mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

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mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Mi. 26. Sep 18 13:30

Hallo liebe Foren-Mitglieder!

Für meinen historischen Roman (spielt 1524, Tiroler Bergbau) habe ich ja schon öfters fachliche Fragen bei euch klären können. Daher jetzt noch einmal etwas zum mittelalterlichen Arbeitsleben unter Tage.
Literatur über die verschiedenen Arbeitsfelder wie Hauer,Säuberbuben, Truhenläufer, Haspler, Scheider etc, gibt es ja zahlreiche.
Meine Frage bezieht sich daher auf die detaillierteren Arbeitsschritte/Aufgabenfelder der eigentlichen Hauer.
Oftmals gibt es Beschreibungen (Agricola, Schwazer Bergbuch) der vielfältigen Gezähe, die Anwendung und Zuordnung zu den einzelnen Arbeitsschritten bleibt mir (als Laie) dabei etwas unklar. :gruebel:
Dazu habe ich u.a. diesen https://untertage.com/publikationen/21- ... -1850.html Foren-Artikel über historisches Gezähe gelesen. Allerdings verstehe ich nicht den Unterschied von z.B.
Keilhauenarbeiten
Hereintreibearbeiten
und der eigentlichen Schlägel-und Eisenarbeit.

Ich hoffe Ihr könnt Licht in mein Dunkel bringen! :?
Lieben Dank
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Mi. 26. Sep 18 14:39

Abakus hat geschrieben:
Mi. 26. Sep 18 13:30
Allerdings verstehe ich nicht den Unterschied von z.B.
Keilhauenarbeiten
Hereintreibearbeiten
und der eigentlichen Schlägel-und Eisenarbeit.
Man hat in der Literatur versucht, das Gezähe des Bergmanns den unterschiedlichen Arbeiten zuzuordnen. Konrad hat diese Unterteilung übernommen.

Bei der "Schlägel-und Eisenarbeit" hat man mit Bergeisen und Sumpfeisen gearbeitet. Das anschließende Beräumen des Abbaugutes in den Fülltrog bzw. Karre/Hunt mit Kratze und Schaufel zählt man wieder als "Wegfüllarbeit".

Schlage ich mit dem Schlägel und einem Ritzeisen eine Schram oder einen Ritz, wo ich Keile mit Plötzen verwende, dann zählt es zur "Hereintreibearbeit". Dazu zählt u.a. auch der Fimmel, obwohl man den auch anderweitig (parallel bei der S&E-Arbeit) eingesetzt hat.

Die reine "Keilhauenarbeit" setzt wiederum entsprechendes Gestein voraus.

Fazit:
Der Bergmann hat immer das Gezähe genommen, was er gerade für die anstehende Arbeit am besten verwenden konnte. Er kannte schließlich die o.g. Einteilung noch nicht :D
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Mi. 26. Sep 18 15:05

Erstmal danke für die schnelle Antwort!
…das Gezähe des Bergmanns den unterschiedlichen Arbeiten zuzuordnen.
Das genau ist mein Problem: Was genau sind die unterschiedlichen Arbeitn?
Die reine "Keilhauenarbeit" setzt wiederum entsprechendes Gestein voraus.
Keilhauenarbeiten = hartes oder weiches Gestein?
Bei der "Schlägel-und Eisenarbeit" hat man mit Bergeisen und Sumpfeisen gearbeite
Bricht man einfach immer kleine Stücke ab? Irgendwo stand, dass das Gestein eingeritzt wurde und dann immer das stehengebliebene Stück zwischen den Rillen abgeschlagen wurde...? :gruebel:

In vielen zeitgenössischen Bildern sind Gezähe mit gebogenen Stielen abgebildet (wie heißen die?) mit denen offenbar große Querschnitte gemacht wurden. Diente das dann dem Ausbau um die Fördergeschwindigkeit zu erhöhen?

Ich habe bei Agricola gelesen, dass manchmal große Steinplatten von der Decke gebrochen wurden. Handelt es sich dann auch um erzhaltiges Gestein, dass anschließend sortiert wird? Oder auch Ausbauarbeiten?

