Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

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Bastl
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Bastl » Mi. 03. Apr 13 16:36

...und hier noch was zum Thema Abwasserentsorgung, aufgenommen in der Hüttenrösche bzw. dem überwölbten Kunstgraben. :shock:
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Geophon
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Mi. 03. Apr 13 17:42

Sehr schöne Bilder :top: . Aus dem Rohr kommt mittlerweile zum Glück nur noch klares Wasser.

Ansonsten sieht man auf dem ersten Bild noch, dass die Hüttenrösche nach der
Freilegung 2002 im Bereich des Gewölbebruchs mit Spritzbeton gesichert worden ist.
Durch das sehr schmale Profil der Fließrinne, die außerdem etwa 1 m über der
Stollnsohle liegt, soll wohl der schwermetallhaltige Schlamm zurückgehalten werden.
Der Gestank dort unten ist jedenfalls einzigartig... :shock: .
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Sanierte Rösche
Sanierte Rösche
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Blaue Kupfersinter
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Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von axel » Mi. 03. Apr 13 22:16

Zustand 1770. GA Axel
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„Die Stadt Freyberg ist unter allen Meißnischen Städten wohl die größte,
und vor andern berufen, wegen der gesunden Lufft des Bergwercks…“
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Mi. 03. Apr 13 23:46

Hier die Erläuterungen dazu, soweit ich sie lesen konnte. Wenn axel nichts dagegen hat,
stelle ich das Original hier ein.

A alter Tageschacht
B Stollschacht
C Rösche Sohle
D Stolln Sohle
E Gottholter Stehender
F Gutenmorgen Spat
G Mundloch
L Stolln Spat
M ???schacht
N Stolln Schacht
O ???schacht
P Hammerschaller Stehender
Q Stoll Mundloch
R Stollschacht
S Tageschacht
T ???
U Rammelsberger Stehender
V Morgen Sonner Spat
W Förderschacht
X Erste Gezeug Strecke Sohle
Y Neuschacht (?)
Z Zweite Gezeug Strecke Sohle
TZ Füllort
a ???
b Förderschacht
c ???schacht
Zuletzt geändert von Geophon am Di. 16. Apr 13 19:37, insgesamt 1-mal geändert.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von axel » Do. 04. Apr 13 8:25

Da es sich um einen Rissausschnitt handelt, sind nicht alle bezeichneten Baue zu sehen.
Hier die Legende mit Ergänzungen:

A den Tageschacht
B Stollschacht
C Rösche Sohle
D Stolln Sohle
E Gottholter Stehenden
F Gutenmorner Spat
G Muntloch
L Stolln Spadt
M Bremmerschacht
N Stolln Schacht
O Tageschacht
P Hammerschaller Stehender
Q Stoll Mundloch
R Stollschacht
S Tageschacht
T Eingesencke
U Rammelsberger Stehender
V Morgen Sonner Spat
W Förderschacht
X Erste Gezeug Strecke Sohle
Y Neischacht
Z Andere Gezeug Strecke Sohle
TZ Feldort
a Ander Gezeug Strecken Ort
b Förderschacht
c Bremmerschacht

Eric kann meinetwegen auch das Bild dazu einstellen.

GA axel
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Do. 04. Apr 13 9:22

Hier sind die Erläuterungen und das Bild in seiner Gänze.

Weiß jemand, was die Bezeichnung "Bremmerschacht" bedeutet?
Da sich diese Bezeichnung wiederholt, glaube ich nicht, dass das
ein Eigenname ist.
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blatt_09.jpeg
blatt_07.jpeg
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Ludewig » Do. 04. Apr 13 10:13

Ein "Bremmer" oder "Bremmerschacht" ist ein abgesetzter Schacht, also nicht durchgängig! Die Gründe liegen meist in der Schachttiefe und den Seillängen einer Handhaspel. Man stellt halt dann noch eine 2. Haspel am nächsten Schacht auf und weiter geht es.....

