Schlacken im Fluss-Sediment

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milnaaer
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Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Mo. 04. Feb 13 23:59

Hallo!

Das Foto zeigt Schlacken aus zwei 5 km voneinander entfernten Fundstellen in ein und demselben Fluss im mittl. Erzgebirge (Name sag ich der Mineraltouristen wegen nicht).
Für die obere Fundstelle ist eine Schmelzhütte aktenkundig. Hier finden sich maximal 90 "Steinchen" > 5mm je cdm Sediment. Die Konzentration verringert sich logischerweise sehr schnell, schon nach 100m findet man höchstens noch ein Zehntel. Nach 500m sind nur noch Einzelstücke (meist mit großer Angriffsfläche) zu beobachten, die nächsten zwei, drei Kilometer hat man praktisch null. Die Fließgeschwindigkeit beträgt kontinuierlich 1,5 %. Erst bei Kilometer 5 finden sich spontan wieder bis zu 10 Schlacken je cdm Sediment. Links und rechts des Bereiches sind bereits 1590 und 1604 zwei Pochwerke und mehrere Gruben nachweisbar, jedoch niemals konkrete Hinweise auf eine Schmelzhütte.
Die Schlacken links im Bild stammen vom oberen Fundort an der Schmelzhütte, sie sind poriger, leichter und haben ein breiteres Farbspektrum als die meist dunkelblauen und kleineren Schlacken des unteren Fundortes. Inwieweit lassen sich anhand der Schlacken ein zweiter Schmelzofen und damit auch unterschiedliche Gruben belegen? Falls nicht, ist es immerhin ein Beleg für die Schwemmleistung des Flusses.

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Wolfo
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Wolfo » Di. 05. Feb 13 1:07

Beim Schwemmverhalten/Sedimention spielt die Dichte der Schlacken eine wesentliche Rolle.
Die Dichte der poorigen und "reinen" Schlacken könntest du durch vorsichtiges Wiegen und Auslitern bestimmen, wenn es da einen signifikanten Unterschied gibt, wäre das immerhin schon mal ein nützliches Indiz.

An der Bode/Harz habe ich die die Schlacken einer (!) Hütte auf ca 10km gefunden, allerdings dürfte die Strömung weitaus rasanter sein. Eine deutliche Änderung der Körnungsgröße ist allerdings zu beobachten!

Ansonsten spricht in meinen Augen einiges für einen zweiten Hüttenstandort, dass keine Unterlagen dazu vorliegen, heißt erstmal wenig.
Von dem, was historisch passiert ist, wissen wir heute höchstens Prozentteile.

Man kennt es auch von Revierrissen...da existieren Stollen, die nie eingezeichnet wurden.
Und Gruben, die auf Rissen existieren sind später nochmals bebaut worden...ohne, dass es sich in den Archiven nachweisen lässt.

Z.B. die Verhüttung von Rammelsberger Erzen im Unterharz...spannendes Thema, aber durch die Kosten der analytischen Untersuchung der Schlacke m.W. wenig erforscht.

Ich kenne verschiedene andere Beispiele aus dem Harz :)

milnaaer
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Di. 05. Feb 13 17:16

Hallo,

Ich hab´mal die Schlacken verglichen:
Oberer Fundort: Dichte min. 1,90, max. 2,21, Durchschnitt 2,02
Unterer Fundort: Dichte min. 2,28, max. 2,62, Durchschnitt 2,37.

Ich denke die Zahlen sagen so einiges. Generell für beide Fundorte gilt: blau = schwerer als grau, und klein = schwerer als groß, was wohl allgemein die Regel sein dürfte.
Frage: Kann man für die leichteren Schlacken eine etwaige verbesserte Technologie in Augenschein nehmen. Ich frage, da ich von Verhüttung eigentlich keine Ahnung habe.
@wolfo das mit den nie eingezeichneten Stolln und den nicht nachweisbaren Gruben kenn ich nur zu gut. Wo sind bloß die Akten hin? :gruebel:

Uran
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Uran » Di. 05. Feb 13 19:17

Das ist halt der Lauf der Jahrhunderte. Oftmals sind diese Akten ja noch da, man muß sie nur finden. Leider helfen da die Suchkataloge der Archive nicht. Dazu kommt, das man wissen muß in welchem Archiv welche Akten liegen.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.