In dem von mir betrachteten Gebiet in Osttirol ist das Gestein soweit ich weiß relativ hart. Welche Vorgehensweise würde man dann verwenden?

Oh je! Ich hoffe meine Fragen sind nicht zu wirr. Aber irgendwie kann ich mir das noch nicht bildlich vorstellen, wie es da unten zugeht. :oops:

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Mops » Mi. 26. Sep 18 23:54

Reine "Keilhauenarbeit" im Kupferschiefer (= Flözbergbau) wurde seitlich liegend verrichtet; relativ weiches Gestein mit teils erheblichem Anteil von Kohlenstoff (bis etwa 10 %). Ich habe leider kein besseres Foto auf die Schnelle gefunden, da kann Dir aber @Wassermann helfen. Gut zu verstehen ist diese Abbaumethode im Bergbaumuseum Röhrigschacht bei Sangerhausen...
Dateianhänge
DSC00807.JPG
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Do. 27. Sep 18 6:58

Wie schon geschrieben, ist die Einteilung der Gezähe nach den verrichteten Arbeitsschritten nicht so eng zu sehen.

Die "Keilhauenarbeit" im Kupferschiefer diente doch nach meines Wissens nur dazu, einen Schram herzustellen, um dann die darüberliegenden Schichten hereingewinnen (hereinzubrechen) zu können. Es wäre somit lt. Definition in diesem Fall ein Gezähe der "Hereintreibearbeit".

Hier ist es nochmal historisch schön beschrieben: Nix ist starr.
Seite 106, Kapitel II Die Keilhauenarbeit,
https://books.google.de/books?id=qQNaAA ... it&f=false
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 27. Sep 18 8:58

@ Mops: vielen Dank für die Ergänzung. Das Bild gibt eine guten Eindruck!
@Nobi: ein guter Literaturtipp. Da werde ich mich noch mal reinlesen! Klingt sogar für mich halbwegs verständlich :top:

Das von mir betrachtete Bergrevier Blinids im Tögischertal in Defereggen ist tatsächlich ein Kupferbergbau.
Laut Literatur:
Die Vererzung, vorwiegend Chalkopyrit, ist an Glimmerschiefer gebunden.
bzw.
Bei den Vererzungenvon Blindisch- Tögisch handelt es sich um eine schieferungskonkordante Kupferkiesvererzung in Granatglimmerschiefern, welche bis zu 2 m mächtig sein kann.
Handelt es sich hierbei um Kupferschiefer? Oder ist Glimmerschiefer wieder was völlig anderes? :oops:

Ist das denn nun ein hartes oder weiches Gestein? Das wäre ja für die Bearbeitung entscheidend… würde man z.B. Feuersetzen? Das macht man ja nur bei harten Gesteinsarten. Leider gibt es zu dem betreffenden Revier nicht allzuviel Literatur…

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Do. 27. Sep 18 13:35

Die Lagerstätte streicht in einer Höhe von 2300 bis 2600 m am östlichen Talhang über eine Länge von 1500 Metern. Die Vererzung ist an Zweiglimmerschiefer und Granatglimmerschiefer, die ineinander übergehen, gebunden. Die Mächtigkeit der vererzten Zone schwankt zwischen 1 und 3 Metern. Die Erzlagen können mehrere Zentimeter Stärke erreichen. Erzträger ist Chalkopyrit. Untergeordnet Arsenopyrit und Pyrit. Die Edelmetallgehalte im Pyrit und Chalkopyrit liegen bei 0,6 ppm Gold und 6 ppm Silber. Die Lagenförmigkeit der Vererzung kann man mit den Kupferschieferflözen vergleichen. Allerdings handelt es sich hier nicht um Kupferschiefer. Der Glimmerschiefer ist ein weiches Gestein, den man mit der Keilhaue abbauen kann. Der Abbau könnte durchaus dem Abbau im Kupferschiefer ähneln. Da es noch offene Grubenbaue gibt, sollte man sich diese anschauen. Das erspart Spekulationen.
Zuletzt geändert von Uran am Do. 27. Sep 18 22:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 27. Sep 18 19:16

