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Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 06. Apr 15 19:09
von hungerlieb
Unabhängig davon, dass auf dem Rechercheweg versucht werden sollte räumliche und mengenmäßige Zuordnung herzustellen, kommt mir in Erinnerung dass es vom hauptsächlich beschriebenen Gebiet, nämlich Himmlisch Heer einige Aufnahmen aus früher Zeit gibt, meines Wissens sogar Luftaufnahmen / Aufnahmen vom Gegenhang. Diese zeigen für benanntes Gebiet ähnlich viele Halden / Haldenreste wie man sie noch heute in Frohnau vorfindet.

Das bringt mich wiederum zu folgenden Tipp:

Derzeit (war) im Treppenhaus des Erzhammers eine Sonderausstellung mit histerischen Aufnahmen:

Historische Photographien von Annaberg

07. Februar - 06. April 2015
Das 100 Jahre alte Erbe des Fotografen Albin Meiche - seinerzeit Hofphotograph für Leipzig und Dresden, Betreiber eines Foto-Studios auf der Buchholzer Straße und Inhaber eines Postkartenverlags - arbeitete der Gelenauer Horst Reichel auf und stellte eine eindrucksvolle Foto-Sammlung von alten Stadtansichten Annabergs zusammen.

Quelle: http://www.annaberg-buchholz.de/de/kult ... lungen.php

Ich habe es auch erst am Wochenende erfahren, diese Bilder hätte man mal auf Altbergbauhinweise durchforsten können....

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 06. Apr 15 20:08
von sehmataler
Uran hat geschrieben:Du kannst doch hier nicht so einfach Legenden schlachten. :D
Nu klar, wos denkst de du :D
hungerlieb hat geschrieben:Diese zeigen für benanntes Gebiet ähnlich viele Halden / Haldenreste wie man sie noch heute in Frohnau vorfindet.
Vom Gebiet Himmlisch Heer Nord gibt es viele rissliche Darstellungen mit Halden, die um 1990 längst nicht mehr zu sehen waren. Insgesamt sind je nach Gebietsbegrenzung so 20-30 Halden auszumachen.
Der Aufschlussimpuls des Gebiets ging von der Entdeckung des tagesnahen Erzfalls der HH Fdgr aus. Die überdimensional große Ausbeute zog viel Kapital für die Erkundung des Umfelds an. Da es ein singulärer, distaler Sekundärerzfall war, blieben die Arbeiten auf Parallelgängen und der weiteren nördlichen Erstreckung des Himmlisch Heer Störungssystems mehr oder weniger erfolglos.
Eine ausführliche geologische Beschreibung des Gebiets gibt es in: Kunze, Stefan: Zur Entstehung des Silbererzfalls der Himmlisch Heer Fundgrube. - In: Erzgebirgische Heimatblätter. - Marienberg 22(2000)1. - S. 13 – 15


Hätten sich hier seit 1497 bis 1510 bereits so etwa 80 Gruben getummelt, wäre der tagesnahe Erzfall der HHFdgr. sicherlich nicht erst 1536 entdeckt worden. Die HHeer Störung ist teilweise ziemlich komplex aufgebaut und wäre im Ausbiss einfach nicht zu übersehen gewesen.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 06. Apr 15 20:13
von geophys
Das merkwürdige Gebilde auf dem Foto von Pöhlberger ist etwas weiter unter dem gelegen, als das, was ich eingestellt hatte. Etwas weiter oben, Sehmataler nennt es den Geusenstollen, ist eine Radstube plausibel.
Weiter unten müsste es mittlerweile eingeackerte Wasserläufe gegeben haben, um Aufschlagwässer vom Sauteich zuzuführen. Was mir auch in Erinnerung blieb, ist eine seltsame Ebene oberhalb dieser Halde, die auffällt, wenn man vom Sauteich dem Wasserlauf folgt und die sicher nicht natürlichen Ursprungs ist.

