Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

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Pöhlberger
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Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Ich war dieser Tage wieder mal in Chemnitz/Rabenstein, meinem Geburtsort und habe mir dabei einige Bergbaureste angeschaut, die mich schon als Kind interessiert haben. Zwischen Chemnitz/Rabenstein und Röhrsdorf befinden sich beiderseits der A4 Bergbaureste. Es sind Halden, ein großer Schurfgraben(?) sowie offen stehende (verbrochene) Schächte (Schürfe). Das Gestein auf den Halden ist ein plattiger, schwarzer Schiefer in dem teilweise Pyrit/Markasit eingeschlossen sind.
Ich vermute, dass dort die Wismut aktiv war. Muss allerdings schon lange her gewesen sein, denn als Kind war ich in den 70er/80er Jahren schon dort und es war alles bewachsen. Die ZV/Kampftruppe spielte dort öfter Krieg und wir fanden häufig Reste von Übungshandgranaten. Ein Bunker befindet sich ebenfall nur einige Meter entfernt, ob er mit den Bergbauaktivitäten zu tun hat bezweifle ich. In dem Gebiet war damals 1945 die Grenze zwischen Ami´s und Russen.
Auch kann ich mich erinnern, dass in den 70er Jahren Bohrtrupps unterwegs waren und in einem etwa 2-3km entfernten kleinen Steinbruch Erkundungsbohrungen durchgeführt wurden.
Der nächste bekannte Bergbau in diesem Gebiet war das Kalkwerk Felsendome, andere Gruben sind mir nicht bekannt.
Geologisch gehört das Areal größtenteils zum "Phyllit" des Granulitgebirges. Der Phyllit ist in der Umgebung in mehreren kleinen stillgelgten Steinbrüchen aufgeschlossen. Den schwarzen Schiefer habe ich sonst nirgends finden können.

Kann jemand dazu mehr sagen? Gibt es eventuell Unterlagen zu diesen Bergbauversuchen?
Da die Tagesbrüche mit Schildern der Bergsicherung Schneeberg versehen sind, müssten dort zumindest jemand wissen, um was es sich handelt...

Glück Auf!
Uwe
Schlacke
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Schlacke »

Hallo,

vielleicht steht hier ertwas:

Riedel, L.: Chemnitz und seine bergbauliche Vergangenheit. in: Der Anschnitt, Jg. 48, Bochum: 1996, S. 50-59

Glückauf!

Elmar Nieding
...die unterirdischen Grubengebäude in ihre Schreibstube bringen...
Héron de Villefosse (1774-1852), Bergingenieur im Dienste Napoleons.
(H. Dettmer, 2014)
Pöhlberger
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Ich konnte leider nichts dazu finden. Trotzdem vielen Dank!

GA Uwe
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Ludewig
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Die Antwort ist im Archiv der Wismut GmbH unter Inv.-Nr.:M-16ff zu finden. Es handelt sich um Mikrofilme von den Jahresberichten der SAG Wismut. Die Übersetzung hat in diesem Fall Gunter Richter für unseren Verein gemacht.

Hier einige Auszüge zur Klärung deiner Frage:

......Im Mai 1949 wurde von der Erkundungsgruppe des Geologischen Betriebes, die Marschrouten auf einem Profil entlang der Autobahn Chemnitz - Dresden durchführte, beim Dorf Röhrsdorf (heute die Standort der Autobahnmeisterei), eine starke Emanationsanomalie, die eine Radonkonzentration in der Bodenluft von bis zu 120 - 160 ME aufwies, festgestellt.......

.......Bald darauf stellte man 1,5 Km nordwestlich von diesem Punkt, auf der flachen Anhöhe des Galgenberges (an der A4), eine noch stärkere Anomalie fest, die bis 400 ME erreichte.....

.......Die Vertiefung der Schürfgräben, die an allen Abschnitten erfolgte, zeigte bis auf den Abschnitt Galgenberg, wo die Situation unklar war, deutlich das Fehlen von Gängen.....

.......Im Bereich Galgenberg zeigt die weitere Erkundung durch Schürfgräben, die mit dem Ziel durchgeführt worden war, die radioaktiven Abschnitte weiter zu verfolgen, daß diese an Ruschelzonen innerhalb der Kohlenstoff führenden Schieferfolge gebunden waren.......

Die Schüfgräben sind teilweise als Tiefschurf ausgelegt worden. Im Bereich der heutigen Autobahnmeisterei mit bis zu 30m Teufe und Strecken bis 40m Länge. Ein ähnlicher Tiefschurf hat sicher direkt neben der A4, heute eingezäunt, gelegen.
Das ganze Arbeitsgebiet erstreckte sich bis Mittweida und wurde damals als Objekt 5 Röhrsdorf bezeichnet.
Ich hoffe die Ausführungen beantworten erstmal Deine Fragen, wenn doch nicht, bitte melden. Der Text ist wesentlich länger und bezieht sich auch noch auf mein Arbeitsgebiet.

Glück auf! Lutz Mitka
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Danke Lutz!!!
Dass es so einfach und schnell geht, so umfangreiche Info´s zu bekommen hätte ich nicht erwartet. :top:
...und sehr interessant!
Auf jeden Fall bestätigt es meine Vermutungen auf das Alter der Bergbauversuche und dass die Wismut dort aktiv war.
Was ich nicht nachvollziehen kann, woher kamen die radioaktiven Anomalien??? Ich hatte mal eine Probe des Haldenmaterials in den 80ern mit beim Kulturbund FG Geologie/Mineralogie zum bestimmen... mir konnte aber niemand etwas genaueres erklären.... Das Material sieht doch eher aus wie Ronneburg und Umgebung, aber nicht wie Chemnitz... rings um nur Phylllit. Richtung Chemnitz dann Rotliegendes... Quarzporphyr, Richtung Röhrsdorf und Limbach nur Granulit.
Interessant fand ich, dass der schwarze Schiefer stark auf Metalldedektor reagierte. Begründet wurde es mir durch den geordnet eingelagerten Graphit... die sulfidischen Erze (Markasit/Pyrit) waren es bestimmt nicht...?
Naja, werde ich mich doch mal intensiver mit der Sache beschäftigen. Leider kenne ich mich mit Gesteinen und der Geologie des Granulitgebirges nicht so gut aus, wie mit Bergbau im Erzgebirge und den dazugehörigen Mineralien :(
Zu den Bohrungen in den 70ern weißt Du nicht zufällig auch noch was? War das auch im Auftrag der Wismut?
Die Bohrungen gingen auf jeden Fall zum Teil direkt in den Phyllit... was liegt darunter?

GA Uwe
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Ludewig
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Zur Geologie des Erzgebirgischen Becken und der weiteren Prospektionstätigkeit der Wismut bis 1989 (!) findest Du eine Abhandlung in der Wismut - Chronik.

Das radioaktive Material was die Wismut, oder besser die Russen, nervös machte, waren einige Sekundärmineralbildungen. In den Laborproben fanden sich Spuren von Metall, von 0,01 bis 0,02 %. Unterm Mikroskop zeigten sich Schoepit und Gummit, alles Verwitterungsprodukte von Uranerz. In meinem Arbeitsgebiet kam noch Uranocker, ohne Mikroskop sichtbar, vor!