milnaaer
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Di. 05. Feb 13 21:06

Uran hat geschrieben:Das ist halt der Lauf der Jahrhunderte. Oftmals sind diese Akten ja noch da, man muß sie nur finden. Leider helfen da die Suchkataloge der Archive nicht. Dazu kommt, das man wissen muß in welchem Archiv welche Akten liegen.
Die Suchkataloge des (sonst absolut löblichen) Freiberger Archivs sind tatsächlich nicht von Nutz. Man verstrickt sich anfangs tagelang ohne große Ergebnisse, um dann zufällig feststellen zu müssen, dass die gesuchten Leckerbissen durch Beharrlichkeit und vor allem von nicht vermuteten Quellen kommen.
Aus eigener Erfahrung: Nach jahrelanger Forschungsarbeit v.a. im HStA Dresden konnte ich endlich eine fast lückenlose Haus- u. Feldbesitzerliste von Mildenau seit 1500 erstellen. Das eröffnet mir in sehr vielen Fällen die Möglichkeit, selbst unbedeutenden Gruben ihre vergessenen Namen und Betriebsdaten wiedergeben zu können, sofern sie z.B. mit Angaben aus den Mut- u. Bestätigungsbüchern oder Erblehnbüchern abgleichbar sind. Auch wenn ich die Mundlöcher lieber freigrabe, mit dieser (Heiden-)Arbeit kommt man auch weiter. Bei der erfolgten Zuordnung von gesicherten und auch wahrscheinlichen Grubendaten sind mir dann aber doch große Lücken aufgefallen. Es fehlen mir z.B. zahlreiche Angaben der gegenüber Geyersdorf gelegenen Gruben auf Mildenauer Flur. Man wird diese unter "Geyersdorf" sicher auch finden. Ich hab den Fehler gemacht, nur "zu Mildenau gehörige" Gruben zu suchen, das heißt ich muss noch mal anfangen.
Ratsam ist, bei solch großflächiger Suche die Gesamtheit der Daten des jeweiligen Bergamtes auszuwerten, zumindest aber alle Nachbarorte mit einzubeziehen.
Ich schreibe dies als Tipp für diejenigen (Thoren), die sich auch an solche Mammutprojekte wagen.
Der Erfolg ist Ansporn genug und macht auch Spaß, hat aber seinen Preis.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Wolfo » Mi. 06. Feb 13 0:33

@milnaar:
Ganz ähnlich kenne ich das auch, bin gelegentlicher Gast im Staatsarchiv Wolfenbüttel/NDS.
Teilweise wurden das Grubenunterlagen der 20iger Jahre unter "Forstangelegenheiten" wegsortiert, viele ähnliche Kuriositäten.
Und die interessante Phonetik: da gab es eine Grube Luise, die in historischen Unterlagen u.A. als "Loise", "Luisee" oder "Luis" geführt wird...


milnaaer hat geschrieben:Frage: Kann man für die leichteren Schlacken eine etwaige verbesserte Technologie in Augenschein nehmen. Ich frage, da ich von Verhüttung eigentlich keine Ahnung habe.
Kaum, weil neben der Verhüttungsmethode auch die Art des verhütteten Erzes auf die Dichte einen entscheidenen Einfluss hat. Und bei geographisch getrennten Hütten meist andere, lokale Erze verhüttet wurden.
Ein Indiz für primitive Verhüttungsmethoden sind z.B. Holzkohlereste in der Schlacke...die können aber auch viel später bei einem misslungenen Ofengang aufgetreten sein. Da braucht man dann genügend Proben.

Mit einer chemischen Analyse und der Bestimmung des Restmetallgehaltes kommt man da schon weiter...teuer.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Mannl » Mi. 06. Feb 13 8:44

Man könnte sich mal an die Bergakademie Freiberg wenden. Vielleicht findet sich ein Student, der die Analyse als Studien/Diplomarbeit betreibt....
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Uran » Mi. 06. Feb 13 10:39

Viele Sachen findet man auch durch damals ausgetragene Streitigkeiten. Diese Akten liegen aber oft in Dresden.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Tiefbohrer » Mi. 06. Feb 13 22:38

Hallo Heiko,

viele Schlacken wurden damals auch entfernt von Schmelzöfen in die Wälder gekippt...