@Uran:
Vielen Dank für die Infos! Der Vergleich mit Kupferschieferabbau ist super und kreist meine Fragen auf jeden Fall schon mal ein! Vielleicht finde ich da noch genaueres über das Vorgehen beim Abbau.
Da es noch offene Grubenbaue gibt, sollte man sich diese anschauen.
Mhmm… als ich das letzte mal dort war, gab es nur ein touristisch aufbereitetes Bergknappenhaus. Stollen waren verstürzt. Für ungeführte Begehungen bin ich auch ungeeignet bzw. unausgebildet :oops:
Leider bin ich im Moment auch nicht so mobil, wie ich gerne wäre (meine Zwerge sind 2 und 3). Aber vielleicht weiß jemand sonst noch was darüber. Ich sollte das wohl mal in einen neuen Thread packen…
Danke :)

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Do. 27. Sep 18 20:10

Abakus hat geschrieben:
Do. 27. Sep 18 19:16
Für ungeführte Begehungen bin ich auch ungeeignet bzw. unausgebildet :oops:
Dann solltest du die Finger von so einem Unternehmen lassen. Sicher wird den Touristen nur ein schönes verklärtes Knappenhaus gezeigt. Die Grubenbaue liegen ja auch sehr weit oben am Berg. Für einen im Altbergbau bewanderten Enthusiasten ist es aber möglich anhand der Auffahrungen auf die Abbaumethoden zu schließen.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Mi. 03. Okt 18 10:49

@ Uran:
Ich habe noch mal eine Frage zur Gesteinsfestigkeit und deinem Vergleich mit dem Kupferschiefer:
Der Glimmerschiefer ist ein weiches Gestein, den man mit der Keilhaue abbauen kann. Der Abbau könnte durchaus dem Abbau im Kupferschiefer ähneln.
Ich habe dazu noch ein bisschen recherchiert und u.a. in der älteren Literatur folgendes zur Gesteinshärte gefunden:
Sehr festes Gestein ist ein solches welches noch größere Festigkeit als das vorige hat so daß die Sprengarbeit nicht mehr mit Vortheil angewendet werden kann sondern daß man zur Gewinnung desselben das Feuersetzen anwenden muß Man rechnet hierher den reinen Quarz Hornstein quarzigen Granit Gneis und Glimmerschiefer Feldspathporphyr Porphyrschiefer dichten Granit sehr quarzigen Sandstein mehrere Conglomerate einige sehr innig aus Kupfer Eisen Zink Schwefel Arsenik und Quarz gemengte Massen die in sehr harten Gebirgsarten zerstreut liegenden Zinngraupen
aus: Neuer Schauplatz der Bergwerkskunde: mit Berücksichtigung der neuesten Fortschritte und Entdeckungen, 1847

bzw.
Höchst fest ist der äußerste Grad von Gesteinsfestigkeit, die kaum noch mit Schlägel und Eisen zu bezwingen ist und die selbst das Bohren ungemein erschwer. Dahingehört der reine Quarz der Hornfels sehr quarziger Granit Gneiß und Glimmerschiefer Porphyrschiefer usw Für diesen Grad der Festigkeit ist eigentlich das Feuersetzen eine Gewinnungsart die wohl über 3ooo Jahre alt ist …
aus: Anfangsgründe der Bergwerkskunde, Wien 1817

Hab ich da jetzt, was missverstanden? Oder gibt es innerhalb der Gesteinsart noch weitere Unterschiede? :gruebel:
Ich hoffe jemand kann das aufklären…

Danke!!!