Glück auf! Lutz
Was war zuerst da, der Durst oder das Bier?

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Nobi » Do. 04. Apr 13 10:23

"Bremmer" oder "Bremmerschacht" steht auch im Veith "Deutsches Bergwörterbuch mit Belegen" Seite 116.
GLÜCK AUF | NOBI

Der Berg ist frei.
Wo eyn man eynfahrn will
mag her es thun mit rechte.


w w w . b e r g k i t t e l . d e

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Mo. 08. Apr 13 17:03

Um beim "Alten" Morgenstern zu bleiben, hier ein Auszug aus einem Riss von 1786,
auf dem der "Huthausschacht" und der Kunstschacht dargestellt sind.
Weiterhin dargestellt ist auch, wie der Kunstschacht nach übertage verlängert werden
sollte, um ihn parallel zur Wasserhaltung auch als Treibeschacht nutzen zu können.
Deutlich sind auch die alten, abgesetzten Haspel- oder Bremmerschächte zu sehen,
über die zuvor gefördert wurde.
In der Freiberger BSA steht, dass der Ausbau des Treibeschachtes etwa 1791
abgeschlossen war, ironischerweise kurz bevor die Tiefbaue wegen Problemen
mit der Wasserhaltung absoffen...

Der Titel des Risses:
Grundriss
von dem Morgensterner Kunstschacht
woraus zu ersehen, wie ein Treibeschacht von Tage
anzulegen, sodass solcher unter dem Tiefen Stolln
zwischen denen Kunstgestängen fortgebracht werden
kann. Abgezogen den 14. - 15. November 1786
August Jonas Oehlschlägel, Vize-Markscheider
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huthausschacht_sk.jpg
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Di. 16. Apr 13 18:15

Vielen Dank an Ludewig, der das von Axel ins Gespräch gebrachte Specimen aus dem
Altbestand der Universitätsbibliothek Freiberg mittlerweile transkribiert hat.

Dabei handelt es sich um:
„Christian Ehregott Repmann: Die Schacht Foerderung bei der Grube Neuer Morgenstern Erbst. am Muldenberge betr., Freiberg, in der No. 8ten W. des Qu. Rem. 1799.“ (Wiss. Altbestand der Bibliothek der TU Bergakademie Freiberg, Bestand: Bergmännische Spezimina, Nr. 371)

Leider geht es in dieser Beschreibung wirklich nur um die Förderung auf dem Abrahamschacht von
"Neuer Morgenstern Erbstolln", aber da es sich um eine sehr schöne Beschreibung der Fördertechnik
zur Wende vom 18. zum 19. Jhd, handelt, stelle ich sie hier mit ein.

Die Schachtförderung bei der Grube Neuer Morgenstern Erbstolln am Muldenberge betreffend.

Bei der gedachten Grube geschieht jetzt die ganze Förderung allein durch den auf dem „Abraham Spat“ ganz von Tage nieder bis ¾ Fahrt unter die halb 4. Gezeugstrecke niedergebrachten Treibeschacht, und zwar gewöhnlich zu 16 – 18 in einer Woche, wozu folgende Arbeiter erforderlich sind:

1- Treibemeister, bekommt 1/-/-/ Lohn
1- Tonnenanschläger, bekommt /-/21/-/ Lohn
1- Göpelknecht mit 2 Pferden a Schicht 1/ 4/-/ Lohn
außer diesen sind noch
2- Mann erforderlich, wenn Scheide oder Durchlaßerze getrieben werden welche solche in Karren in die Scheidebänke oder Durchlaßwäsche laufen, wofür 1 Mann wöchentlich 17 – 19 Groschen Lohn bekömmt.

Werden Berge oder Pochgänge getrieben so muß selbigen sogleich der Treibemeister, und zwar in großen vierrädrigen teutschen Hunten, die gerade so viel faßen, als eine Tonne in sich enthält, auf die Halde schaffen.