So auch heute noch im Gebiet von Waschleithe zu finden.

Die bläulich/türkise Farbe kommt durch Reste von Malachit,Pseudomalachit, Aurichalcit und andere Farberden...diese waren ja auch bei verschiedenen Lagerstätten im Limonit/Brauneisenerz enthalten.

In deinem Fall wird es die Zeit,das Gewicht und die Strömung gewesen sein das es jetzt verschiedene Fundstellen gibt....wenn sich nicht doch noch ein weiterer Schmelzofen finden lässt...

GA
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Wolfo » Mi. 06. Feb 13 23:03

Tiefbohrer hat geschrieben:In deinem Fall wird es die Zeit,das Gewicht und die Strömung gewesen sein das es jetzt verschiedene Fundstellen gibt....wenn sich nicht doch noch ein weiterer Schmelzofen finden lässt...
In diesem Falle ein zweiter Hüttenstandort.
Signifikante Dichteunterschiede, das schwerere Sediement stromabwärts...d.h. verschiedene Einträge.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Tiefbohrer » Mi. 06. Feb 13 23:22

Wenn die Poren mit Wasser gefüllt sind,sieht es auch wieder anders aus....

Oder les ich hier falsch....?


GA
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milnaaer
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Do. 07. Feb 13 1:14

Wichtig, hab ich bis jetzt noch nicht erwähnt: Falls es die untere Hütte gab, ist natürlich von sehr unterschiedlichen Erzen auszugehen. Die bekannte obere Hütte belieferte einen Kupferhammer, die umgebenden Gruben des vermuteten unteren Standortes bauten neben Silber und Kupfer mehrheitlich auf Zinn!!

An die Bergakademie kann ich mich zwecks Analyse durchaus mal wenden, gute Idee.

Die Probeschlacken hab ich zwecks Dichtebestimmung der Poren wegen gepocht, grober Steinsand würd´ich sagen.

Die Suche nach Akten außerhalb des Bergarchivs ist tatsächlich vielversprechend. So finden sich z.B. im Sächs. HStA Dresden Gerichtsbücher oder Amtserbbücher eines jeden Ortes. Zum Beispiel bei den meist mit viel Bürokratie und Papier ausgetragenen Erbstreitigkeiten kommt schon mal ein "bergmännischer Volltreffer" zum Vorschein, den man im Bergarchiv vergeblich suchen würde. Es zieht sich aber fast niemand diese umfangreiche, staubtrockene Kost rein. Als positives Beispiel kann ich hier den Adam-Ries-Bund e.V. Annaberg-Buchholz nennen. Eine Handvoll Forscher haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Akten zu sogenannten Regesten eingekürzt und publiziert, www.adam-ries-bund.de/publi.htm.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Ludewig » Do. 07. Feb 13 10:36

Mal einige Gedanken von mir.
Ich würde einen zweiten Verhüttungsplatz auf keinen Fall ausschließen. Sondern sprechen die Befunde und hier veröffentlichten Daten eher dafür.
Wir müssen uns mal vor Augen halten das diese kleinen "Hüttenstandorte" oder auch "Waldhütten" kaum mit den uns heute bekannten Hüttenwerken vergleichbar sind, also von Größe, Schmelzleistung und Bedeutung usw. Es waren mitunter temporäre Einrichtungen die nur so lange bestanden wie das Erz aus den umliegenden Gruben nutzbar war. Ging die Grube ein, verschwand auch der Hüttenstandort und es blieben nur die Schlacken, die uns heute einge Rätsel aufgeben.

Wir kennen hier in Sachsen Muldenhütten, Halsbrücke, Grünthal, die Münzbachhütten und vielleicht noch die Saigerhütte der Familie Schütz in Chemnitz, das war es schon fast. Aber es gab auch in der Frühzeit so einige Hüttenstandorte die man fast überhaupt nicht oder gar nicht in den Akten findet, sondern nur am Vorhandensein von Schlacken, wie am Treppenhauer oder im Kuttengrund bei Aue oder auch am Auersberg.