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Mannl » Mi. 03. Okt 18 12:20

Roschlau / Heintze
Bergbautechnologie
Erzbergbau - Kalibergbau
VEB Verlag für Grundstoffindustrie - Leipzig
1987
Hier der Auszug "Geomechanische Materialeigenschaften.
Das sollte dir vorerst weiter helfen.
Dazu käme noch "Spannungszustände im Gebirge", "Arbeitsmethoden der Gebirgsmechanik" &
"Praktische Bedeutung der Gebirgsmechanik"
weiter "Gewinnung durch Bohr- und Sprengarbeiten"
Das haben die "Alten" natürlich so nicht gewusst, aber sich einen vernünftigen "Reim" darauf gemacht ….

Ich versuche nun mal den Text nachzuschieben ….
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Mannl » Mi. 03. Okt 18 12:25

Hier nun der Versuch des Textes ...
S 1.gif
S 2.gif
S 3.gif
S 4.gif
S 5.gif
Oh, es hat funktioniert :meister:
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Mi. 03. Okt 18 12:56

Hier fehlt natürlich der Glimmerschiefer. Glimmerschiefer sind eine ganze Gruppe von Gesteinen mit unterschiedlichen Härten. Vorherrschendes Mineral mit 50% Anteil ist Biotit. Biotit ist mit einer Härte von 2,5 - 3 sehr weich. Der Glimmerschiefer der Lagerstätte wird mit Zweiglimmerschiefer (Biotit und Muskovit) und Granatglimmerschiefer beschrieben.
Beschreibungen hier: http://www.steine-und-minerale.de/artik ... c=3&ID=200 und hier http://www.steine-und-minerale.de/atlas ... erschiefer. Übrigens kann man die Granate im Granatglimmerschiefer mit einem Messer herausschnitzen. Härter ist natürlich der Quarzglimmerschiefer. Das sagt schon sein Name.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Mi. 03. Okt 18 14:18

Ahhh!!! Allmählich legt sich meine Verwirrung. Ich kann also zur Gesteinshärte von Glimmerschiefer zusammenfassen:
"Kommt ganz darauf an…!" :roll:

In meinem Fall aber wohl eher mittelhart…?

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und frage ganz anders:
Wäre es denn prinzipiell möglich, dass es dennoch Abschnitte größerer Härte gab, in der ein Einsatz von z.B. Feuersetzen notwendig war?
Ihr könnt euch sicher denken, dass das aus Sicht meiner Geschichte spannend zu erzählen wäre :D

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Mannl » Mi. 03. Okt 18 14:43

Bitte nachlesen unter WiKi:

"Genese der Gesteine" - dann einzelnes Gestein mit Beschreibung aufrufen.

Der Gesteinsname beschreibt in der Regel den Mineralbestand. (Granit - Feldspat, Quarz und Glimmer - zzgl. anderer Gemengeteile (Turmalin, Molybdänit, Pyrit, Uran :) …), die Textur beschreibt die Ausrichtung der Gemengeteile (Schiefer),
die Härte des Gesteins ist eine weitere Kenngröße (wird u.a.für den Grad der Gewinnbarkeit (schlägeln :), bohren, sprengen, schrämen, hobeln … genutzt)
Dann gibt es noch verschiedenste Umwandlungsgrade, welche die Gewinnbarkeit beeinflussen ...

soll ich's noch komplizierter machen :D

Wie gesagt, die "Alten" haben das im "Prinzip" auch schon gewusst, nur anders beschrieben. Das ist heute das Spannungsfeld.
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Mi. 03. Okt 18 17:10

Abschnitte mit größerer Härte sind wahrscheinlich ausgeschlossen, da die Mineralisation an diesen Gesteinstyp gebunden war. Da die Lagerstätte an einigen Stellen ausstrich und von hier aus die Stolln vorgetrieben wurden, befand man sich in dem "weichen" Gestein. Da ich den Granatglimmerschiefer vom Schneeberg (Tirol) kenne, ist Feuersetzen wenig wahrscheinlich.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 04. Okt 18 9:39