Auf älteren Karten vor 1945 findet man eine Reihe Halden, die man heute nicht mehr sieht. Ich denke, Sehmataler hat recht, es waren keine 80 Gruben am Prötzel. 30 bis 40 um die Talmulde herum ist realistisch, wenn man eine gewissen Dunkelziffer von eingeackerten Halden dazu rechnet.

Die gewaltige Ausbeute von 1536 und den Folgejahren lässt einen gewaltigen logistischen Aufwand vermuten. Damit musste es auch eine Infrastruktur geben, um nicht taube Massen durch die Gegend zu karren.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Di. 07. Apr 15 10:52
von Pöhlberger
geophys hat geschrieben:Das merkwürdige Gebilde auf dem Foto von Pöhlberger ist etwas weiter unter dem gelegen, als das, was ich eingestellt hatte.
Da irrst du dich. Es ist genau die selbe Mauerung, wie du hier sehen kannst.
geophys hat geschrieben:Was mir auch in Erinnerung blieb, ist eine seltsame Ebene oberhalb dieser Halde, die auffällt, wenn man vom Sauteich dem Wasserlauf folgt und die sicher nicht natürlichen Ursprungs ist.
Diese Fläche ist mir gestern vor Ort natürlich auch aufgefallen und mit Sicherheit nicht natürlich entstanden. Man sieht im Gelände auch noch ganz flache Haldenreste oder Mulden, die durch die landwirtschaftliche Nutzung fast wieder eingeebnet wurden. Auch die Austrittsstelle mit dem rostbraunen Wasser habe ich mir angeschaut...

Die Theorie von Sehmataler, dass der Prötzel am Schottenberg zu suchen sein soll, muss ich erst mal in Ruhe verdauen... halte sie aber durchaus für möglich. Man muss sich eben wirklich an die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen beziehen und alles neuere ignorieren. Auch in Frohnau gab es bei neueren Unterlagen eindeutige Fehler, zum Beispiel hat Felix Kube den "Wilhelmer Morgengang" in seinen Aufzeichnungen immer falsch als "Benno Morgengang" benannt und dadurch Verwirrung gestiftet...

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Di. 07. Apr 15 20:09
von geophys
Na ich verstehe den Unterschied so, dass es Gruben namens Prötzel~ gab und den Bach, den man ebenso oder ähnlich nannte. Liege ich da falsch? Ich habe es heute nicht gaschafft, mal vom Marktsteig nach unten zu steigen. Wird aber sicher auch noch mal. Von oben ist das alles sehr übersichtlich.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 08. Apr 15 10:38
von sehmataler
Hier noch mal zum Nachlesen, wie so ein Abschreiben aussieht:

T.G. Werner: Der Annaberger Bürgermeister und Bergbauunternehmer Caspar Kürschner und die Himmlisch Heer Fundgrube. S. 29:
"Der 1746 bis 1753 als Annaberger Bergmeister tätig gewesene Kobaltinspektor Johann Karl Goldberg sprach die Vermutung aus, daß der größte Teil der Prötzler Gruben unter dem Gesamtnamen "Himmlisch Heer" vereinigt und weiter betrieben worden sei, denn von früheren wichtigen Ausbeutegruben wisse man, daß sie genau in der Gegend von Himmlisch Heer gelegen hätten."

Vor Werner hatten sich schon verschiedene andere Autoren ausgelassen, die u.a. mit dem Neuangriff von Himmlisch Heer im 18. und 19. Jh. betraut waren.

Sieber (1968): Werte der Deutschen Heimat. S. 118 macht daraus:
"Von 1498 bis 1519 wurden in etwa 80 Tagebaukleinbetrieben insgesamt 310690 Meißner Gulden erbracht (Lohse); zwischen 1536 und 1593 drang man in größere Tiefen vor, da sich frühkapitalistische Geldgeber, durch die anfänglichen Erfolge ermutigt, bereitfanden, kostspielige verbesserte Förder- und Entwässerungstechniken anzuwenden."