Eine Schlackenuntersuchung an der Freiberger Uni wäre da schon der richtige Weg um heraus zufinden welche Erze verhüttet worden. Auch interessant wäre die Mineralogie und Geologie umliegender Bergwerke. Lange Transportwege scheiden da wohl mit Sicherheit aus, es gab höchstens einige schwer mit Karren befahrbare Hohlwege, die man eventuell auch heute noch sehen könnte. Die Verhüttungsplätze lagen auch meistens in der Nähe eines Gewässers oder einer "Kohlung", man benötigte ja auch große Mengen Holzkohle für die Verhüttung der Erze. Man sollte sich hier auch mal nicht mehr gebräuchliche oder vergessene Namen von Flurstücken anschauen, hier kann man auch Hinweise finden.

So zwischen Sachsenburg und Schönborn die "Kohlung", unmittelbar daran wurden die Treppenhauer Schlacken entdeckt. Der Begriff "Kohlung" als Standort der Holzkohleherstellung ist heute nur uns, die sich mit solchen Dingen befassen auch geläuffig. In einigen Jahren wird diese Ortsbezeichnung auch aus dem Kartenmaterial verschwunden sein und in Vergesenheit geraten....

Glück auf! Lutz
Was war zuerst da, der Durst oder das Bier?

http://www.unbekannter-bergbau.de

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Uwe Pohl
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Uwe Pohl » Do. 07. Feb 13 20:16

Hallo Ludewig,
in einem Bachtal im westlichen Hintertaunus gibt es auch die benannten blauen Steichen, die an Glasschmelze erinnern. Das die etwas mit Verhüttung zu tun haben könnten war mir bislang nicht in den Sinn gekommen, zumal die nächsten Roteisenstein- und Blei-Zinkgruben einige Kilometer entfernt sind.
Aber: Das Erz kilometerweit in steile Kerbtäler zur Holzkohle transportieren, das Schmelzprodukt wieder aus dem Tal hoch zur weiteren Verarbeitung, das ist ja ein riesiger Aufwand und erscheint mir SEHR aufwendig.
Gibt es noch andere Erklärungen für die blauen Steinchen?
Glück Auf

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Geophon
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Geophon » Do. 07. Feb 13 22:37

@milnaaer: Ob die beiden Schlackenfunde von derselben Hütte stammen, oder von zwei verschiedenen,
wird wohl nur eine geochemische Analyse klären können. Von dem Bild her und von deinen
Dichtewerten könnte da auch einfach eine Trennung durch den Transport im Fluss stattgefunden haben.
Ludewig hat geschrieben: Wir kennen hier in Sachsen Muldenhütten, Halsbrücke, Grünthal, die Münzbachhütten und vielleicht noch die Saigerhütte der Familie Schütz in Chemnitz, das war es schon fast. Aber es gab auch in der Frühzeit so einige Hüttenstandorte die man fast überhaupt nicht oder gar nicht in den Akten findet, sondern nur am Vorhandensein von Schlacken, wie am Treppenhauer oder im Kuttengrund bei Aue oder auch am Auersberg.
Weil es gerade so gut passt, ich habe vor nicht allzu langer Zeit mit Falafel über genau dasselbe Thema
geredet. Allein zwischen Hilbersdorf und Conradsdorf gibt es an der Mulde noch einige weitere Verhüttungsplätze.
Dort findet man die Schlacken teilweise in dicken, verbackenen Konglomeratbänken am Fluss.
Aber an Unterlagen gibt es dazu mittlerweile fast nichts mehr.

Und was den Treppenhauer angeht, dort wurde im letzten Jahr bei einer magnetischen Kartierung noch ein
weiterer möglicher Hüttenstandort gefunden, allerdings nicht an der Zschopau, sondern nahe des
Ausgrabungsbereichs.
Ludewig hat geschrieben: Eine Schlackenuntersuchung an der Freiberger Uni wäre da schon der richtige Weg um heraus zufinden welche Erze verhüttet worden. Auch interessant wäre die Mineralogie und Geologie umliegender Bergwerke.
Erwartet lieber nicht zu viel von der Bergakademie. Die meisten der geologischen Institute sind mit ihren
eigenen Projekten vollauf ausgelastet, am ehesten wird daraus eine Qualifizierungsarbeit werden.
Und dann muss sich noch ein Student finden, der das auch macht...
Es wäre auch von nöthen, eine Strafe auf diejenigen zu legen, die nur auf den
Raub bauen, die Ertze auslochen, die Sümpffe und Schächte loshauen, die tiefsten mit
Bergen ausstürtzen und die Oerter, Strecken und Stölln versetzen...