Da das Prospektionsgebiet der Wismut im Schiefermantel des sächsischen Granulitgebirges lag, stieß man immer wieder auf stark Kohlenstoff führende Schiefer, auch Schwarzschiefer genannt. Laut Wismutbericht war die "Vererzung" an solche Störungszonen zwischen dem phyllitischen Schiefer des Mantels und dem Schwarzschiefer gebunden. Die Störzonen sollen Wege für schwach erzhaltige Lösungen gebildet haben. Das Metall wurde dann durch die Kohlenstoff führenden Schichten absorbiert, bis es die Wismut "entdeckte".

Da ich kein Geologe bin werde ich es mal dabei belassen. Wenn Du näheres über die Region (Sächsisches Granulitgebirge) wissen willst, gibt es Abhandlungen darüber. Wie die "Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen" mit den einzelnen Sektionen.

Ich habe noch Leute kennengelernt, die 1949 mit bei der Prospektion dabei waren. In ihren Erzählungen war auch ein bißchen Bergmannslatein dabei, aber ansonsten deckt es sich mit den spärlichen Wismutberichten.

Glück auf! Lutz Mitka
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Die Wismutchronik habe ich diesbezüglich schon durchsucht, doch leider nicht viel verwertbares finden können.
Leider ist dieses Gebiet dort nur kurz angeschnitten, da es nicht viel gebracht hat.
Außer paar "Lokalpatrioten" wie mich, dürfte es auch nicht so viele interessieren, was dort vor einem halben Jahrhundert mal kurzzeitig passiert ist. Wie schon erwähnt, konnte mir in der FG Geologie/Mineralogie des KB auch niemand etwas dazu sagen...
Es gibt eben viele "kleine" Bergbauaktivitäten in unserer Region, die kaum einer kennt. Wer redet zum Beispiel noch vom Steinkohlenbergbau in Flöha? @ Falk: stimmt´s?

GA Uwe
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EnoM
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von EnoM »

Hallo Uwe,

das was Ludewig in seinem 1. Beitrag hier geschrieben hat, deckt sich mit einer Veröffentlichung in der Wismutwerkszeitschrift "Dialog". Dort steht ja auch sein Name drunter :meister: . Alles etwas ausführlicher. Der "Dialog" ist Dezember 1996 erschienen, ich weiss nicht ob die noch auftreibbar sind.
Falls ihr 2 noch nichts ausgemacht habt, ich kann dir den Text (1 ganze A4-Seite) gerne kopieren oder scannen.

Eno
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide.
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Danke Eno!

Der Rest per PN.

GA Uwe
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Ludewig
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Ich habe die Artikel absichtlich nicht genommen, da es neuere Erkenntnise gibt und die russischen Originatexte nochmal gründlicher übersetzt wurden. Es sind übrigens zwei Veröffentlichungen in der Werkszeitung Dialog. Die Hefte habe ich auch noch da, teilweise doppelt. Wenn ihr möchtet überarbeite ich den Text nochmal, so das die Sache auch ausführlicher wird und stelle sie hier ein. Ich brauche nur etwas Zeit dazu.

Wir arbeiten sowieso an einer Abhandlung der regionalen Bergbaugeschichte und da muß zur Wismut - Zeit auf jeden Fall ein Kapitel rein. Die Erstveröffentlichung kann ja hier im Forum sein!

Da ich aber nun wieder in "Lohn und Brot" stehe, ist die Zeit etwas anders bemessen wie vorher. Man muß außerdem nicht doppelt forschen wenn sich schon Leute seit mehr als 15 Jahren mit diesem Thema befassen und gute Ergebnisse haben.

Glück auf! Lutz Mitka
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von goldsucher49 »

Glück Auf! allerseits...
Das betreffende Gebiet wird seit einigen Jahren sehr intensiv vom Chemnitzer/Wittgensdorfer Wolfram Modaleck untersucht, der auch in den Schriften des Chemnitzer Naturkundemuseums dazu veröffentlicht hat. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Auftreten einer Phosphatmineralisation:
Band 24 (2001) Modaleck, W. Das Vorkommen einer Phosphatmineralisation im Schiefermantel des Granulitgebirges bei Chemnitz-Rabenstein;
Ebenfalls in dem noch leicht zu erhaltenden Band 16 (1993) "Bergbau von Chemnitz" finden sich Hinweise auf dortigen Bergbau (wohl auf Eisen).
Auch die "Sächsische Hohlraumkarte" hält eine Menge Hinweise auf Bergbau (vermutlich der auf Eisen) bereit.
Zuguterletzt veröffentlichte auch Dr. Schade in seiner Schrift "Gold in Sachsen" vor kurzem seine selektiven Forschungsergebnisse konkret zu diesem Gebiet, was zu einem kleinen "Goldrausch" geführt hat...
goldsucher49
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von goldsucher49 »

Glück Auf! nochmals...
Zu dem ganz oben angesprochenen Bunker wollte ich noch anmerken, das es sich um einen auf dem Gebiet der DDR hundertfach errichteten Typenbau handelt. Dieses und ein anderes Modell wurden um das Jahr 1972(?) massenhaft um Ballungszentren und Industriegebiete zum Zwecke der Luftbeobachtung und wohl auch als Funkknoten von/für Kräfte der Zivilverteidigung errichtet. Die SDAG Wismut hatte (und hat :P ) wesentlich ernsthaftere Schutzbauten für ihre eigene Abteilung des MFS bei Hartenstein und Ronneburg bzw. unter zahlreichen Verwaltungs- und Zweckgebäuden. Wen dieser Teil der Wismutgeschichte interessiert, den möchte ich gern auf diesen Link verweisen: www.bunkernetzwerk.de
Ein segensreiches WE wünscht
goldsucher49
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Pöhlberger »

Was Goldsucher49 angesprochen hat, betreffs Eisenbergbau erinnere ich mich jetzt auch wieder daran...
Als Kind habe ich auf dem "Hoppberg" (früher wahrscheinlich Hopfenberg) in Rabenstein auf den dortigen Feldern Lesesteine mit Limonit z.T. sehr schön als Glaskopf ausgebildet, gefunden.
Ich kann mich auch an eine kleine Halde erinnern, die sicher in Verbindung mit diesen Eisenerzen steht.
Mit dem Gold, das würde mich jetzt aber auch interessieren!
Ich habe als Jugendlicher viele Waschversuche gemacht in den zwei Zuflüssen zum Stausee Rabenstein und konnte dort sehr zahlreich Staurolith als schöne Durchkreuzungszwillinge finden, dazu auch seltener Granat (z.T. blutrot!). Leider kein Gold. Wo soll es denn in Rabenstein welches geben? Goldvorkommen sind ja in der Umgebung nicht ganz selten, in Hohenstein-Ernstthal hat man aus dem dort mit gewonnenen Gold sogar Münzen geprägt...
@ Goldsucher49: Ich kenne Wolfram Modaleck seit Jahrzehnten gut, war schon ab 1980 mit ihm im Kulturbund zusammen.
Was das Gold betrifft, da kennst Du doch sicher auch Michael Pitschel, der hat mir im Dezember seine Gold-DVD gegeben.