In der Literatur habe ich noch Folgendes gefunden:
Über dem Stollen 6… hat man die steil (60-70°) einfallende Lagerstätte bis zum Tage abgebaut. Nebengestein ist ein Granatglimmerschiefer bis Granatgneis, gespickt voll hasenuss- bis kirschgroßen Granaten… Das Erz scheint ohne wesentliche sonstige Gangarten (als den Gesteinsanteilen) flächig (lagerartig) innerhalb eines verquarzten Schiefers impragnationsartig aufzutreten, wobei Möchtigkeiten von 1/2 bis 2m durch die Weitungen angedeutet werden. Durch diese Ausbildung, die auch von den Kieslagern stark verschieden ist, weicht dieses Vorkommen von den heutigen Kupferlagerstätten der Ostalpen weitgehend ab, denn Granat, Biotit uns Muskovit sind hier neben den Erzen beständig, während diese Minerale sont auf den alpinen Vorkommen weitgehend chloritisiert sind.
aus: "Über das Kupfererzbergbaugebiet Blinids-Tögisch bei St. Jakob i.Defr. Osttirol, R. Pittoni

Das bedeutet also für die Abbaugegebenheiten/Stollenanlagen, soweit ich das verstanden habe:
  • Abbau begann im Tagbau, Stollen steil abgeteuft (wegen der steileinfallenden Lagerstätte)
  • die Lagerstätte selbst ist wie oben schon gesagt flächig, also ein Flöz (?)
  • Die Stollen haben Durchmesser zw. 1/2 bis 2m (Weitungen von 1/2 bis 2m?)
Granat, Biotit uns Muskovit sind hier neben den Erzen beständig, während diese Minerale sont auf den alpinen Vorkommen weitgehend chloritisiert sind.
Bedeutet? :gruebel:
Nebengestein ist ein Granatglimmerschiefer bis Granatgneis…
Gibt es vielleicht doch härtere (Gneis ist doch prinzipiell härter als Glimmerschiefer?) Gesteinsschichten? :?

Daneben habe ich einen Bericht von 1650 gefunden, in dem sich die dortigen Gewerke beschweren:
die Gänge seien "schmal und grembsig", das Gestein "sehr hart" und die Transportkosten sehr hoch, sodass sie um Fronfreiheit baten, die auch gewährt wurde. Passt das zusammen?

Vielen Dank für Eure Antworten und Eure Geduld!!!

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Do. 04. Okt 18 13:22

Also mal ohne die Örtlichkeit zu kennen:
Wenn die Lagerstätte 60°-70°einfallend gewesen ist und an der Oberfläche ausstrich, könnte man zuerst einen Strossenbau gefahren haben. Mit zunehmender Teufe könnte man dann die Stolln getrieben und von dort aus im Firstenbau/Firstenstoßbau die Lagerstätte abgebaut haben.
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Do. 04. Okt 18 14:08

Der Gneis ist natürlich ein sehr harter Stein. Irgendwo habe ich gelesen, das er das Grundgestein ist. Bei dem geschilderten steilen Einfallen der Erz führenden Schichten, sind wahrscheinlich die Stolln im harten Grundgestein aufgefahren worden. Bei einer Breite von 0,5 Metern und einer Höhe von 2 Metern sind sie dann wahrscheinlich in Schlägel und Eisenarbeit aufgefahren worden. Kein Feuersetzen.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 04. Okt 18 18:11

@Uran:
sind wahrscheinlich die Stolln im harten Grundgestein aufgefahren worden. Bei einer Breite von 0,5 Metern und einer Höhe von 2 Metern sind sie dann wahrscheinlich in Schlägel und Eisenarbeit aufgefahren worden.
Hier verstehe ich wieder nciht genau, was du meinst. :oops: :?: Kannst du das vielleicht noch etwas genauer erklären, wie die Stollen angelegt wurden? Widerspricht das jetzt Nobis Vorschlag bzgl. des Fristenbaus?

Also auch kein Abbau mittels Keilhaue??

Ich habe irgendwo gelesen, dass der Fristenbau erst später entwickelt wurde. Aber ich kann die Daten nicht mehr finden… weiß das zufällig jemand?

