Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

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geophys
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » Mo. 12. Feb 18 13:43

Zwischen Spätherbst 1946 und dem Zenit der Mitarbeiterentwicklung im Objekt 4 mit seinen ca. 19.000 Mitarbeitern traten natürlich auch soziale Randeffekte auf, wie zum Beispiel die Versorgung dieser Menschen. Gaststätten wurden kurzerhand zu Betriebsküchen (z.B. "Einkehr" in Cunersdorf, "Waldschlösschen" in Buchholz und "Hammerschenke" in Frohnau u.e.m.) zur Verköstigung, Bäcker- und Fleischereinen erhielten einen rießen Zulauf und Handgemenge bei den Wartenden waren keine Seltenheit.

In der Facebookgruppe "Annaberg gestern und heute" entdeckte ich diese Fotos einer Zusammenstellung von Verkäufen eines Annaberger Bergarbeiter-Magazins für Industriewaren. Ich nahm Kontakt auf und bekam die Genehmigung, diese hier zeigen zu dürfen.

Das Magazin sollte die Sonderversorgung mit Industriegütern und anderem Sperrigem sicher stellen. Dieses war Teil Belohungssystems der SAG Wismut in jenen Jahren und werte den Bergmannsberuf enorm auf. Der Bergmann kam an Produkte, die dem Normal-Annaberger nur schwer zugänglich waren.
Kassenjounal-Mag-Obj4-Dez1948_0.jpg
Deckblatt - Zusammenstellung Verkäufe Textilien im Dezember 1948,
Bildquelle: Archiv Lucas Lerchenhübel - Annaberg-Buchholz - Mit freundlicher Genehmigung
Kassenjounal-Mag-Obj4-Dez1948_1.jpg
Zusammenstellung Verkäufe Geschirr und Spielzeuge
Bildquelle: Archiv Lucas Lerchenhübel - Annaberg-Buchholz - Mit freundlicher Genehmigung

Notiz des Verfassers: 378565 / 120220181402
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » So. 18. Feb 18 16:53

Ein Besuch bei den Kollegen von www.unbekannter-bergbau.de brachte interessante Fotos zum Sanierungsgeschehen Bärenstein/Niederschlag zu tage. Eine echt gute Dokumentation mit Alt- und Neufotos der dortigen Schachtanlagen, aussagefähige Grafiken und ausreichend Erklärung drumherum :top:

Einmal hätte ich eine Bildunterschrift mit Blick auf zwei Kegelhalden, welche er dem Schacht 34 zuordnete, zu ergänzen.

Ich wüsste nicht, dass die Schachtverwaltung 34 (34,34bis,189) außer seinen Tafelhalden weitere gehabt hätte.
Meines Wissens entstanden die über eine Grubenbahn genährt aus den Stolln 214 bis 217.

Nachgelesen fand ich das in der Wismut-Chronik Kapitel 2.2.7 Seite 18:

Zitat: "Im Schachtgebiet Hammer bestanden aber auf Dauer bei der Stollnauffahrung Probleme in der Ablagerung der Berge. Die Stolln 214 bis 217 lagen alle auf einem Niveau. Zunächst wurden die Berge zur Straße B 95 abgekippt und ein Damm aufgeschüttet. Als kein Platz mehr zur Verfügung stand, wurde eine 3 km lange Grubenbahn vom Stolln 214 bis zum Schacht 34 gebaut und die Berge auf die vorhandene Terrakonik gefahren. Die Strecke war mit Oberleitung versehen. Eine Fahrdrahtlokzog 24 Hunte á 0,63 m3. An der Terrakonik befand sich eine Kreiselwipperanlage, mit der gleichzeitig sechs Hunte entleert werden konnten. Diese Bahn war von 1951 bis 1953 in Betrieb."

Mit dem vorher zu findenden Luftbild verglichen, klingt das plausibel.
Vielleicht liest das der Autor des tollen Beitrages.

http://www.unbekannter-bergbau.de/inhal ... hmatal.htm
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von Ruhrbergbau » Mi. 28. Feb 18 16:33

Die Homepage www.unbekannter-bergbau.de ist wirklich gut gemacht und bittet jede Menge an Informationen. Ich werde die Homepage öfters besuchen, obwohl es nicht mein Revier ist. :top: :top: :top:

Glück Auf an die Autoren aus Sachsen

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geophys
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » Mi. 28. Feb 18 19:52

In der Tat :)
Ist immer einen Besuch wert und natürlich kennt man sich auch von hier :cool:
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von sehmataler » Mo. 12. Mär 18 14:17

Auf die Frage, die vor einigen Jahren im Forum gestellt wurde, ob der Schacht 281 in Hammerunterwiesenthal ein Stahlfördergerüst hatte, bekam ich heute von einem Zeitzeugen eine Antwort.
viewtopic.php?t=3524&start=900#p110308
Der heute 72-jährige aus Kretscham-Rothensehma erzählte, dass sie als Jungs zum Ende der Bärensteiner Spatgruben um 1960 auf dem stählernen Fördergerüst bis zu den Seilscheiben hochgeklettert sind. Leider scheint es bis auf die Darstellung von Manuwald keine Fotos des Fördergerüstes zu geben.
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » Di. 03. Apr 18 5:07

"Gint, kumm ner mol vier. Mei Maschin haut immer nen Schitz naus"

Mit diesem Anruf bat der Maschinist von Blindschacht 1 den Förderelektriker am Montagmorgen vor der ersten Seilfahrt zu sich. Er war etwas nervös. Gleich kommt der erste Zug und die Kumpel wollen an ihre Betriebspunkte.