Betreffs des Bunkers dachte ich eigentlich, dass er älter ist, denn wir sind als Kinder in den 70er und 80er Jahren immer dort drin gewesen. Zu dieser Zeit sah es dort schon ziemlich wild drin aus...

GA Uwe
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von goldsucher49 »

Glück Auf! allerseits...
Das Goldthema: Es sei nochmals auf die Veröffentlichungen Dr. Schades verwiesen, der einige Fundpunkte in dieser Gegend fast bis auf den Meter genau publiziert (mitten im Naturschutzgebiet :meister: ) und auch seine eigenen Thesen zu Herkunft hat. Seiner Meinung nach sind eiszeitliche Sedimente und stellenweise auch die beliebte sulfidische Vererzung wie fast überall in Sachsen die Goldquellen. Granate konnte ich auch einige finden, besonders eben Almandin in dunkelsten Brauntönen. W. Modalecks Steckenpferd heißt Wavellit. Dieses Mineral hat er in dieser Gegend und wohl auch in den alten Wismutschürfen nachweisen können.
Die Bunkergeschichte: Die DDR hat in Folge der Kubakrise eine Vielzahl von Schutzbauwerken errichten lassen. Ein identischer Typenbau anderenorts in Chemnitz stammt nachweislich aus dem Jahr 1972. Wenn der in Rabenstein/Altendorf da schon fertig war, dann noch nicht so lange. Die Teile wären wohl in Krisenzeiten und für Übungen besetzt worden und waren ansonsten zumindest über einen Türkontakt und die Anbindung ans Telefonnetz zu überwachen (und eigentlich recht fest verschlossen), sollten ja einen kleinen Knuff vertragen... Und stellenweise hat sich bis heute ein Schild mit der Aufschrift "Betreten bei Strafe verboten" erhalten :derda:
goldsucher49
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von goldsucher49 »

Hier noch mal ein Bildchen mit etwas Gold in einer Krantz-Schale, ein Glaskopf, Almandin und Schrotit :?:
GA!
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Ludewig
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Hier mal ein für das Forum angepasster Auszug aus unserer im Entstehen befindlichen Abhandlung zur regionalen Bergbaugeschichte (Flöha - Frankenberg - Mittweida).


Die Uranprospektion der SAG Wismut im Vorland des Erzgebirges, speziell im Raum Chemnitz


Nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann eine Zeit die uns heute als „Kalter Krieg“ bekannt ist. Während in der „Westzone“ der Marshall – Plan das Leben erleichterte, bezahlten die Menschen in der „Ostzone“ für den Krieg mit Reparationsleistungen an den Sieger Sowjetunion. In der Sowjetischen Besatzungszone erfolgte nicht nur die systematische Demontage sämtlicher „kriegswichtiger“ Produktionsanlagen im Rahmen der Reparationsforderungen der Siegermacht sondern auch eine Erkundung auf bauwürdige Bodenschätze. Dazu wurde unter bestmöglichster Geheimhaltung am 2. Juli 1947 ein spezielles Unternehmen (AG) unter dem Tarnnamen „Wismut“ gegründet. Die Aufgabe der Unternehmung war die Erkundung nach bauwürdigen Uranerzlagerstätten und deren Gewinnung für die zukünftigen Atomwaffen der SU!

Unter der militärischen Leitung des NKWD (Sowjetisches Volkskommissariat für Inneres) entstanden mehrere „Geologische Erkundungstruppen“ die Halden und Bergwerksanlagen des Altbergbau, sowohl noch aktiven Bergbau in Sachsen und Thüringen auf Uranvorkommen prospektierten. 1947 begannen die Untersuchungsarbeiten auf die vermuteten Uranerzlagerstätten im Erzgebirgischen Becken und dem Sächsischen Granulitgebirge /1/.

Als man im Frühjahr 1948 daran ging, die Erkundungsarbeiten auf die Flanken-Bereiche der bereits bekannten Lagerstätten auszudehnen, erfolgte der übertägige Einsatz geophysikalischer Prospektionsmethoden. Erste Feldversuche zeigten die Unzulänglichkeiten der bisher angewendeten Gamma-Aufnahme in Gebieten mit Lockergesteinsbedeckung. In der Folge kam die Emanationsaufnahme zum Einsatz, die auf Versuchsflächen im Silberbachtal bei Schlema äußerst zuverlässige Ergebnisse lieferte /2/.

Das Prinzip der Emanationsaufnahme besteht in der Entnahme der Bodenluft und der Bestimmung ihres Ionisationspotentials als Maß des Radongehaltes. Dabei wurden Areale von mehreren km² mit abgesteckten Gitternetzen punktweise vermessen. Die physikalische Größe für den Radongehalt der Bodenluft war die eigentlich für Quellwasser eingeführte Mache – Einheit (ME). Eine ME entspricht 1,02 Bequerel pro Liter /3/.
Speziell im Verbreitungsgebiet gangförmiger Uranlagerstätten erhält man mit dieser Methode sehr kontrastreiche Anomalien deren weiterer Aufschluss nach einem streng festgelegten Schema erfolgte. Quer zur Längsachse einer Anomalie wurden Schurfgräben (in der Wismut als Kanäle bezeichnet, nach dem russischen Wort „kanava“) angelegt, mit denen in der Regel die Lage der Erzgänge fixiert werden konnte. Angetroffene uranhöffige Erzgänge sind häufig auch im Streichen mittels Schurfgräben verfolgt worden, wobei nach Übertage ausstreichende Urannester mit hereingewonnen wurden. Die weitere Untersuchung der Gänge nach der Teufe erfolgte mittels vertikaler oder tonnlägiger Schürfe (im russischen, und so auch bei der Wismut, werden Such- und Erkundungsschächte, die im Extremfall auch über 100 m Tiefe erreichen können, als „Schürfe“ bezeichnet) bzw., wenn es das Geländerelief zuließ, mittels Stolln /4/.

Der so genannte „Chemnitzer Erkundungstrupp“ entstand im Mai 1949 und hatte seinen Sitz in Röhrsdorf bei Chemnitz. Es wurde auch als Objekt Röhrsdorf bezeichnet /5/, andere Quellen sprechen vom Objekt 15 /6/. Die Erkundungsarbeiten konzentrierten sich in diesem Fall auf den Schiefermantel des Sächsischen Granulitgebirges entlang der Autobahn Chemnitz – Dresden. Wobei Frankenberg und Rabenstein die Begrenzung des Prospektionsgebietes in Nord – Süd Richtung und die Hochflächen entlang der Autobahn in Ost – West Richtung auf nicht definierter Breite bildeten.

