
doch auch die Enkel soll’n sie seh’n!
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von Nobi » Mi. 21. Mär 12 20:23

Mir war mal wieder so ...

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Berggeist von St. Donat

In Freiberg am St. Donat Schacht
vor vielen hundert Jahren
der Bergmann Hans die Arbeit macht,
wo sich die Gänge scharen.

Doch auch wie sehr der Hans sich müht
und täglich sich dort schindet.
Die Hoffnung ist doch bald verblüht,
dass Silbererz er findet.

Er betet oft in seiner Not,
dass doch der Anbruch komme.
Der ihm bringt das täglich Brot
und seinem Herzen Sonne.

Da trat der Berggeist aus dem Stoß,
um ihm das Erz zu geben.
Erfüll mir eine Bitte bloß
und glücklich wird Dein Leben.

Pro Schicht gib mir ein Pfenniglicht
und dazu etwas Brot.
Nur reden darfst Du drüber nicht,
sonst ist´s gewiss der Tod.

So sei es, sprach der Bergmann Hans
und findet reiche Gänge
voll Silbererz mit hellem Glanz,
füllt Kübel in der Menge.

Lange hielt, was einst versprochen,
doch beim Bergbier in der Rund
hat das Schweigen er gebrochen
und tut sein Geheimnis kund.

Als dann der nächste Morgen graute
und die Glocke rief zur Schicht.
Hans sich kaum zur Grube traute,
voller Angst war sein Gesicht.

Doch er musste trotz Bedenken
tief im Berg die Arbeit tun,
denn an Schächten und Gesenken
durfte keine Haspel ruhn.

Vergeblich warten aber Knechte,
dass wird ein Signal gegeben,
um den Kübel über Schächte
aus der Teufe hoch zu heben.

Plötzlich zuckt es an dem Seile
und ein Blitz durchfährt die Nacht.
Die Knechte hol´n in Windeseile
den Kübel donnernd aus dem Schacht.

Doch da erstarren die Gesichter,
Hans, der liegt im Kübel tot.
Auf ihm brennen Pfenniglichter
und verstreut sind Krumen Brot.

Zur Mahnung ist an jenem Ort
ein Kreuz im Stoß zu sehen.
Gibt man dem Berggeist einst sein Wort,
dann muss man dazu stehen.

NS 2011

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Zuletzt geändert von Nobi am Do. 22. Mär 12 11:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gedichte vom Bergbau

Beitrag von markscheider » Do. 22. Mär 12 8:13

Sehr gut!

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