Die Translozierung der Prötzelgruben hatte sicherlich ein Motiv.
Durch die Indizienkette:
1. Tagebaukleinbetriebe Prötzel Anfang 16. Jh. 310.000 fl Ausbeute
2. Tiefbau Himmlisch Heer Mitte 16. Jh. noch mehr Ausbeute
wird suggeriert, dass
3. Mit den technischen Mitteln des 18. 19. Jh. ein Neuangriff von Himmlisch Heer in noch unerschlossenen Teufen von ähnlichem Erfolg gekrönt sein muss wie bei den Gruben unter Punkt 1. und 2.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 08. Apr 15 12:04
von Uran
Meißner Gulden? Interessant. Dies Währung kenne ich nicht. :)

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 08. Apr 15 16:29
von Pöhlberger
sehmataler hat geschrieben:
Somit sind die vielen Gruben im Umfeld des Prötzels (um 1497-1510) an den Schottenberg zu platzieren.
Stef, der Schottenberg ist ja groß, hast du eine Vorstellung in welchem Bereich Protzel seine Grube etwa hatte?

Könnte es sein, dass Weinbeer auch am Osthang des Pöhlberges aktiv war? Ich denke dabei speziell an die "Weinbergszeche" (Weinkeller) mit Ausbeute 1504-1529.
Aus Weinbeer wird ja bei der damaligen Schreibweise auch schnell mal Weinberg.
Siehe Sanct Georg=Sanct Jorge .... oder Hieronymus=Jeronimus

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 08. Apr 15 19:23
von geophys
Uran hat geschrieben:Meißner Gulden? Interessant. Dies Währung kenne ich nicht. :)
In der Tat, es gab regionale Gulden, was mich eigentlich für diese Zeit nicht so sehr wundert. Und mir scheint, dass ein nicht unwesentlicher Teil davon in den Münzstätten Frohnau und Buchholz geprägt wurden.

Zurück zur Halde mit Verdacht auf Pochwerk!


Ich zitiere mal das Erzgebirgische Sonntagsblatt Nr. 5 vom 6.2.1927
Beitrag: Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert


"Unterhalb der Katzenmühle lag das Pochwerk des Hieronimus Steig, welches 1621 mit zwei gangbaren Zeugen an Maz Puzscher überging. Dieses Pochwerk wird dasselbe sein, welches 1627 als "der Kozenmühle vnd dem Hemlischen Herr über gelegen" mit zwei ganghaften Zeugen und Sturtzplatz durch Matthes Puzscher an Hans Sittich, Bürger und Ratsmitglied in Buchholz, verkauft und 1632 unter der Bezeichnung "auf der Cunradsdorffer kegen dem Witbenberger Pochwerk gelegen" weiter verliehen wurde. Leicht möglich ist es aber auch, daß mit den beiden letzten Ortsangaben ein besonderes Pochwerk gemeint ist, welches an dem Bache lag, der zwischen dem Katzenberge und dem Cunersdorfer Abhange herabfließt. Hier hatte man später noch Spuren einer ehemaligen Bergschmiede, sowie Teichstätten und darunter angelegt gewesene Pochwerke erkannt."

Von Prözel ist also hier keine Rede.