Wismut001.jpg
Wismut001.jpg (83.07 KiB) 11318 mal betrachtet
Steuerkarte eines unbekannten Wismutbergmannes. Der Stempel ist heute wohl einer der wenigen Belege über die Existenz des damaligen Wismutobjektes Röhrsdorf.
Quelle: Bergbausammlung Biensdorf


Die erste Emanationsanomalie wurde unmittelbar bei Röhrsdorf (Standort der heutigen Autobahnmeisterei) an der Autobahn festgestellt. Die Stärke der Anomalie lag bei 120 – 160 ME. Bei weiteren Untersuchungen in Richtung Rabenstein konnte auf dem Galgenberg wieder unmittelbar an der Autobahn eine noch stärkere bis zu 400 ME betragende Anomalie gemessen werden. Weitere Punkte mit erhöhten Radongehalten zeigten sich bei Draisdorf (60 ME), Auerswalde (270 ME), Sachsenburg (200 ME) und im Bereich von Flöha – Altenhain /7/.

Zur Erlangung weiterer Daten über die Ursache der Anomalien wurden an den entsprechenden Punkten Schürfgräben angelegt. Anfangs hat man die Luftproben aus einer Tiefe von 60 – 70 cm entnommen ohne die Stärke der Überdeckung des Grundgebirges zu beachten /8/. Die Schürfgräben wurden um genauere Messergebnisse zu erhalten bis auf das anstehende Gestein vertieft und erreichten dabei beachtliche Ausmaße. Mitunter waren die Schürfgräben mehrere Meter tief und breit, wovon in Rabenstein, Sachsenburg und Biensdorf noch Reste zu sehen sind.
Im Erkundungsabschnitt Röhrsdorf teufte man im Bereich der Anomalie einen Erkundungsschacht 30m tief unweit der damaligen Anschlussstelle der Autobahn. Querschläge aus dem Erkundungsschacht sind bis zu 40m im Bereich der Anomalie aufgefahren worden. Dabei traf man weder auf Gamma – Aktivität noch auf Gangstrukturen. Der Erkundungsschacht wurde Ende des Jahres 1949 geschlossen, obwohl die Ursache für die Anomalie nicht geklärt wurde /9/.
Auf dem Galgenberg versuchte man ebenfalls mit Schürfgräben die Ursache der Anomalien herauszufinden. Die dabei freigelegten kohlenstoffhaltigen Schiefer bewiesen sich als Ursache für die Radioaktivität. In den Ruschelzonen der Schiefer fand man nach der Analyse der Proben Spuren von Metallgehalten, allerdings fehlten sichtbare Erzminerale. Bei Untersuchungen unter dem Mikroskop wurde eine kleine punktförmige Luminiszens festgestellt, das Vorhandensein kleinster Stücke von Schoepit (8[UO2/(OH)2]8H2O, Verwitterungsprodukt von Pechblende) und in einem Fall Gummit (Gemenge aus Uranmineralien, Verwitterungsprodukt von Uranpecherz) gefunden /10/. Aus einem Versuchstagebau wurde eine Probe von etwa 200 t Erz mit einem Metallgehalt von 0,01% - 0,02%, maximal 0,027% /11/ gewonnen. Das Erz stammte wiederum aus einer Ruschelzone mit Linsen von tonigem Material und wies den gleichen Metallgehalt auf wie eine mit deutlicher Gamma – Aktivität durchteufte Zone eines Erkundungsschachtes.
In den Erkundungschürfen und Schächten angetroffenes Wasser wies Radonkonzentrationen im Zufluß von 30 ME auf, selten aber mit Gehalten bis zu 150 ME /12/.

Im Gebiet von Sachsenburg heute zur Stadt Frankenberg gehörig, waren 6 Emanationsanomalien feststellbar und sind zwischen August 1949 – März 1951 /13/ prospektiert worden. Dazu gehörten auch die alten Bergbaugebiete von Biensdorf und Schönborn/Dreiwerden.

In Schönborn/Dreiwerden ist die Grube Alte Hoffnung Erbstolln von der Marschroutengruppe untersucht worden. Die AHE wurde seit 1906 von der Stadt Mittweida für die Gewinnung von Trinkwasser genutzt und war bedingt fahrbar. Um 1947 war der Einbau eines Pumpenpodestes in den Clementineschacht geplant um die Wasserversorgung der Stadt Mittweida in starken Bedarfszeiten mit Grubenwasser aus den Tiefbauen zu decken. Die Genehmigung des TBBI (Technische Bezirks Bergbau Inspektion) lag zwar vor, doch der Pumpeneinbau wurde durch die sich anbahnenden Prospektionsarbeiten der Wismut AG verhindert /14/. Durch die von der Wismut eingebaute Pumpenanlage wurde das Wasser im zentralen Teil der AHE bis auf das Niveau der 2. Gezeugstrecke abgesenkt. Im Clementineschacht und Herrmannschacht baute man teilweise auf den Einstrichen der Altvorderen die Bühnen und Fahrten ein. Im Diebshäusler Wetterschacht gab die Wismut den Einbau der Fahrtenbühnen aufgrund der schlechten Wetter während des Sümpfens der Grube auf /15/. Nach Abschluß der Vorrichtungsarbeiten stand der Erkundung der vermeintlichen Uranlagerstätte nichts mehr im Wege.
Im Grubenfeld von AHE wurde außerdem der Friedrichschacht am Wolfsberg durch die Wismut AG aufgewältigt. Das als Verwahrung 1886 eingebrachte Ziegelgewölbe bei etwa 10 unter der Rasensohle ist mittels Aufleger zerschossen worden. Dabei ist die Schachtröhre des 1795 /16/ mit harten Steinen aus gemauerten Schachtes auf etwa 10m Länge gerissen. Im Schacht wurden Bühnen mit aus Latten zusammen genagelten „Fahrten“ eingebaut /17/. Die erfolgte Aufwältigung des Wildemannstolln ab Friedrichschacht in das Grubenfeld und die Untersuchung der Zentralanlage brachte keine Ergebnisse für das Vorkommen von Uranerzen.

Zwischen Schönborn und Sachsenburg, im so genannten Hengstbusch auf dem Schenkberg einem Pingen- und Haldenfeld aus dem Mittelalter, hat die Marschroutengruppe mehrere kleine Anomalien festgestellt. Neben Schürfgräben soll hier auch mittels Erkundungsbohrgeräten /18/ die Anomalie untersucht worden sein. Das Mundloch des in tiefer Sohle vom Zschopautal aus das Pingen- und Haldenfeld unterlaufende Joseph und Marienzug Erbstolln wurde in sehr aufwendiger Weise mittels Grubenholz gesichert /19/. Der Stolln selber ist auf 300m Länge fahrbar gewesen /20/, bei einer Auffahrungslänge von etwa 1 Km. Der Schenkberg ist Bestandteil des Granulitgebirges umschließenden Schiefermantels. Die hier vorkommenden Schwarzschiefereinlagen verursachten analog zu den schon vorangegangenen Untersuchungen der Wismut die Emanationsanomalien.

Wismut 5.jpg
Wismut 5.jpg (51.36 KiB) 11317 mal betrachtet
Das Mundloch Joseph und Marienzug Erbstolln um 1950. Ein Dia der Bergbaugruppe RKW.