Günter lief also angenervt den Weg dahin. Blindschacht 2 war ja noch in der Teufe und eigentlich bräuchte man ihn hier.
Als er den Maschinenraum erreichte, die Maschine selbst sacht anfuhr, staunte er nicht schlecht, dass das Seil sich einen Meter nach unten bewegte und andersherum dann wieder spannte. So was hatte er noch nicht gesehen.

"Warte, ich gehe ans Füllort, was ist das nur, verdammte Sch..."
Das Füllort erreichend sah der schon die 5 trümige Luttentour, welche eigentlich in Blech ausgeführt in den Schacht ging und nun vollkommen deformiert war.

Wenig später befuhr er mit der sogenannten Notfahrung und einem Schlosser den Blindschacht im Notfahrungstrum. Nach wenigen Minuten stellten sie dank ihrer Kopflampe fest, dass sie keinen Ausbau und keine Spurlatten mehr sahen und zogen in Panik das Aufholensignal für den Maschinisten, der auf dieses auch sofort reagierte und den Korb aufholte.

Der Schacht war am Sonntag eingebrochen. Gott sei es gedankt. Wochentags oder bei der Seilfahrt wäre es zur Katastrophe mit sicherlich Opfern gekommen.

So erlebt und wieder gegeben von meinem Vater. Die Grube gehörte zum damaligen Objekt 9, dem späteren Bergbaubetrieb 9 der SDAG Wismut.

Um keine Gerüchte zu streuen, dieser Blindschacht gehörte nicht zum Objekt 4 in Annaberg.
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von Mannl » Di. 03. Apr 18 8:56

Es gibt viele dieser Geschichten. Leider wohl oft für immer verloren ....
Ehre dem Bergmann, dem braven Mann !
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von Finstergrundbergbau » Di. 03. Apr 18 9:12

Liest sich wie ein Roman....

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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » Di. 03. Apr 18 10:00

Ja, naja, Roman vielleicht nicht. Aber Zeitzeugen werden weniger und oft vergisst jemand sich Notizen zu machen. Welche aus dem Annaberger Raum zu bekommen, die in den Objekten 4/7/111 und schlußendlich 1 gearbeitet haben, gelingt kaum noch. Auch dieser Zeitzeuge war in seiner Jugend als Hochspannungelektriker hier unterwegs. Ich habe mir vorgenommen, seine Erinnerungen, wenn es passt hier zu veröffentlichen. Literarische Werke gibt es. Vorallem Mario Kaden hat sich darum verdient gemacht und wir zitierten desöftern daraus.
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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von Finstergrundbergbau » Mi. 04. Apr 18 22:04

Finstergrundbergbau hat geschrieben:
Di. 03. Apr 18 9:12
Liest sich wie ein Roman....
Naja... ok spannend liest es sich auf jedenfall!
Was war die Ursache für den Einbruch des Schachts? Standfestigkeit des Gebirges? Ausbau unzureichend? Gibt ja viele Ursachen für so ein Unglück.
Gab es vom Zeitzeugen eine Erklärung dazu? Wurde der Schacht wieder fahrbar gemacht? Wenn die Schachtzimmerung und Spurlatten gefehlt haben: Gab es kein Problem nach Notsignal, dass der Korb ungehindert hochgezogen werden konnten?

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Re: Wismut - Bergbau in und um Annaberg - Buchholz

Beitrag von geophys » Do. 05. Apr 18 10:33

Trockenfäule und die Art und Weise der Befestigung der Luttentouren könnten die Ursachen gewesen sein. Das ist aber subjektives Empfinden des Zeitzeugen. Ich kenne keine weiterführenden Berichte dazu. Wir können aber davon ausgehen, dass derartige Unglücke bzw. hier eher eine Havarie mit Tragweite eingehend untersucht wurden.

Mir ist bekannt, dass die Bergleute in andere Grubenbereiche umgesetzt wurden und der Blindschacht aufwendig rekonstruiert werden musste.

Das Gestell wurde vorm Erreichen des havarierten Ausbaus des Schachtes hochgezogen. Meines Wissens fuhr man bei einer Notfahrung sehr langsam (0,8 Meter/Sekunde). Ich denke, ohne Zimmerung und Spurlatten hätte sich der Korb beim Aufholen verkeilt. Der Zeitzeuge erwähnte, dass er auf der unteren Ebene stand und das die größte Angst darin bestand, das genau das passiert.
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