Ein halbes Jahr früher veröffentlichte das selbe Blatt den Prözel-Mischmasch:

Zitat: "In früheren Zeiten wurde in Cunersdorf Bergbau auf Silbererzge betrieben; bekannt ist die Grube "Himmlisch Heer" am sog. Prözel an der Rainung zwischen Kleinrückerswalde und Cunersdorf. Die in dieser Gegend gangbaren 80 verschiedenen Gruben verteilten zu Anfang des 16. Jahrhunderts an ihre verschiedenen Gewerke ansehnliche Ausbeuten, so allein die Gruben am Prözel von 1498-1519 zusammen 310690 Meißner Gulden. Kurz darnach ließ der Ertrag wesentlich nach, dann besserte er sich von 1536-1593 auf 619348 Taler und hörte später ganz auf. Nach 1855 wurde "Himmlisch Heer" ohne besondere Erfolge nochmals in Betrieb genommen; dieser wurde aber nach wenigen Jahren gänzlich eingestellt. Das alte Huthaus des Schachtes brannte 1904 ab und wurde darnach als Wohnhaus wieder aufgebaut. Die Gegend von "Himmlisch Heer" ist auch deshalb nicht ohne geschichtliches Interesse, weil die nördliche derselben dem Herzog, die südliche aber dem Kurfürsten von Sachsen seit der Teilung von 1485 gehörte, bis 1547 beide vereinigt wurden."

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 09. Apr 15 9:51
von Uran
geophys hat geschrieben:In der Tat, es gab regionale Gulden, was mich eigentlich für diese Zeit nicht so sehr wundert. Und mir scheint, dass ein nicht unwesentlicher Teil davon in den Münzstätten Frohnau und Buchholz geprägt wurden.
Nein. Es gab keine regionalen Gulden. Es gab den Guldengroschen, der ab 1500 in Annaberg geprägt wurde. Er war das silberne Äquivalent zum Rheinischen Goldgulden und der Beginn der Silberwährung in Deutschland. Diese wurde erst 1871 von der Goldwährung abgelöst. Übrigens sind der Guldengroschen und der Taler ein und dieselbe Währung.
Der Schreiberling hat einfach den Begriff der Meißner Groschen, weil sie am Anfang in der Markgrafschaft Meißen (ab 1338) geprägt wurden, auf den Guldengroschen übertragen, was natürlich Blödsinn ist.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 09. Apr 15 15:15
von geophys
@Uran --> Zieh mal den Mauszeiger über das Wort Gulden in meinem letzten Post. Da ist der Wikipedia-Beitrag mit deren Quelle verlinkt.

Aber es ging um Pochwerke am Sauteich, dem Prözel oder einer Verwechslung oder einer bewussten Umdeutung der Lokalität um den Prözel, nicht um ein nicht vorhandenes Währungssystem.

In der Zusammenfassung:

1. Es gab nachweislich Gruben, welche den Namen Prözel trugen und die mit großer Ausbeute in Verbindung gebracht wurden. Eine Verbindung zum Gebiet unterhalb der HH-Fundgrube(n) ist aus der Argumentation von sehmataler heraus unwahrscheinlich bzw. sogar ausgeschlossen. Die Prözel-Gruben befanden sich eher am Schottenberg, denn in entgegengesetzter Richtung.

2. Der große Silberfall am HH aus tagesnaher Vererzung mit hohem Silberanteil in Sekundärvererzung bedurfte keine Pochwerke.

3. Es gibt 2 Hinterlassenschaften und dokumentierte Erwähnungen, dass es am "Bache zwischen Katzenberg (buckel) und Cunersdorfer Hange" ein Pochwerk gegeben hat.

4. Karten, welche vor der Mechanisierung der landwirtschaft zu Zeiten der DDR und der Wismut entstanden sind, zeigen breitere Wege aus Richtung Kleinrückerswalde, die allesamt zu den vermuteten Pochwerken führen.
Bitte dazu die Basiskarten des Landesvermessungsamtes (Server: Historische Karten) bemühen, da eine Veröffentlichung dieser nicht gestattet ist.