Der Treibeschacht ist bis ins Tiefste mit …......, 6 Zoll breiten Stroßbäumen nach 56 ½ ° Tonnlage vorgerichtet, und nur zwischen der ersten und halbzweiten Gezeugstrecke macht er einen Buckel gegen das Hangende, welcher aber nicht von sonderlichen Einfluß auf den Gang der Maschine sein dürfte.

Das Seil geht überall wo es aufschleifen könnte über Waltzen, die alle Schichten eingeschmieret werden.

Die Fördergefäße bestehen in gewöhnlichen „Schlazztonnen“ (?), welche 10 Freiberger Kübel fassen, mit Eisen hinlänglich verschieret sind und auf der Fläche, so sie aufliegen sowohl, 4 Walzen, als auch an in der Seite 2 Leitungsrollen haben.

Der zylindrische Durchmesser des Korbes 13 Fuss
----- mechanische ------------------------------- 10 ½ Fuss
Die Höhe des Seilfaches (Rille) 2 Fuss
Die zylindrische Höhe der Seilscheiben 7 ½ Fuss
-----mechanische ----------------------------- 6 2/3 Fuss
----------------------------------- Schwengellänge (?) gleich der Entfernung des Mittelpunktes der Distanz der stehenden Welle vom Schloßnagel an welchem die Pferde abziehen
24 1/6 Fuss
des Seils Dicke 2 Zoll

Mit dieser Maschine nun, sollen der Vorschrift gemäß
vom Stolln 50 Tonnen
der halbersten Gezeugstrecke 45 Tonnen
------ ersten ------------------------ 40 ----------
------halbzweiten ----------------- 35 ----------
------- zweiten ------------------- 35 -----------
--------halbdritten --------------- 30 -----------
-------- Dritten -------------------- 30 -----------
--------halbvierten --------------- 25 ------------
aus dem Tiefsten 25 -----------

in einer 8 stündigen Schicht zu tage gebracht werden. Die hierbei so auffallende Differenz rühret daher, daß auf der halbzweiten und halbdritten Gezuegstrecke mit Trögen und Körben eingefüllet werden muß, wenn auf den übrigen durch gewöhnlich gut vorgerichtete Bergrollen die Tonnen gefüllet werden kann.

Für die Zeit meiner gemachten Beobachtungen, den 21 Sept. in der Frühschicht wurden von der 2. Gezeugstrecke ziemlich klare und weiße Berge, wovon in 1 Tonne im Mittel 11 – 11 ½ Centner gefüllt sein möchten.

Zum Umfang des Teibens war zu einem Schwengelumlauf 1 Minute Zeit nötig, wen die Tonne ohngefähr in Mitte des Schachtes war machten die Pferde in 2 Minuten 2 5/8 Umgänge, oder 1 Umgang in 45 ½ Sekunden, kurz vor dem Stürzen aber, waren zu 5 Umgängen 3 Minuten oder zu 1 Umgang 36 Sekunden Zeit erforderlich.

Die Förderzeit, daher die Zeit vom Aufholen der Tonne bis sie über die Schützstücken stürzet = 11 7/16 Minuten.

Die Stillstandszeit, oder die Zeit des Einfüllens und Stürzens der Tonne = 2 Minuten, wenn von einer Sohle getrieben wird und -----------------verfüllt. Wird aber zugleich Holz mit eingehangen, und solches auf dem Füllorte von den darauf wartenden Zimmerlingen zugleich daselbst ausgesackt, so ist die Stillstandszeit 4 3/8 Minuten. Alle diese Beobachtungen sind Resultate aus dem Mittel von 10 und mehreren Versuchen genommen.

Da nun die Fördertiefe = 437 Fuß = 62 Lachter 3 Fuß, genau gemessen, beträgt,

132 Fuss bis Sohle
151 Fuss bis 1. Gezeugstrecke
70 -------------- halbzweite -------
67 --------------- 2 . -----------------
17 -------------- an den Punkt wo aus der Sohle eingefüllt wird.