Die Marschroutengruppe muß auf ihrem Weg im Bereich des Berges Treppenhauer am zum Augrund fallenden Gehänge, eine Anomalie von 60 ME bemerkt haben. Das betreffende Gebiet ist durch einen sehr tiefen Schurf, der heute noch im Hochwald sichtbar ist, aufgeschlossen wurden. Auf dem anstehenden Gebirge hat die Messung einen Wert von 200 ME ergeben /21/. Dem heute noch auffindbaren Haldenmaterial im Bereich des Schurfes nach stehen wiederum Schwarzschiefer an. Bei weiteren Erkundungsarbeiten soll oberhalb des Augrundes, am Ortseingang von Sachsenburg ein alter unbenannter und nicht rißkundiger Stolln aufgewältigt worden sein. Dieser etwa 300m lange Stolln schneidet die Anomalie auf tiefer Sohle. Der darin angetroffene etwa 1m mächtige Barytgang, vermutlich „Mit Gott hauet ein Bergmann Erz“, führte keine radioaktiven Erzmineralien. Fragwürdig ist aber die mündlich überlieferte Größe und der heutige Namen des Stolln als „Goldene Sonne“ /22/ oder „Michaelisstolln“ /23/. Dieser soll in seinen Ausbruchmaßen einer eingleisigen Richtstrecke nach Wismutnorm entsprechen. Die Klärung dieser Frage kann nur mit der Aufwältigung der Anlage beantwortet werden /24/.
Wiederum ist die Emanation des Radon auf die vorhandenen Schwarzschiefer zurückzuführen. Ob die im Stolln reichlich anfallenden Grubenwasser beprobt wurden ist nicht bekannt. Nach Aufgabe der Untersuchungsarbeiten im Laufe des Jahres 1950 haben die Bewohner von Sachsenburg das Grubenholz aus dem Stolln geholt um es als Brennstoff zu verwenden. Die Wismut sprengte deshalb das Mundloch um das Treiben zu unterbinden /25/. Am Wasseraustritt ist die Lage des Stollnmundloches noch heute erkennbar.

Zum Untersuchungsgebiet Sachsenburg zählten auch die bei Biensdorf gelegenen mittelalterlichen Pingen- und Haldenfelder. Zwischen Merzdorf und Biensdorf oberhalb des so genannten Düstergrundes hat die Marschroutengruppe einen Schacht des mittelalterlichen Bergbau bis auf die Sohle eines hereinkommenden Stolln gewältigt. Von der Hängebank des Schachtes ist sogar ein Foto erhalten. Mittels hölzernen Fördergerüst und Haspel soll der Schacht etwa 17m tief aufgewältigt worden sein /26/.
Wismut 6.jpg
Wismut 6.jpg (93.24 KiB) 11314 mal betrachtet
Hängebanke mit Förderhaspel oberhalb des Düstergrundes gegenüber der Sachsenburg 1950. Ein Foto der Bergbaugruppe RKW.


An der Ortslage Biensdorf, auf dem so genannten Erzberg, ist eine größere Anomalie durch die Marschroutengruppe festgestellt worden. Um genauere Kenntnisse über die Beschaffenheit des Grubenfeldes zu erlangen ist ein provisorischer „Erkundungsbetrieb“ eingerichtet worden. Mitten auf dem Berg entstand eine kleine Hütte für den „Kommandanten“ der Unternehmung. Der zwangsverpflichtete Steiger (der Name ist schon vergessen) war bei Familie Sachse in Biensdorf einquartiert /27/. Um überhaupt in dem Gelände Schürfgräben für die Untersuchungen anzulegen musste der Nadelwald weichen. Ein Großteil des Holzes ist für den Ausbau des späteren Untersuchungsquerschlages verwendet worden, wobei auch erhebliche Mengen Holz als Hausbrand über Nacht verschwanden /28/! Mindestens 7 Ost – West verlaufende Schürfgräben zur Untersuchung der Anomalien sind in die mittelalterlichen Halden bis auf das feste Gebirge gegraben worden /29/. Da die Erkenntnisse über die geologischen Verhältnisse des Berges mit Schürfgräben zu dürftig waren, wurde ein Untersuchungsquerschlag angelegt.
Dessen Mundloch liegt am Fuß des Erzberges am Nordwestgehänge und direkt vor dem Grundstück der Familie Sachse. Unmittelbar vor dem Anwesen stand auch der stationäre Kompressor, dessen Fundament noch heute erhalten ist. Damit war es möglich das Haldenmaterial mitten im Dorf auf den Grundstücken der Häusler zu verkippen! Auch der Bach musste sich einen neuen Weg um die Halde suchen /30/.
Die Auffahrung ist als eingleisige Richtstrecke ausgeführt, war voll verzimmert /31/ (Wismutnorm) und schnitt alle Schürfgräben in tiefer Sohle. Der Vortrieb erfolgte mit Preßluftbohrgeräten der Firma Flottmann /32/. Für die Schießarbeiten kam Gelatine – Donarit zum Einsatz /33/. Laut der Arbeitsanweisung im Objekt Röhrsdorf ist nur bei stark wasserführenden Gebirge mit elektrischer Zündung gearbeitet worden. Sonst erfolgten die Schießarbeiten mit Zündschnur, einer zur damaligen Zeit völlig normalen Methode /34/. Bei den Zündschnüren handelt es sich um mit einem Pulver gefüllte Igelitschläuche.
Mit den 4 von der Hauptstrecke abgehenden Nebenörtern sind Gangstrukturen aufgeschlossen. Wobei eine auf einer so genannten Ruschelzone oder auch Lettenkluft und eine weitere auf einer Schwarzschieferlage aufgefahren ist. Mit dem Vortrieb des Querschlages sind 3 Schnittpunkte des Altbergbaus erreicht worden. Nach 33m wird der auf einem Barytgang verlaufende „Hülfe des Herrn Stolln“ geschnitten, bei 81m eine mittelalterliche Feldstrecke und bei 90m mit einem auf westlicher Richtung gefahrenen Nebenort ein mittelalterlicher Schacht angetroffen /35/. Durch ein Überhauen ist der Nebenort mit dem Schacht verbunden und diente der Wismut als Wetteröffnung /36/.
Bei den Vortriebsarbeiten auf einer Lettenkluft ist eine Erzprobe entnommen worden. Die Analyse ergab das Vorhandensein von Uranocker. Nach diesem Fund war dieses Fleckchen Erde mit etwa 50 Einwohnern plötzlich militärisches Sperrgebiet /37/.
Zum März 1951 endeten die Prospektionsarbeiten. Das Mundloch wurde nach dem Rauben des Grubenholzes durch einen Frankenberger Baubetrieb von der Wismut zugeschossen /38/. Übrig blieb nur das Kompressorfundament und die Halde, welche ab Mitte der 50er Jahre durch eine örtliche LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) für den Straßenbau abgefahren wurde /39/.

Wismut 9.jpg
Wismut 9.jpg (108.42 KiB) 11308 mal betrachtet
Ortsscheibe des Untersuchungsquerschlages im Erkundungsobjekt Biensdorf. Der eingelagerte Schwarzschiefer gut zu erkennen und erregte vor 60 Jahren das Interesse der "Sonnensucher", wie die Bergleute der Wismut auch genannt wurden.