Ich denke, wir sind nahe dran und heute will ich die Sonne nutzen, um Bilder vom Umfeld zu machen.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 09. Apr 15 15:57
von Uran
geophys hat geschrieben:Gulden in meinem letzten Post. Da ist der Wikipedia-Beitrag mit deren Quelle verlinkt.
Das hilft nicht wirklich. Wenn, dann hier. https://de.wikipedia.org/wiki/Guldiner

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 09. Apr 15 19:59
von geophys
Hatte ich doch tatsächlich das falsche Bild gepostet. Nicht das es dieses Mauerwerk nicht aus geben, wie man sehen kann, doch es liegt ca. 50 Meter weiter bachabwärts und auch etwas unwegsam.
Also wie gesagt, hier vermute ich das ehemalige Pochwerk.
Halde mit gemauerter Grube.JPG
Halde mit gemauerter Grube.JPG (156.07 KiB) 11908 mal betrachtet
rot = gemauerte Grube
grün = Plateau mit exakt gezogener Böschung
gelb = Sauteich
blau = langgezogene Halde
Halde-verm-Pochwerk.JPG
Halde-verm-Pochwerk.JPG (84.18 KiB) 11908 mal betrachtet
Was ich jedoch sonderbar finde, dass eine Halde mit gut 10 Metern Höhe oberhalb der Grube angelegt ist.
Wenn da gepocht wurde, dann mussten man die taube Massen mit einer Karre nach oben bringen und abkippen.
Halde-verm-Pochwerk2.JPG
.

Hier angedeutet, die sich noch abzeichnenden Weg, welche man auf alten Karten wieder findet. Cyan sind noch nicht eingeackerte Halden auf dem Zinnacker und oberhalb des Sauteichs zu sehen. Deren Erze könnten es gwesen sein, die man pochen musste.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 09. Apr 15 20:07
von milnaaer
geophys hat geschrieben:es ging um Pochwerke am Sauteich, dem Prözel oder einer Verwechslung oder einer bewussten Umdeutung der Lokalität um den Prözel
geophys hat geschrieben:Es gibt 2 Hinterlassenschaften und dokumentierte Erwähnungen, dass es am "Bache zwischen Katzenberg (buckel) und Cunersdorfer Hange" ein Pochwerk gegeben hat.
Wirklich zuverlässige Quellen zum Studium der Pochwerke sind die beiden "Kauf- und Erblehnbücher BA Annaberg 1678-1710 und 1709-1742 (40007/948 bzw. 40007/952) im Bergarchiv. Die Einträge sind detaillierter und lokalbezogener als in anderen Mut- oder Lehnbüchern und enthalten z.T. Hinweise und Zitate aus dem nicht mehr existenten alten Berglehnbuch von 1604.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 15. Apr 15 22:43
von geophys
Obwohl ich es sehr spannend fände, ich komme einfach nicht dazu.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 30. Mai 16 14:08
von sehmataler
Hier mal eine Frage nicht zum Annaberger, sondern zum Buchholzer Revier. Auf der östlichen Sehmatalseite des Buchholzer Reviers habe ich einen Gottesberater Gang bzw. die Gottes Berath Fdgr. grob zuordnen können. Weiß jemand wo es diesen Grubennamen noch gibt; welche Bedeutung hat er?

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 30. Mai 16 18:38
von Nobi
sehmataler hat geschrieben:Weiß jemand wo es diesen Grubennamen noch gibt; welche Bedeutung hat er?
Der Hutmann vom Daniel sagte, dass es eine Gottes Berath Fdgr. in Schneeberg gab. Kannst Ihn ja mal anrufen :wink:

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: So. 05. Jun 16 21:51
von milnaaer
Mit dem Begriff "berath" habe ich mich auch schon mal auseinandergesetzt. Eine Landsteuerliste für 1561 nennt "hat eyn berath walt". Meine Interpretation für "berath walt" lautet "lichter oder junger Wald; Schonung; Lichtung". Ich führe dies auf den althochdeutschen Begriff "beraht" = hell, glänzend, klar, herrlich, strahlend - zurück, kann aber auch auf dem Holzweg sein.
Interessant wäre die zeitliche Einordnung der Gottes Berather Fundgrube (=Gottes Herrlichkeit Fgr.??)