So wir die Geschwindigkeit der Tonne je Minute = 38, 207 Fuss
je Sekunde = 0,6368 Fuss
= 1,6416 Ellen (?)
= 7,23 Zoll

--------------------------------------------------- im Mittel des Treibens
je 1 Sekunde = 10,07 Zoll
--------------------------------------------------zu Ende des Treibens
je 1 Sekunde = 12,73 Zoll
= ???????

Summarisch ergibt sich die volle Förderzeit für die 2.Gezeugstrecke
= Förderzeit + Stillstandszeit x Anzahl der Tonnen die gefördert werden müssen.
= ( 11 7/16 + 2) x 35
= 470 Minuten – 7 5/6 Stunden
woraus ferner sich ergiebt, daß, wenn von der 2. Gezeugstrecke 35 Tonnen getrieben werden sollen, diese Anzahl beinahe im Extremum ist.



Freiberg, in der No. 8ten Woche des Quartale Reminiscere 1799

Christian Ehregott Repmann
Zuletzt geändert von Geophon am Di. 16. Apr 13 20:24, insgesamt 1-mal geändert.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von markscheider » Di. 16. Apr 13 20:04

Danke, sehr interessant!

(und das Holz wurde bestimmt eingehangen)

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Di. 16. Apr 13 20:25

Danke, ist korrigiert.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Di. 23. Jul 13 10:55

Gelöscht, da mit den Belehnungen etwas nicht stimmen kann, siehe Posting vom
17.10.13
Zuletzt geändert von Geophon am Do. 17. Okt 13 22:01, insgesamt 3-mal geändert.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Falafel » Mi. 24. Jul 13 0:46

Bei dem ersten Eintrag stimmt irgendwas nicht. Die Grundstücke der Hausmann´s (Georg und Sebastian) liegen eigentlich alle bei Tuttendorf. Stellt sich die Frage, ob sie noch Grundeigentum bei Hilbersdorf hatten, oder ob Lißkirchner noch eine weitere Mühle hatte??? Können ja am Samstag drüber reden.

GA
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Fr. 26. Jul 13 11:07

Es stimmt, die erste Belehnung passt nicht so recht, zu den beiden folgenden.

Die Hausmanns tauchen im Steuerregister von 1546 in Hilbersdorf nicht auf.
Dort gibt es nur eine Familie Aßmann und eine Familie Hoffmann.
Ich werde nochmal in die Lehnbücher schauen, da wurden die Felder der
"Hausmänner" auf jeden Fall erwähnt. Gerade in meinen Notizen gefunden:

1547: Merten Schreyber
- einen Erbstollen und eine Fundgrube, St. Jaroff genannt,
- auf Bastian Hausmanns Gütern,
- auf einem flachen Gange, über der Mulde gelegen.

St. Jaroff liegt/lag in der Schieferleite.
Nur liegt die Schieferleite ein ganzes Stück weiter südlich, als der Morgenstern...

Ich habe mir mal den Rekonstruktionsversuch der Hilbersdorfer Flur von Langer
angeschaut (Mitteilungen des FAV, Heft 63, S. 14-16), dort ist ersichtlich, dass
der Morgenstern außerhalb der Hilbersdorfer Flur (auf Freiberger Flur?) lag.

Bliebe also die Möglichkeit, dass Sebastian Hausmann dort auf der anderen Seite
der Mulde noch einen Acker hatte, oder, dass tatsächlich die Gegend bei Tuttendorf
gemeint ist. Aber ich kann nicht so recht glauben, dass zwei Gruben, die
gerade einmal ein Jahr nacheinander belehnt wurden, den gleichen
(ausgefallenen) Namen in exakt der gleichen Schreibweise bekommen haben
sollen. Es sei den "Morgenstern" war damals eine Bezeichnung für irgendein
Landschaftselement?
"Auf dem Morgenstern" klingt ja auch fast so, als ob damit eine Anhöhe
oder so etwas gemeint wäre...
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Falafel » Fr. 26. Jul 13 13:13