Hier übrigens mal ein Foto eines begehbaren Stollens, das ich hier im Forum gefunden habe :top:
https://forum.untertage.com/download/file.php?id=10136

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Do. 04. Okt 18 19:39

Wie Nobi schon geschrieben hat. Vom Ausstrich als Strossenbau in die Tiefe. Irgendwann erreicht man aber eine Tiefe in der die Förderung, aber vor allem die Entwässerung (Wasserhaltung) nicht mehr beherrschbar ist. Dann treibt man einen Stolln in die Lagerstätte, um entweder den tiefsten erreichten Punkt anzufahren, oder die Lagerstätte noch etwas tiefer anzufahren. Hier muss man dann allerdings von unten nach oben in das erreichte Tiefste ein Aufhauen fahren, um die Entwässerung der Grubenbaue zu erreichen.

Ein Stolln wird auch nicht steil abgeteuft. Ein Stolln wird immer mit einem geringen Ansteigen, also fast waagerecht, aufgefahren.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Do. 04. Okt 18 20:06

Es ist auch durchaus möglich, dass man mehrere Stolln in verschiedenen Höhen getrieben hat, um von dort die Lagerstätte besser erschließen zu können.

Stolln im festeren Nebengestein aus zwei Gründen:
1.
Der Stolln sollte über eine lange Zeit standsicher sein (möglichst ohne oder nur mit wenig Ausbau), da Förderung, Wasserhaltung und Bewetterung darüber gelöst wurden.

2.
Man konnte die Lagerstätte komplett gewinnen, ohne den Stolln zu beeinträchtigen. Treibe ich den Stolln direkt im Gang, habe ich zwar sofort Gewinnung, aber sobald ich darüber und darunter ausbauen will, muss ich mir etwas einfallen lassen, damit die bei 1 genannten Aufgaben noch gelöst werden können.
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Do. 04. Okt 18 20:17

Abakus hat geschrieben:
Do. 04. Okt 18 18:11
Hier übrigens mal ein Foto eines begehbaren Stollens, das ich hier im Forum gefunden habe :top:
https://forum.untertage.com/download/file.php?id=10136
Ist das ein Bild aus dem betreffenden Gebiet?
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 04. Okt 18 20:39

Ja! Da war ich wohl nicht ganz deutlich.

Eingestellt im Fotowettbewerb September 2017 eine Aufnahme aus der noch offenen Tögischer Bachl Knappengrube auf 2600m.
Genau genommen liegt dieser Stollen im benachbarten Bergrevier Tögischer Tal, dass durch einen Bergkamm vom Bergbaugebiet Trojertal (genannt Blindis) getrennt wird. Lagerstättenmäßig gehören beide Gebiete jedoch (laut Literatur) zusammen.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Nobi » Do. 04. Okt 18 21:05

Der Stolln auf dem Bild scheint einem Gang/einer Kluft gefolgt zu sein. An der Firste sieht es aus, als würde da noch der Rest des Ganges zu sehen sein. Auch die Form deutet für mich eher darauf hin, dass hier ein Gang abgebaut wurde.
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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Abakus » Do. 04. Okt 18 21:19

Deine Vermutung passt auch eher zu einer Skizze des Stollenverlaufs, die ich in der folgenden Literatur gefunden haben (Seite 2 unten).
https://www.osttirol-online.at/4eb3c0c0 ... -55-10.pdf

Darin wird sogar angegeben, dass im Verlauf des Stollens noch Vererzungen sichtbar sind. Ich habe gerade schon versucht, eure Inofs damit übereinzubringen. Aber irgendwie passt es nicht.

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Re: mittelalterlicher Bergbau: Arbeiten eines Hauers

Beitrag von Uran » Fr. 05. Okt 18 15:37

Bei dem Stolln gehe ich davon aus, das er im Erzlager aufgefahren wurde. Die Lager stehen ja mit 60-70° sehr steil. Das würde dazu passen. Die Erzlagen selber waren ja auch nur wenige Zentimeter stark. Dazu kommen die großen Prunen. Das ist im Gneis nicht machbar, aber im Glimmerschiefer schon.

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