GA Heiko

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 06. Jun 16 0:37
von Falafel
Ein anderer Versuch: "Gottes Beirat"

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 06. Jun 16 22:08
von axel
Falafel hat geschrieben:Ein anderer Versuch: "Gottes Beirat"
Diese Deutung möchte ich unterstützen! In der theologischen Literatur des 16. Jahrhunderts findet man des öfteren "Gottes Berath" in der Bedeutung von "Gottes Beirat" erwähnt.

GA axel

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Di. 28. Feb 17 17:46
von EnoM
Ich könnts zwar auch unter Literatur einstellen, dort wirds aber m.E. aus dem Zusammenhang gerissen.:
Zufälligerweise bin ich über die Wiederveröffentlichung von "Die Erzgänge des Annaberger Revieres" von Carl Hermann Müller gestossen. Meist lässt sich nur das bekannte Kartenwerk in einer Mappe finden, doch hierbei handelt es sich um die vollständige Beschreibung. Das Büchlein ist 2014 erschienen und hat runde 140 Seiten bei einem Preis von 29.80 Euro.
Beim Verlag selbst bin ich nicht fündig geworden, eher bei eurobuch...

Aus dem Titelbild werde ich nicht recht schlau, vielleicht vom Verlag aus dem Zusammenhang gerissen.
Müller Annaberg.jpg
Müller Annaberg.jpg (13.6 KiB) 8705 mal betrachtet

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mi. 01. Mär 17 8:10
von Joachimsthaler
Das Mundloch ist nicht im Annaberg Revier !

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 20. Jul 17 10:43
von F. Reichert
EnoM hat geschrieben:
Di. 28. Feb 17 17:46
Zufälligerweise bin ich über die Wiederveröffentlichung von "Die Erzgänge des Annaberger Revieres" von Carl Hermann Müller gestossen.
Gibts auch online von der SLUB gescannt, als PDF via http://digital.slub-dresden.de/fileadmi ... 511011.pdf (35,2 MB)

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 20. Jul 17 11:29
von F. Reichert
Uran hat geschrieben:
Mo. 06. Apr 15 18:34
sehmataler hat geschrieben:Damit ist die Mär von den 80 Tagebaukleinbetrieben als Vorläufer von Himmlisch Heer gegessen.
Du kannst doch hier nicht so einfach Legenden schlachten. :D
Nochmal zur Translozierung der Prötzelgruben. Die Vermutung, dass die Tagebaukleinbetriebe Prötzel Anfang des 16. Jh. mit 310.000 fl Ausbeute wohl nicht in der heute so genannten Sauteichmulde zu verorten sind, stützt auch ein Aktenfund im Weimarer Staatsarchiv im Bestand Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. T (Bergwerksangelegenheiten).

Um bei der Verleihung von Gängen durch die jeweiligen Bergmeister, die nur bis zur Landesgrenze erfolgen durfte, Irrungen vnd gebrechen zu vermeiden, wurden 1537 hier insgesamt 20 Landesgrenzsteine gesetzt. Dabei ist bei der Grenzziehung entlang des himlischen Herzugs davon die Rede, dass der ende vnd gegenheyt, sich die bergkwercke, ytziger zeit, aus gottes gnaden zugetragen hätten. Es gibt also keine Hinweise auf gangbare Vorläufergruben, stattdessen nur die Bemerkung, dass man hier erst seit kurzem fündig wurde.

Zudem wird dann in der Beschreibung des Grenzzugs auch nicht der Flurname "Prötzel" benutzt, was naheliegend gewesen wäre. Es heißt: Vnd haben den ersten Reinsteyn setzen lassen an der landwehre vnd forthan bis vnder des Fritz Geussen stoln hinab, sind an der Zall xx steyn gesatzt, Vnd so bald nach endung des letzten Reynsteyn haben wir den Wasserflus antroffen.