Auch bei Untersuchung des Erzberges gewann die Wismut keine neuen Erkenntnisse zur Art und Weise der Vererzung. Vielmehr bestätigte sich die These, die auf Grund der vielen zusammengetragenen Daten entstand. Das die Radioaktivität und die Vererzung an Störungszonen innerhalb des Schiefermantels des sächsischen Granulitgebirges gebunden sind und nur stark begrenzte räumliche Ausdehnungen in den Randgebieten dieser geologischen Struktur erreichten. Diese Störungszonen dienten als Wege für schwach erzhaltige Lösungen, aus diesem das Metall durch den Kohlenstoff führenden Schiefer (Schwarzschiefer) absorbiert wurde. Unklar blieb aber die Vererzung mit zunehmender Teufe und ob sich das Metall dort auch in der Masse der Schwarzschiefer verteilt. Weiterhin blieb die Frage offen, ob die Konzentration des Metalls in der Tiefe an tektonischen Klüften zunehmen kann /40/.

Nachdem die SDAG Wismut die wesentlichsten Uranlagerstätten in Sachsen und Thüringen aufgefunden und in Betrieb genommen hat, wurde auch die Erkundung neuer Lagerstätten fortgeführt. Von 1956 - 1966 untersuchte der VEB Geophysik das Erzgebirgischen Becken und das Sächsische Granulitgebirge. Dabei konnten 32 Anomalien festgestellt werden. Wobei die höchsten Werte in den Anomalien bei Hainichen, Berthelsdorf und Sachsenburg auftraten. Die Überprüfung ergab jedoch, daß die Anomalien an anstehende, oder von geringmächtigen Pleistozän - Ablagerungen bedeckte Granite gebunden sind und als nicht höffig eingeschätzt. 1966 führte die Wismut im Granulitgebirge Rekognoszierungs - Marschrouten entlang der Flüsse Chemnitz, Zschopau und kleiner Striegis mit radiometrischen Messungen der Gesteinsaktivität durch. Die Ergebnisse der Aufnahmen erbrachte jedoch keine neuen Erkenntnisse über die geologische Situation und einer Uranhöffigkeit. Von 1973 - 76 führte der BA Schlema nochmals Such -und Erkundungsarbeiten zwischen Hainichen und Sachsenburg durch. Ziel war eine genauere Einschätzung der Uranhöffigkeit in einem Gebiet, welches schon einmal Ziel solcher Arbeiten war. Dabei zeigte sich in den Karbonablagerungen der Hainichener Schichten eine durchgehende Uranvererzung. Diese ist an grobkörnige Sandsteine in Wechsellagerung mit Konglomeraten und Schiefertonen gebunden. Die Uranreichsten Partien erreichten Werte von 4000 g/t und stellten mit die höchsten im Granulitgebirge dar. Die Struktur wies eine Erstreckung von 1,5 km2 auf und war räumlich an zwei Störungen gebunden /41/.
Das Gebiet gliederte die Wismut für weitergehende Untersuchungsarbeiten aus, die im Laufe des Jahres 1990 mit Bohrarbeiten beginnen sollten. Es handelte sich hierbei um stark landwirtschaftlich genutzte Flächen für Ackerbau und Viehhaltung. Um Anfragen an die damaligen politischen Verwaltungsstrukturen zu vermeiden, verkündete man aus wohl unterrichteten Kreisen der SED eine spezielle Version zur Begründung über den Flächenentzug aus der Landwirtschaft. Es verbreitete sich die Version einer Lagerstätte über „goldhaltige Sande“ in einer Tiefe von 600m. Der bevorstehende geologische Aufschluß sollte die Gewinnbarkeit dieser „goldhaltigen Sande“ belegen. Zu den Arbeiten ist es nicht mehr gekommen /42/.




/1/ Chronik der Wismut Ausgabe 1999 S.1035
/2/ „Der Wismutstolln im Grubengebäude der alten Silberfundgrube Hülfe des Herrn“, unveröffentlichtes Manuskript von Gunter Richter
/3/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/4/ „Der Wismutstolln im Grubengebäude der alten Silberfundgrube Hülfe des Herrn“, unveröffentlichtes Manuskript von Gunter Richter
/5/ Steuerkarte eines Bergmannes, Name unbekannt
/6/ Aussage von Heinz Unger (verst.) Biensdorf, zur damaligen Zeit im Wismut Objekt Röhrsdorf zwangsverpflichtet
/7/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/8/ Chronik der Wismut Ausgabe 1999 S.1035
/9/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/10/ „Der Wismutstolln im Grubengebäude der alten Silberfundgrube Hülfe des Herrn“, unveröffentlichtes Manuskript von Gunter Richter
/11/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/12/ ebenda
/13/ Aussage von Gerhard Sachse, Biensdorf, Jahrgang 1929,
/14/ Bergarchiv Freiberg LBA – STW 466
/15/ Die Wasserhaltungen bey Alte Hoffnung Erbstolln zu Schönborn/Sachsen, AHE e.V.1999
/16/ ist noch nicht vollständig geklärt
/17/ Nach mündlichen Bericht von Wolfgang Riedl 1991, konnte sich damals im Rahmen der Bergbaugruppe RKW im Arbeitsgebiet des Erkundungsobjektes Sachsenburg relativ frei bewegen
/18/ Aussage von Wolfgang Riedl, damals Bergbaugruppe RKW
/19/ Nach einem Foto der Bergbaugruppe RKW 1950
/20/ Riedl, Wolfgang; Bergbauhistorische Stätten; 1984, Historische Serie des Kreises Hainichen
/21/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/22/ Aussage von Wolfgang Riedl, damals Bergbaugruppe RKW
/23/ Kuschka, E.;“Zur Mineralisation und Minerogenie der hydrothermalen Mineralgänge des Vogtlandes, Erzgebirges und Granulitgebirges“ Dissertation, unveröffentlicht, TU Bergakademie Freiberg 1994
/24/ Aussage von Wolfgang Riedl, damals Bergbaugruppe RKW
/25/ Aussage von Herbert Pester (verst.) aus Sachsenburg um 1988
/26/ Nach einem Foto der Bergbaugruppe RKW 1950
/27/ Aussage von Heinz Unger (verst.) Biensdorf, zur damaligen Zeit im Wismut Objekt Röhrsdorf zwangsverpflichtet
/28/ Aussage von Gerhard Sachse, Biensdorf, Jahrgang 1929,
/29/ Nach Sichtung eines Luftbildes im Laser – Scann – Verfahren
/30/ Aussage von Gerhard Sachse, Biensdorf, Jahrgang 1929,
/31/ Erstbefahrung des Querschlages durch Mitglieder von Hülfe des Herrn alte Silberfundgrube e.V. und die vorgefundenen Holzstumpel
/32/ Aussage von Heinz Unger (verst.) Biensdorf, zur damaligen Zeit im Wismut Objekt Röhrsdorf zwangsverpflichtet
/33/ bei der Aufwältigung von 1990 – 93 vorgefundene Reste dieser Schläuche
/34/ Aussage von Heinz Unger (verst) Biensdorf, zur damaligen Zeit im Wismut Objekt Röhrsdorf zwangsverpflichtet
/35/ Grubenriß von TABERG
/36/ ist heute noch sehr gut sichtbar
/37/ Aussage von Wolfgang Riedl, damals Bergbaugruppe RKW die sich mit mündlichen Bericht von Heinz Unger (verst.) aus Biensdorf deckt
/38/ Aussage von Gottfried Schubert (verst.), Frankenberg
/39/ Aussage von Gerhard Sachse, Biensdorf, Jahrgang 1929
/40/ Geologisches Archiv der Wismut GmbH, Inv.-Nr.:M16ff, Übersetzung aus dem russischen von Gunter Richter
/41/ Chronik der Wismut Ausgabe 1999 S.1038
/42/ Nichtoffizielle Informationen aus dem damaligen Rat des Kreises Hainichen von einer namentlich nicht zu benennenden Person gegenüber dem Verfasser!
Wismut 2.jpg
Wismut 2.jpg (75.09 KiB) 11313 mal betrachtet
Der direkt an der Autobahn A4 liegende Schurfschacht des Erkundungsobjektes Galgenberg/Rabenstein ist nach dem Ausbau der A4 vom Baubetrieb verfüllt und eingezäunt worden.
Wismut 3.jpg
Wismut 3.jpg (101.65 KiB) 11309 mal betrachtet
Ein verwachsener aber noch sichtbarer Schürfgraben am Erkundungsobjekt Galgenberg/Rabenstein.
Wismut 4.jpg
Wismut 4.jpg (87.14 KiB) 11312 mal betrachtet
Ein weiterer Schurfschacht im Erkundungsobjekt Galgenberg/Rabenstein. Mit Einzäunung und Beschilderung des Sächsischen Oberbergamtes.
Wismut 7.jpg
Wismut 7.jpg (149.71 KiB) 11317 mal betrachtet
Mundloch des Wismutquershlages in Biensdorf während der Aufwältigung im Mai 1990.
Foto: Dieter Kempe