Simon Bogner 1562

Mannl
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Mannl » Do. 07. Feb 13 23:05

Es wäre ja winigstens einen Versuch wert !?
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Wolfo » Fr. 08. Feb 13 0:34

Versuch macht Klug :)

Von dem Bild her und von deinen Dichtewerten könnte da auch einfach eine Trennung durch den Transport im Fluss stattgefunden haben.
Die Körnungen sind vergleichbar, die Dichte der Schlacke der unteren Fundlokation hingegen signifikant größer. Zumal stark blasige Schlacke mehr Störmungswiderstand bietet und daher bevorzugt vom Wasser "transportiert" wird.
Bei 5km müssten dann allerdings schon sehr interessante Störmungsphänomäne eine Rolle gespielt haben.


Eine Aussage bezülich der Strömungsgeschwindigkeiten und des Flußbetts/Breite/Tiefe wären daher ebenfalls interessant.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von MichaP » Fr. 08. Feb 13 8:53

Ludewig hat geschrieben:
Wir kennen hier in Sachsen Muldenhütten, Halsbrücke, Grünthal, die Münzbachhütten und vielleicht noch die Saigerhütte der Familie Schütz in Chemnitz, das war es schon fast. Aber es gab auch in der Frühzeit so einige Hüttenstandorte die man fast überhaupt nicht oder gar nicht in den Akten findet, sondern nur am Vorhandensein von Schlacken, wie am Treppenhauer oder im Kuttengrund bei Aue oder auch am Auersberg.
man kann davon ausgehen das es wesentlich mehr hütten gab, als die die wir heute noch kennen. ich habe irgendwo eine karte aus einem revier, dort gab es wirklich hunderte(!) kleine hütten, bevor sich dort die standorte der verhüttung konsolidiert haben auf ein dutzend große hütten.
muss mal suchen wo das rumliegt...
Glück auf!

Michael
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Sa. 09. Feb 13 2:00

@wolfo:
Flussbett Breite 4-7m, Tiefe bei Trockenwetter ca. 20cm, z.Z. etwas erhöht ca. 40 cm. Strömungsgeschwindigkeit gemessen aktuell 0,7-1,1 m/s, bei Trockenheit deutlich niedriger.
Der Fluss hat gebirgstypisch keine größeren Ruhezonen oder Mäander-Schleifen, spült bei Hochwasser aber gerne seine Außenflanken aus, um sich später wieder in die Abkürzungen zurückzuziehen.
Bei Hochwasser nimmt die Strömungsgeschwindigkeit schon deutlich zu, dafür tritt er kaum übers Ufer. Die Ufer sind größtenteils von natürlichem Auwald gesäumt. Außer an drei, vier Brücken gibt es keine künstlichen Begradigungen oder Uferbefestigungen.

Ich bin auch der Meinung, dass ein größerer Gebirgsbach vor allem große porige Schlacken schon kilometerweit transportieren kann. Widersprüchlich ist für mich wie gesagt das gehäufte Auftreten kleinerer schwererer Schlacken am unteren Fundort.

@ludewig, an den vergessenen Flurnamen ist was dran. Besonders im 16. Jahrhundert waren die "kohlungs"-Begriffe recht verbreitet. Selbst für mein Heimatdorf kann man Begriffe wie "Kohlberg" und eine "Kohlenstrasse" (Richtung Grumbach) nachweisen. Ein weiteres, für die Nähe des Schlackenfundorts zutreffendes Dokument (um 1600) nennt den Namen "bauern golholtz"! Bisher habe ich das aber eher als allgemein gültig angesehen, da der Holzraubbau damals gigantisch gewesen sein muss (z.B. besaßen 1551 nur noch 17 von 71 Mildenauer Bauern Privatwald, die bekannte Holzordnung von 1560 war die Folge). Genau das weist im Allgemeinen auf viele kleine Hüttenstandorte und Kohlstätten hin, wie @MichaP schon feststellt.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Kabutzer » Mo. 11. Feb 13 10:10

Glattgeschliffene Schlackenstücke findet man auch im Westen Deutschlands. Mir sind Berichte von der Ahr, einem kleinen Nebenfluß des Rheins aus der Eifel, bekannt. Hier nennt man sie Mariensteine.

http://www.aw-wiki.de/index.php/Mariensteine

Interessanterweise sollen diese Schlackenreste von einer historischen Eisenverhüttung stammen.