Die Hausmanns waren die Pächter / Eigentümer des Erblehngutes von Tuttendorf. Dazu findest Du mehr in der "Geschichte von Halsbrücke" (oder so ähnlich), was vor ein / zwei Jahren erschienen ist, oder in Hoffmann / Richter: "Entstehung und Blüte der Stadt Freiberg"

Belehnungen auf den Gütern der Hausmanns finden sich in den Lehnbüchern en masse - aber alles bei Tuttendorf, vor allem "hinter" Tuttendorf. Die Rekonstruktionsversuche von Langer sind mit einer gewissen Vorsicht zu verwenden. Siehe dazu auch Hoffmann / Richter (siehe oben).

Der Grubenname St. Jaroff / Jacob / Jacoff findet sich in Freiberg mehrfach (ich hab mindestens vier verschiedene gleichnamige Gruben im gleichen Zeitraum). Das wäre also kein Anhaltspunkt. Auch Morgenstern kann durchaus mehr als zweimal verwendet worden sein. Besonders im biblischen Kontext war es sicher ein "Modename" (in BED müsste es auch vorkommen). Die Redewendung "auf dem Morgenstern" / "uff dem Morgenstern" ist eine gängige Floskel dieser Zeit und muß nichts mit der Lage auf einem Berg zu tun haben. Auch heute fahren die Bergleute noch "auf der Zeche" ein.

Glück Auf!
Stephan

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von milnaaer » Fr. 26. Jul 13 17:18

Ohne mich in euer interessantes Thema einmischen zu wollen; zum Thema "Gleichnamige Gruben im gleichen Zeitraum":
Ich denke, die Namensgleichheiten dürften vor allem den Aktivitäten der Gewerkschaften geschuldet sein. Selbst in unbedeutenden Revieren war das Gang und Gäbe. Konkretes Beispiel aus meiner Heimat: Grubenberichte aus den Jahren 1712 und 1713 beschreiben zwei verschiedene Dorothea-Gruben in Mildenau und bei Geyersdorf. Die bereits 1704 bestehende Mildenauer Dorothea-Gewerkschaft hatte sich nach Anpreisung einer neuen Gewerkschaft für einen bei Geyersdorf seit 1707 von zwei Bergleuten (Vater+Sohn) gewältigten Stolln "eingekauft". Die jeweilige Listen der vor allem in Leipzig und Merseburg wohnhaften Gewerken gleichen sich zu etwa 80 %.
Nur mal so als Gedanke.

GA Heiko

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Ludewig » Fr. 26. Jul 13 21:08

Das ein und derselbe Grubenname oder besser der Name der betreibenden Gewerkschaft auf verschiedene Anlagen transferiert wurde kann ich auch für eine Bergbauregion im Erzgebirgsvorland belegen. Ist aber eher ein Merkmal für den Subventions - Bergbau des 18.Jahrhundert. Hier gab es ja auch ziemlich viel Schwindel......

Das führt bei den heutigen Rekonstruktionen anhand der Bergakten schon mal zu einem gewaltigen "Durcheinander". Das auseinander sortieren macht da schon viel Mühe und führt öfters mal in eine Sackgasse.

Glück auf! Lutz
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Fr. 26. Jul 13 21:38

Dann scheidet die erste Belehnung wohl aus.

Dass Bergleute "auf" einer Zeche einfahren, ist mir durchaus bekannt. Aber im Vergleich
zu den übrigen Gruben, die im 1. und 2. Lehnbuch erwähnt werden, fiel mir die Formulierung
schon auf. Dort steht nämlich meist nur der Eigenname, wie bei "Das Glas", "Mistpickel",
"Katzen Rädern", "Lungenberg"... Manchmal steht noch eine Flurangabe dabei, wie z.B.
"Morgentau zu Brand". Deshalb hat mich die Benennung etwas verwundert.