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Zuletzt geändert von Ludewig am So. 12. Apr 09 14:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Falafel »

Ähhh - ist das nicht was für die Startseite / Puplikationen???
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geophys
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von geophys »

vorbildlich gestaltet, wenn ich auch etwas zu müde bin, um es noch zu lesen. Hebe ich mir für morgen auf.
Aber eines muss ich noch wissen, ist das letzte Foto nicht falsch datiert?
Kam der Effenberg (-Finger) nicht erst 1994 in Mode :cool: ?
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Das letzte Bild ist nicht falsch datiert. Den Effenberg - Finger hab ich schon Ende der Achtziger auf Arbeit "gebraucht"!

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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Falafel »

Der "Stinkefinger" ist keine Effenberg-Erfindung, sondern wurde bereits im alten Rom in abfälliger Weise als Phallus-Symbol verwendet.

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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von geophys »

Ok, dass wusste ich noch nicht. Wieder etwas gelernt.
Ich kenne nur die Redewendung "... den Effenberg zeigen" und hielt es immer für eine recht rüde Art. War Lutz denn Profi - Fußballer :D ?
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von goldsucher49 »

Nahmd allerseits...
Bei mir schließen sich gerade die Kreise zum Thema ein wenig: Nachdem ich dem Chemnitzer Naturkundemuseum heute ein paar Euro für Sekundärliteratur in Gestalt seiner Veröffentlichungen z.B. Band 24(2001) zukommen lassen habe, konnte ich W. Modalecks Beitrag über über die Phosphatmineralisation bei Röhrsdorf in Gänze lesen. Vermutlich wurden von ihm über weite Teile u.A. die gleichen (Wismut-) Quellen wie von den hoch geschätzten Kollegen aus Biensdorf (Respekt!) verwendet. Ergänzend sei vielleicht noch auf einen von W. Modaleck erwähnten kleinen Tagebau auf Uran der SDAG bei Röhrsdorf hingewiesen. Das mich persönlich besonders interessierende Vorkommen von Gold wurde seinerzeit weder von Modaleck noch von Hamm & Hoppe in ihrem Beitrag zum ähnlichen Thema im gleichen Heft erwähnt. Ob zwischen dem neuerlichen Goldrausch bei Röhrsdorf und dem gegenüber des Treppenhauer ein Zusammenhang besteht, wird sich vielleicht noch zeigen. Geländespuren und Hinweise auf Versuche der Alten kenne ich leider keine. Die neuzeitlichen Spuren der Goldsucher sind auf jeden Fall hier wie da vom Eingeweihten nicht zu übersehen :wink:
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Mich würde mal dieser Beitrag von Herrn Modaleck zur Phosphatmineralisation interessieren und was für ein Tagebau auf Uran bei Röhrsdorf ist das? Die Übersetzung des Wismutberichtes verweist auf mehrere Orte wo aber die Untersuchungsschürfe nicht mehr lokalisierbar sind (Draisdorf, Altenhain bei Flöha usw). Kannst Du mir da weiterhelfen?

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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von geophys »

Ludewig:
Zitat:
Der so genannte „Chemnitzer Erkundungstrupp“ entstand im Mai 1949 und hatte seinen Sitz in Röhrsdorf bei Chemnitz. Es wurde auch als Objekt Röhrsdorf bezeichnet /5/, andere Quellen sprechen vom Objekt 15 /6/. Die Erkundungsarbeiten konzentrierten sich in diesem Fall auf den Schiefermantel des Sächsischen Granulitgebirges entlang der Autobahn Chemnitz – Dresden.
Zitat Ende:

Ich habe die mir zur Verfügung stehende Schacht-und Objektverzeichnisse ( siehe Publikation Quellenverweise ) geprüft. Schürfe, und die Erfahrung habe ich aus meiner Arbeit, sind meist nicht verzeichnet. Wenn, dann tauchen sie in der zugehörigen Schachtverwaltung auf. Genaueres findet man jedoch im Risswerk, welches auch in den letzten Jahren überarbeitet wurde.
Ebenso war ein Objekt Röhrsdorf dort nicht verzeichnet. Ich nehme also an, dass eines der Erkundungsobjekte die Trägerschaft dafür hatte. Meines Erachtens nach kann man das Objekt 15 ( mit Sitz in Freiberg ) aufgrund seiner Explotationsaufgaben auschließen.
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Schau Dir mal die Stempel auf der Steuerkarte an, da ist von der "Wismut AG, Röhrsdorf" die Rede. Dies deckt sich auch mit den Aussagen einiger schon verstorbener Personen, die in diesem Objekt angestellt oder auch zwangsverpflichtet waren. Auch existiert im Wismut - Archiv ein unveröffentlichter Bericht über das Objekt 15 (Röhrsdorf). Dieser ist mir leider nicht näher bekannt, werde mich aber bemühen diesen Bericht einzusehen.

Desweiteren ist zur Erkundungstätigkeit der Wismut vor 1953 nicht viel Material vorhanden. Meine Kenntnisse habe ich aus übersetzten Jahresberichten der SAG, diese gibt es auf Mikrofilm und sind erst seit 1996 wieder aus der ehemaligen SU zurückgekommen.