Glück Auf, vom Rhein

Kabutzer
Bergmeister Bleibtreu bevorzugte die einheimischen Bergleute, weil „diese wohlfeiler arbeiteten, mehr Ungemach vertragen konnten und bei ihnen der unruhige Geist nicht so vorhanden sei“. (Virneberg um 1805)

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Wolfo » Di. 12. Feb 13 0:39

Interessant :shock:

Vergleichbare bis identische Schlacken kenne ich nur aus der Kupferverhüttung mit historisch belegbaren Standorten im Harz...hast du zufällig eine Vergleichsprobe?

Meine analytischen Möglichkeiten sind zwar begrenzt, aber besser als nichts.


@milnäär:
In diesem Falle sind für mich zwei(!) verschiedene Hüttenstandorte gesichert.
Wie geschrieben - grobpoorige Schlacken werden durch den erhöhten Strömungswiderstand eher als Sediment mitgeführt, erleiden unter solchen Bedingungen allerding auch eine erhöhte Abrasion, d.h. die Körnung wird definitiv mit jedem Flußkilometer kleiner.
Ich kann gerne im Frühjahr mal eine fundierte Untersuchung im Harz starten, will sowieso mein Gespann auf einige größere Touren ausführen.
An der S°°°° und an der Bode sind allerdings definitiv Körnungsunterschiede in Abhängigkeit von der Transportlänge zu beobachten, dass sagen mir die Erfahrungen der letzten Jahre.

Kannst du mir evt. Proben zukommen lassen?
Ich kann zwar nichts versprechen, verstehe mich aber gut mit den Laborings. des hiesigen Werkstoffkundelabors. Eine lichtmikroskopische Analyse ist in jedem Falle möglich.
Zudem kann ich der Schlacke mit verschiedenen Säuren zu Leibe rücken...


Kohlungsstätten erkennt man oftmals auch heute noch gut im Gelände, eine Prospektion ist durchaus lohnenswert.
Ich habe mir zu diesen Zwecken eine Bodensonde (Rohr, C45 d/45mm, l/1000mm) angefertigt, mit der sich relativ einfach Bodenproben entnehmen lassen.
Die Kohlereste sind auch nach Jahrhunderten noch nachweisbar.

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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Harzer06 » Do. 14. Feb 13 1:15

Moin,

die blaue Farbe muß nicht unbedingt auf Kupfer hinweisen. Aus dem Harz gibt es glasartige Eisenschlacken, die eine tiefblaue Farbe aufweisen ("Sieberachat").

Zudem muß das Erz nicht aus der näheren Umgebung des Hüttenplatzes stammen. Beispielsweise wurden Schlacken des 4. Jhd. n. Chr. aus Rammelsberger Erzen auf Hüttenplätzen bei Düna gefunden. Das Erz (nicht die Schlacke) ist also rund 30 km Luftlinie über den Harz hinweg transportiert worden.

G´Auf
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Zuletzt geändert von Harzer06 am Mo. 18. Feb 13 14:06, insgesamt 1-mal geändert.

milnaaer
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Do. 14. Feb 13 7:55

Das mit der Farbe stimmt, aus kleineren Bächen nahe der tschechischen Grenze sind mir auch blaue Schlacken bekannt. Die umliegenden Gruben bauten auf Eisenstein.

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Jan
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Jan » Do. 14. Feb 13 9:04

Es sind definitv Eisenschlacken...

Wir haben im Unterbecken vom Pumpspeicherwerk Markersbach einen Schlackeplatz gefunden, mit genau diesen Schlacken. Darin waren noch Holzkohle und Eisenerzeinschlüsse.
Eisen kann auch eine blaue Färbung hervorrufen, wobei Grün typischer wäre.