Einen Morgenstern in Brand habe ich noch nicht gefunden, nur Morgentau und Morgenröte.
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Mo. 29. Jul 13 20:19

Habe den Beitrag erstmal etwas gekürzt, damit hier nicht zuviel
Spekulatives steht.
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Di. 17. Sep 13 13:58

Mal eine Frage, wahrscheinlich an die Wismut-Fraktion:

Das angehängte Bild zeigt ein Ziegelgewölbe im Bereich des Füllortes vom Huthausschacht
auf der Erbstollnsohle.
Weiß jemand, was der im Bild sichtbare Schriftzug "S 108" bedeutet? Ich meine, ähnliche
Zahlen auch an anderen Gewölben unter Freiberg gesehen zu haben.
Dieser Bereich ist letztmalig durch die Wismut genutzt worden, bis etwa 1950, daher würde
ich davon ausgehen, dass die Zahlen in dieser Zeit dort hinterlassen wurden.
Das Gewölbe selbst ist älter, wahrscheinlich von 1884.

Glück auf!
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Gewölbe am Huthausschacht
Gewölbe am Huthausschacht
s_108.jpg (85.02 KiB) 8013 mal betrachtet
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von markscheider » Di. 17. Sep 13 15:12

Geophon hat geschrieben:Weiß jemand, was der im Bild sichtbare Schriftzug "S 108" bedeutet?
Dieser Bereich ist letztmalig durch die Wismut genutzt worden, bis etwa 1950, daher würde
ich davon ausgehen, dass die Zahlen in dieser Zeit dort hinterlassen wurden.
Na, die werden doch wohl nicht dem Schacht eine Nummer verpaßt haben? Uwe?

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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Falafel » Di. 17. Sep 13 15:18

Diese "S-Nummern" finden sich im gesamten Freiberger Revier (nicht nur an Schächten). Gerüchteweise habe ich gehört, dass die Nummern als Markierung eines Markscheiders namens Stein dienten.

Glück Auf!
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Ludewig » Di. 17. Sep 13 15:37

Diese schnell aufgemalten Nummern stammen aus der letzten Betriebsperiode, also vor 1969. Ein Zusammenhang mit der Wismut könnte hergestellt werden. In anderen Bergrevieren hat die Wismut dies auch ähnlich praktiziert und ist auch noch heute so sichtbar.

Glück auf! Lutz
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von AdM_Michael » Di. 17. Sep 13 16:00

S = Station = Polygonpunkt

Jedenfalls scheint recht oberhalb von S108 ein wenn auch nur sehr schwach zu erkennender aufgemalter "Kreis" mit dem dazugehörigen vermarkten Polygonpunkt zu sein. Das "S" muß nicht unbedingt mit einem Personennamen in Verbindung stehen. Es kann auch einfach nur die banale Lösung einer eindeutigen Punktnummerierung bei einer Neuaufnahme sein, wenn die einfachen Nummern ohne Buchstabenzusatz bereits vergeben sind.
Yesterday was a disaster,
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Geophon
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Geophon » Mi. 18. Sep 13 17:10

Danke für die Antworten. Dass der Schacht eine eigene Nummer zugewiesen bekommen
hat, halte ich für unwahrscheinlich. Dafür war das Objekt zu unbedeutend.
Also wird es sich wahrscheinlich um die Markierung eines Polygonpunktes handeln.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

Simon Bogner 1562

Mannl
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von Mannl » Mi. 18. Sep 13 18:16

Hatte auch an den Messpunkt gedacht ....
Ehre dem Bergmann, dem braven Mann !
Glück Auf ! Mannl

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Geophon
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Beitrag von Geophon » Do. 17. Okt 13 21:41

Hier mal die Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse:

In den freibergischen Berglehenbüchern findet sich der Grubenname Morgenstern zuerst
im Jahre 1547, als eine Grube „Auf dem Morgenstern“ gegenüber von Georg Lißkirchners
Mühle verliehen wird. Wo genau sich diese Grube befunden hat, ist noch unklar, da von
Lißkirchners Mühle nur bekannt ist, dass sie "am Muldenberg" lag. Stephan vermutet wegen
der zusätzlichen Angabe "auf Sebastian Hausmanns Gütern" dass diese Grube bei
Conradsdorf oder Tuttendorf gelegen hat. Allerdings werden "der alte Hausmann"
(Valten oder Valentin Hausmann) und sein Sohn (Name nicht genannt) als Gutsbesitzer
in Hilbersdorf erwähnt.