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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von geophys »

Hallo Lutz,

das Objekt 15 entstand 1949 aus dem Objekt 26 ( 1947-1948 ) und dem Erkundungsrevier 06 ( so der Wortlaut der Quelle ). Im April 1951 wurde ein Objekt 96 ausgegründet, Ende 1952 ging die 15 in das Objekt 52 über und wurde etwas später aufgelöst. Quelle: Sächs. Heimatblätter Heft 5/95 S. 261 [ A.Hiller/I.Krejny - Wismut GmbH 1994 ]

Das Objekt 26 [bis 1948] war ein Erkundungs- und Ausrichtungsobjekt. Weiter gab es ein Erkundungsrevier des Objektes 06 (Vogtland) ( nicht so genau beschrieben, aber es sind Schacht Oppel, Johnsdorf und Gittersee I als daraus übernommen zu finden ). Keines der Schachtverwaltungen lässt sich mit Röhrsdorf in Zusammenhang bringen. Die nächst gelegene Schachtverwaltung war die 101 Brand-Erbisdorf. Quelle: ZeBWis Abschnitt: "Objekt 15 Freiberg" Seite 1 ff

Würde mich also schon mal interessieren, was die "Wismut A.G. Röhrsdorf" sein soll oder wo man diese zuordnen muss.
Die Unternehmung war 1947 als SAG ... in das Handelsregister der Stadt Aue eingetragen und damit klar eine Unternehmung mit Reparationsauftrag. Der Rest ist bekannt.

Die Bezeichnung an sich waren jedoch recht unterschiedlich und so findet sich folgendes in allen möglichen Unterlagen.

"Erzbergbau", "Wismut A.G.", "AG Wismut", "A.G. Wismut"

Ich denke, man darf dieses Gebahren in der Geheimhaltung und die Verschleierung des Zwecks der Unternehmung sehen.

Ich weiß nicht, wie wichtig das jemals war oder heute erscheint. Denn die Fakten des Vorhandenseins der Erkundungsbaue sind ja nicht zu leugnen. Mich persönlich schreckt jedoch immer die Tatsache, dass einigen Autoren derartige Kleinigkeiten unterlaufen und diese dann immer wieder zitiert werden ( M. Kaden "... 6 Haupt- und 6 Nebensohlen ... Schacht 116", alter Silberschacht etc. nachzulesen im Annaberger Thread ).

Somit will ich meinen Zwischenruf nicht als Kritik, sondern als Beitrag zur Klärung eines Problemes verstanden wissen.
Ich kann, wenn du willst, an der Sache dran bleiben (PN).

An sonsten danke ich dir für deine guten Berichte und die tollen Fotos, die immer Extraklasse darstellen :meister: .
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Hallo Geophys!

Deinen Zwischenruf habe ich auf keinen Fall als Kritik verstanden, vielmehr als konstruktive Mitarbeit. Ich bin auf jeden Fall an der Klärung des Sachverhaltes "Röhrsdorf" interessiert und dafür möchte ich Dir für Dein Angebot danken.

Für mich ist natürlich die richtige Wiedergabe der Tatsachen sehr wichtig. Das gewisse Autoren, ohne Namen zu nennen, sich der "Geschichtsbeugung" bedienen wie die selbst ernannten "großen Volksparteien" ist bekannt, aber nicht mein Ding!

Das Thema "Wismut" birgt noch sehr viele interessante Facetten, wovon einige sicher nie öffentlich werden. Denken wir mal an die Beschaffung von Technologie für den Bergbau. Da gab es natürlich auch Industriespionage!

Klären wir mal die Sache mit "Röhrsdorf" über PN und das Ergebnis wird dann eingefügt. Wenn der Beitrag dann mal fertig ist kann er auch zu den "Publikationen".

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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von geophys »

Interessant finde ich unter anderem das Foto des Schurfes. Ich habe nur wenige gesehen, die solch ein einfaches Gerüst zeigen.
In den letzten Tagen kamen mir welche von den Schürfen 29 I und II in die Finger. Beide befanden sich in unmittelbarer Nähe der Großen Malwine No. 29 in Frohnau. Einer hatte einen Dreibaum aus Rundhölzern und der zweite ein typisches brettervernageltes Fördergerüst jener Tage. Einige Monate später gab es auf Fotos genau dieses Gerüst nicht mehr. Letzteres verwunderte mich schon, denn den Aufwand für den Zweck konnte ich mir nicht erklären.

Vielleicht noch interessant ist, das viele Schürfe 500er Nummern hatten. Im Marienberger Wismut - Buch vom Lange, Rolf wurde erwähnt, das Schürfe in den Objekten registriert wurden. All das ist bei der Archivarbeit wichtig, um nicht im Trüben zu fischen.

Neulich zeigte unser Thread zwei Fotos von Fördergefäßen, die ich am MRS in Frohnau entdeckt hatte. Das Blecherne war von 29 II !!! Dank noch mal dem Umsichtigen, der dieses barg und somit der Nachwelt erhielt.
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von sehmataler »

Hallo wieder mal,

Sollte die Objektzugehörigkeit von Röhrsdorf wirklich so unklar sein?
Ludewig hat geschrieben:Der so genannte „Chemnitzer Erkundungstrupp“ entstand im Mai 1949 und hatte seinen Sitz in Röhrsdorf bei Chemnitz. Es wurde auch als Objekt Röhrsdorf bezeichnet /5/, andere Quellen sprechen vom Objekt 15 /6/.
Nun verwundert es mich, dass zur Klärung dieser Frage nur die unsicheren Quellen /5/ und /6/ (Steuerkartenstempel, Zeitzeugenaussage) herangezogen wurden, wo doch im Text auch die Jahresberichte unter M-16ff. genannt werden. Der bezüglich /5/ abgeleitete Folgeschluss erscheint mir außerdem ziemlich problematisch: //Stempelschriftzug "Wismut A.G. Röhrsdorf Buchhaltung" => "Objekt(!) Röhrsdorf"//.

Bei der unter M-16 ff. schon vorstehend oft zitierten Quelle dürfte es sich um den "Geologischen Tätigkeitsbericht der Jahre 1948-1949" handeln. Dort werden im Band II die Objekte 1 bis 10 sowie 15 :!: , 25, 27, 28 abgehandelt. Unter welchem Kapitel erscheinen denn dort die Hinweise auf Röhrsdorf? Daraus müsste doch eindeutig eine Objektzugehörigkeit abzuleiten sein. Falls die Kapitelüberschrift in der Übersetzung fehlen sollte - Objekt No. 15 steht auf den Seiten 483-542.
Nec scire fas est omnia
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Re: Chemnitz/Rabenstein-Röhrsdorf

Beitrag von Ludewig »

Im russischen Originaltext ( M-16ff, S 16 - 18 ) sind keine Objektnummern angegeben. Ich habe Euch (geophys) mal die Ablichtung zugeschickt. Wieso sind in euren Übersetzungen plötzlich Objektbezeichnungen vorhanden? Die hat man doch nachträglich angefügt, was zur besseren Übersicht wohl auch vollkommen richtig ist.

Eine Zeitzeugenaussage und ein vom Amt anerkanntes Dokument sind für mich keine unsicheren Quellen. Vor allem wenn sich Aussagen von Personen decken, die sich nicht einmal kennen! Bei all der Geheimniskrämerei der Wismut ist es immer wieder gut wenn man mit Zeitzeugen sprechen kann und die werden langsam rar!

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