Diese Schlacken sind im Erzgebirge sehr verbreitet. Mir sind Fundpunkte zum Beispiel in Wolkenstein, in Königswalde ind Zschopau und als mir bekannter nördlichster Fundpunkt die Zwönitz zwischen Erfenschlag und Altchemnitz, was auf einen wirklich weiten Transport der Schlacken hindeutet.

Aus meiner sicht ist die Größe der Schlacke ein Hinweis auf die Transportentfernung. Die Schlackenstücke in Chemnitz waren wirklich sehr klein, währen die aus Wolkenstein und Königswalde deutlich Größer waren.

GA Jan
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Harzer06 » Do. 14. Feb 13 23:27

<zwei Beiträge vereinigt>
Zuletzt geändert von Harzer06 am Mo. 18. Feb 13 14:07, insgesamt 1-mal geändert.

milnaaer
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von milnaaer » Fr. 15. Feb 13 9:12

Die Farbgebung der Schlacken ist tatsächlich nicht immer bläulich, die Palette an ein und demselben Fundort reicht schon von lichtgrau über gelblich, ocker bis dunkelbraun, grünlich bis violett usw. Vorherrschend ist aber hell- bis dunkelblau. Auffällig besonders bei größeren Schlacken ist oft eine teilweise Färbung, eine Seite tiefblau, eine Seite fast weiß. Ob dies nur von Auswaschungen herrührt, wäre eine Frage.
Zuletzt geändert von milnaaer am So. 06. Dez 15 7:52, insgesamt 1-mal geändert.

Schlacke
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Schlacke » Fr. 15. Feb 13 11:44

@milnaaer,

mit solchen Schlackenstücken lockt man keine "Mineraltouristen" mehr an, die sek. Schlackenminerale sind nicht mehr in.

Nach eigenen Beobachtungen sind Schlackstücke in Fließgewässern je nach Größe, Wasserstand und Fließgeschindigkeit, teilweise sehr weit von ihrem Ursprungsort entfernt noch anzutreffen.
Schlacken direkt vom ehem. Hüttenstandort sind kantige Bruchstücke und blasiges Material kann auch aus der Bergschmiede stammen (s. Schmiedestollen in Wittichen/Schww.).

Hier geht es erstmal den Hüttenstandort mit der landeskundlichen Literatur zu vergleichen.
G. Altmann (1999) führt in seiner Arbeit über 'Erzgebirgisches Eisen' eine Vielzahl ehemaliger Produktionsstätten auf, C. Schiffner weist zusätzlich auf Buntmetall-Hütten hin (FFH D 14).

Eine weitere Möglichkeit, hier könnten Reste der Kobaltgewinnung vorliegen.
Ohne Schlackenanalyse keine eindeutige Zuordnung, da Hinweise auf eingesetzte Erze, Zuschläge und Hüttenprozesse fehlen.

Glückauf!

Elmar Nieding
...die unterirdischen Grubengebäude in ihre Schreibstube bringen...
Héron de Villefosse (1774-1852), Bergingenieur im Dienste Napoleons.
(H. Dettmer, 2014)

Uran
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Uran » Fr. 15. Feb 13 15:57

Nur das der Schmiedestolln in Wittichen ein Bergwerksstolln ist und nichts mit einer Schmiede und deren Schlacken zu tun hat.
ich bi noch aaner ven altn Schlog, on bleib aa, wi ich bi.

Schlacke
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Re: Schlacken im Fluss-Sediment

Beitrag von Schlacke » So. 17. Feb 13 10:51

Nachtrag zum Schmiedestollen:

Auf der Halde des Stollens konnten Schlacken gefunden werden, die aus der Schmiede stammten, die das Gezähe instand gesetzt hatte. Ursprünglich angenommen, dass die Schlacken von der Metallgewinnung stammen könnten, war ein Irrtum, eine Weiterverarbeitung der Erze fand im Vortal statt. Die tatsächliche Existenz einer Schmiede zeigt eine Schaumünze aus dem Jahre 1704/5.
Nachzulesen in der Zeitschrift "Der Aufschluss" Jg. 41, S. 361 ff. Heidelberg/VFMG: 1990.

GA
Schlacke
...die unterirdischen Grubengebäude in ihre Schreibstube bringen...
Héron de Villefosse (1774-1852), Bergingenieur im Dienste Napoleons.
(H. Dettmer, 2014)

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