Die nächsten zwei Belehnungen stammen aus dem Jahre 1548, als Blasius Horn eine Fundgrube
und ein Erbstolln, beide „Auf dem Morgenstern“ genannt, verliehen werden. Allerdings taucht
der Herr Horn danach als Gewerke in Brand auf, sodass es sich hierbei wahrscheinlich eher um
die Grube Morgenstern bei Brand handelt.

Danach findet sich bis 1553 der Grubenname nicht, bis ein Morgenstern Stolln, „das Gegentrum zu
St. Peter in der Schieferleite“ verliehen wird. Da die Lage von St. Peter ungefähr
eingegrenzt werden kann, steht zu vermuten, dass dieser Stolln auf dem ehemaligen Gelände der
Pulvermühle am westlichen Muldenufer liegt. Danach findet sich der Name eine ganze Zeit nicht,
bis 1630 eine Grube „Morgenstern vor dem Peterstore“ auftaucht – also eine ganz andere Gegend.

Erst um 1709 wird eine Morgenstern Fundgrube auf einem Morgengang, am Muldenberge,
auf den Hornschen und Schönlebeschen Feldern verliehen. Drei Jahre später, 1712 der
Erbstolln dazu. Dies dürfte der Beginn der Grube „Morgenstern Erbstolln“ sein.
Zur gleichen Zeit tauchen auch noch einmal die Grube Morgenstern auf dem Thurmhofer Gangzug
wieder auf.

In den Ausbeutebögen findet sich um 1540 ab und zu die Grube Morgenstern auf dem Thurmhofer
Gangzug/Überschaar. Ab 1559 tritt eine Grube „Morgenstern, vor der Stadt“ auf. Aufgrund der
Benennung glaube ich nicht, dass es sich bei beiden um die gleiche Grube gehandelt hat.
Bei den übrigen gleichnamigen Gruben (z.B. St. Georg, Bartholomäus...) wurden immer
Namenszusätze zur Unterscheidung mit angeführt, und es gibt keinen Grund, warum dies bei
Morgenstern auf einmal nicht mehr der Fall sein sollte. Die Grube liefert bis 1595 beständig Erz
und verschwindet dann. Der Grubenname Morgenstern taucht danach erst wieder im 18. Jhd auf
und bezieht sich von da an ziemlich eindeutig auf den Morgenstern Erbstolln am Muldenberge.

Anders sieht es bei der Grube Schwemmspfennig aus. Deren Anfänge lassen sich tatsächlich bis
ins 16. Jhd. zurückverfolgen. Die erste Belehnung dieser Grube stammt aus dem Jahre 1530.
Eine weitere Belehnung aus dem Jahre 1548 nennt den Schwemmspfennig auf Georg Lißkirchners
Gütern über der Mulde am Rammelsberg.
Damit dürfte die Zuordnung ziemlich eindeutig sein. Bereits ein halbes Jahr später wurde die Grube
freigefahren und erneut verliehen. Zu dieser Zeit dürfte die Grube Schwemmspfennig etwa im
Bereich des Pingenzuges der Ziegenkirsche in Hilbersdorf, oder etwas südlich davon gelegen haben.

Der heute vorhandene Schwemmspfennig Erbstolln, der im Muldental ansetzt und den Bereich
dieser älteren Grube entwässerte, wurde dagegen erst 1710 verliehen.