Ein solcher Grenzstein hat sich im Übrigen noch am Originalstandort erhalten.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Do. 20. Jul 17 11:57
von Uran
Hier wird immer von 310.000 fl Ausbeute gesprochen. Kurze Frage. Ausbeute oder Ausbringen.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: So. 23. Jul 17 21:48
von sehmataler
Ich nehme an, dass es sich um Ausbeute handeln soll. Gewinnung hätte man in Gewichtseinheiten Brand-
oder Feinsilber genannt. Ausbringen i.e.S hat man damals nicht ermittelt.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 24. Jul 17 13:24
von Uran
Irgendwie werden hier einige Sachen durcheinander gewürfelt. Es wird vom Meißner Gulden gesprochen. Das ist die Silbermünze (Guldiner) als Equivalent zum Rheinischen Goldgulden und wurde in Annaberg geprägt. Es ist keine regionale Währung, sondern eine allgemeingültige Währung in Sachsen. Diese galt auch im ernestinischen Sachsen zu dem Buchholz nach der Leipziger Teilung 1485 gehörte. Daneben gab es natürlich den in Leipzig geprägten Goldgulden im Gewicht des Rheinischen Goldguldens. Im Kommentar zu dem Artikel wird aber plötzlich von Floren (fl.) gesprochen. Der Floren ist allerdings nur eine Verrechnungsmünze zum Meißner Gulden. Man kann beide nicht gleich stellen. Legt man das Silbergewicht des Guldens mit ca. 26,5 Gramm zugrunde, währen das bei 310.000 fl. 8.236 Kg Silber als Ausbeute. Ich weiß nicht, ob das für die genannten Kleintagebaue realistisch ist. Hier hat ein Heimatforsche (Sieber) von einem anderen Heitmatforscher (Lohse) abgeschrieben. Da muss man schon die Frage stellen, woher stammt diese Zahl tatsächlich und wie belastbar ist diese Angabe. Selbstverständlich wurde das Ausbringen der Gruben, im Normalfall in Mark Silber ermittelt und schriftlich festgehalten. Das diente ja der Ermittlung des Zehnten und anderer Abgaben. Die Frage ist natürlich, ob diese Unterlagen noch vorhanden sind.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Mo. 24. Jul 17 21:00
von sehmataler
Die Kleintagebaue im Zusammenhang mit den Prötzelgruben dürften ein reines Hirngespinst der Heimatforscher sein. Es handelte sich um normale Tiefbaugruben.
Ich denke schon, dass mit den Meißen Gulden die Ausbeute gemeint war.
Die Chronisten hatten auch immer eine besondere Affinität zu Ausbeuteangaben.

Als Ausbringen i.e.S. ist mir eigentlich Gewinnung/Fläche geläufig. Aber als nomen generalis geht's auch als Gewinnungsmenge durch.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Di. 25. Jul 17 16:24
von Uran
Beim Silber wurde generell in Mark Silber abgerechnet. Zumindest bis zum Ende 16. Jahrhundert. Danach will ich mich nicht festlegen. In den Bergmännischen Jahrbüchern ab 1827 wird Silber, hier allerdings als Silbererz, in Gewicht und Geldwert abgerechnet. Gewinnung auf Fläche spielt hier max. bei der ökonomischen Betrachtung des Ganges eine Rolle.

Re: Altbergbau im Annaberger Revier

Verfasst: Di. 25. Jul 17 18:15
von sehmataler
Die EE's vom ollen Zöllner mit Silber in Mark gibt's mindestens bis ins 18. Jh. Die Buchholzer setzen leider erst 1547 ein. Möglicherweise gibt es im Hsta Weimar noch Zehntrechnungen aus den 30er Jahren. Da wäre in Bezug auf Geusenstolln, St. Dorothea und Himmlisch Heer Gegentrum noch Forschungsbedarf. Hat jemand die Weimarer Bestände schon einmal dahingehend gesichtet?