1775 wurde der Schwemmspfennig mit der eigentlich viel weniger bedeutenden Grube Alexander
Erbstolln konsolidiert. Um 1800 stand auf dem Schwemmspfenniger Tageschacht sogar ein
Pferdegöpel zur Förderung. Im Jahr 1817 wurde Alexander Erbstolln schließlich mit dem Neuen
Morgenstern konsolidiert.
Zuletzt geändert von Geophon am Mi. 06. Nov 13 15:43, insgesamt 2-mal geändert.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

Simon Bogner 1562

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Geophon
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Grundbesitz der Hausmanns

Beitrag von Geophon » Di. 05. Nov 13 11:35

Und alles wird noch komplizierter.

Im Gerichtsbuch von Hilbersdorf findet sich eine Auflistung von Rügen aus den Jahren
1544 bis 1625.

Dort heißt es:
1548, Dinstags nach Appolonia
3. Landstrassen werden von ehr Valten Hausmann nicht gebessert...
und
1568, Donnerstags nach Laetare
2. Die Gemeine beschwehren sich wegen des Pfarrweg...
Es sei bei dem alten Burgmeister Hausmann selig und seinem Sohn
ungehindertt gefahren.
Edit: Das würde ich als Indiz dafür nehmen, dass zumindest ein Teil der Familie
Hausmann Gundbesitzer in Hilbersdorf war. Wie genau nun der Zusammenhang
zwischen Valten, Hans, Sebastian und Georg war, wird man wohl nicht mehr
ermitteln können.
Falafel hat geschrieben: Die Grundstücke der Hausmann´s (Georg und Sebastian) liegen eigentlich alle bei Tuttendorf.
...
Die Hausmanns waren die Pächter / Eigentümer des Erblehngutes von Tuttendorf.
Dazu habe ich mal nachgeschlagen.

In "Halsbrücke, zur Geschichte von Gemeinde, Bergbau und Hütten" wird nur
Hans Hausmann erwähnt. Dieser kaufte am 15.8.1525 den Besitz von Melchior Dittrich und damit
die beiden zum Johannis-Hospital gehörigen Hufen im Nordwesten von Tuttendorf. Weiterhin erwarb
er 1539 von Wolff Meusgen Teile des Tuttendorfer Erblehenguts und die ehemalige Meusgensche Mühle.
Der Besitz des Erblehenguts blieb jedoch bei der Familie Meusgen. Nach Hans Tode ging sein Besitz
an Nicol Schönberg über. Sebastian oder Georg Hausmann werden in diesem Zusammenhang überhaupt
nicht genannt.

Valten Hausmann war von 1508 bis 1521 Besitzer von Conradsdorf. Von ihm wird in "Entstehung
und Blüte der Stadt Freiberg" noch erwähnt, dass er 1544 ein Grundstück auf dem Gelände des
ehemaligen Dominikanerklosters gekauft und dort wahrscheinlich ein Wohnhaus gebaut hat.
Und da er als Grundbesitzer zu Hilbersdorf erwähnt wird, muss er auch dort Land besessen haben.

@Falafel: Mehr "Hausmänner" habe ich bisher nicht gefunden. Ich wäre Dir aber sehr dankbar,
wenn Du mir Deine Quellen zum Grundstück von Sebastian Hausmann nennen könntest.
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

Simon Bogner 1562

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axel
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Re: Morgenstern Erbstolln bei Freiberg

Beitrag von axel » Mo. 31. Mär 14 16:02

... da bin ich doch gerade über ein Bild vom Morgenstern gestolpert (allerdings ohne nähere Angaben zum Standort und zur zeitlichen Einordnung):
Dateianhänge
muldenhütten-2.jpg
muldenhütten-2.jpg (185.61 KiB) 6795 mal betrachtet
„Die Stadt Freyberg ist unter allen Meißnischen Städten wohl die größte,
und vor andern berufen, wegen der gesunden Lufft des Bergwercks…“
J.J.Winckler 1702

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